Diaporthe helianthi
Diaporthe helianthi (Anamorph: Phomopsis helianthi, EPPO-Code: DIAPHE) ist der Erreger der Stängelfäule oder Phomopsis-Stängelkrankheit an Sonnenblumen (Helianthus annuus). Dieser Schadpilz gehört zu den wirtschaftlich bedeutendsten Schaderregern im Sonnenblumenanbau weltweit und kann bei starkem Befall zu massiven Ertragseinbußen sowie zum vorzeitigen Absterben der Kulturen führen.
Die Infektion führt zu einer Zerstörung des Stängelgewebes, was die Standfestigkeit der Kultur drastisch reduziert und zu vorzeitigem Lager führt. Neben dem direkten Ertragsverlust durch Notreife und vermindertes Tausendkorngewicht (TKG) beeinträchtigt der Schaderreger auch den Ölgehalt und die Ölqualität der geernteten Kerne erheblich.
Besonders in warmen, feuchten Sommern breitet sich die Krankheit in den europäischen Hauptanbaugebieten rasch aus. Die Bekämpfung erfordert ein integriertes Konzept, da der Pilz im Boden und auf Ernterückständen lange überleben kann.
Biologie / Lebenszyklus
Der Pilz überwintert als Myzel oder Perithezien auf infizierten Ernterückständen im Boden. Im Frühjahr, begünstigt durch anhaltende Niederschläge und Temperaturen über 15 °C, werden Ascosporen aus den Perithezien freigesetzt und durch Wind und Regenspritzer auf die unteren Blätter der Sonnenblumen übertragen. Die Primärinfektion erfolgt meist über die Blattränder (Hydathoden), von wo aus das Myzel durch die Blattadern und den Blattstiel in den Stängel einwächst. Im Laufe der Vegetation können sich auf den befallenen Stängelabschnitten Pyknidien (Nebenfruchtform) bilden, die Konidien freisetzen und unter feucht-warmen Bedingungen für sekundäre Infektionen innerhalb des Bestandes sorgen.
Bonitur
Die regelmäßige Bestandsüberwachung sollte ab dem Knospenstadium (BBCH 51) bis zur Blüte (BBCH 65) intensiviert werden, insbesondere nach langanhaltenden Niederschlagsperioden im Frühsommer. Agronomen sollten gezielt die unteren und mittleren Blätter auf erste nekrotische Flecken an den Blatträndern untersuchen, die sich keilförmig zur Blattader hin ausbreiten. Ein kritischer Schwellenwert für eine gezielte Fungizidbehandlung ist erreicht, wenn bei anfälligen Sorten unter infektionsgünstigen Bedingungen (warme Temperaturen um 20–25 °C und hohe Luftfeuchtigkeit) erste Symptome an den Blättern vor dem Übergang auf den Stängel sichtbar werden, da eine kurative Bekämpfung nach dem Eindringen des Myzels in den Stängel kaum noch möglich ist.
Symptome
Erste Symptome zeigen sich an den unteren Blättern als hellbraune bis graubraune, oft keilförmige Nekrosen, die von den Blatträndern ausgehen und von einem gelblichen Hof umgeben sind. Nach dem Einwandern des Pilzes in den Stängel bildet sich um den Blattansatz eine charakteristische, längliche, hellbraune bis graubraune oder rötlich-braune Läsion (Stängelkrebs). Das Gewebe unter der Rinde wird weich und weicht auf, wodurch der Stängel hohl und leicht zusammendrückbar wird. Bei fortgeschrittenem Befall knicken die Sonnenblumen im Bereich der Läsionen um (Lagerbildung), und die betroffenen Kulturen sterben vorzeitig ab (Notreife).
Integriertes Management
Die Bekämpfung von Diaporthe helianthi basiert auf einer konsequenten integrierten Strategie. Pflanzenbauliche Maßnahmen umfassen eine weite Fruchtfolge (mindestens 4 Jahre Anbaupause für Sonnenblumen), den Anbau widerstandsfähiger oder toleranter Sorten sowie das tiefe Unterpflügen von infizierten Ernterückständen zur Beschleunigung des Rotteprozesses. Eine ausgewogene Stickstoffdüngung verhindert zu dichte, mikroklimatisch feuchte Bestände. Chemische Pflanzenschutzmittel (Fungizide aus den Wirkstoffklassen der Strobilurine (QoL, FRAC-Gruppe 11) und SDHI (FRAC-Gruppe 7) sowie Triazole (DMI, FRAC-Gruppe 3)) sollten präventiv im BBCH-Bereich 39 bis 55 eingesetzt werden. Zur Vermeidung von Resistenzen ist ein striktes Wirkstoffmanagement mit Wirkstoffwechseln und der Einhaltung der maximalen Anzahl an Anwendungen pro Saison zwingend erforderlich.
