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Kultur

Straussgras-Arten

Agrostis sp.
AGSSS

Die Gattung der Straußgräser (Agrostis sp., EPPO-Code: AGSSS) umfasst ausdauernde, feinblättrige Süßgräser, die in Mitteleuropa sowohl für die Anlage von hochwertigen Rasenflächen (insbesondere Golfgrüns) als auch im landwirtschaftlichen Zwischenfruchtanbau und der Futtergewinnung auf Grenzertragsböden eine wichtige Rolle spielen. Zu den am häufigsten kultivierten Arten gehören das Rote Straußgras (Agrostis capillaris) und das Flecht-Straußgras (Agrostis stolonifera). Aufgrund ihrer extremen Belastbarkeit, Ausläuferbildung und der hervorragenden Tiefschnittverträglichkeit sind diese Kulturen im professionellen Rasenbau unverzichtbar.

Im professionellen Vermehrungsanbau (Samenbau) stellt die Kultur besondere Anforderungen an die Unkrautbekämpfung und Erntetechnik. Da die Samen extrem klein und leicht sind (Tausendkorngewicht oft unter 0,1 g), erfordert die Etablierung ein feinkrümeliges, gut rückverfestigtes Saatbett. Ein kritischer Faktor im Samenbau ist die Konkurrenz durch andere Ungräser, insbesondere den Gemeinen Windhalm (Apera spica-venti), der die Reinheit des Ernteguts stark gefährdet und im Rahmen des integrierten Pflanzenschutzes konsequent reguliert werden muss.

Aussaat-/Pflanzzeitraum
März bis April oder August bis September
Erntefenster
Juli bis August
Reihenabstand
12–25 cm
Typischer Ertrag
150–350 kg/ha (Samenertrag)
Wärmesumme (GDD)
1650 °C
Boden-pH
5,5–6,5

Bodenmanagement

Für eine erfolgreiche Etablierung der Kultur ist ein feinkrümeliges, abgesetztes und unkrautfreies Saatbett zwingend erforderlich, da das extrem feine Saatgut flach abgelegt werden muss. Die Bodenbearbeitung sollte frühzeitig erfolgen, um eine ausreichende Kapillarwirkung für die Keimung zu gewährleisten. Straußgräser bevorzugen mäßig feuchte, gut durchlässige Böden und tolerieren auch saure Standorte mit einem pH-Wert bis zu 5,5. Eine ausgewogene Stickstoffdüngung ist im Samenbau sorgfältig zu steuern, um Lagerbildung zu vermeiden und gleichzeitig eine kräftige Bestockung zu fördern. Nach der Ernte ist ein mechanisches Stoppelmanagement oder ein vorsichtiges Abschlegeln ratsam, um die Bestandesdichte für das Folgejahr zu regulieren.

Schaderreger-Management

Im Pflanzenschutz der Kultur stehen die Bekämpfung von Schadpilzen und die Regulierung von konkurrierenden Ungräsern im Vordergrund. Zu den bedeutendsten pilzlichen Schaderregern gehören der Schneeschimmel (Microdochium nivale), Rotfaden (Laetisaria fuciformis) und die Dollarspot-Krankheit (Clarireedia homoeocarpa), welche vor allem bei feucht-warmer Witterung den Bestand schädigen. Der Einsatz von zugelassenen Pflanzenschutzmitteln muss präventiv oder bei ersten Symptomen erfolgen, um Ertrags- und Qualitätsverluste im Samenbau zu verhindern. Ein besonderes Augenmerk liegt auf der Bekämpfung von Windhalm (Apera spica-venti) und anderen Fremdgräsern mittels selektiver Herbizide im Herbst oder zeitigen Frühjahr, da Verunreinigungen im Erntegut die Zertifizierung der Saatgutpartien gefährden.

Sorten

Kromi

Mittelspät

Konstanter Samenertrag von ca. 200–300 kg/ha unter mitteleuropäischen Bedingungen.

Resistent gegen: Rotfaden, Trockenheit

Anfällig für: Schneeschimmel

Sehr ausdauernde Sorte mit feiner Blattstruktur, ideal für Zier- und Gebrauchsrasen sowie den Samenbau.

