Weihnachtsstern
Der Weihnachtsstern (Euphorbia pulcherrima, EPPO-Code: `EPHPU`), auch als Adventsstern bekannt, gehört zur Familie der Wolfsmilchgewächse (Euphorbiaceae) und stellt eine der wirtschaftlich bedeutendsten Zierpflanzenkulturen im europäischen Unterglasbau dar. Ursprünglich in Mittelamerika beheimatet, zeichnet sich diese Kultur durch ihre auffälligen, farbigen Hochblätter (Brakteen) aus, die fälschlicherweise oft für Blütenblätter gehalten werden. Die eigentlichen Blüten (Cyathien) sind klein, unscheinbar und sitzen im Zentrum der Blattschöpfe.
Die Produktion im Erwerbsgartenbau ist hochgradig spezialisiert und erfordert eine präzise Steuerung von Temperatur, Bewässerung und Lichtverhältnissen. Da es sich um eine Kurztagspflanze handelt, wird die Blüten- und Brakteeninduktion maßgeblich durch die Tageslänge gesteuert. In der mitteleuropäischen Praxis erfolgt die Kulturführung meist als Topfpflanze in Gewächshäusern, wobei die Stecklingsvermehrung und die anschließende Weiterkultur exakt auf den Absatzmarkt im Spätherbst und Winter abgestimmt sind.
Ein kritischer Erfolgsfaktor im Anbau ist die Regulierung des Wachstums mittels Hemmstoffen sowie eine ausgewogene Nährstoffversorgung, insbesondere mit Stickstoff, Kalium und Calcium, um stabile Stängel und eine intensive Ausfärbung der Brakteen zu gewährleisten. Aufgrund der hohen Empfindlichkeit gegenüber Staunässe und niedrigen Temperaturen im Wurzelbereich erfordert das Substratmanagement höchste Aufmerksamkeit der Betriebsleiter.
Bodenmanagement
Die Kultur von Euphorbia pulcherrima erfolgt im professionellen Zierpflanzenbau fast ausschließlich in torfreduzierten oder torffreien Substraten auf Basis von Weißtorf, Kokosfasern, Holzfasern und Tonmineralen. Das Substrat muss eine hohe Strukturstabilität und Luftkapazität aufweisen, da die Wurzeln extrem empfindlich auf Sauerstoffmangel reagieren. Ein ausgewogener pH-Wert zwischen 5,5 und 6,0 ist essenziell, um Spurenelementmängel, insbesondere von Eisen und Molybdän, zu verhindern. Die Bewässerung erfolgt meist über geschlossene Ebbe-Flut-Systeme, was eine präzise Steuerung der Nährstoffkonzentration (EC-Wert) im Bereich von 1,2 bis 1,8 mS/cm erfordert. Eine ausreichende Calcium-Versorgung während des intensiven Triebwachstums ist entscheidend, um spätere Randnekrosen an den Brakteen zu vermeiden.
Schaderreger-Management
Der integrierte Pflanzenschutz im Weihnachtssternanbau stützt sich stark auf präventive Hygienemaßnahmen und den gezielten Einsatz von Nützlingen. Zu den bedeutendsten Schaderregern im Unterglasanbau gehören die Weiße Fliege (*Bemisia tabaci* und *Trialeurodes vaporariorum*), Thripse sowie Trauermückenlarven im frühen Kulturstadium. Pilzliche Schaderreger wie *Pythium*, *Rhizoctonia solani* (Stängel- und Wurzelfäule) sowie *Botrytis cinerea* (Grauschimmel) an den empfindlichen Brakteen erfordern ein konsequentes Feuchtigkeitsmanagement und eine optimierte Lüftungsführung. Chemische Pflanzenschutzmittel werden idealerweise nur kurativ und unter Berücksichtigung von Resistenzmanagement-Strategien eingesetzt, wobei biologische Präparate auf Basis von *Bacillus amyloliquefaciens* oder nützliche Nematoden zur Trauermückenbekämpfung standardmäßig integriert werden. Regelmäßige Bestandskontrollen und Gelbtafeln sind für das rechtzeitige Erkennen von Schadorregerpopulationen unerlässlich.
Sorten
Prestige Red
Mittelfrüh (Reaktionszeit ca. 8 Wochen)Sehr hoher Anteil an verkaufsfähiger A-Ware durch extrem stabile V-Form der Triebe.
Resistent gegen: Bruchanfälligkeit
Anfällig für: Pythium, Weisse Fliege
Die absolute Referenzsorte im roten Segment mit hervorragender Transportstabilität und kräftigem Wuchs.
Christmas Beauty
Früh (Reaktionszeit ca. 7,5 Wochen)Hervorragend geeignet für dichte Stellweiten auf dem Gewächshaustisch.
Resistent gegen: Kompakter Wuchs
Anfällig für: Botrytis, Molybdänmangel
Kompakter Wuchs, ideal für kleinere Topfgrößen und den frühen Absatz ab Anfang November.
