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PRETIL

BVL Zul.-Nr. 00A594-00

PRETIL ist ein hochwirksames Pflanzenschutzmittel zur gezielten Bekämpfung von wirtschaftlich bedeutenden Pilzkrankheiten im Wein- und Kernobstbau. Als Suspensionskonzentrat (SC) formuliert, basiert das Präparat auf dem bewährten Wirkstoff Pyrimethanil (400 g/l). Es zeichnet sich durch eine hervorragende vorbeugende und kurative Wirkung aus, die insbesondere bei kühleren Witterungsbedingungen im Frühjahr ihre Stärken voll ausspielt.

Das Anwendungsspektrum konzentriert sich auf zwei der schädlichsten Pilzerreger im Sonderkulturanbau: Botrytis cinerea (Grauschimmel) an Weinreben sowie Schorf (Venturia spp.) an Äpfeln, Birnen und Quitten. Durch seine translaminaren und gasförmigen Eigenschaften verteilt sich der Wirkstoff optimal in der Kultur und schützt auch schwer erreichbare Pflanzenteile sowie den Neuzuwachs zuverlässig vor einer Infektion.

Dank der flexiblen Anwendungsmöglichkeiten von den frühen BBCH-Stadien der Knospenentwicklung bis hin zur Reifephase bietet PRETIL Betriebsleitern ein verlässliches Werkzeug für das integrierte Pflanzenschutzmanagement. Die Formulierung sorgt für eine schnelle Regenfestigkeit und eine langanhaltende Schutzwirkung unter wechselnden klimatischen Bedingungen.

Wirkstoffe

Pyrimethanil
400 g/L · Wirkstoff

Wirkungsweise

Der in PRETIL enthaltene Wirkstoff Pyrimethanil gehört zur chemischen Klasse der Anilinopyrimidine und ist im FRAC-Code in die Gruppe 9 (D1) eingestuft. Der biochemische Wirkungsmechanismus beruht auf der Hemmung der Methionin-Biosynthese des Pilzes. Da Methionin eine essenzielle Aminosäure ist, führt dieser Mangel zu einer Blockade des Keimschlauchwachstums und verhindert das Eindringen des Myzels in das Pflanzengewebe. Darüber hinaus hemmt Pyrimethanil die Sekretion von hydrolytischen Enzymen (wie Pektinasen und Laccasen), die der Schaderreger zur Zerstörung der pflanzlichen Zellwand benötigt. Diese duale Wirkung – die Unterbindung des Pilzwachstums und die Blockierung der enzymatischen Gewebezersetzung – macht PRETIL besonders effektiv bei der Verhinderung von Primärinfektionen und stoppt bereits beginnende Infektionsketten im Gewebe.

Resistenzmanagement

Um einer Resistenzbildung bei Botrytis cinerea und Venturia spp. aktiv vorzubeugen, muss PRETIL strikt im Rahmen eines vorausschauenden Antiresistenzmanagements eingesetzt werden. Da Pyrimethanil der FRAC-Gruppe 9 angehört, ist die Anzahl der Behandlungen pro Saison streng zu begrenzen. Ein kontinuierlicher Solo-Einsatz ist zu vermeiden; stattdessen sollte das Pflanzenschutzmittel im Wechsel oder in Tankmischung mit Fungiziden aus anderen Wirkstoffklassen mit unterschiedlichen Wirkungsmechanismen ausgebracht werden. Dies sichert die langfristige Wirksamkeit dieses wichtigen Bausteins im Kulturmanagement.

Mischbarkeit & Tankmischung

PRETIL zeigt sich in der Praxis als hervorragend mischbar mit den meisten gängigen Fungiziden, Insektiziden und Blattdüngern, die im Wein- und Obstbau etabliert sind. Bei der Erstellung von Tankmischungen ist auf eine ausreichende Wasseraufwandmenge zu achten, um eine lückenlose Benetzung der Zielflächen zu garantieren. Die Zugabe von Netzmitteln kann die Verteilung auf schwer benetzbaren Oberflächen verbessern, sollte jedoch vorab auf Kulturverträglichkeit geprüft werden. Es wird empfohlen, Mischungen stets zeitnah auszubringen und die physikalische Kompatibilität im Zweifelsfall durch eine kleine Probemischung abzusichern.

