Tagetes erecta
Tagetes erecta (EPPO-Code: TAGER), im deutschsprachigen Raum meist als Aufrechte Sammetblume bezeichnet, gewinnt in der professionellen Landwirtschaft und im Gartenbau zunehmend an Bedeutung. Neben der klassischen Nutzung als Zierpflanze und zur Gewinnung von Naturfarbstoffen (Lutein) wird diese Kultur vor allem als hocheffektive Gesundungskultur zur biologischen Nematodenbekämpfung eingesetzt. Durch die aktive Ausscheidung von bithienylischen Verbindungen in den Wurzeln wirkt sie hervorragend gegen schädliche freilebende Nematoden, was sie zu einem wertvollen Glied in engen Fruchtfolgen macht.
Die Kultur stellt mittlere bis hohe Ansprüche an Wärme und Licht, weshalb der Anbau in Mitteleuropa vor allem in den warmen Sommermonaten stattfindet. Dank ihrer tiefreichenden, intensiv verzweigten Wurzelstruktur trägt Tagetes erecta zudem erheblich zur Verbesserung der Bodenstruktur und zur Humusbildung bei. Für einen erfolgreichen Anbau sind eine präzise Unkrautregulierung in der Jugendphase sowie eine angepasste Nährstoffversorgung entscheidend, um eine vitale Bestandsentwicklung und maximale Wurzelmasse zu garantieren.
Bodenmanagement
Für den Anbau von Tagetes erecta eignen sich humose, gut durchlässige Sand- und Lehmböden mit einer ausgeglichenen Wasserführung. Da die Kultur sehr empfindlich auf Staunässe und Bodenverdichtung reagiert, solltest du vor der Aussaat eine tiefe, lockere Bodenstruktur schaffen. Ein feinkrümeliges Saatbett ist für den feinen Samen essenziell, um einen gleichmäßigen Feldaufgang zu sichern. Die Grunddüngung sollte sich am Nährstoffentzug orientieren, wobei eine moderate Stickstoffgabe von 60–80 kg N/ha meist ausreicht, um ein übermäßiges vegetatives Wachstum zulasten der Standfestigkeit zu verhindern. Eine ausreichende Versorgung mit Kalium fördert zudem die Standfestigkeit und die Widerstandskraft gegen herbstliche Trockenperioden.
Schaderreger-Management
In der Jugendphase ist die Kultur besonders empfindlich gegenüber Schneckenfraß, weshalb du die Bestände direkt nach dem Auflaufen engmaschig kontrollieren musst. Gegen auflaufende Unkräuter wie das Einjährige Rispengras (Poa annua) ist eine mechanische Unkrautregulierung durch Hacken im frühen BBCH-Stadium besonders wirksam, da chemische Pflanzenschutzmittel für diese Nischenkultur nur sehr eingeschränkt zugelassen sind. Bei feucht-warmer Witterung können Pilzerkrankungen wie Grauschimmel (Botrytis cinerea) oder Echter Mehltau auftreten, die den Bestand schwächen. Achte auf eine weite Fruchtfolge und vermeide zu dichte Bestände, um das Mikroklima trocken zu halten und Infektionen vorzubeugen. Falls Schaderreger die Schadschwelle überschreiten, solltest du gezielt nach aktuell zugelassenen Notfallzulassungen oder spezifischen Pflanzenschutzmitteln in der Datenbank suchen.
Sorten
Zitronenprinz
mittelfrühHoher Blütenertrag bei gleichmäßigem Erntefenster
Anfällig für: Schneckenfraß, Grauschimmel
Beliebte, standfeste Sorte mit leuchtend zitronengelben Blütenköpfen, die sich hervorragend für den Schnitt und die Luteingewinnung eignet.
Goldlicht
mittelspätSehr hohe Frischmasseerträge von bis zu 30 t/ha
Anfällig für: Staunässe, Echter Mehltau
Wüchsige Sorte mit tiefgelben bis orangefarbenen Blüten, die eine hohe Biomasseleistung aufweist und stark verzweigt.
