Lentipur 700
Lentipur 700 ist ein bewährtes, flüssiges Herbizid-Konzentrat (Suspensionskonzentrat, SC) zur Bekämpfung von einjährigen einkeimblättrigen und zweikeimblättrigen Unkräutern in Wintergetreide. Als Klassiker im Herbst- und zeitigen Frühjahrseinsatz bietet das Pflanzenschutzmittel von Nufarm eine verlässliche Basis für die Unkrautkontrolle in Winterweizen, Wintergerste, Winterroggen und Wintertriticale.
Der Fokus der Anwendung liegt auf der Ausschaltung ertragsrelevanter Ungräser wie dem Gemeinen Windhalm, dem Einjährigen Rispengras und insbesondere dem Acker-Fuchsschwanz. Durch die Kombination aus Boden- und Blattwirkung erfasst das Mittel sowohl bereits aufgelaufene Schaderreger als auch nachkeimende Unkrautsamen über einen längeren Zeitraum.
Dank seiner flexiblen Anwendungsfenster vom Auflaufen bis zum Ende der Bestockung (BBCH 10–29) lässt sich Lentipur 700 hervorragend in bestehende Pflanzenschutzstrategien integrieren. Die flüssige Formulierung garantiert eine einfache Dosierung, hervorragende Mischbarkeit und eine gleichmäßige Verteilung auf der Zielfläche.
Wirkstoffe
Wirkungsweise
Der Wirkstoff Chlortoluron gehört zur chemischen Gruppe der Harnstoffderivate und ist im HRAC-System der Gruppe 5 (früher C2) zugeordnet. Die Wirkung basiert auf der Hemmung des Photosynthese-Transportsystems am Photosystem II. Der Wirkstoff wird von den Schadpflanzen primär über die Wurzeln, aber auch über die Blätter aufgenommen und systemisch mit dem Transpirationsstrom nach oben transportiert. Nach der Aufnahme reichert sich der Wirkstoff in den Blättern an, blockiert die Photosynthese und führt zur Bildung reaktiver Sauerstoffspezies. Dies äußert sich zunächst in Chlorosen (Vergilbungen) an den Blatträndern und -spitzen, gefolgt von Nekrosen und dem vollständigen Absterben der Unkräuter und Ungräser innerhalb weniger Wochen. Eine ausreichende Bodenfeuchtigkeit begünstigt die Wirkstoffaufnahme über die Wurzeln erheblich.
Resistenzmanagement
Um der Entstehung von Resistenzen, insbesondere bei weit verbreiteten Ungräsern wie dem Acker-Fuchsschwanz, wirksam vorzubeugen, sollte Lentipur 700 stets im Rahmen eines integrierten Resistenzmanagements eingesetzt werden. Dies beinhaltet den konsequenten Wechsel mit Herbiziden anderer Wirkstoffklassen (wie z. B. HRAC-Gruppe 15 oder 3) sowie die Kombination mit mechanischen Maßnahmen und einer weiten Fruchtfolge. Da Chlortoluron als Photosynthesehemmer (HRAC 5) wirkt, stellt es einen wichtigen Baustein zur Entlastung von ALS- und ACCase-Hemmern dar.
Mischbarkeit & Tankmischung
Lentipur 700 zeichnet sich durch eine gute physikalische und chemische Mischbarkeit mit vielen gängigen Getreideherbiziden, Additiven und flüssigen Stickstoffdüngern (AHL) aus. Bei Mischungen mit AHL sollte das Getreide jedoch eine stabile Wachsschicht aufweisen, um Kulturverträglichkeitsprobleme zu vermeiden. Es wird empfohlen, stets eine Spritzbrühe-Mischprobe im kleinen Maßstab durchzuführen und die Spritze mit ausreichend Wasser (mindestens 200–400 l/ha) zu befüllen, um eine homogene Verteilung und optimale Bodenbenetzung zu gewährleisten.
Sicherheit & Ökotoxikologie
Beim Umgang mit Lentipur 700 ist die vorgeschriebene persönliche Schutzausrüstung (PSA), einschließlich Schutzanzug und Schutzhandschuhen bei der Handhabung des Konzentrats, strikt einzuhalten. Zum Schutz von Gewässerorganismen und Nichtzielpflanzen sind die im Zulassungsbescheid festgelegten Abstandsauflagen zu Oberflächengewässern und Saumstrukturen genau zu beachten. Das Pflanzenschutzmittel ist als nicht bienengefährlich (B4) eingestuft, sollte jedoch zur Schonung von Nützlingen nicht in blühende Bestände oder bei starkem Bienenflug ausgebracht werden.
