Alle Kulturen
Sonstiger Schaderreger

Winterrübsen

turnip rape (winter)
BRSSA

Der Winterrübsen (Brassica rapa, EPPO-Code: BRSSA) ist eine traditionsreiche, extrem winterharte Ölsaat, die besonders in kühleren Lagen, auf leichteren Böden oder bei späten Aussaatterminen eine wertvolle Alternative zum Winterraps darstellt. Als Kultur zeichnet sich der Winterrübsen durch eine sehr rasche Jugendentwicklung im Herbst und eine hervorragende Frosttoleranz aus. Er blüht und reift im Frühjahr deutlich früher ab als Winterraps, was die Ernte entzerrt und Arbeitsspitzen im Sommer bricht.

Aufgrund der kurzen Vegetationszeit und des geringeren Wärmeanspruchs eignet sich die Kultur hervorragend für Grenzlagen des Ackerbaus sowie für sandige, flachgründige Standorte. Zudem hinterlässt der Winterrübsen eine hervorragende Bodengare und eignet sich ideal als Vorfrucht für anspruchsvolle Wintergetreidearten. In der Fruchtfolge muss jedoch der Mindestabstand zu anderen Kreuzblütlern eingehalten werden, um die Verschleppung von bodenbürtigen Krankheiten zu verhindern.

Aussaat-/Pflanzzeitraum
Anfang September bis Ende September
Erntefenster
Ende Juni bis Anfang Juli
Reihenabstand
12,5–25,0 cm
Typischer Ertrag
2,0–3,2 t/ha
Wärmesumme (GDD)
1800–2000 °C (Basis 0 °C)
Boden-pH
5,5–6,8

Bodenmanagement

Für den Winterrübsen ist ein gut rückverfestigtes, feinkrümeliges Saatbett entscheidend, da das feine Saatgut flach in eine Tiefe von nur 1 bis 2 cm abgelegt werden muss. Die Kultur stellt geringere Ansprüche an die Bodenqualität als Winterraps und gedeiht auch auf leichten Sandböden sowie in rauen Mittelgebirgslagen hervorragend. Eine moderate Grunddüngung mit Phosphor und Kalium im Herbst fördert die schnelle Wurzelentwicklung vor dem Winter. Im Frühjahr benötigt die Kultur eine zeitige Stickstoffgabe, um den schnellen Vegetationsstart optimal zu unterstützen. Achte darauf, Bodenverdichtungen zu vermeiden, da das Pfahlwurzelsystem empfindlich auf physikalische Barrieren im Unterboden reagiert.

Schaderreger-Management

Der Pflanzenschutz im Winterrübsen konzentriert sich vor allem auf die Regulierung von Unkräutern und Ungräsern wie dem Einjährigen Rispengras (Poa annua) und dem Gemeinen Windhalm (Apera spica-venti), die im Herbst mechanisch oder chemisch kontrolliert werden sollten. Da die Kultur sehr früh blüht, weicht sie dem Hauptdruck des Rapsglanzkäfers häufig aus, was den Bedarf an Insektiziden im Frühjahr deutlich reduziert. Dennoch solltest du Schaderreger wie den Erdfloh im Herbst und den Kohltriebrüssler im frühen Frühjahr mittels Gelbschalen überwachen. Gegen Pilzkrankheiten wie Phoma oder Echten Mehltau ist meist nur bei extremem Befallsdruck eine gezielte Behandlung mit einem zugelassenen Pflanzenschutzmittel erforderlich. Durch die extrem schnelle Abreife ist die Einhaltung der Wartezeit bei späten Anwendungen besonders kritisch zu prüfen.

Sorten

Legato

Sehr früh

Konstant mittlere bis hohe Kornerträge auf leichten Standorten.

Resistent gegen: Winterfrost

Anfällig für: Kohlhernie

Sehr winterharte Sorte mit rascher Jugendentwicklung, ideal für späte Saaten.

