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Kultur

Futterrübe

Beta vulgaris subsp. vulgaris var. crassa
BEAVC

Die Futterrübe (Beta vulgaris subsp. vulgaris var. crassa, EPPO-Code: BEAVC), auch als Runkelrübe bekannt, ist eine traditionell und ökonomisch bedeutende landwirtschaftliche Kultur zur Erzeugung von hochwertigem, energiereichem Saftfutter für die Nutztierhaltung sowie zunehmend als Substrat für Biogasanlagen. Aufgrund ihres extrem hohen Ertragspotenzials an Trockenmasse und ihrer hervorragenden Verdaulichkeit nimmt sie eine Sonderstellung im Futterbau ein.

Botanisch gehört die Kultur zur Familie der Fuchsschwanzgewächse (Amaranthaceae). Sie zeichnet sich durch eine tiefe Pfahlwurzel und einen stark verdickten Rübenkörper aus, der sich je nach Sorte zu unterschiedlichen Anteilen oberhalb des Bodens entwickelt. Dies beeinflusst maßgeblich die Erntetechnik und den Verschmutzungsgrad bei der Bergung.

Der Anbau stellt hohe Ansprüche an Boden, Wasserversorgung und pflanzenbauliches Geschick. Eine präzise Unkrautregulierung im frühen Jugendstadium sowie ein integrierter Pflanzenschutz gegen pilzliche Schaderreger und tierische Schädlinge sind entscheidend, um das genetische Ertragspotenzial dieser Kultur voll auszuschöpfen.

Aussaat-/Pflanzzeitraum
Ende März bis Mitte April (Bodentemperatur ab 6–8 °C)
Erntefenster
Oktober bis November (vor starken Frösten)
Reihenabstand
45–50 cm (Reihenabstand), 15–22 cm (in der Reihe)
Typischer Ertrag
80–120 t/ha Frischmasse (entspricht ca. 15–22 t/ha Trockenmasse)
Wärmesumme (GDD)
1900–2100 °Cd (Basis 0 °C)
Boden-pH
6,5–7,2 (stark säureempfindlich)

Bodenmanagement

Die Futterrübe verlangt tiefgründige, humose und gut strukturierte Böden mit hoher Wasserhaltekapazität, bevorzugt kalkreiche Lehm- und Lössböden. Da die Kultur extrem empfindlich auf Bodenverdichtungen reagiert, ist eine sorgfältige, tief lockere Herbstfurche oder eine qualifizierte Mulchsaat im Frühjahr unerlässlich. Ein feinkrümeliges, gut rückverfestigtes Saatbett sichert den gleichmäßigen Feldaufgang und eine homogene Tiefenablage des pillierten Saatguts bei etwa 2–3 cm. Aufgrund des hohen Nährstoffentzugs ist eine ausgewogene Düngung mit Stickstoff, Phosphor, Kali sowie insbesondere Bor zur Vermeidung der Herz- und Trockenfäule obligatorisch. Eine organische Düngung mit Gülle oder Stallmist im Herbst wird von der Kultur hervorragend verwertet.

Schaderreger-Management

In der integrierten Unkrautregulierung liegt der Fokus auf einer Serie von Splitting-Behandlungen mit Herbiziden im Nachauflauf, beginnend unmittelbar im Keimblattstadium (BBCH 10), um Schaderreger wie Elymus repens oder Echinochloa crus-galli frühzeitig zu unterdrücken. Gegen pilzliche Blattkrankheiten, insbesondere Cercospora beticola (Cercospora-Blattflecken) und Mehltau, sind ab Befallsbeginn bzw. beim Überschreiten regionaler Schadschwellen gezielte Fungizid-Anwendungen durchzuführen. Zur Vermeidung von Ertragsverlusten durch Rhizoctonia solani (Späte Rübenfäule) ist neben einer weiten Fruchtfolge (mindestens 4 Jahre Anbaupause) der Einsatz toleranter Sorten die wirksamste Maßnahme. Tierische Schaderreger wie die Rübenfliege (Pegomya hyoscyami) oder Blattläuse als Virusüberträger müssen mittels regelmäßiger Bestandskontrollen überwacht und bei Erreichen der Bekämpfungsrichtwerte mit zugelassenen Pflanzenschutzmitteln behandelt werden.

Sorten

Brigadier

mittelspät

Sehr hoher Frischmasseertrag bei mittlerem Trockensubstanzgehalt.

Anfällig für: Cercospora, Rhizoctonia

Traditionelle, bewährte Sorte mit walzenförmiger, gelb-oranger Rübe, die weit aus dem Boden ragt und sich daher besonders leicht manuell oder maschinell ernten lässt. Sehr geringer Erdanhang.

Kyros

mittel

Hoher Trockenmasseertrag durch hohen Zucker- und Trockensubstanzgehalt.