Sicherheit & Ökotoxikologie

Beim Umgang mit PRETIL ist das Tragen der vorgeschriebenen persönlichen Schutzausrüstung (PSA), einschließlich Schutzanzug und robustem Schuhwerk bei der Ausbringung sowie Schutzhandschuhen beim Ansetzen der Spritzbrühe, obligatorisch. Zum Schutz von Gewässern und aquatischen Organismen sind die gesetzlich vorgegebenen Abstandsauflagen und der Einsatz abdriftmindernder Technik strikt einzuhalten. Der Wirkstoff Pyrimethanil ist bei sachgemäßer Anwendung als nicht bienengefährlich eingestuft (B4), dennoch sollte der direkte Kontakt mit blühenden Kulturen oder Unkräutern während des Bienenflugs aus Gründen des vorsorgenden Umweltschutzes minimiert werden.

Zugelassene Anwendungen

KulturZiel-SchaderregerBBCHAufwandWartezeit
WeinrebeBotrytis cinerea68–812 LITER_PER_HECTARE21T
QuitteSchorf (Venturia spp.)53–991.125 LITER_PER_HECTARE56T
FuttererbseBotrytis cinerea60–691.5 LITER_PER_HECTARE28T
ApfelSchorf (Venturia spp.)53–991.125 LITER_PER_HECTARE56T
BirneSchorf (Venturia spp.)53–991.125 LITER_PER_HECTARE56T

Häufige Fragen

Wann ist der optimale Zeitpunkt für den Einsatz von PRETIL gegen Botrytis im Weinbau?

Die gezielte Behandlung gegen Botrytis cinerea sollte zu den kritischen Infektionsphasen erfolgen. Typische Termine sind die abgehende Blüte (BBCH 68–69), vor dem Traubenschluss (BBCH 77–79) zur Absicherung des Stielgerüsts oder bei beginnender Reife (BBCH 81–85). Eine frühzeitige Protektion verhindert, dass sich der Erreger im Inneren der Traube etabliert.

Warum ist PRETIL besonders für die frühen Schorfbehandlungen im Kernobst geeignet?

Der Wirkstoff Pyrimethanil besitzt eine hervorragende Temperaturstabilität und entfaltet seine Wirkung bereits bei niedrigen Temperaturen ab ca. 5–8 °C. Da Primärinfektionen durch Schorf (Venturia spp.) oft im kühlen, feuchten Frühjahr stattfinden, bietet das Produkt in dieser Phase einen entscheidenden Vorteil gegenüber temperaturabhängigen Fungiziden.

Wie wirkt sich die Dampfphase von Pyrimethanil auf den Behandlungserfolg aus?

Nach der Applikation verdunstet ein Teil des Wirkstoffs minimal und verteilt sich als Gasphase im dichten Laubdach oder im Inneren von kompakten Trauben. Dieser Dampfeffekt schützt auch Pflanzenteile, die von der Spritzbrühe nicht direkt getroffen wurden, und sorgt für eine gleichmäßige Wirkstoffverteilung.

Welche Wartezeiten müssen bei der Anwendung von PRETIL beachtet werden?

Die einzuhaltende Wartezeit (PHI) variiert je nach Kultur und dem spezifischen Anwendungszeitpunkt zwischen 21 und 56 Tagen. Diese Fristen sind zwingend einzuhalten, um sicherzustellen, dass eventuelle Wirkstoffrückstände im Erntegut weit unter den gesetzlichen Grenzwerten liegen. Die genauen Vorgaben für die jeweilige Kultur sind der Gebrauchsanleitung zu entnehmen.

Kann PRETIL bei extremen Hitzeperioden eingesetzt werden?

Bei Temperaturen über 25 °C sollte von einer Anwendung abgesehen werden. Durch die hohe Verdunstungsrate bei Hitze kann die Gasphase zu schnell verfliegen, was die Dauerwirkung reduziert. Zudem steigt bei starker Sonneneinstrahlung das Risiko von phytotoxischen Reaktionen auf den Blättern. Behandlungen sollten in den kühleren Morgen- oder Abendstunden durchgeführt werden.

Wie finde ich im Portal weitere zugelassene Pflanzenschutzmittel gegen Schorf oder Botrytis?

Nutzen Sie die Filterfunktionen in unserer Datenbank auf agronomy.farmable.tech. Sie können gezielt nach den Schaderregern 'Botrytis cinerea' oder 'Venturia spp.' filtern und die Ergebnisse nach Kulturen wie Apfel oder Weinrebe eingrenzen, um alle in Deutschland registrierten Alternativen und Kombinationspartner anzuzeigen.