Lontrel 600
Lontrel 600 ist ein hochkonzentriertes, systemisches Herbizid von Corteva Agriscience, das speziell für den professionellen Einsatz in Rübenkulturen (Zuckerrübe und Futterrübe) entwickelt wurde. Als flüssiges Konzentrat (SL) formuliert, zeichnet sich das Pflanzenschutzmittel durch eine hervorragende Handhabung, präzise Dosierbarkeit und eine schnelle Aufnahme über das Blattwerk der Schaderreger aus. Es stellt ein wichtiges Werkzeug im modernen Rübenanbau dar, um schwer bekämpfbare, tiefwurzelnde Unkräuter effektiv zu kontrollieren.
Das Wirkungsspektrum konzentriert sich insbesondere auf wirtschaftlich bedeutende Problemunkräuter aus der Familie der Korbblütler (Asteraceae). Hierzu gehören vor allem die hartnäckige Acker-Kratzdistel sowie verschiedene Kamille-Arten wie die Acker-Hundskamille. Durch die systemische Verteilung im Saftstrom der Pflanzen erfasst das Mittel auch die unterirdischen Wurzelorgane der Disteln, was einen nachhaltigen Bekämpfungserfolg sichert und den gefürchteten Wiederaustrieb wirksam unterdrückt.
Wirkstoffe
Wirkungsweise
Der enthaltene Wirkstoff Clopyralid gehört zur chemischen Gruppe der Pyridincarbonsäuren und ist im HRAC-System als synthetisches Auxin (HRAC-Gruppe 4) klassifiziert. Nach der Applikation wird der Wirkstoff rasch über die Blätter aufgenommen und sowohl akropetal als auch basipetal in der gesamten Pflanze transportiert. Er reichert sich bevorzugt in den meristematischen Geweben der Spross- und Wurzelspitzen an. Biochemisch imitiert Clopyralid das natürliche Pflanzenhormon Indol-3-essigsäure (Auxin), was zu einer unkontrollierten Überstimulation des Zellwachstums und der Zellteilung in den empfindlichen zweikeimblättrigen Schaderregern führt. Die betroffenen Pflanzen zeigen charakteristische Symptome wie epinastische Krümmungen an Stängeln und Blättern, gefolgt von einer Störung des Leitgewebesystems, Welke und schließlich dem vollständigen Absterben des Unkrauts.
Resistenzmanagement
Um der Entstehung von Resistenzen bei den Zielunkräutern vorzubeugen, solltest du Lontrel 600 stets in ein integriertes Herbizidmanagement einbinden. Obwohl für den Wirkstoff Clopyralid bei den typischen Rüben-Schaderregern in Deutschland derzeit ein geringes Resistenzrisiko besteht, empfiehlt sich der regelmäßige Wirkstoffwechsel. Kombiniere oder rotiere das Pflanzenschutzmittel mit Herbiziden anderer HRAC-Klassen, um den Selektionsdruck einseitiger Wirkmechanismen konsequent zu minimieren.
Mischbarkeit & Tankmischung
Lontrel 600 ist in der Praxis hervorragend mit gängigen Rübenherbiziden mischbar, um das Wirkungsspektrum gegen einkeimblättrige und weitere zweikeimblättrige Unkräuter abzurunden. Bei Tankmischungen solltest du stets die Gebrauchsanleitungen aller Mischpartner beachten und vorab eine physikalische Mischprobe durchführen. Die Zugabe von geeigneten Additiven oder Ölen kann die Benetzung und Wirkstoffaufnahme unter trockenen Bedingungen verbessern, sollte jedoch im Hinblick auf die Kulturverträglichkeit vorsichtig dosiert werden.
Sicherheit & Ökotoxikologie
Beim Umgang mit Lontrel 600 ist das Tragen der vorgeschriebenen persönlichen Schutzausrüstung (PSA) bei der Ausbringung obligatorisch, um den Anwenderschutz zu gewährleisten. Da für dieses Produkt keine spezifische Bienengefährdungsklasse vorgegeben ist, solltest du zum Schutz von Bestäubern dennoch allgemeine Vorsichtsmaßnahmen treffen: Vermeide Anwendungen auf blühenden Beständen oder an Orten, an denen Bienen aktiv auf Nahrungssuche sind, und verlege die Behandlung vorzugsweise in die späten Abendstunden. Achte zudem darauf, Abdrift auf benachbarte Oberflächengewässer und Saumstrukturen strikt zu vermeiden, um aquatische Organismen und die umliegende Flora zu schonen.