Crackerjack
mittelfrühGute Allround-Leistung im Feldanbau
Resistent gegen: Trockenheit
Anfällig für: Schneckenfraß, Sturmschäden
Robuste, großblumige Sorte, die sich durch eine schnelle Jugendentwicklung auszeichnet und rasch den Boden beschattet.
Kupferprinz
frühKonstanter Ertrag auch auf leichteren Standorten
Resistent gegen: Windbruch
Anfällig für: Grauschimmel
Kompaktere Sorte mit dunkelorangefarbenen Blüten, die sich durch eine gute Standfestigkeit auch bei windigem Wetter auszeichnet.
Wichtige Schaderreger
Zugelassene Pflanzenschutzmittel
Häufige Fragen
Wie genau bekämpft die Kultur Nematoden im Boden?
Die Wurzeln von Tagetes erecta scheiden unter Lichteinfluss und bei Verletzung durch Nematoden natürliche bithienylische Verbindungen aus. Diese Stoffe wirken als hochwirksames Endoparasitizid. Wenn freilebende Nematoden (insbesondere Pratylenchus penetrans) in die Wurzel eindringen, werden diese Toxine aktiviert und töten die Schaderreger direkt ab, was die Population im Boden drastisch und nachhaltig senkt.
Wann und wie solltest du die Kultur zur Gründüngung einarbeiten?
Der optimale Zeitpunkt liegt vor dem ersten starken Frost, meist im späten Herbst, wenn die Kultur ihre maximale Biomasse erreicht hat. Du solltest den Bestand zuerst mit einem Mulcher gründlich zerkleinern und das Material anschließend flach (ca. 5–10 cm tief) in den Boden einarbeiten. Dies fördert die Humusbildung, aktiviert das Bodenleben und bereitet das Feld optimal auf die Folgefrucht vor.
Welche mechanischen Maßnahmen eignen sich am besten zur Unkrautregulierung?
Da chemische Pflanzenschutzmittel für diese Kultur im Freiland kaum zugelassen sind, solltest du auf ein falsches Saatbett, Blindstriegeln vor dem Auflaufen und anschließendes präzises Hacken zwischen den Reihen setzen. Sobald die Kultur das BBCH-Stadium 3 (Längenwachstum) erreicht hat, schließt sich der Bestand rasch und unterdrückt Unkräuter wie das Einjährige Rispengras auf natürliche Weise.
Wo findest du zugelassene Pflanzenschutzmittel für diese Kultur?
Da Tagetes erecta oft als Sonderkultur oder im Rahmen von Lückenindikationen (Artikel 51 VO (EG) 1107/2009) behandelt wird, solltest du direkt in unserer Pflanzenschutzmittel-Datenbank nach aktuellen Notfallzulassungen filtern oder die offiziellen BVL-Listen einsehen, um rechtssichere Anwendungen für deinen Betrieb zu planen.
In welchen Fruchtfolgen ist der Anbau besonders wirtschaftlich?
Der Anbau lohnt sich besonders vor nematodenempfindlichen Kulturen wie Kartoffeln, Erdbeeren, Möhren oder verschiedenen Baumschulgehölzen. Durch die biologische Gesundungswirkung des Bodens kannst du Ertragsverluste in der Folgekultur minimieren und den Einsatz von teuren chemischen Bodenentseuchungsmitteln komplett einsparen.
Wie reagiert die Kultur auf späte Frühjahrsfröste?
Tagetes erecta ist extrem frostempfindlich und toleriert keine Temperaturen unter dem Gefrierpunkt. Wenn du zu früh aussäst und Spätfröste auftreten, droht der Totalausfall des Keimlingsbestands. Warte daher mit der Aussaat unbedingt ab, bis sich der Boden dauerhaft auf über 10 °C erwärmt hat und keine Nachtfröste mehr zu erwarten sind.