Reboot
Reboot ist ein hochwirksames, modernes Pflanzenschutzmittel von Gowan, das als wasserdispergierbares Granulat (WG) formuliert ist. Es kombiniert zwei komplementäre Wirkstoffe – Cymoxanil und Zoxamid – in einem ausgewogenen Verhältnis. Das Präparat ist in Deutschland beim BVL für den gezielten Einsatz gegen wirtschaftlich bedeutende Oomyceten-Schaderreger zugelassen, namentlich die Kraut- und Knollenfäule (Phytophthora infestans) in Kartoffeln sowie den Falschen Mehltau (Plasmopara viticola) im Weinbau.
Durch die Kombination einer translaminaren, schnell eindringenden Komponente mit einem extrem regenfesten Kontaktwirkstoff besetzt Reboot eine Schlüsselposition im modernen Pflanzenschutz. Es bietet sowohl vorbeugenden Schutz als auch eine kurative Wirkung in der frühen Infektionsphase. Dies macht das Produkt zu einem verlässlichen Baustein, um die Vitalität der Kulturen in kritischen Wachstumsphasen abzusichern und Ertragsverluste effektiv zu verhindern.
Wirkstoffe
Wirkungsweise
Die herausragende Wirkung von Reboot basiert auf dem dualen Wirkungsmechanismus seiner beiden aktiven Komponenten. Cymoxanil gehört zur FRAC-Gruppe 27 (Cyanacetamid-Oxime). Es wirkt lokal-systemisch und translaminar, dringt also rasch in das Blattgewebe ein. Dort stoppt es die Pilzentwicklung unmittelbar nach der Infektion, was dem Mittel eine starke kurative Wirkung in den ersten Tagen nach dem Infektionsereignis verleiht. Zoxamid hingegen ist der FRAC-Gruppe 22 (Benzamide) zugeordnet und fungiert als reines Kontaktfungizid mit ausgeprägter Haftung an der pflanzlichen Wachsschicht. Es blockiert die Kernteilung (Mitose) des Schaderregers durch die Bindung an das Beta-Tubulin. Diese Kombination verhindert effektiv die Keimung der Sporen sowie das Eindringen des Myzels in das Pflanzengewebe und sorgt dank der extremen Regenfestigkeit von Zoxamid für einen langanhaltenden Schutzfilm auf der Blattoberfläche.
Resistenzmanagement
Das integrierte Resistenzmanagement wird durch die Kombination zweier unterschiedlicher Wirkstoffklassen (FRAC 27 und 22) in Reboot bereits von Natur aus unterstützt. Um das Risiko einer Resistenzbildung bei den Schaderregern langfristig zu minimieren, sollte Reboot stets im Wechsel mit Fungiziden eingesetzt werden, die andere Wirkungsmechanismen aufweisen (z. B. Wirkstoffe aus den Gruppen der CAA-Fungizide oder Qi-Inhibitoren). Die maximale Anzahl der Anwendungen pro Saison gemäß den BVL-Zulassungsbestimmungen ist strikt einzuhalten, und das Mittel sollte bevorzugt präventiv oder bei ersten Warnmeldungen der Prognosemodelle appliziert werden.
Mischbarkeit & Tankmischung
Reboot zeichnet sich durch eine gute physikalische und chemische Mischbarkeit mit den meisten gängigen Insektiziden, Fungiziden und Blattdüngern aus, die in den zugelassenen Kulturen Verwendung finden. Vor der Ansetzung größerer Spritzbrühen wird dennoch die Durchführung einer Mischungsprobe (Kübeltest) empfohlen. Für eine optimale Benetzung der Kulturen ist auf eine ausreichende Wasseraufwandmenge zu achten, insbesondere bei fortgeschrittener Bestandesdichte, um eine lückenlose Abdeckung aller Pflanzenteile zu gewährleisten. Der Zusatz von speziellen Netzmitteln ist in der Regel nicht erforderlich, da die Formulierung bereits für eine hervorragende Haftung optimiert ist.