Infinity Red
Mittelfrüh (Reaktionszeit ca. 8 Wochen)Sehr gleichmäßiger Wuchs, minimiert den Sortieraufwand bei der Vermarktung.
Resistent gegen: Wurzelfäule
Anfällig für: Weisse Fliege, Thripse
Sehr dunkles Laub kontrastiert hervorragend mit den intensiv roten Brakteen. Sehr gute Verzweigung.
Mira Red
Mittelfrüh (Reaktionszeit ca. 8 Wochen)Hohe Ertragssicherheit auch bei reduzierten Heiztemperaturen im Spätherbst.
Resistent gegen: Kälteschäden
Anfällig für: Botrytis
Besonders kältetolerante Sorte, die bei Absenktemperaturen von bis zu 15 °C kultiviert werden kann.
Zugelassene Pflanzenschutzmittel
Häufige Fragen
Wie beeinflusst die photoperiodische Steuerung (Verdunkelung) den Blühtermin von Euphorbia pulcherrima?
Als Kurztagspflanze benötigt der Weihnachtsstern für die Blüteninduktion eine tägliche Dunkelphase von mindestens 12 bis 14 Stunden über einen Zeitraum von etwa 8 Wochen. Im professionellen Anbau wird ab Mitte September durch automatische Verdunkelungsanlagen gearbeitet, um den exakten Verkaufszeitpunkt im November und Dezember unabhängig vom natürlichen Tageslichtverlauf präzise zu steuern. Störlicht in der Nacht kann die Blütenbildung verzögern oder komplett verhindern.
Welche Rolle spielt Molybdän bei der Düngung von Weihnachtssternen und wie äußert sich ein Mangel?
Molybdän ist ein kritisches Spurenelement für Euphorbia pulcherrima, das für die Nitratreduktion benötigt wird. Ein Mangel tritt häufig bei niedrigen pH-Werten (unter 5,5) auf und äußert sich durch typische Chlorosen an den Blatträndern der mittleren und oberen Blätter, die sich später nach oben wölben und nekrotisch werden. Zur Vorbeugung sollte der pH-Wert stabil gehalten und bei Bedarf eine Blattdüngung mit Natriummolybdat durchgeführt werden.
Wie lässt sich die gefürchtete Stängel- und Wurzelfäule (Rhizoctonia und Pythium) im Unterglasbau effektiv verhindern?
Die wichtigste Maßnahme ist eine strikte Betriebshygiene, einschließlich der Desinfektion von Stellflächen und Bewässerungsleitungen vor Kulturbeginn. Substrate müssen eine hervorragende Drainagekapazität aufweisen, und Gießintervalle sollten so gesteuert werden, dass das Substrat zwischenzeitlich abtrocknen kann. Unterstützend können biologische Pflanzenstärkungsmittel oder nützliche Bodenpilze direkt beim Eintopfen in das Substrat eingemischt werden.
Warum ist der Einsatz von Wachstumsregulatoren (Hemmstoffen) bei dieser Kultur fast immer notwendig?
Ohne den Einsatz von Hemmstoffen neigen die meisten Weihnachtsstern-Sorten zu einem unkontrollierten Längenwachstum, was zu instabilen Trieben und einer schlechten Transportfähigkeit führt. Durch den gezielten Einsatz von zugelassenen Wachstumsregulatoren im BBCH-Stadium 3 wird ein kompakter, stabiler und gut verzweigter Wuchs gefördert. Die Anwendung muss jedoch exakt auf Sorte, Temperatur und Lichtverhältnisse abgestimmt werden, um eine Überhemmung zu vermeiden.
Wie wirkt sich eine zu späte Stickstoffdüngung auf die Qualität der Brakteen aus?
Eine übermäßige oder zu späte Stickstoffgabe im BBCH-Stadium 7 (Entwicklung der Brakteenfärbung) führt zu einer verminderten Ausfärbung und weichen Hochblättern, die extrem anfällig für mechanische Beschädigungen und Grauschimmel (Botrytis cinerea) sind. Die Stickstoffzufuhr sollte daher ab dem Sichtbarwerden der Knospen (BBCH 5) sukzessive reduziert und das Kalium-Stickstoff-Verhältnis zugunsten von Kalium verschoben werden, um das Gewebe zu festigen.
Wie finde ich im Agronomy-Portal zugelassene Pflanzenschutzmittel gegen die Weiße Fliege bei Weihnachtssternen?
Nutzen Sie die Suchfunktion im Pflanzenschutz-Hub und filtern Sie nach der Kultur 'Zierpflanzen' (da Weihnachtssterne rechtlich dieser Gruppe zugeordnet sind) und dem Schaderreger 'Weiße Fliege'. Achten Sie bei der Auswahl der Präparate besonders auf die Zulassung im Gewächshaus sowie auf eventuelle Anwendungsbestimmungen bezüglich der Phytotoxizität, da Weihnachtssterne in der Phase der Brakteenfärbung extrem empfindlich auf Spritzanwendungen reagieren.