Highland

Mittel

Zuverlässiger Ertrag im Vermehrungsanbau mit hoher Keimfähigkeit des Saatguts.

Resistent gegen: Kälte, Rost

Anfällig für: Dollarspot

Robuste und anpassungsfähige Sorte, die auch auf nährstoffärmeren und sauren Böden gute Deckung bietet.

Penncross

Früh bis mittel

Anspruchsvoll im Samenbau, liefert bei intensiver Führung mittlere Erträge.

Resistent gegen: Tiefschnitt, Trittbelastung

Anfällig für: Dollarspot, Schneeschimmel

Bildet dichte Stolonen und verträgt extrem tiefen Schnitt. Weltweiter Standard für Golfgrüns.

Cato

Spät

Geringerer Samenertrag, erfordert spezialisierte Erntetechnik aufgrund extrem feiner Samen.

Resistent gegen: Rotfaden

Anfällig für: Trockenstress

Extrem feines Blattbild, bevorzugt feuchtere Standorte und bildet sehr dichte Narben.

Wichtige Schaderreger

Zugelassene Pflanzenschutzmittel

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Häufige Fragen

Wie unterscheidet sich die Herbizidstrategie bei Straußgras-Arten im Vergleich zu Weidelgras im Samenbau?

Straußgräser reagieren deutlich empfindlicher auf viele gängige Gräserherbizide. Während Weidelgräser breitere Zulassungen besitzen, müssen im Straußgras-Samenbau selektive Wirkstoffe im Vorauflauf oder frühen Nachauflauf (BBCH-Stadium 11 bis 13) exakt dosiert werden, um irreversible Phytotoxizität und Bestandesausdünnungen zu vermeiden.

Welche Rolle spielt das BBCH-Stadium für den optimalen Erntezeitpunkt im Samenbau?

Der optimale Erntezeitpunkt liegt in der späten Teigreife (BBCH 87 bis 89). Da Straußgräser zur ungleichmäßigen Abreife und zum vorzeitigen Ausfall der Samen neigen, wird häufig ein zweiphasiges Ernteverfahren angewendet: Das Mähen auf Schwad erfolgt bei BBCH 83–85, gefolgt vom eigentlichen Drusch nach einigen Tagen der Feldtrocknung.

Wie kann die Einschleppung von Windhalm (Apera spica-venti) in Vermehrungsbeständen verhindert werden?

Neben einer sauberen Vorfrucht (bevorzugt zweikeimblättrige Kulturen) ist der Einsatz von mechanischer Unkrautbekämpfung im Vorfeld und der gezielte Einsatz von Bodenherbiziden im Herbst entscheidend. Da Windhalmsamen eine ähnliche Größe wie Straußgrassamen haben, ist eine nachträgliche Reinigung im Aufbereitungsbetrieb extrem schwierig und führt zu hohen Reinigungsverlusten.

Welche pflanzenbaulichen Maßnahmen reduzieren das Risiko von Dollarspot (Clarireedia homoeocarpa)?

Eine ausgewogene Stickstoffversorgung im Sommer, die Vermeidung von Staunässe durch Aerifizieren und Besanden sowie das Mähen in den frühen Morgenstunden zur Reduzierung der Blattfeuchte sind hochwirksame mechanisch-kulturelle Maßnahmen gegen diesen Schaderreger, die den Einsatz chemischer Pflanzenschutzmittel minimieren.

Wie finde ich aktuell zugelassene Pflanzenschutzmittel gegen Schaderreger in Straußgras-Kulturen auf agronomy.farmable.tech?

Nutzen Sie die Suchfunktion im Hub und filtern Sie gezielt nach der Kultur „Straußgras“ (oder der spezifischen Art) und dem gewünschten Schaderreger. Das System listet Ihnen alle aktuell für diese Indikation beim Bundesamt für Verbraucherschutz und Lebensmittelsicherheit (BVL) registrierten Pflanzenschutzmittel inklusive Aufwandmengen, Anwendungsbestimmungen und Wartezeiten auf.