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PYRUS

BVL Zul.-Nr. 006922-00

PYRUS ist ein hochwirksames, spezialisiertes Pflanzenschutzmittel zur Bekämpfung von bedeutenden Pilzkrankheiten im Obst- und Weinbau. Als Suspensionskonzentrat (SC) formuliert, basiert das Produkt auf dem bewährten Wirkstoff Pyrimethanil. Es hat sich als Standardlösung im integrierten Pflanzenschutz etabliert, insbesondere zum Schutz von Kernobst (Apfel und Birne), Erdbeeren und Weinreben gegen wirtschaftlich verheerende Schaderreger.

Das primäre Wirkungsspektrum von PYRUS konzentriert sich auf zwei der hartnäckigsten pilzlichen Schaderreger im Sonderkulturanbau: Botrytis cinerea (Grauschimmel) und Venturia spp. (Apfel- und Birnenschorf). Durch seine ausgeprägten translaminaren und gasförmigen Eigenschaften (Dampfphase) verteilt sich der Wirkstoff optimal auf der Pflanzenoberfläche und dringt auch in schwer zugängliche Bereiche wie dichte Laubwände oder das Innere von Trauben- und Blütenständen ein.

Dank der flexiblen Zulassung in verschiedenen BBCH-Stadien lässt sich PYRUS hervorragend in bestehende Spritzfolgen integrieren. Ob zur gezielten Blütenbehandlung in Erdbeeren, zur Schorfbekämpfung in der kritischen Phase des Austriebs im Kernobst oder zur Absicherung der Traubengesundheit im Weinbau – das Produkt bietet Erzeugern ein hohes Maß an Flexibilität und verlässliche Ertragssicherung unter wechselnden Witterungsbedingungen.

Wirkstoffe

Pyrimethanil
400 g/L · Wirkstoff

Wirkungsweise

Der in PYRUS enthaltene Wirkstoff Pyrimethanil gehört zur chemischen Klasse der Anilinopyrimidine (FRAC-Gruppe 9). Der biochemische Wirkungsmechanismus beruht auf der Hemmung der Biosynthese von Methionin, einer für den Pilz essenziellen Aminosäure. Darüber hinaus inhibiert Pyrimethanil die Sekretion von hydrolytischen Enzymen (wie Laccasen und Proteasen), die der Schaderreger benötigt, um das Pflanzengewebe während des Infektionsprozesses zu durchdringen und aufzulösen. Pyrimethanil zeichnet sich durch eine starke präventive und kurative Aktivität aus. Nach der Anwendung wird der Wirkstoff rasch von den grünen Pflanzenteilen aufgenommen und translaminar verteilt. Ein besonderer Vorteil bei kühleren Frühjahrstemperaturen ist die ausgeprägte Gasphase des Wirkstoffs: Durch die lokale Dampfaktivität werden auch unbehandelte oder nachwachsende Pflanzenteile in unmittelbarer Nähe geschützt, was PYRUS zu einem idealen Partner für frühe Schorfbehandlungen macht.

Resistenzmanagement

Da Pyrimethanil der FRAC-Gruppe 9 angehört, besteht bei wiederholter, einseitiger Anwendung ein inhärentes Risiko für die Entwicklung von Resistenzen, insbesondere bei Botrytis cinerea. Um die langfristige Wirksamkeit von PYRUS zu sichern, ist ein striktes Resistenzmanagement erforderlich. Dies umfasst die Begrenzung der maximalen Anzahl an Anwendungen pro Saison sowie den konsequenten Wechsel (Rotation) mit Fungiziden aus anderen Wirkstoffklassen mit unterschiedlichen Wirkungsmechanismen. Zudem sollte PYRUS in Phasen mit hohem Infektionsdruck bevorzugt in Tankmischung mit Kontaktpartnern eingesetzt werden.

Mischbarkeit & Tankmischung

PYRUS zeigt eine hervorragende physikalische und chemische Mischbarkeit mit den meisten gängigen Fungiziden, Insektiziden und Blattdüngern, die im Obst- und Weinbau eingesetzt werden. Bei der Erstellung von Tankmischungen wird empfohlen, PYRUS als flüssige Formulierung (SC) nach den festen Formulierungen (wie WG oder WP) in den bereits zu zwei Dritteln mit Wasser gefüllten Spritztank unter ständigem Rühren zuzugeben. Die Verwendung von Netzmitteln oder Additiven kann die Benetzung und Wirkstoffaufnahme insbesondere bei schwer benetzbaren Kulturen wie Erdbeeren verbessern, sollte jedoch vorab auf Verträglichkeit geprüft werden.

