Alle Kulturen
Sonstiger Schaderreger

Sommergerste

barley (spring)
HORVS

Sommergerste (wissenschaftlicher Name: barley (spring) / Hordeum vulgare, EPPO-Code: HORVS) ist eine der bedeutendsten einjährigen Getreidekulturen in Mitteleuropa. Sie wird vor allem als Braugerste für die Bierherstellung oder als hochwertiges Futtergetreide angebaut. Da diese Kultur eine relativ kurze Vegetationszeit besitzt, stellt sie hohe Ansprüche an die Bodenstruktur und eine gleichmäßige Nährstoffverfügbarkeit im frühen Frühjahr.

Der Erfolg im Anbau hängt stark von der angestrebten Nutzungsrichtung ab. Bei Braugersten steht die Steuerung des Rohproteingehalts im Fokus, der idealerweise zwischen 9,5 % und 11,5 % liegen muss. Dies erfordert eine präzise abgestimmte Stickstoffdüngung und eine sorgfältige Führung der Kultur, um Ertrag und Qualität optimal auszubalancieren.

Aussaat-/Pflanzzeitraum
Ende Februar bis Anfang April
Erntefenster
Ende Juli bis Mitte August
Reihenabstand
12,0–15,0 cm
Typischer Ertrag
5,5–7,5 t/ha
Wärmesumme (GDD)
1400–1500
Boden-pH
6,0–7,2

Bodenmanagement

Für den erfolgreichen Anbau der Kultur ist ein gut abgesetztes, feinkrümeliges Saatbett entscheidend, da das flache Wurzelsystem sehr empfindlich auf Bodenverdichtungen reagiert. Du solltest die Bodenbearbeitung so früh wie möglich im Frühjahr bei tragfähigen Bedingungen durchführen, um die Winterfeuchtigkeit optimal zu nutzen. Sommergerste bevorzugt mittelschwere bis lehmige Böden mit einem stabilen pH-Wert im neutralen Bereich; saure Standorte unter pH 5,8 führen rasch zu Wachstumsdepressionen. Die Stickstoffdüngung muss exakt auf das Ertragsziel und die angestrebte Qualität (insbesondere bei Braugersten) abgestimmt werden, wobei eine zu späte Gabe den Proteingehalt unerwünscht in die Höhe treiben kann. Eine ausgewogene Grunddüngung mit Phosphor und Kalium fördert zudem die Standfestigkeit und die frühe Wurzelentwicklung.

Schaderreger-Management

Der integrierte Pflanzenschutz in dieser Kultur erfordert eine regelmäßige Kontrolle auf typische Schaderreger wie Netzflecken (Pyrenophora teres) und die Rhynchosporium-Blattfleckenkrankheit (Rhynchosporium secalis). Gegen pilzliche Schaderreger stehen hochwirksame Pflanzenschutzmittel zur Verfügung, deren Anwendung meist zwischen den BBCH-Stadien 31 und 55 erfolgt, um das ertragsrelevante Fahnenblatt gesund zu erhalten. Auch tierische Schaderreger wie die Haferblattlaus (Rhopalosiphum padi) müssen im Auge behalten werden, da sie das Gelbverzwergungsvirus übertragen können. Die Unkrautregulierung erfolgt meist im frühen Nachauflauf, wobei Problemunkräuter wie der Windhalm (Apera spica-venti) oder die Kamille (Matricaria chamomilla) gezielt erfasst werden sollten. Durch den gezielten Einsatz von Wachstumsreglern lässt sich zudem das Risiko von Lagerbildung minimieren.

Sorten

Laureate

mittelspät

Sehr hoher Kornertrag bei hervorragender Malzqualität.

Resistent gegen: Mehltau, Rhynchosporium

Anfällig für: Zwergrost, Netzflecken

Eine der führenden Braugersten in Europa mit doppelter Nutzung (Brau- und Brennereieignung). Zeigt eine sehr gute Halmstabilität.

RGT Planet

mittel

Spitzenerträge im Futter- und Braugerstenbereich unter verschiedenen Standortbedingungen.

