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Sulphuris 80 WG

BVL Zul.-Nr. 007634-60

Sulphuris 80 WG ist ein bewährtes, wasserdispergierbares Granulat (WG) auf Basis des klassischen Wirkstoffs Schwefel. Es ist im deutschen Markt als vielseitiges Pflanzenschutzmittel etabliert und wird vor allem im Weinbau sowie im Rübenanbau zur vorbeugenden und kurativen Bekämpfung von Echtem Mehltau eingesetzt. Durch seine hochwertige Formulierung löst sich das Granulat schnell und staubfrei im Spritztank auf, was eine homogene Verteilung auf den Zielflächen der Kulturen gewährleistet.

Neben seiner primären fungiziden Wirkung gegen Echte Mehltaupilze besitzt Schwefel eine bekannte, nützliche Nebenwirkung gegen verschiedene Milbenarten. Dies macht Sulphuris 80 WG zu einem wertvollen Baustein im integrierten Pflanzenschutz, da es gleichzeitig zur Befallsregulierung von Gallmilben oder Spinnmilben beitragen kann, ohne dass zusätzliche Spezialakarizide zwingend erforderlich sind.

Die Zulassung erstreckt sich über einen weiten Anwendungszeitraum von den frühen Entwicklungsstadien der Kulturen bis hin zur späten Reifephase. Dank der physikalisch-chemischen Eigenschaften des Schwefels bietet das Produkt eine hervorragende Kontaktwirkung, die besonders bei warmen Witterungsbedingungen durch die zusätzliche Gasphase des Wirkstoffs optimiert wird.

Wirkstoffe

Schwefel
800 g/kg · Wirkstoff

Wirkungsweise

Der Wirkstoff Schwefel (eingestuft in die FRAC-Gruppe M02 als Multi-Site-Fungizid) greift an mehreren Stellen gleichzeitig in den Stoffwechsel des Schaderregers ein. Nach der Applikation dringt elementarer Schwefel in die Sporen und das Myzel der Pilze ein, wo er als Wasserstoffakzeptor fungiert und lebenswichtige Atmungsprozesse in den Mitochondrien stört. Dies führt zu einer Unterbrechung der Energieerzeugung und letztlich zum Absterben des Pilzgewebes. Ein entscheidender Vorteil dieses Wirkungsmechanismus ist die temperaturabhängige Sublimation. Ab Temperaturen von etwa 12–15 °C geht der Schwefel auf der Blattoberfläche teilweise in die Gasphase über. Dieser Schwefeldampf dringt selbst in dichte Laubwände und schwer zugängliche Bereiche der Kultur ein, wodurch auch nicht direkt von der Spritzbrühe getroffene Pflanzenteile geschützt werden.

Resistenzmanagement

Aufgrund seines Multi-Site-Wirkungsmechanismus weist Schwefel ein extrem geringes Risiko für die Entstehung von Resistenzen auf. Sulphuris 80 WG eignet sich daher hervorragend als Partner in Spritzfolgen mit organischen, systemischen Fungiziden, um deren wirkstoffspezifisches Resistenzrisiko aktiv zu minimieren. Ein regelmäßiger Wechsel oder die Kombination von Wirkstoffen mit unterschiedlichen Wirkmechanismen sichert die langfristige Wirksamkeit des gesamten Pflanzenschutzprogramms gegen den Echten Mehltau.

Mischbarkeit & Tankmischung

Sulphuris 80 WG ist im Allgemeinen gut mit gängigen Fungiziden, Insektiziden und Blattdüngern mischbar. Bei Tankmischungen sollte jedoch stets die Gebrauchsanleitung der Mischpartner beachtet werden. Besondere Vorsicht ist bei der Kombination mit mineralölhaltigen Produkten oder Emulsionskonzentraten (EC) geboten, da dies zu Phytotoxizität auf den Blättern führen kann, insbesondere bei hoher Sonneneinstrahlung und hohen Temperaturen. Es wird empfohlen, Schwefelanwendungen nicht unmittelbar vor oder nach Ölbehandlungen durchzuführen und einen zeitlichen Abstand von mindestens 14 Tagen einzuhalten.

