Carmina 640
Carmina 640 ist ein bewährtes, flüssiges Herbizid (Suspensionskonzentrat, SC) zur Bekämpfung von einjährigen einkeimblättrigen und zweikeimblättrigen Unkräutern im Herbst. Es ist speziell für den Einsatz in wichtigen Wintergetreidekulturen wie Winterweichweizen, Wintergerste, Winterroggen und Wintertriticale registriert. Durch die Kombination zweier komplementärer Wirkstoffe bietet das Pflanzenschutzmittel eine breite und zuverlässige Wirkung gegen wirtschaftlich bedeutende Schaderreger im Getreidebau.
Das Hauptaugenmerk liegt auf der Bekämpfung von Problemungräsern wie dem Gemeinen Windhalm und dem Acker-Fuchsschwanz sowie einer Vielzahl von einjährigen zweikeimblättrigen Unkräutern. Die Anwendung erfolgt im frühen Nachauflauf der Kulturen im Herbst, wodurch die jungen Kulturpflanzen frühzeitig von der Konkurrenz um Licht, Wasser und Nährstoffe befreit werden und sich optimal für die Überwinterung etablieren können.
Wirkstoffe
Wirkungsweise
Die hohe Wirksamkeit von Carmina 640 basiert auf dem synergistischen Zusammenspiel seiner beiden aktiven Wirkstoffe, die unterschiedlichen HRAC-Klassen angehören. Chlortoluron gehört zur HRAC-Gruppe 5 und wirkt als selektives, systemisches Herbizid. Es wird primär über die Wurzeln sowie die Blätter der Schaderreger aufgenommen und blockiert den Elektronentransport im Photosystem II, was zum Absterben der Unkräuter führt. Diflufenican ist der HRAC-Gruppe 12 zugeordnet. Dieser Wirkstoff hemmt die Phytoen-Desaturase (PDS), einen Schlüsselschritt in der Biosynthese von Carotinoiden. Ohne diese Schutzpigmente wird das Chlorophyll durch Sonnenlicht zerstört, was sich in charakteristischen Aufhellungen (Bleaching) und dem anschließenden Absterben des Gewebes der betroffenen Unkräuter äußert. Die Kombination beider Wirkmechanismen sorgt für eine hervorragende Boden- und Blattwirkung.
Resistenzmanagement
Um der Entstehung von Resistenzen, insbesondere bei schwer bekämpfbaren Ungräsern wie dem Acker-Fuchsschwanz, wirksam vorzubeugen, ist ein konsequentes Resistenzmanagement unerlässlich. Durch die Kombination der HRAC-Gruppen 5 und 12 in Carmina 640 wird das Risiko einer Selektion resistenter Biotypen bereits minimiert. Dennoch sollte das Pflanzenschutzmittel im Rahmen einer weiten Fruchtfolge und im Wechsel mit Herbiziden anderer Wirkstoffklassen eingesetzt werden. Zudem empfiehlt es sich, ackerbauliche Maßnahmen wie eine sorgfältige Bodenbearbeitung und angepasste Aussaatzeiten konsequent in den Betrieb zu integrieren.
Mischbarkeit & Tankmischung
Carmina 640 zeichnet sich durch eine gute physikalische und chemische Mischbarkeit mit vielen gängigen Herbstherbiziden sowie flüssigen Blattdüngern aus. Bei Tankmischungen ist stets auf eine ausreichende Wassermenge (mindestens 200 bis 400 l/ha) zu achten, um eine gleichmäßige Benetzung des Bodens und der Unkräuter zu gewährleisten. Die Anwendung sollte auf gut abgesetzten, feuchten Saatbetten erfolgen, da Bodenfeuchtigkeit die Aktivierung und Verteilung des Wirkstofffilms im Boden wesentlich unterstützt. Extrem saure oder sehr harte Wässer sollten vorab konditioniert werden; der Zusatz von Additiven ist in der Regel nicht erforderlich.
Sicherheit & Ökotoxikologie
Beim Umgang mit dem Pflanzenschutzmittel ist das Tragen der vorgeschriebenen persönlichen Schutzausrüstung (PSA) obligatorisch. Da Chlortoluron und Diflufenican ein Gefährdungspotenzial für Gewässerorganismen aufweisen, sind die gesetzlich vorgeschriebenen Abstandsauflagen zu Oberflächengewässern und die Einhaltung von Abdriftminderungsklassen strikt zu beachten. Um Abschwemmungen zu vermeiden, sollte die Anwendung nicht auf hängigen Flächen direkt vor starken Regenfällen erfolgen. Das Produkt ist bei sachgemäßer Anwendung als nicht bienengefährlich (B4) eingestuft.