Resistent gegen: Mehltau

Anfällig für: Zwergrost, Netzflecken, Rhynchosporium

Weltweit etablierte Sorte mit sehr breiter Anpassungsfähigkeit und hoher Standfestigkeit. Wird sowohl als Futter- als auch als Braugerste genutzt.

Amidala

mittel

Sehr hoher Ertrag bei stabiler und hoher Vollkornsortierung.

Resistent gegen: Mehltau, Netzflecken

Anfällig für: Zwergrost

Hervorragende Brauqualität, die von der deutschen Brauwirtschaft im Berliner Programm empfohlen wird. Besitzt eine gute Strohstabilität.

Avalon

früh bis mittel

Guter bis sehr hoher Ertrag mit sehr sicheren Qualitätseigenschaften.

Resistent gegen: Mehltau, Zwergrost

Anfällig für: Rhynchosporium, Halmbruch

Sehr ausgewogene Sorte mit exzellenten Verarbeitungseigenschaften für Mälzereien. Zeigt eine zügige Jugendentwicklung.

Wichtige Schaderreger

Zugelassene Pflanzenschutzmittel

Alle Anwendungen ansehen

Häufige Fragen

Wie beeinflusst der Aussaattermin den Rohproteingehalt bei Braugersten?

Eine frühe Aussaat (Ende Februar bis Mitte März) verlängert die Vegetationszeit und damit die Phase der Stärkeeinlagerung im Korn. Dadurch wird der Stickstoff im Korn verdünnt, was dir hilft, den für Braugersten kritischen Rohproteingehalt im optimalen Bereich von 9,5 % bis 11,5 % zu halten. Späte Saaten neigen wegen der verkürzten Kornfüllungsphase oft zu überhöhten Proteingehalten.

Wann ist der optimale Zeitpunkt für den Einsatz von Wachstumsreglern in dieser Kultur?

Der Haupteinsatzbereich liegt in den BBCH-Stadien 31 bis 32 (Schossen), um die Halmbasis zu stärken und die Standfestigkeit zu sichern. Bei sehr wüchsigen Beständen oder hoher Stickstoffnachlieferung kann eine Splitting-Anwendung mit einer reduzierten Folgemaßnahme bis BBCH 37/39 sinnvoll sein, um das Einknicken der Ähren vor der Ernte zu verhindern.

Wie erkennst du den Behandlungsbedarf gegen die Haferblattlaus zur Vermeidung von BYDV?

Da die Haferblattlaus (Rhopalosiphum padi) das Gelbverzwergungsvirus (BYDV) überträgt, solltest du die Bestände direkt nach dem Auflaufen (ab BBCH 10 bis 12) engmaschig kontrollieren. Eine Behandlung mit einem zugelassenen Pflanzenschutzmittel ist meist dann wirtschaftlich gerechtfertigt, wenn der Befall im frühen Stadium die Schadschwelle von etwa 10 % besiedelter Pflanzen überschreitet.

Welche Rolle spielt die Schwefelversorgung bei der Düngung der Kultur?

Schwefel ist essenziell für die Stickstoffeffizienz und den Aufbau von Proteinen. Du solltest zusammen mit der ersten Stickstoffgabe im Frühjahr etwa 10 bis 20 kg S/ha in sulfatischer Form düngen. Ein Schwefelmangel führt zu einer schlechteren Stickstoffausnutzung und kann die Malzqualität negativ beeinflussen.

Wie findest du auf agronomy.farmable.tech die passenden Pflanzenschutzmittel gegen Blattkrankheiten?

Nutze die Suchfunktion im Hub und filtere gezielt nach der Kultur 'Sommergerste' sowie dem spezifischen Schaderreger (wie Rhynchosporium secalis oder Netzflecken). Achte bei den angezeigten Produkten besonders auf das zugelassene BBCH-Stadium, die maximale Aufwandmenge und die gesetzlich vorgeschriebene Wartezeit, um Rückstände im Erntegut zu vermeiden.