Sommergerste
Sommergerste (Hordeum vulgare, EPPO-Code: HORVS) ist eine der traditionsreichsten und wirtschaftlich bedeutendsten Kulturen im mitteleuropäischen Ackerbau. Sie wird in Deutschland vorwiegend als zweizeilige Braugerste für die Malz- und Bierherstellung oder als mehrzeilige Futtergerste angebaut. Die Kultur zeichnet sich durch eine vergleichsweise kurze Vegetationszeit aus und stellt hohe Ansprüche an die Bodenstruktur sowie an eine gleichmäßige Nährstoffnachlieferung, um die strengen Qualitätskriterien der Mälzereien präzise zu erfüllen.
Der erfolgreiche Anbau erfordert eine sorgfältige Führung ab der Saatbettbereitung. Da Sommergerste ein flaches, empfindliches Wurzelsystem ausbildet, reagiert sie stark auf Bodenverdichtungen und Staunässe. Ein optimaler Aussaattermin im frühen Frühjahr nutzt die Winterfeuchtigkeit ideal aus und sichert eine ausreichende Bestockung vor dem Einsetzen von Frühjahrstrockenheit, was für die Ertragsbildung und eine homogene Kornsortierung entscheidend ist.
Bodenmanagement
Sommergerste verlangt ein hervorragend abgesetztes, feinkrümeliges Saatbett mit gutem Bodenschluss, um einen gleichmäßigen Feldaufgang zu garantieren. Da die Kultur sehr empfindlich auf Bodenverdichtungen und Strukturschäden reagiert, sollte die Bodenbearbeitung nur bei absolut tragfähigen Bedingungen im Frühjahr erfolgen. Eine kalkbedürftige Fläche muss rechtzeitig aufgemerkt werden, da pH-Werte unter 6,0 das Wurzelwachstum und die Nährstoffaufnahme drastisch hemmen. Die Stickstoffdüngung muss exakt auf das Ertragsziel und die Verwertung (Brau- oder Futtergerste) abgestimmt werden. Bei Braugerste ist eine späte N-Gabe unbedingt zu vermeiden, um den Rohproteingehalt im angestrebten Bereich von 9,5 bis 11,5 % zu halten.
Schaderreger-Management
Der integrierte Pflanzenschutz in Sommergerste konzentriert sich auf die Gesunderhaltung der oberen Blattetagen und die Vermeidung von Lager. Zu den wichtigsten pilzlichen Schaderregern zählen Netzflecken, Rhynchosporium secalis und Zwergrost, gegen die gezielte Fungizidbehandlungen meist zwischen BBCH 32 und 49 durchgeführt werden. Ein besonderes Augenmerk liegt auf der Bekämpfung von Ungräsern wie dem Windhalm (Apera spica-venti) und zweikeimblättrigen Unkräutern im frühen Nachauflauf, um die Konkurrenz um Wasser und Nährstoffe zu minimieren. Der Einsatz von Wachstumsreglern muss vorsichtig und streng witterungsabhängig erfolgen, da Sommergerste bei Trockenstress empfindlich auf Einkürzungen reagiert. Blattläuse wie die Haferblattlaus (Rhopalosiphum padi) müssen insbesondere in frühen Stadien kontrolliert werden, um die Übertragung des Gelbverzwergungsvirus (BYDV) zu verhindern.
Sorten
RGT Planet
mittelspätSehr hoch
Resistent gegen: Mehltau
Anfällig für: Zwergrost, Netzflecken, Rhynchosporium
Weltweit etablierte Braugerste mit hervorragender Sortierung und hoher Ertragsstabilität.
Amidala
mittelHoch bis sehr hoch
Resistent gegen: Mehltau, Lagerung
Anfällig für: Zwergrost, Netzflecken
Spitzenbraugerste mit exzellenter Malzqualität und sehr gutem Marktwareanteil.
Lexy
mittelSehr hoch
Resistent gegen: Mehltau, Rhynchosporium
Anfällig für: Zwergrost, Halmbruch
Aktuelle Empfehlung der Braugersten-Gemeinschaft mit hervorragender agronomischer Gesundheit.
Avalon
mittelHoch
Resistent gegen: Mehltau
Anfällig für: Netzflecken, Rhynchosporium
Bewährte Qualitätssorte mit stabiler Braueignung und gutem Kornertrag.
Solist
früh bis mittelHoch
Resistent gegen: Mehltau
Anfällig für: Zwergrost, Lagerung
Frühreife Sorte mit sehr ausgeglichenen Erträgen auch auf leichteren Standorten.
Wichtige Schaderreger
Zugelassene Pflanzenschutzmittel
Häufige Fragen
Wie beeinflusst die Stickstoffdüngung die Brauqualität von Sommergerste?
Die Stickstoffdüngung steuert maßgeblich den Rohproteingehalt, der für Braugerste zwingend zwischen 9,5 % und 11,5 % liegen muss. Zu hohe oder zu späte N-Gaben nach dem Bestockungsende führen zu einem unerwünschten Anstieg des Proteingehalts, was die Malzqualität mindert. Daher wird die gesamte N-Menge meist komplett zur Saat oder spätestens im frühen Auflaufen ausgebracht.
Wann ist der optimale Zeitpunkt für den Einsatz von Wachstumsreglern in Sommergerste?
Der Einsatz erfolgt typischerweise in der Schossphase zwischen BBCH 31 und 32, um die Halmbasis zu stärken. Eine späte Einkürzung bis BBCH 37/39 ist nur bei sehr mastigen Beständen und ausreichender Wasserversorgung ratsam, da Sommergerste unter Trockenstress extrem empfindlich mit Ertragsdepressionen reagiert.
Warum ist die sehr frühe Aussaat bei Sommergerste so entscheidend?
Eine frühe Aussaat ab Ende Februar ermöglicht es der Kultur, die Winterfeuchtigkeit optimal zu nutzen und ein tieferes Wurzelsystem aufzubauen. Zudem fördert die kühle Witterung im Frühjahr die Bestockung, was die Anzahl ertragsrelevanter Ähren pro Quadratmeter erhöht und die Hitzeempfindlichkeit während der Kornfüllung mindert.
Wie unterscheidet sich die Schadschwelle für Netzflecken von anderen Getreidearten?
Aufgrund der kurzen Vegetationszeit der Sommergerste können Blattverluste durch Netzflecken (Pyrenophora teres) ab BBCH 31/32 kaum kompensiert werden. Die Schadschwelle liegt bereits bei ca. 10 % befallenen Blättern auf den Haupttrieben, weshalb eine frühzeitige Befallskontrolle ab dem Schossen essenziell ist.
Welche Rolle spielt der pH-Wert des Bodens speziell bei dieser Kultur?
Sommergerste reagiert empfindlicher auf saure Böden als Hafer oder Roggen. Ein pH-Wert unter 6,0 führt auf schweren Böden rasch zu Aluminiumtoxizität und hemmt die Wurzelentwicklung massiv, was die Nährstoff- und Wasseraufnahme einschränkt und zu ungleichmäßiger Abreife führt.
Wie finde ich im Portal zugelassene Pflanzenschutzmittel gegen spezifische Schaderreger?
Nutzen Sie die Suchfunktion im Pflanzenschutz-Hub, filtern Sie nach der Kultur „Sommergerste“ und wählen Sie den gewünschten Schaderreger (z. B. Rhynchosporium secalis oder Apera spica-venti). Dort werden Ihnen alle aktuell in Deutschland zugelassenen Pflanzenschutzmittel inklusive Aufwandmengen und Wartezeiten angezeigt.