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Kultur

Weihnachtsstern

Euphorbia pulcherrima
EPHPU

Euphorbia pulcherrima (EPPO-Code: EPHPU), im deutschsprachigen Raum meist als Weihnachtsstern oder Adventsstern bekannt, gehört zu den wirtschaftlich bedeutendsten Zierpflanzenkulturen im europäischen Unterglasanbau. Die ursprünglich aus Mittelamerika stammende Kultur zeichnet sich durch ihre auffälligen, farbigen Hochblätter (Brakteen) aus, die fälschlicherweise oft für Blütenblätter gehalten werden. Die eigentlichen Blüten (Cyathien) sind klein und unscheinbar im Zentrum der sternförmig angeordneten Brakteen zu finden.

Die Produktion dieser anspruchsvollen Kurztagspflanze erfordert ein präzises Kulturmanagement, insbesondere bei der Steuerung der Photoperiode und der Temperaturführung. Da die Blüteninduktion erst bei einer Tageslänge von unter 12 Stunden einsetzt, steuerst du den Verkaufszeitpunkt im professionellen Anbau gezielt über Verdunkelungsmaßnahmen oder zusätzliche Belichtung. Eine gleichmäßige Nährstoffversorgung und die Regulierung des Wachstums mittels Hemmstoffen sind für kompakte, verkaufsstarke Qualitäten unerlässlich.

Aussaat-/Pflanzzeitraum
Juni bis August (Eintopfen bewurzelter Stecklinge)
Erntefenster
November bis Dezember
Reihenabstand
20–30 cm (Stellweite im Gewächshaus)
Typischer Ertrag
8–12 verkaufsfähige Töpfe pro m²
Wärmesumme (GDD)
2200–2500 GDD (Basis 0 °C)
Boden-pH
5,5–6,2

Bodenmanagement

Für eine erfolgreiche Kulturführung von Euphorbia pulcherrima verwendest du strukturstabile, gut drainierte Substrate mit einem hohen Luftporenvolumen, um Staunässe konsequent zu vermeiden. Ein ausgewogenes Verhältnis von Torf, Ton und zunehmend torffreien Alternativen wie Holzfasern oder Kokosmark hat sich in der Praxis bewährt. Der pH-Wert des Substrats sollte stabil im leicht sauren Bereich gehalten werden, da es andernfalls schnell zu Eisen- und Manganmangel kommt. Die Düngung erfolgt flüssig über das Gießwasser (Fertigation), wobei du auf eine ammoniumbetonte Ernährung in der vegetativen Phase und eine kaliumbetonte Versorgung zur Ausfärbung achten solltest. Regelmäßige EC-Wert-Messungen des Substrats sichern eine salzschonende Nährstoffzufuhr ab.

Schaderreger-Management

Im integrierten Pflanzenschutz der Kultur stehen die Schaderreger Bemisia tabaci (Tabakmottenschildlaus) und Trialeurodes vaporariorum (Gewächshausmottenschildlaus) im Fokus, die du frühzeitig mit Nützlingen wie Encarsia formosa oder Eretmocerus eremicus regulieren solltest. Gegen bodenbürtige Pilze wie Pythium und Rhizoctonia, die Wurzelfäule verursachen, helfen vorbeugende Hygienemaßnahmen und der Einsatz von nützlichen Bodenpilzen (Trichoderma). Bei feuchter Witterung im Herbst droht zudem Befall durch Botrytis cinerea (Grauschimmel) an den empfindlichen Brakteen, weshalb eine gezielte Klimaführung mit Entfeuchtung essenziell ist. Chemische Pflanzenschutzmittel setzt du nur sehr selektiv ein, um Spritzflecken auf den verkaufsfertigen Hochblättern zu vermeiden.

Sorten

Christmas Beauty

Früh bis mittelfrüh

Hoher Anteil an Premium-Qualität

Anfällig für: Grauschimmel

Sehr beliebte Serie mit exzellenter Verzweigung und aufrechtem Wuchs. Extrem transportsicher.

Premium Red

Mittelfrüh

Sehr hohe Ausbeute an Standardgrößen

Anfällig für: Wurzelfäule, Trauermücken

Der absolute Klassiker für den Hauptverkauf. Kräftiges Rot, dunkles Laub und sehr stabiler V-förmiger Wuchs.

Princettia

Sehr früh

Hervorragend für Mini- und Midi-Formate

Anfällig für: Echter Mehltau

Besondere Serie mit leuchtend rosa und weißen Brakteen, extrem reich verzweigt und kompakt wachsend.

Cortez Red

Mittelfrüh bis spät

Sehr gut für Solitärpflanzen geeignet

Anfällig für: Weiße Fliege

Traditionelle Sorte mit großen, samtig roten Hochblättern. Benötigt eine präzise Wachstumsregulation.

Zugelassene Pflanzenschutzmittel

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Häufige Fragen

Wie steuerst du die kritische Kurztagsphase beim Weihnachtsstern genau?

Um die Blüten- und Brakteeninduktion einzuleiten, benötigt die Kultur mindestens 12 bis 14 Stunden absolute Dunkelheit pro Tag über einen Zeitraum von etwa 7 bis 8 Wochen. Im professionellen Anbau verdunkelst du die Gewächshäuser ab Mitte September täglich ab ca. 17:00 Uhr bis zum nächsten Morgen um 08:00 Uhr, um eine vorzeitige oder ungleichmäßige Ausfärbung zu verhindern.

Warum reagiert die Kultur so empfindlich auf kalte Temperaturen und wie fängst du das ab?

Als tropische Kultur verträgt der Weihnachtsstern keine Temperaturen unter 12 °C, da dies zu partiellem Blattfall, Chlorosen und Wachstumsstopp führt. Du solltest die Kulturtemperatur während der Hauptwachstumsphase bei 18–20 °C halten und erst zur Abhärtung und Ausfärbung im Spätherbst schrittweise auf maximal 15–16 °C absenken.

Welche Rolle spielen Wachstumsregulatoren im modernen Anbau dieser Kultur?

Da moderne Konsumenten kompakte Pflanzen mit stabilen Trieben bevorzugen, ist der Einsatz von Wachstumsregulatoren meist unumgänglich. Du wendest diese vor allem in der Phase des intensivsten Längenwachstums (BBCH-Stadium 31 bis 39) an. Achte darauf, die Anwendungen rechtzeitig vor dem Sichtbarwerden der Hochblätter einzustellen, um deren Endgröße nicht zu reduzieren.

Wie verhinderst du Spritzrückstände von Pflanzenschutzmitteln auf den verkaufsfertigen Brakteen?

Sobald die Hochblätter Farbe zeigen (ab BBCH-Stadium 81), solltest du Spritzanwendungen komplett vermeiden, da Wirkstoffformulierungen hässliche Flecken hinterlassen. Weiche stattdessen auf das Ausbringen von Nützlingen, Verdampfen oder systemische Behandlungen über das Gießwasser aus, um die optische Qualität der Kultur nicht zu gefährden.

Wie erkennst du einen Calciummangel frühzeitig und wie steuerst du dagegen?

Calciummangel äußert sich beim Weihnachtsstern typischerweise durch Nekrosen an den Blatträndern der jüngsten Blätter (sogenannter Randbrenn-Effekt). Da Calcium passiv mit dem Transpirationsstrom transportiert wird, solltest du bei hoher Luftfeuchtigkeit im Gewächshaus für ausreichend Luftbewegung sorgen und gegebenenfalls gezielte Blattspritzungen mit Calciumchlorid in den frühen Morgenstunden durchführen.