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Pilz

Diaporthe helianthi

Diaporthe helianthi
DIAPHE

Die Schwarzfleckenkrankheit oder Phomopsis-Stängelfäule, verursacht durch den pilzlichen Schaderreger Diaporthe helianthi (EPPO-Code: DIAPHE; Nebenfruchtform Phomopsis helianthi), gehört zu den wirtschaftlich bedeutendsten Krankheiten im großflächigen Sonnenblumenanbau. Der Pilz befällt primär die Stängel der Kultur und führt zu massiven Gewebeschädigungen, die die Wasser- und Nährstoffleitung unterbrechen. Dies resultiert in vorzeitiger Abreife, verminderten Tausendkorngewichten und im schlimmsten Fall im Umknicken der Bestände vor der Ernte.

Besonders in warmen, feuchten Sommern kann sich die Krankheit epidemisch ausbreiten. Ertragsverluste von bis zu 50 % oder mehr sind keine Seltenheit, wenn infizierte Bestände frühzeitig zusammenbrechen. Neben dem direkten Ertragsausfall mindert der Befall auch den Ölgehalt und die Qualität der geernteten Sonnenblumensamen erheblich, was zu empfindlichen finanziellen Einbußen für landwirtschaftliche Betriebe führt.

Der Schaderreger ist weltweit in fast allen wichtigen Anbauregionen von Sonnenblumen verbreitet. In Europa liegt der Schwerpunkt des Auftretens in den südlichen, südöstlichen und zentralen Anbaugebieten, wo die klimatischen Bedingungen während der Blütezeit die Infektion begünstigen. Durch den Klimawandel und die Ausweitung des Sonnenblumenanbaus gewinnt die Krankheit auch in nördlicheren Regionen zunehmend an Bedeutung.

Typ
Pilz
EPPO-Code
DIAPHE
Wirte
1 Kultur
Generationen
1 Generation pro Saison (monozyklisch mit sekundären Infektionszyklen)
Verbreitung
Weltweit in fast allen wichtigen Anbauregionen von Sonnenblumen verbreitet, mit besonders hohen wirtschaftlichen Schäden in Süd-, Südost- und Mitteleuropa sowie in Nord- und Südamerika.
Erstbeschreibung
Muntanola-Cvetković et al., 1980 (Jugoslawien)

Biologie / Lebenszyklus

Der Pilz überwintert als Myzel oder in Form von Perithezien und Pyknidien auf infizierten Ernterückständen im Boden. Im Frühjahr, begünstigt durch steigende Temperaturen und anhaltende Feuchtigkeit, werden Ascosporen aus den Perithezien geschleudert und durch Wind und Regenspritzer auf die unteren Blätter der Kultur übertragen. Die Primärinfektion erfolgt meist über die Hydathoden an den Blatträndern. Von dort wächst das Myzel interzellulär über die Blattadern und den Blattstiel in den Stängel hinein. Im Laufe der Vegetation bildet der Erreger in den Läsionen Pyknidien aus, die Konidien freisetzen, welche für sekundäre Infektionen innerhalb des Bestandes sorgen können, bevor der Pilz im Herbst wieder in die Überwinterungsphase übergeht.

Bonitur

Ein systematisches Monitoring sollte ab dem Knospenstadium (BBCH 51) bis zum Ende der Blüte (BBCH 69) durchgeführt werden, da in dieser Phase das Risiko für Stängelinfektionen am höchsten ist. Achte bei der Feldbegehung besonders auf die unteren und mittleren Blätter, um erste nekrotische Flecken an den Blatträndern zu erkennen, bevor der Pilz den Stängel erreicht. Da es keine festen wirtschaftlichen Schadschwellen gibt, dient die Überwachung vor allem der Risikoabschätzung anhand der Witterung: Warme Temperaturen (20–25 °C) gepaart mit häufigen Niederschlägen oder hoher Luftfeuchtigkeit während der Knospenbildung signalisieren akuten Handlungsbedarf. Nutze regionale Prognosemodelle, um den optimalen Zeitpunkt für eine Fungizidbehandlung präzise zu bestimmen.

Symptome

Die ersten Symptome zeigen sich an den unteren Blättern als braune, keilförmige Nekrosen, die von den Blatträndern ausgehen und sich entlang der Hauptadern zum Blattstiel hin ausbreiten. Sobald der Pilz den Stängel erreicht, bildet sich um den Ansatz des Blattstiels eine charakteristische, hellbraune bis graubraune, später silbrig-graue Läsion (Canker). Diese Flecken dehnen sich rasch in die Länge aus und können den gesamten Stängel umgürteln. Das betroffene Stängelgewebe wird weich, verliert seine Stabilität und das Mark im Inneren zersetzt sich vollständig, sodass der Stängel hohl wird und bei Wind leicht umknickt. An den abgestorbenen Gewebeteilen sind unter der Lupe winzige, schwarze Punkte (Pyknidien) erkennbar.