Sicherheit & Ökotoxikologie

Beim Umgang mit Sulphuris 80 WG ist die vorgeschriebene persönliche Schutzausrüstung zu tragen, um Haut- und Augenkontakt zu vermeiden, da Schwefel reizend wirken kann. Zum Schutz von Gewässern und aquatischen Organismen sind die in der Zulassung festgelegten Abdriftminderungsklassen und Abstandsauflagen zu Oberflächengewässern strikt einzuhalten. Das Pflanzenschutzmittel ist als nicht bienengefährlich (B4) eingestuft, sollte jedoch zur Schonung von Nutzinsekten wie Raubmilben im Weinbau gezielt und bedarfsgerecht appliziert werden, um das biologische Gleichgewicht nicht zu stören.

Zugelassene Anwendungen

KulturZiel-SchaderregerBBCHAufwandWartezeit
WeinrebeEchter Mehltau (Uncinula necator)15–754 KILOGRAM_PER_HECTARE56T
ZuckerrübeEchter Mehltau (Erysiphe betae)7.5 KILOGRAM_PER_HECTARE14T

Häufige Fragen

Ab welcher Temperatur entfaltet Sulphuris 80 WG seine optimale Wirkung?

Die optimale Wirkung von Schwefelpräparaten beginnt ab einer Temperatur von ca. 12 bis 15 °C, da erst ab diesem Bereich eine ausreichende Dampfphase entsteht, die auch versteckte Pilzherde erreicht. Bei Temperaturen über 28 °C sollte die Behandlung jedoch in die kühleren Abendstunden verlegt werden, um das Risiko von Verbrennungen an den Blättern und Früchten zu minimieren.

Kann Sulphuris 80 WG auch im ökologischen Landbau eingesetzt werden?

Ja, Schwefel ist ein natürlicher Mineralstoff und für den Einsatz im ökologischen Landbau gemäß der EG-Öko-Verordnung zugelassen. Dennoch müssen Anwender die spezifischen Richtlinien ihres jeweiligen Anbauverbandes (z. B. Bioland, Demeter, Naturland) prüfen, da dort teilweise strengere Mengenbegrenzungen pro Hektar und Jahr gelten können.

Wie verhält sich das Produkt bei Niederschlägen nach der Applikation?

Da Schwefel ein reines Kontaktfungizid ist, das einen Schutzfilm auf der Pflanzenoberfläche bildet, ist es mäßig regenfest. Niederschläge von mehr als 15–20 mm können den Belag abwaschen, sodass nach starken Regenfällen eine Erneuerung des Spritzbelags erforderlich ist, um den Schutz gegen den Schaderreger aufrechtzuerhalten.

Welche Rolle spielt Sulphuris 80 WG beim Schutz von Raubmilben im Weinbau?

Obwohl Schwefel ein natürlicher Wirkstoff ist, kann er bei häufiger Anwendung in hohen Aufwandmengen die Populationen von nützlichen Raubmilben vorübergehend dezimieren oder in ihrer Entwicklung hemmen. Es empfiehlt sich daher, die Aufwandmengen im integrierten Weinbau an den tatsächlichen Befallsdruck anzupassen und nützlingsschonende Spritzfolgen zu planen.

Warum variiert die Wartezeit bei diesem Produkt so stark zwischen den Kulturen?

Die Wartezeit ist stark kulturabhängig und richtet sich nach dem Erntezeitpunkt und dem Verwendungszweck. Im Weinbau (insbesondere bei Keltertrauben) sind längere Wartezeiten einzuhalten, um Schwefelrückstände auf den Trauben zu minimieren, da diese den späteren Gärungsprozess im Keller negativ beeinflussen und zu unerwünschten Weinfehlern (wie dem Böckser) führen können.