Largo

Früh

Gute Ölerträge auch unter trockenen Frühjahrsbedingungen.

Resistent gegen: Lagerung

Anfällig für: Phoma

Robuste Sorte mit guter Standfestigkeit und schneller Bodenbedeckung im Herbst.

Perko PVH

Früh bis mittelfrüh

Sehr hoher Grünmasseertrag, mäßiger Kornertrag.

Resistent gegen: Unkrautkonkurrenz

Anfällig für: Kohlhernie, Phoma

Häufig als Futterrübsen oder zur Gründüngung genutzt, zeichnet sich durch enorme Blattmasse aus.

Avalon

Sehr früh

Spitzenerträge im Rübensegment bei früher Reife.

Resistent gegen: Schotenplatzen

Anfällig für: Echter Mehltau

Moderne Züchtung mit verbesserter Platzfestigkeit der Schoten und hoher Vitalität.

Wichtige Schaderreger

Zugelassene Pflanzenschutzmittel

Alle Anwendungen ansehen

Häufige Fragen

Warum sollte ich Winterrübsen anstelle von Winterraps anbauen?

Winterrübsen ist deutlich winterhärter und stellt geringere Ansprüche an Boden und Klima. Wenn du sandige, flachgründige Böden oder raue Lagen bewirtschaftest, auf denen Winterraps unsichere Erträge liefert, ist diese Kultur eine hervorragende Alternative. Zudem kannst du Rübsen bis zu zwei Wochen später säen und erntest ihn etwa zwei Wochen früher als Raps, was deine Arbeitsspitzen im Sommer entzerrt.

Wie kontrolliere ich Schaderreger wie das Einjährige Rispengras im Winterrübsen?

Da Winterrübsen sehr schnell aufläuft, ist die mechanische Regulierung durch Striegeln im frühen BBCH-Stadium oft sehr effektiv. Für eine chemische Behandlung stehen dir im Vor- oder frühen Nachauflauf spezifische Herbizide zur Verfügung. Achte darauf, die Anwendung frühzeitig durchzuführen, um eine Konkurrenz durch Ungräser wie Poa annua oder Apera spica-venti gar nicht erst entstehen zu lassen.

Welche Rolle spielt das BBCH-Stadium bei der Rapsglanzkäfer-Kontrolle?

Da Winterrübsen sehr früh blüht, erreicht die Kultur das unempfindliche BBCH-Stadium 60 (Beginn der Blüte) meist vor dem Hauptzuflug des Rapsglanzkäfers. Eine Behandlung mit einem Pflanzenschutzmittel ist daher selten notwendig. Sollte der Zuflug in den späten Knospenstadien (BBCH 51–57) dennoch den Schadschwellenwert überschreiten, musst du die Anwendung exakt timen, um die Blütenknospen zu schützen.

Wie finde ich auf agronomy.farmable.tech die passenden Pflanzenschutzmittel für Winterrübsen?

Nutze die Such- und Filterfunktion in unserem Hub und filtere gezielt nach der Kultur 'Winterrübsen' oder dem EPPO-Code 'BRSSA'. Da Rübsen rechtlich oft eine eigene Zulassungsgruppe bildet, solltest du immer prüfen, ob das jeweilige Pflanzenschutzmittel explizit für Winterrübsen (und nicht nur allgemein für Raps) zugelassen ist, um Anwendungsfehler zu vermeiden.

Warum ist die Einhaltung der Wartezeit bei Winterrübsen besonders kritisch?

Aufgrund der extrem schnellen Abreife und des frühen Erntetermins (oft schon Ende Juni) verkürzt sich das Zeitfenster zwischen einer eventuellen späten Fungizid- oder Insektizidbehandlung und dem Drusch erheblich. Prüfe vor jeder späten Anwendung im Frühjahr genau die in der Zulassung festgelegte Wartezeit (PHI), um Rückstände im Erntegut sicher auszuschließen.