Zugelassene Anwendungen
| Kultur | Ziel-Schaderreger | BBCH | Aufwand | Wartezeit |
|---|---|---|---|---|
| Wintergerste | Acker-Fuchsschwanz | 10–29 | 3.5 LITER_PER_HECTARE | — |
| Winterweichweizen | Acker-Fuchsschwanz | 10–29 | 3.5 LITER_PER_HECTARE | — |
| Winterroggen | Einjährige zweikeimblättrige Unkräuter, Gemeiner Windhalm | 10–29 | 2.5 LITER_PER_HECTARE | — |
| Wintertriticale | Acker-Fuchsschwanz | 10–29 | 3.5 LITER_PER_HECTARE | — |
| Wintergerste | Einjährige zweikeimblättrige Unkräuter, Gemeiner Windhalm | 10–29 | 2.5 LITER_PER_HECTARE | — |
| Winterweichweizen | Einjährige zweikeimblättrige Unkräuter, Gemeiner Windhalm | 10–29 | 2.5 LITER_PER_HECTARE | — |
| Wintertriticale | Einjährige zweikeimblättrige Unkräuter, Gemeiner Windhalm | 10–29 | 2.5 LITER_PER_HECTARE | — |
| Winterroggen | Acker-Fuchsschwanz | 10–29 | 3.5 LITER_PER_HECTARE | — |
Häufige Fragen
Wann ist der optimale Zeitpunkt für die Anwendung von Carmina 640 im Herbst?
Der beste Bekämpfungserfolg wird erzielt, wenn die Anwendung im frühen Nachauflauf (BBCH-Stadium 10 bis 13 der Kultur) erfolgt, sobald die Unkräuter und Ungräser gerade keimen oder sich im Keimblattstadium befinden. Zu diesem Zeitpunkt sind die Schaderreger besonders empfindlich gegenüber der Boden- und Blattwirkung des Mittels.
Welche Rolle spielt die Bodenfeuchtigkeit für die Wirksamkeit des Herbizids?
Eine ausreichende Bodenfeuchtigkeit zum Zeitpunkt der Applikation oder kurz danach ist entscheidend. Sie sorgt dafür, dass sich der Wirkstofffilm im oberen Bodenhorizont gleichmäßig verteilt und von den Wurzeln der keimenden Unkräuter optimal aufgenommen werden kann. Auf extrem ausgetrockneten Böden kann die Wirkung verzögert einsetzen.
Kann Carmina 640 auf allen Bodenarten uneingeschränkt eingesetzt werden?
Auf sehr leichten, sandigen Böden oder humusreichen Böden (über 4 % Humusgehalt) sollte die Aufwandmenge angepasst oder auf den Einsatz verzichtet werden, da es auf Sandböden zu Einwaschungen in die Wurzelzone der Kultur und auf Humusböden zu einer starken Adsorption (Wirkungsverlust) kommen kann.
Wie verhält sich das Mittel bei Frost oder extremen Temperaturschwankungen nach der Spritzung?
Die Anwendung sollte nicht bei Frost oder unmittelbar vor Frostperioden erfolgen. Zwar vertragen die Kulturen das Mittel unter normalen Bedingungen sehr gut, doch können Frostereignisse in Kombination mit dem Herbizidfilm zu vorübergehenden Aufhellungen oder Wachstumsverzögerungen des Getreides führen.
Wie lässt sich Carmina 640 optimal in eine Anti-Resistenzstrategie gegen Acker-Fuchsschwanz integrieren?
Da das Produkt zwei unterschiedliche Wirkmechanismen (HRAC 5 und 12) kombiniert, ist es ein hervorragender Baustein. Um Resistenzen zu vermeiden, sollte es im Frühjahr nicht mit Herbiziden derselben Wirkstoffklassen nachbehandelt werden. Nutzen Sie stattdessen für eventuelle Korrekturspritzungen im Frühjahr Wirkstoffe aus anderen HRAC-Gruppen, sofern dort keine Resistenzen vorliegen.
Was muss beim Nachbau von Folgekulturen nach dem Einsatz von Carmina 640 beachtet werden?
Nach dem regulären Einsatz im Herbst und der Ernte im Folgejahr können alle üblichen Kulturen ohne Einschränkung angebaut werden. Sollte es zu einem vorzeitigen Umbruch der Kultur im Winter kommen, ist eine tiefe Bodenbearbeitung (Pflügen) zwingend erforderlich, bevor empfindliche Kulturen wie Raps oder Leguminosen neu eingesät werden.