Zugelassene Anwendungen
| Kultur | Ziel-Schaderreger | BBCH | Aufwand | Wartezeit |
|---|---|---|---|---|
| Futterrübe | Acker-Kratzdistel | 12–39 | 100 MILLILITER_PER_HECTARE | — |
| Zuckerrübe | Acker-Kratzdistel | 12–39 | 100 MILLILITER_PER_HECTARE | — |
| Futterrübe | Acker-Kratzdistel, Kamille-Arten, Acker-Hundskamille | 12–39 | 200 MILLILITER_PER_HECTARE | — |
| Zuckerrübe | Acker-Kratzdistel, Kamille-Arten, Acker-Hundskamille | 12–39 | 200 MILLILITER_PER_HECTARE | — |
Häufige Fragen
Wann ist der optimale Zeitpunkt für die Behandlung von Acker-Kratzdisteln mit Lontrel 600?
Der beste Bekämpfungserfolg gegen die Acker-Kratzdistel wird erzielt, wenn sich die Disteln im aktiven Wachstum befinden und eine Wuchshöhe von etwa 15 bis 20 cm (Rosettenstadium bis kurz vor dem Schossen) erreicht haben. Zu diesem Zeitpunkt ist die Blattfläche groß genug, um ausreichend Wirkstoff aufzunehmen, der dann effizient bis in die Wurzelspitzen transportiert wird.
Kann ich Lontrel 600 auch bei kühlen Temperaturen im Frühjahr einsetzen?
Ja, das Pflanzenschutzmittel ist auch bei mäßig kühlen Temperaturen wirksam, solange die Zielpflanzen aktiv wachsen. Für eine optimale und schnelle systemische Verteilung des Wirkstoffs Clopyralid sind jedoch milde, wüchsige Wetterlagen mit Temperaturen über 10 °C und ausreichender Luftfeuchtigkeit ideal. Vermeide Behandlungen bei Frostgefahr oder extremer Trockenheit.
Was muss ich bei der Fruchtfolge und eventuellen Nachbauverpflichtungen beachten?
Clopyralid wird im Boden mikrobiell abgebaut. Dennoch solltest du bei der Planung der Fruchtfolge beachten, dass empfindliche Kulturen wie Leguminosen (Erbsen, Bohnen), Klee oder Solanaceen (Kartoffeln) im selben oder folgenden Anbaujahr empfindlich auf eventuelle Bodenrückstände reagieren können. Nach dem regulären Umbruch von Rüben sind Getreide oder Mais als Folgekulturen in der Regel völlig unbedenklich.
Warum ist die systemische Wirkung bei der Bekämpfung von Kamille-Arten so wichtig?
Kamille-Arten entwickeln schnell ein dichtes Wurzelsystem und können Rübenkeimlinge rasch überwachsen. Die systemische Wirkung von Lontrel 600 sorgt dafür, dass der Wirkstoff nach der Blattaufnahme in der gesamten Pflanze verteilt wird. Dadurch werden auch ältere, bereits verholzte Kamillepflanzen im Wachstum gestoppt und sterben vollständig ab, anstatt nach einem reinen Kontaktherbizid-Einsatz wieder auszutreiben.
Welche Wasseraufwandmenge und Düsentechnik wird für die Anwendung empfohlen?
Um eine gleichmäßige Benetzung der oft feinen Blätter von Kamille und Disteln zu gewährleisten, empfiehlt sich eine Wasseraufwandmenge von 200 bis 400 l/ha. Verwende abdriftmindernde Injektordüsen, die ein mittleres bis grobtropfiges Spritzbild erzeugen. Dies minimiert das Risiko von Abdrift auf empfindliche Nachbarkulturen, während die systemische Natur des Wirkstoffs eine exzellente Wirkung garantiert.