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Kultur

Süßkartoffel

Ipomoea batatas
IPOBA

Die Süßkartoffel (Ipomoea batatas), im internationalen Handelsverkehr auch unter dem EPPO-Code `IPOBA` geführt, hat sich in den letzten Jahren von einer reinen Importware zu einer vielversprechenden Nischenkultur im mitteleuropäischen Erwerbsanbau entwickelt. Als windenartiges Windengewächs stellt die Kultur hohe Ansprüche an die Bodentemperatur und die Frostfreiheit. Da sie keine echten Knollen wie die Kartoffel, sondern verdickte Speicherwurzeln bildet, unterscheidet sich ihre Physiologie und Kulturführung grundlegend vom klassischen Kartoffelanbau.

Der Anbau in Deutschland erfolgt überwiegend über vorgezogene Jungpflanzen (Stecklinge), da eine Direktsaat unter den hiesigen klimatischen Bedingungen nicht wirtschaftlich ist. Die Kultur benötigt für eine erfolgreiche Ausbildung der Speicherwurzeln eine ausreichend lange, warme Vegetationsperiode. Durch den Einsatz von Dammkultur und biologisch abbaubaren Mulchfolien kann die Bodenerwärmung im Frühjahr signifikant beschleunigt werden, was den Ertrag und die Qualitäten der geernteten Knollen stabilisiert.

Aussaat-/Pflanzzeitraum
Mitte Mai bis Anfang Juni (nach den Eisheiligen)
Erntefenster
September bis Oktober, vor den ersten Nachtfrösten
Reihenabstand
75–100 cm Reihenabstand, 30–35 cm in der Reihe
Typischer Ertrag
15–25 t/ha
Wärmesumme (GDD)
2000
Boden-pH
5,5–6,5

Bodenmanagement

Die Kultur bevorzugt gut durchlüftete, sandige bis sandig-lehmige Böden, die sich im Frühjahr rasch erwärmen und keine Neigung zu Staunässe zeigen. Schwere Böden führen zu deformierten Speicherwurzeln und erschweren die mechanische Ernte erheblich. Die Etablierung erfolgt idealerweise auf geformten Dämmen, ähnlich wie bei der Kartoffel, um das Bodenvolumen zu erwärmen und den Wasserabzug zu verbessern. Eine moderate Stickstoffdüngung von etwa 80 bis 100 kg N/ha ist meist ausreichend, da ein Übermaß an Stickstoff das Krautwachstum auf Kosten der Knollenentwicklung fördert. Eine gleichmäßige Kaliumversorgung ist für die Stärkeeinlagerung und die Lagerfähigkeit der Speicherwurzeln von entscheidender Bedeutung.

Schaderreger-Management

Aufgrund des relativ neuen Anbaus in Mitteleuropa ist der Druck durch spezifische Schaderreger im Vergleich zu etablierten Kulturen noch moderat. Dennoch können bodenbürtige Schädlinge wie Drahtwürmer und Engerlinge erhebliche Fraßschäden an den Speicherwurzeln verursachen, was die Vermarktungsfähigkeit mindert. Gegen pilzliche Schaderreger wie Fusarium oder Sclerotinia hilft vor allem eine weite Fruchtfolge und die konsequente Vermeidung von Staunässe. Da für diese Kultur in Deutschland nur wenige chemische Pflanzenschutzmittel offiziell zugelassen sind, steht die mechanische Unkrautregulierung in der Jugendentwicklung im Vordergrund. Nach dem Reihenschluss unterdrückt das üppige Kraut der Kultur aufkommende Unkräuter meist selbstständig.

Sorten

Beauregard

mittelfrüh

Sehr ertragsstabil, liefert gleichmäßige, spindelförmige Knollen mit orangefarbenem Fleisch.

Resistent gegen: Fusarium-Welke, Wurzelgallen-Nematoden

Anfällig für: Kälte, Drahtwurm

Der weltweite und europäische Standard im Erwerbsanbau mit hervorragenden Lagereigenschaften.

Orleans

früh bis mittelfrüh

Sehr hoher Ertrag an optisch ansprechenden Marktware-Knollen.

Resistent gegen: Fusarium-Welke

Anfällig für: Staunässe

Eine Weiterentwicklung von 'Beauregard' mit etwas früherem Ertragsoptimum und gleichmäßigerer Form.

Bonita

mittelfrüh

Gute, konstante Erträge, neigt jedoch bei Überreife zu sehr großen Knollen.

Resistent gegen: Fusarium-Welke, Wurzelgallen-Nematoden

Anfällig für: Schorf, Kälte

Weißfleischige Sorte mit hellgelber Schale und hohem Trockensubstanzgehalt, ideal für die Verarbeitung.

Erato Orange

früh

Zuverlässiger Ertrag auch unter kühleren mitteleuropäischen Bedingungen.

Anfällig für: Drahtwurm

Speziell für den mitteleuropäischen Markt selektierte Sorte mit rascher Jugendentwicklung.

Zugelassene Pflanzenschutzmittel

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Häufige Fragen

Wie wird die thermische Absicherung der Kultur im mitteleuropäischen Frühjahr gewährleistet?

Da die Kultur extrem frostempfindlich ist und Bodentemperaturen unter 10 °C das Wachstum blockieren, hat sich das Auspflanzen auf Dämmen bewährt, die mit schwarzer Mulchfolie abgedeckt sind. Dies erhöht die Bodentemperatur um mehrere Grad Celsius und beschleunigt das Anwachsen der Stecklinge im kritischen BBCH-Stadium 1.

Welche Rolle spielt das sogenannte "Curing" nach der Ernte und wie wird es durchgeführt?

Das Curing ist ein essenzieller Nachernteprozess zur Wundheilung und Zuckerbildung. Die geernteten Knollen werden für 4 bis 7 Tage bei 28–30 °C und einer relativen Luftfeuchtigkeit von 85–90 % gelagert. Dadurch heilen Ernteverletzungen ab, die Schale verholzt und die Lagerfähigkeit wird drastisch erhöht.

Wie finde ich zugelassene Pflanzenschutzmittel für Süßkartoffeln in Deutschland?

Da Süßkartoffeln rechtlich oft als Wurzelgemüse eingestuft sind, sind nur wenige Pflanzenschutzmittel direkt registriert. Nutzen Sie die Datenbank des Bundesamtes für Verbraucherschutz und Lebensmittelsicherheit (BVL) oder das entsprechende Modul auf agronomy.farmable.tech, um gezielt nach Indikationszulassungen und Notfallzulassungen für diese Kultur zu filtern.

Ab welchem BBCH-Stadium ist die Bewässerung für den Ertrag am kritischsten?

Die kritischste Phase für die Wasserversorgung liegt zwischen den BBCH-Stadien 3 (Bestandesschluss) und 4 (Beginn der Knollenbildung), meist etwa 40 bis 60 Tage nach dem Auspflanzen. Wassermangel in dieser Phase reduziert die Anzahl der angesetzten Speicherwurzeln drastisch.

Warum ist eine späte Stickstoffgabe im Sommer für diese Kultur kontraproduktiv?

Eine späte Stickstoffdüngung ab Mitte Juli regt das vegetative Wachstum der Triebe erneut stark an. Dies geschieht zulasten der Assimilateeinlagerung in die Speicherwurzeln, verzögert die Abreife und führt zu wässrigen Knollen mit mangelhafter Lagerfähigkeit.