Sicherheit & Ökotoxikologie
Beim Umgang mit Reboot sind die gesetzlich vorgeschriebenen PSA-Maßnahmen (persönliche Schutzausrüstung wie Schutzanzug, Schutzhandschuhe und Schutzbrille) strikt einzuhalten. Da das Produkt Wirkstoffe enthält, die als gewässerbelastend eingestuft sind, müssen die vom BVL vorgegebenen Abstandsauflagen zu Oberflächengewässern (Abdriftminderungsklassen) und Saumstrukturen exakt beachtet werden. Das Pflanzenschutzmittel ist bei bestimmungsgemäßer Anwendung als nicht bienengefährlich (B4) eingestuft, dennoch sollte die Applikation zum Schutz von Bestäubern außerhalb des aktiven Bienenflugs erfolgen.
Zugelassene Anwendungen
Häufige Fragen
Wann ist der optimale Zeitpunkt für den Einsatz von Reboot in Kartoffeln zur Bekämpfung der Kraut- und Knollenfäule?
Der optimale Einsatzzeitpunkt liegt in Phasen des schnellen Krautwachstums und bei hohem Infektionsdruck, der durch feucht-warme Witterung begünstigt wird. Dank der kurativen Wirkung von Cymoxanil kann Reboot auch kurz nach einem vermuteten Infektionsereignis (innerhalb von 24–48 Stunden) appliziert werden, um den Erreger im Blattgewebe zu stoppen, bevor sichtbare Symptome auftreten.
Wie verhält sich Reboot bei unvorhergesehenen Regenfällen kurz nach der Applikation?
Dank der exzellenten Regenfestigkeit des Wirkstoffs Zoxamid, der sich fest an die Wachsschicht der Blätter bindet, ist der Schutzfilm bereits nach kurzer Antrocknungszeit (ca. 1 bis 2 Stunden) regenstabil. Gleichzeitig dringt Cymoxanil extrem schnell translaminar in das Blatt ein, sodass die Wirkung auch bei nachfolgenden Niederschlägen voll erhalten bleibt.
Kann Reboot im Weinbau auch zur Absicherung der Gescheine und jungen Beeren gegen Falschen Mehltau eingesetzt werden?
Ja, gerade in den hochsensiblen BBCH-Stadien der Blüte und des Fruchtansatzes ist der Schutz der Gescheine und jungen Beeren essenziell. Zoxamid bietet hierbei einen hervorragenden Kontakt- und Belagsschutz für die jungen Traubenstrukturen, während Cymoxanil eventuell bereits stattgefundene, unbemerkte Infektionen im Laubwerk effektiv abstoppt.
Wie lässt sich Reboot am besten in eine Spritzfolge integrieren, um Resistenzen vorzubeugen?
Es wird empfohlen, Reboot blockweise oder im steten Wechsel mit Fungiziden einzusetzen, die andere Wirkstoffklassen enthalten, wie beispielsweise Carbonsäureamide (CAA) oder Qi-Inhibitoren. Vermeiden Sie aufeinanderfolgende Anwendungen über die gesamte Saison hinweg und nutzen Sie stattdessen die spezifischen Stärken von Reboot gezielt in Phasen mit dem höchsten Infektionsrisiko.
Welche Rolle spielt die Wasserhärte oder der pH-Wert des Spritzwassers bei der Anwendung von Reboot?
Reboot ist gegenüber moderaten Schwankungen der Wasserqualität recht tolerant. Dennoch ist ein leicht saurer bis neutraler pH-Wert des Spritzwassers (pH 5,5 bis 6,5) ideal, um eine vorzeitige alkalische Hydrolyse des Wirkstoffs Cymoxanil zu verhindern. Bei sehr hartem oder alkalischem Wasser kann der Zusatz eines geeigneten pH-Puffers sinnvoll sein.
Wie finde ich im Portal weitere zugelassene Pflanzenschutzmittel für dieselben Schaderreger?
Sie können in unserer Datenbank gezielt nach den Schaderregern "Phytophthora infestans" oder "Plasmopara viticola" filtern. Die Plattform listet Ihnen alle in Deutschland registrierten Alternativen auf, sodass Sie Wirkstoffklassen vergleichen und eine optimale Fruchtfolge- und Resistenzmanagement-Strategie für Ihren Betrieb planen können.