Anfällig für: Cercospora

Weiße, halbe Walzenrübe mit tiefem Sitz im Boden. Erfordert sorgfältige maschinelle Ernte, bietet dafür aber eine hervorragende Lagerfähigkeit.

Feldherr

mittelfrüh

Sehr hoher Frischmasseertrag, mäßiger Trockensubstanzgehalt.

Anfällig für: Rhizoctonia, Echter Mehltau

Rote Walzenrübe mit gutem Überstand über dem Boden. Sehr beliebt in der Rinderfütterung wegen der weichen Rübenkonsistenz und der leichten Verdaulichkeit.

Enermax

spät

Herausragender Trockenmasseertrag, ideal für Biogas und Fütterung.

Resistent gegen: Rhizomania

Anfällig für: Cercospora

Weiße Rübe mit sehr hohem Trockensubstanzgehalt. Zeichnet sich durch eine glatte Oberfläche aus, was den Erdanhang und somit den Reinigungsaufwand minimiert.

Gerty KWS

mittelspät

Sehr hoher Trockenmasseertrag mit exzellenter Energieausbeute.

Resistent gegen: Rhizomania, Rhizoctonia

Moderne Züchtung mit hoher Toleranz gegenüber Blattkrankheiten. Hervorragend geeignet für die vollmechanisierte Ernte.

Wichtige Schaderreger

Zugelassene Pflanzenschutzmittel

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Häufige Fragen

Wie unterscheidet sich die Futterrübe pflanzenbaulich von der Zuckerrübe?

Obwohl beide zur selben Art gehören, weisen Futterrüben einen geringeren Zuckergehalt (ca. 7–12 % statt 16–20 %), dafür aber einen höheren Wassergehalt und oft einen oberirdischen Wuchs auf. Dies erleichtert die schonende Ernte und Verfütterung als Frischsubstanz, erfordert jedoch aufgrund des geringeren Frostschutzes durch Zucker eine rechtzeitige Ernte vor den ersten starken Herbstfrösten.

Wann ist der optimale Zeitpunkt für die erste Herbizidbehandlung im Nachauflauf?

Die erste Nachauflaufbehandlung (NAK I) muss zwingend erfolgen, wenn die ersten Unkräuter das Keimblattstadium erreichen, unabhängig vom Entwicklungsstadium der Futterrübe. Da Rüben im Keimblattstadium (BBCH 10) sehr empfindlich sind, werden Herbizide in niedrigen Aufwandmengen im Abstand von 7 bis 14 Tagen gesplittet (NAK I bis III), oft kombiniert mit einem bodenwirksamen Partner.

Wie lässt sich das Risiko von Herz- und Trockenfäule im Anbau minimieren?

Herz- und Trockenfäule wird durch Bormangel verursacht, der besonders auf leichten, kalkreichen oder trockenfallenden Böden auftritt. Vorbeugend sollte eine gezielte Bor-Düngung (ca. 300–500 g/ha Reingehalt) als Blattdüngung in den BBCH-Stadien 19 bis 39 (Reihenschluss) durchgeführt werden, um das Absterben des Herzblatts und nachfolgende Fäulnisprozesse zu verhindern.

Welche Rolle spielt die Fruchtfolge bei der Vermeidung von Rhizoctonia solani?

Rhizoctonia solani besitzt einen sehr weiten Wirtskreis (u.a. Mais, Kartoffeln, Leguminosen). Um den Infektionsdruck zu minimieren, sollte eine Anbaupause von mindestens 4 Jahren eingehalten werden, und Futterrüben sollten nicht direkt nach anfälligen Kulturen wie Mais oder Kleegras stehen. Der Anbau von resistenten Zwischenfrüchten wie bestimmten Senf- oder Ölrettichsorten kann den Erregerdruck im Boden zusätzlich senken.

Wie finde ich auf agronomy.farmable.tech zugelassene Pflanzenschutzmittel gegen Cercospora beticola?

Nutzen Sie die Suchfunktion auf unserer Plattform und filtern Sie nach der Kultur 'Futterrübe' sowie dem Schaderreger 'Cercospora beticola' (Cercospora-Blattflecken). Das System listet Ihnen alle aktuell in Deutschland zugelassenen Fungizide inklusive der maximalen Aufwandmengen, der zulässigen Anzahl an Anwendungen und der gesetzlichen Wartezeiten auf.

Warum ist die mechanische Unkrautbekämpfung bei Futterrüben wieder im Trend und wie wird sie durchgeführt?

Aufgrund schwindender chemischer Wirkstoffe gewinnt das Hacken an Bedeutung. Es wird meist ab dem 2- bis 4-Blatt-Stadium (BBCH 12–14) zwischen den Reihen durchgeführt, oft kombiniert mit bandgespritzten Herbiziden in der Reihe, um Pflanzenschutzmittel einzusparen und gleichzeitig Verkrustungen des Bodens aufzubrechen.