Dicamba M
Dicamba M ist ein flüssiges Herbizid-Pflanzenschutzmittel zur gezielten Bekämpfung einjähriger zweikeimblättriger Unkräuter im Ackerbau. Es wird vorrangig in Getreidekulturen wie Winterweizen, Wintergerste, Sommergerste und Triticale eingesetzt, um die Bestände in der kritischen Bestockungs- und frühen Schossphase von Unkrautkonkurrenz freizuhalten.
Die Formulierung vereint die zwei bewährten wuchsstoffbasierten Wirkstoffe MCPA und Dicamba. Durch diese Kombination ergänzen sich die Wirkungsbereiche optimal, sodass auch schwer erfassbare oder fortgeschrittene Unkrautarten im Frühjahr zuverlässig ausgeschaltet werden.
Die Anwendung im Wachstumsfenster zwischen BBCH 21 und 32 nutzt das hohe Regenerationsvermögen der Kulturpflanzen, während sich die Unkräuter im aktivsten physiologischen Stadium befinden. Dies garantiert eine rasche Aufnahme über Blätter und Stängel sowie eine zügige Verteilung innerhalb der Zielpflanzen.
Wirkstoffe
Wirkungsweise
Dicamba M kombiniert zwei synthetische Auxine aus der HRAC-Gruppe 4 (früher HRAC O): MCPA und Dicamba. Beide Wirkstoffe simulieren das pflanzliche Indol-3-essigsäure-Hormon (IAA) und binden an spezifische Auxin-Rezeptoren im Pflanzengewebe. Dies führt zu einer unkontrollierten Genexpression und gestörten Zellteilungsprozessen in den Unkräutern. Die betroffenen Schaderreger reagieren mit extrem beschleunigtem, ungeordnetem Zellwachstum. Dies zeigt sich typischerweise in Verkrümmungen von Stängeln und Blättern (Epinastie), Gewebeinstabilität und Verstopfung der Leitbahnen. Da beide Wirkstoffe im Phloem und Xylem sowohl akropetal als auch basipetal verlagert werden, sterben die empfindlichen Unkräuter von den Vegetationspunkten bis in die Wurzeln vollständig ab.
Resistenzmanagement
Die Wirkstoffe in Dicamba M gehören zur HRAC-Gruppe 4. Obwohl das Risiko einer Resistenzentwicklung bei synthetischen Auxinen im Vergleich zu ALS- oder ACCase-Hemmern als gering bis mittel eingestuft wird, können wiederholte Monanwendungen zur Selektion toleranter Biotypen (z. B. bei Vogelmiere oder Hohlzahn) führen. Für ein nachhaltiges Resistenzmanagement solltest du Dicamba M regelmäßig mit Herbiziden alternieren oder mischen, die über abweichende Wirkungsmechanismen verfügen, und fruchtfolgeintegrierte Maßnahmen zur Unkrautkontrolle nutzen.
Mischbarkeit & Tankmischung
Dicamba M ist im Getreidebau grundsätzlich mit vielen gängigen Fungiziden, Insektiziden und Wachstumsreglern mischbar. Dennoch sollten Mischungen nur bei wüchsiger Witterung und ohne extreme Temperaturschwankungen erfolgen, um phytotoxische Reaktionen der Kultur zu vermeiden. Achte auf eine ausreichende Wasseraufwandmenge (üblicherweise 200–400 l/ha) für eine homogene Benetzung der Unkrautflächen und vermeide stark saures oder stark hartes Anmischwasser sowie den unnötigen Zusatz stark netzender Adjuvantien, wenn die Kultur bereits unter Umweltstress steht.
Sicherheit & Ökotoxikologie
Beim Ansetzen der Spritzbrühe und der Ausbringung von Dicamba M ist die vorgeschriebene persönliche Schutzausrüstung (Schutzkleidung, Schutzhandschuhe und Augenschutz) zu tragen, um direkten Haut- und Augenkontakt zu vermeiden. Um Bienen und andere Nützlinge zu schützen, sollte das Mittel nicht auf blühende Bestände oder blühende Unkräuter ausgebracht werden; eine Anwendung in den späten Abendstunden ist zu bevorzugen. Achte bei der Applikation strikt auf eine abdriftmindernde Technik, um den Eintrag in angrenzende Saumstrukturen, Oberflächengewässer und Nichtziel-Biotope zu verhindern.
Zugelassene Anwendungen
| Kultur | Ziel-Schaderreger | BBCH | Aufwand | Wartezeit |
|---|---|---|---|---|
| Wiesen, Weiden | Einjährige zweikeimblättrige Unkräuter | 21–32 | 5 LITER_PER_HECTARE | — |
| Sommergerste | Einjährige zweikeimblättrige Unkräuter | 21–32 | 5 LITER_PER_HECTARE | — |
| Wintergerste | Einjährige zweikeimblättrige Unkräuter | 21–32 | 5 LITER_PER_HECTARE | — |
| Winterweichweizen | Einjährige zweikeimblättrige Unkräuter | 21–32 | 5 LITER_PER_HECTARE | — |
Häufige Fragen
Wann solltest du Dicamba M im Getreide am besten anwenden?
Den besten Bekämpfungserfolg erzielst du im Frühjahr zwischen Bestockung und Beginn des Schossens (BBCH 21 bis 32). Voraussetzung ist wüchsiges Wetter, da die Unkräuter den Wirkstoff über aktiven Stoffwechsel aufnehmen müssen.
Warum ist die Wirkung bei kühler Witterung oder Nachfrost eingeschränkt?
Wuchsstoffe wie MCPA und Dicamba basieren auf der gezielten Störung des Zellwachstums. Bei Kälte oder Frost ist der Pflanzensaftstrom verlangsamt, wodurch die Aufnahme und Weiterleitung im Gewebe stark eingeschränkt wird.
Worauf musst du beim Spritzen nahe empfindlicher Nachbarkulturen achten?
Breitblättrige Kulturen wie Raps, Zuckerrüben, Leguminosen oder Sonnenblumen reagieren äußerst empfindlich auf Wuchsstoffe. Nutze abdriftmindernde Düsen, achte auf Windstille und halte ausreichend Abstand zu angrenzenden Feldern.
Wie beugst du einer Resistenzentwicklung bei Unkräutern wirksam vor?
Kombiniere Wuchsstoffe in der Fruchtfolge systematisch mit anderen Wirkstoffklassen (z. B. ALS-Hemmern oder PPO-Hemmern) und baue ackerbauliche Maßnahmen wie eine vielseitige Fruchtfolge und mechanische Bodenbearbeitung ein.
Kannst du Dicamba M zusammen mit Wachstumsreglern oder Fungiziden ausbringen?
Tankmischungen mit gängigen Fungiziden oder Halmverkürzern sind meist möglich, sofern das BBCH-Stadium der Kultur eingehalten wird. Spritze jedoch nicht, wenn die Getreidekultur unter starkem Stress durch Trockenheit oder Staunässe steht.