Einjähriges Rispengras
Das Einjährige Rispengras (Poa annua, EPPO-Code: `POAAN`) ist eines der weltweit am weitesten verbreiteten und wirtschaftlich bedeutendsten Ungräser im Acker-, Gemüse- und Grünlandbau sowie im Zierrasen. Als extrem anpassungsfähiger Schaderreger besiedelt es nahezu alle Bodentypen, bevorzugt jedoch stickstoffreiche, feuchte und verdichtete Standorte.
Im Ackerbau tritt Poa annua besonders stark in Winterkulturen wie Winterweizen, Wintergerste und Winterraps sowie in Hackfrüchten wie Zuckerrüben und Kartoffeln auf. Durch seine enorme Konkurrenzkraft im frühen Entwicklungsstadium der Kulturen kann es erhebliche Ertrags- und Qualitätsverluste verursachen. Zudem erschwert der dichte Teppich, den das Gras bildet, die Ernte und fördert ein feuchtes Mikroklima im Pflanzenbestand, was wiederum Pilzinfektionen begünstigt.
Biologie / Lebenszyklus
Poa annua ist ein therophytisches, seltener ausdauerndes Gras, das sich fast ausschließlich über Samen vermehrt und das ganze Jahr über keimen kann, sobald die Bodentemperatur über 2–5 °C liegt. Nach einer sehr kurzen Vegetationsphase von nur wenigen Wochen beginnt bereits die Blüte und anschließende Samenbildung, wodurch mehrere Generationen pro Jahr entstehen können. Ein einzelnes Pflänzchen kann unter optimalen Bedingungen bis zu 2.100 Samen produzieren, die im Boden eine Lebensdauer von mehreren Jahren aufweisen. Die Verbreitung der Samen erfolgt vor allem durch Wind, Wasser, landwirtschaftliche Maschinen und Tiere, was zu einer raschen Etablierung auf offenen Bodenstellen führt.
Bonitur
Die Überwachung von Poa annua erfolgt durch regelmäßige Feldbegehungen, insbesondere im frühen Herbst nach der Saat von Winterkulturen sowie im zeitigen Frühjahr. Da das Ungras bereits bei niedrigen Temperaturen keimt, liegt der Fokus auf dem Zeitraum zwischen dem Auflaufen der Kultur und dem Erreichen des BBCH-Stadiums 13 bis 21 (3-Blatt-Stadium bis Bestockungsbeginn). Eine feste wirtschaftliche Schadensschwelle existiert meist nicht, jedoch wird eine Behandlung ab einer Dichte von etwa 10–15 Pflanzen/m² in Wintergetreide empfohlen, um Ertragseinbußen und eine unkontrollierte Samenbildung für die Folgekulturen zu verhindern.
Integriertes Management
Ein integriertes Management von Poa annua setzt auf eine Kombination aus pflanzenbaulichen und chemischen Maßnahmen. Vorbeugend wirken eine weite Fruchtfolge, die Vermeidung von Bodenverdichtungen, eine gezielte Stoppelbearbeitung zur Keimanregung (falsches Saatbett) sowie eine dichte, konkurrenzstarke Etablierung der Kulturen. Chemische Pflanzenschutzmittel sollten gezielt im Vorauflauf oder frühen Nachauflauf eingesetzt werden, wenn die Pflanzen noch empfindlich sind. Um der zunehmenden Resistenzbildung (insbesondere gegen HRAC-Gruppe 1/A und 2/B) entgegenzuwirken, ist ein konsequenter Wirkstoffwechsel über verschiedene HRAC-Klassen (z. B. Einbeziehung von Bodenherbiziden der Gruppen 15/K3 oder 5/C1) sowie die Einhaltung der empfohlenen Aufwandmenge zwingend erforderlich.
Wirtspflanzen
Zugelassene Pflanzenschutzmittel
Häufige Fragen
Warum ist die Bekämpfung von Poa annua im Vorauflauf meist effektiver als im Nachauflauf?
Im Vorauflauf und frühen Nachauflauf (BBCH 10–12 des Ungrases) reagiert Poa annua besonders empfindlich auf Bodenherbizide. Sobald das Gras die Bestockung erreicht hat, schützt es sich durch eine dichte Bestockungszone und eine ausgeprägte Wachsschicht, wodurch viele blattaktive Pflanzenschutzmittel an Wirkung verlieren.
Welche Rolle spielt die Bodenverdichtung bei der Ausbreitung dieses Schaderregers?
Poa annua besitzt ein flaches, sehr anpassungsfähiges Wurzelsystem und toleriert sauerstoffarme, verdichtete Böden deutlich besser als die meisten Kulturen. Auf Fahrgassen oder verdichteten Vorgewenden findet es daher ideale Wachstumsbedingungen und kaum Konkurrenz vor.
Wie kann ich im Pflanzenschutzmittel-Hub gezielt nach zugelassenen Herbiziden gegen Poa annua suchen?
Nutzen Sie im Hub die Filterfunktion für Schaderreger und wählen Sie „Poa annua“ oder „Einjähriges Rispengras“ aus. Filtern Sie anschließend nach Ihrer spezifischen Kultur und dem gewünschten Anwendungszeitraum (z. B. Herbst oder Frühjahr), um die aktuell zugelassenen Pflanzenschutzmittel inklusive ihrer Auflagen einzusehen.
Wie lässt sich eine Resistenz von Poa annua gegen ALS-Hemmer (HRAC-Gruppe 2) im Feld erkennen und verhindern?
Ein Indiz für eine Resistenz ist das Überleben einzelner Rispengras-Nester nach einer vorschriftsmäßigen Behandlung mit voller Aufwandmenge, während andere Unkräuter absterben. Zur Vorbeugung müssen ALS-Hemmer zwingend mit Bodenherbiziden anderer HRAC-Klassen (z. B. Flufenacet oder Pendimethalin) kombiniert oder im Wechsel angewendet werden.
Welchen Einfluss hat die Schnitthöhe oder Bodenbearbeitung auf den Samenvorrat im Boden?
Da die Samen von Poa annua Lichtkeimer sind, fördert eine flache Bodenbearbeitung das Auflaufen, was im Rahmen eines „falschen Saatbetts“ zur Dezimierung des Samenvorrats genutzt werden kann. Eine tiefe Wendung (Pflug) vergräbt die Samen zwar, konserviert sie jedoch im Boden, wo sie bei späterem Heraufpflügen wieder keimfähig sind.
Kann Poa annua auch im Winter wachsen und Schäden anrichten?
Ja, Poa annua ist extrem frosttolerant und setzt sein Wachstum sowie die Nährstoffaufnahme bereits bei Temperaturen knapp über dem Gefrierpunkt fort. In milden Wintern konkurriert es daher kontinuierlich mit den Winterkulturen um Raum und Nährstoffe.