Sicherheit & Ökotoxikologie

Beim Umgang mit PYRUS ist die vorgeschriebene persönliche Schutzausrüstung (PSA), einschließlich Schutzanzug, Schutzhandschuhen und Augenschutz, strikt einzuhalten, um den Anwenderschutz zu gewährleisten. Zum Schutz von Gewässerorganismen und der aquatischen Umwelt sind die in der Zulassung festgelegten Abstandsauflagen (Abdriftminderungsklassen) zu Oberflächengewässern genau zu beachten. Das Produkt ist bei sachgemäßer Anwendung als nicht bienengefährlich (B4) eingestuft, dennoch sollte ein direkter kontakt mit blühenden Unkräutern oder aktiv fliegenden Bienen vermieden werden. Nützlinge wie Raubmilben werden bei fachgerechter Dosierung geschont, was den Einsatz im integrierten Anbau unterstützt.

Zugelassene Anwendungen

KulturZiel-SchaderregerBBCHAufwandWartezeit
ErdbeereBotrytis cinerea60–972.5 LITER_PER_HECTARE3T
BirneSchorf (Venturia spp.)53–690.33 LITER_PER_HECTARE_AND_METER_CROWN_HEIGHT56T
ApfelSchorf (Venturia spp.)53–690.33 LITER_PER_HECTARE_AND_METER_CROWN_HEIGHT56T
ErdbeereBotrytis cinerea60–972.5 LITER_PER_HECTARE3T
WeinrebeBotrytis cinerea0.625 LITER_PER_HECTARE21T

Häufige Fragen

Wie beeinflussen niedrige Temperaturen im Frühjahr die Wirksamkeit von PYRUS bei der Schorfbekämpfung?

PYRUS ist im Vergleich zu vielen anderen Fungizidklassen auch bei kühlen Temperaturen ab ca. 5 bis 10 °C voll wirksam. Seine ausgeprägte Dampfphase (Gasaktivität) entfaltet sich bereits bei niedrigen Temperaturen, was das Pflanzenschutzmittel zu einer idealen Wahl für die frühen Schorfbehandlungen im Kernobst macht, wenn systemische Triazole noch keine optimale Wirkung zeigen.

Warum ist die Einhaltung der maximalen Anwendungsanzahl bei PYRUS für das Resistenzmanagement so wichtig?

Der Wirkstoff Pyrimethanil gehört zur FRAC-Gruppe 9. Schaderreger wie Botrytis cinerea besitzen ein hohes Risiko zur Resistenzbildung gegen diese Wirkstoffklasse. Durch die Begrenzung der Spritzfolgen und den gezielten Wechsel mit anderen Wirkstoffklassen (z. B. SDHI oder Kontaktwirkstoffen) wird der Selektionsdruck minimiert und die Sensitivität der Pilzpopulationen langfristig erhalten.

Kann PYRUS auch während der Blüte in Erdbeeren eingesetzt werden, und worauf ist zu achten?

Ja, PYRUS ist hervorragend für den Einsatz während der Erdbeerblüte (ab BBCH 53 bis 69) zur Bekämpfung von Botrytis cinerea geeignet. Da der Pilz die Blütenorgane infiziert und dort latent bis zur Fruchtreife überdauert, ist eine präventive Behandlung in dieser Phase entscheidend. Dank der Einstufung als nicht bienengefährlich (B4) kann die Anwendung auch während des Bienenflugs erfolgen.

Welche Rolle spielt die Dampfphase von PYRUS im dichten Laubdach von Weinreben?

Im Weinbau ist die Erreichbarkeit der Gescheine und Trauben im dichten Laubwerk oft eine Herausforderung. Durch die lokale Gasphase (Dampfaktivität) von Pyrimethanil verteilt sich der Wirkstoff auch sekundär auf engstem Raum. So werden auch die Innenseiten kompakter Trauben und vom Spritzstrahl schwer getroffene Beeren effektiv vor einer Botrytis-Infektion geschützt.

Wie verhält sich PYRUS bezüglich der Regenfestigkeit nach der Applikation?

Aufgrund der schnellen translaminaren Aufnahme des Wirkstoffs in das Pflanzengewebe ist PYRUS bereits etwa zwei Stunden nach der Anwendung regenfest. Niederschläge, die nach diesem Zeitraum auftreten, waschen den Wirkstoff nicht mehr ab, sodass der Schutzfilm auch unter wechselhaften und feuchten Witterungsbedingungen stabil bleibt.