Zugelassene Anwendungen
| Kultur | Ziel-Schaderreger | BBCH | Aufwand | Wartezeit |
|---|---|---|---|---|
| Winterweichweizen | Acker-Fuchsschwanz, Einjährige zweikeimblättrige Unkräuter, Gemeiner Windhalm | 10–29 | 3 LITER_PER_HECTARE | — |
| Winterweichweizen | Einjährige zweikeimblättrige Unkräuter, Gemeiner Windhalm | 10–29 | 3 LITER_PER_HECTARE | — |
| Wintergerste | Acker-Fuchsschwanz, Einjährige zweikeimblättrige Unkräuter, Gemeiner Windhalm | 10–29 | 3 LITER_PER_HECTARE | — |
| Winterroggen | Acker-Fuchsschwanz, Einjährige zweikeimblättrige Unkräuter, Gemeiner Windhalm | — | 3 LITER_PER_HECTARE | — |
| Wintergerste | Einjährige zweikeimblättrige Unkräuter, Gemeiner Windhalm | 10–29 | 3 LITER_PER_HECTARE | — |
| Winterweichweizen | Acker-Fuchsschwanz, Einjährige zweikeimblättrige Unkräuter, Gemeiner Windhalm | — | 3 LITER_PER_HECTARE | — |
| Wintergerste | Acker-Fuchsschwanz, Einjährige zweikeimblättrige Unkräuter, Gemeiner Windhalm | — | 3 LITER_PER_HECTARE | — |
| Wintertriticale | Acker-Fuchsschwanz, Einjährige zweikeimblättrige Unkräuter, Gemeiner Windhalm | — | 3 LITER_PER_HECTARE | — |
Häufige Fragen
Wann ist der optimale Anwendungszeitpunkt für Lentipur 700 im Herbst?
Die beste Wirkung wird im frühen Nachauflauf der Kulturen (BBCH 11 bis 13) erzielt, wenn die Unkräuter und Ungräser gerade keimen oder sich im Keimblattstadium befinden. Zu diesem Zeitpunkt ist die Empfindlichkeit der Schaderreger am höchsten und die herbstliche Bodenfeuchtigkeit begünstigt die Wurzelaufnahme des Wirkstoffs optimal.
Welche Rolle spielt die Sortenverträglichkeit bei der Anwendung von Chlortoluron?
Chlortoluron-haltige Pflanzenschutzmittel wie Lentipur 700 dürfen nur auf Getreidesorten eingesetzt werden, die ausdrücklich als chlortolurontolerant eingestuft sind. Einige Winterweizen- und Wintergerstensorten besitzen eine genetisch bedingte Empfindlichkeit, die bei Behandlung zu schweren phytotoxischen Schäden bis hin zum Totalausfall führen kann. Konsultieren Sie vor der Anwendung stets die aktuelle Sortenliste des Herstellers oder der offiziellen Beratung.
Wie beeinflusst die Bodenbeschaffenheit die Wirksamkeit und Verträglichkeit des Mittels?
Auf sehr humosen Böden (über 4 % Humusgehalt) kann der Wirkstoff stark adsorbiert werden, was die Herbizidleistung spürbar reduziert. Umgekehrt ist auf sehr leichten, sandigen Böden Vorsicht geboten, da der Wirkstoff bei Starkregen in die Wurzelzone der Kultur ausgewaschen werden und dort vorübergehende Wachstumshemmungen verursachen kann.
Kann Lentipur 700 auch im zeitigen Frühjahr eingesetzt werden?
Ja, eine Anwendung im zeitigen Frühjahr ist bis zum Ende der Bestockung (BBCH 29) der Kulturen möglich, sofern die Unkräuter das empfindliche Rosettenstadium und die Ungräser das Bestockungsstadium noch nicht überschritten haben. Allerdings ist die Wirkung im Frühjahr stark von ausreichender Bodenfeuchtigkeit abhängig; bei anhaltender Trockenheit kann der Bekämpfungserfolg unzureichend sein.
Was muss bezüglich der Nachbaufristen und des Umbruchs nach einer Behandlung beachtet werden?
Sollte ein vorzeitiger Umbruch der behandelten Kultur (z. B. durch Auswinterung) notwendig werden, können nach einer tiefen Pflugfurche im Frühjahr in der Regel Sommergetreide oder Mais nachgebaut werden. Bei normalem Ernteverlauf bestehen für die folgende Fruchtfolge im Herbst keine Einschränkungen, da Chlortoluron im Boden über die Vegetationsperiode hinweg biologisch abgebaut wird.
Wie verhält sich Lentipur 700 bei Frost oder extremen Temperaturen?
Das Pflanzenschutzmittel sollte nicht bei Frost oder unmittelbar vor Frostperioden ausgebracht werden, da die Kultur unter Stressbedingungen den Wirkstoff schlechter abbauen kann, was zu Phytotoxizität führt. Optimal sind milde, frostfreie Tage mit hoher Luftfeuchtigkeit und Temperaturen zwischen 5 °C und 15 °C.