Wirtspflanzen
Zugelassene Pflanzenschutzmittel
Häufige Fragen
Wie unterscheidet sich der Befall durch Diaporthe helianthi von Sclerotinia sclerotiorum am Stängel?
Während Diaporthe helianthi typischerweise braune bis graubraune Läsionen rund um den Blattansatz im mittleren Stängelbereich verursacht und das Gewebe hohl und brüchig macht, führt Sclerotinia sclerotiorum meist zu einer strohgelben bis weißen Verfärbung an der Stängelbasis. Zudem bildet Sclerotinia im Inneren des Stängels große, schwarze Dauerkörper (Sklerotien) und ein weißes, watteartiges Myzel, welche bei Diaporthe fehlen.
Welches BBCH-Stadium ist der optimale Termin für eine Fungizidbehandlung gegen Phomopsis?
Der optimale Anwendungszeitraum liegt in der Regel zwischen dem Erscheinen der Blütenknospe (BBCH 51) und dem Beginn der Blüte (BBCH 61). Eine Behandlung in diesem Fenster schützt die oberen Blätter und den Stängel vor dem Einwandern des Pilzes. Bei extrem hohem Infektionsdruck und anfälligen Sorten kann eine Splitting-Applikation (erste Behandlung im Schossen ab BBCH 35–39) wirtschaftlich sinnvoll sein.
Wie kann ich im Pflanzenschutz-Hub von agronomy.farmable.tech gezielt nach zugelassenen Mitteln suchen?
Nutzen Sie die Filterfunktion im Hub und wählen Sie die Kultur „Sonnenblume“ sowie den Schaderreger „Diaporthe helianthi“ (oder den EPPO-Code DIAPHE) aus. Das System listet Ihnen alle aktuell in Ihrer Region zugelassenen Pflanzenschutzmittel inklusive der zugelassenen Aufwandmenge, der maximalen Anzahl der Anwendungen und der einzuhaltenden Wartezeit auf.
Welche Rolle spielt die Sortenwahl beim Resistenzmanagement gegen diesen Schaderreger?
Die Sortenwahl ist der Grundpfeiler der integrierten Bekämpfung. Der Anbau toleranter Sonnenblumensorten reduziert den Infektionsdruck im Feld massiv und verzögert die Ausbreitung des Pilzes. Dies entlastet die chemischen Pflanzenschutzmittel, verringert die Anzahl notwendiger Anwendungen und minimiert somit das Risiko einer Resistenzbildung gegenüber wichtigen Fungizidklassen (wie Strobilurinen oder SDHIs).
Warum reicht das Unterpflügen von Ernterückständen allein nicht aus, um die Krankheit zu kontrollieren?
Das tiefe Unterpflügen beschleunigt zwar den Abbau des infizierten Pflanzenmaterials und reduziert die lokale Sporenlast im Folgejahr. Da die Ascosporen von Diaporthe helianthi jedoch sehr leicht sind und durch den Wind über mehrere Kilometer hinweg aus benachbarten, nicht gepflügten Feldern eingetragen werden können, ist ein großräumiger Infektionsschutz nur durch die Kombination mit weiten Fruchtfolgen und toleranten Sorten wirksam.
Beeinflusst eine hohe Stickstoffdüngung das Risiko eines Befalls mit Stängelfäule?
Ja, eine überhöhte Stickstoffdüngung führt zu einem üppigen, weicheren Pflanzengewebe und einem sehr dichten Bestand. Dies schafft ein feuchtes Mikroklima innerhalb des Bestandes, welches das Keimen der Sporen und das Eindringen des Pilzes über die Hydathoden begünstigt. Eine bedarfsgerechte, moderat gestaltete Stickstoffgabe ist daher eine wichtige kulturtechnische Vorbeugemaßnahme.