Integriertes Management

Die Bekämpfung von Diaporthe helianthi erfordert eine integrierte Strategie, da eine rein chemische Behandlung bei starkem Befallsdruck oft nicht ausreicht. Pflanzenbauliche Maßnahmen stehen im Vordergrund: Halte eine weite Fruchtfolge von mindestens 4–5 Jahren ein und vermeide die direkte Nachbarschaft zu Vorjahresflächen. Das sorgfältige Unterpflügen von Ernterückständen beschleunigt deren Abbau und reduziert das Inokulum im Folgejahr. Setze auf widerstandsfähige oder tolerante Sonnenblumensorten. Der gezielte Einsatz von chemischen Pflanzenschutzmitteln (Fungiziden) sollte präventiv im BBCH-Bereich 39 bis 55 erfolgen, insbesondere bei feucht-warmer Witterung. Achte beim Wirkstoffwechsel streng auf das FRAC-Resistenzmanagement, indem du Produkte aus unterschiedlichen Wirkstoffklassen (z. B. SDHI, Strobilurine und Triazole) kombinierst oder abwechselst, um die Selektion resistenter Pilzstämme zu verhindern.

Wirtspflanzen

Zugelassene Pflanzenschutzmittel

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Häufige Fragen

Wie unterscheide ich Phomopsis am Stängel von einem Sclerotinia-Befall?

Während Phomopsis (Diaporthe helianthi) typischerweise hellbraune bis graue, spindelförmige Läsionen rund um die Blattansätze im mittleren Stängelbereich bildet, zeigt sich Sclerotinia sclerotiorum meist an der Stängelbasis mit einem weißen, watteartigen Myzel und großen, schwarzen Dauerkörpern (Sklerotien) im Inneren des Stängels. Zudem bleibt das Gewebe bei Phomopsis eher trocken-morsch, während Sclerotinia eine feuchte Weichfäule verursacht.

Wann ist der absolut späteste Zeitpunkt für eine chemische Behandlung?

Eine Fungizidbehandlung muss abgeschlossen sein, bevor die Infektion den Stängel erreicht. Sobald du die typischen braunen Stängelläsionen im Bestand siehst, ist der Pilz bereits tief in das Leitgewebe eingedrungen; eine spätere Anwendung von Pflanzenschutzmitteln zeigt dann kaum noch Wirkung. Der späteste sinnvolle Termin liegt meist am Ende der Blüte (BBCH 69), sofern die Wartezeit des eingesetzten Mittels eingehalten werden kann.

Welche Rolle spielen Stickstoffdünger bei der Krankheitsentwicklung?

Eine übermäßige oder zu späte Stickstoffdüngung führt zu einem üppigen, weichen Pflanzengewebe und einem dichten Bestandsklima. Dies verzögert das Abtrocknen der Blätter nach Regenfällen und erleichtert es den Sporen von Diaporthe helianthi, Keimschläuche zu bilden und in die Kultur einzudringen. Passe deine Düngung daher stets an den tatsächlichen Bedarf an.

Wie finde ich im agronomy.farmable.tech Hub die passenden Pflanzenschutzmittel gegen diesen Schaderreger?

Nutze im Hub die Suchfunktion und filtere nach der Kultur 'Sonnenblume' und dem Schaderreger 'Diaporthe helianthi' oder 'Schwarzfleckenkrankheit'. Dir werden dann alle aktuell in deinem Land zugelassenen Pflanzenschutzmittel inklusive der zugelassenen Aufwandmenge, dem optimalen BBCH-Anwendungsfenster und den einzuhaltenden Wartezeiten übersichtlich angezeigt.

Kann der Pilz auch über das Saatgut übertragen werden?

Ja, eine Übertragung über infiziertes Saatgut ist möglich und kann zur Verschleppung des Schaderregers in unbelastete Flächen führen. Verwende daher ausschließlich zertifiziertes, gesundes Saatgut. Im professionellen Anbau ist zudem eine fungizide Saatgutbeizung eine wirksame Maßnahme, um junge Keimlinge vor frühen Infektionen zu schützen.

Warum ist die Einhaltung der Fruchtfolge bei diesem Schaderreger so kritisch?

Da Diaporthe helianthi hervorragend auf den verholzten Stängelresten der Sonnenblume im Boden überwintern kann, bleibt das Inokulum über mehrere Jahre hinweg infektiös. Wenn du Sonnenblumen ohne ausreichende Anbaupause (mindestens 4 Jahre) auf derselben Fläche anbaust, erhöht sich der Infektionsdruck im Frühjahr drastisch, was selbst tolerante Sorten an ihre Grenzen bringt.