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Pilz

Echter Mehltau (Podosphaera leucotricha)

Podosphaera leucotricha
PODOLE

Der Apfelmehltau, verursacht durch den obligat biotrophen Schlauchpilz Podosphaera leucotricha (EPPO-Code: PODOLE), gehört zu den wirtschaftlich bedeutendsten Pilzkrankheiten im weltweiten Kernobstanbau. Der Schaderreger befällt vorrangig Äpfel (Malus domestica), kann jedoch auch an Birnen und Quitten auftreten. Ein starker Befall schwächt die Wuchskraft der Bäume, mindert die Assimilationsleistung der Blätter und führt durch Triebsterben sowie Fruchtberostung zu erheblichen Ertrags- und Qualitätsverlusten.

Die Kultur ist in fast allen bedeutenden Apfelanbaugebieten der gemäßigten Klimazonen etabliert, wobei besonders anfällige Sorten wie 'Jonagold', 'Elstar' oder 'Idared' gefährdet sind. Ohne konsequente Regulierungsmaßnahmen kann der Pilz in feucht-warmen Frühjahren epidemisch auftreten und die Knospenanlage für das Folgejahr nachhaltig schädigen, was zu einer ausgeprägten Alternanz führt.

Typ
Pilz
EPPO-Code
PODOLE
Wirte
9 Kulturen
Generationen
Mehrere aufeinanderfolgende Konidienzyklen pro Vegetationsperiode
Verbreitung
Podosphaera leucotricha ist weltweit in allen gemäßigten Klimazonen verbreitet, in denen Erwerbsobstbau betrieben wird. Der wirtschaftliche Schaden ist besonders in Regionen mit warmen, trockenen Sommern und hoher Luftfeuchtigkeit im Frühjahr hoch, da hier die Sekundärinfektionen rasant fortschreiten.

Biologie / Lebenszyklus

Der Pilz überwintert als Myzel in den Vegetationskegeln der infizierten Blüten- und Blattknospen des Vorjahres. Mit dem Knospenaufbruch (ab BBCH 07 bis BBCH 09) nimmt das Myzel sein Wachstum wieder auf und überzieht die austreibenden Triebe mit einem dichten, weißen Pilzrasen (Primärinfektion). Auf diesem Myzel bilden sich ungeschlechtliche Konidien, die durch Wind und Luftströmungen verbreitet werden und bei warmer, feuchter Witterung (optimale Keimung bei 15–22 °C) die jungen, noch nicht ausgereiften Blätter und Triebspitzen infizieren (Sekundärinfektion). Im Laufe des Sommers dringen die Hyphen in die neu angelegten Knospen ein, um dort zu überwintern, während sich im Herbst gelegentlich auch geschlechtliche Fruchtkörper (Kleistothezien) auf den Trieben bilden, die jedoch für die Überwinterung in Mitteleuropa eine untergeordnete Rolle spielen.

Bonitur

Die regelmäßige Befallskontrolle beginnt bereits im zeitigen Frühjahr beim Austrieb (BBCH 10 bis BBCH 51), um primär infizierte Triebe („Mehltaukerzen“) frühzeitig zu erkennen. Eine systematische Bonitur wird ab der Blüte (BBCH 61) bis zum Ende des Triebwachstums (BBCH 91) durchgeführt, wobei wöchentlich mindestens 100 Triebspitzen pro Parzelle auf frischen Befall untersucht werden. Als wirtschaftliche Schadensschwelle gilt im integrierten Anbau ein Befall von mehr als 15–20 % der untersuchten Triebe bei mäßig anfälligen Sorten, während bei hochgradig anfälligen Sorten bereits ab 5–10 % Befall eine gezielte Behandlung mit Pflanzenschutzmitteln eingeleitet werden sollte.

Symptome

Das auffälligste Symptom im Frühjahr sind die sogenannten „Mehltaukerzen“: Triebe, die aus infizierten Knospen austreiben, sind gestaucht, deformiert und vollständig von einem mehligen, weiß-grauen Belag aus Myzel und Konidien überzogen. Später infizierte Blätter weisen auf der Ober- und Unterseite fleckigen, weißen Pilzbelag auf, rollen sich rinnenartig nach oben ein, werden brüchig und vertrocknen vorzeitig. An den Früchten zeigt sich der Befall meist als netzartige, raue Berostung (Mehltaunetzgerüst), die den Marktwert der Früchte drastisch reduziert. Befallene Knospen wirken im Winter oft leicht geöffnet, haben locker anliegende Schuppen und sind frostempfindlicher als gesunde Knospen.

Integriertes Management

Ein erfolgreiches Management basiert auf einer integrierten Strategie, die mechanische, kulturtechnische und chemische Maßnahmen kombiniert. Kulturtechnisch steht der konsequente Rückschnitt und das Entfernen der Primärinfektionen („Mehltaukerzen“) beim Winterschnitt sowie beim manuellen Ausbrechen im Frühjahr im Vordergrund, um das Inokulum im Bestand zu minimieren. Eine ausgewogene Stickstoffdüngung verhindert ein übermäßiges, weiches Triebwachstum, das die Infektion begünstigt. Chemische Pflanzenschutzmittel (z. B. Schwefelpräparate, Azole, Strobilurine oder SDHI) müssen vorbeugend oder bei Erreichen der Schadensschwelle appliziert werden. Zur Vermeidung von Resistenzbildungen ist ein striktes Wirkstoffklassenmanagement gemäß den FRAC-Richtlinien einzuhalten, indem Wirkstoffe mit unterschiedlichen Wirkmechanismen konsequent abgewechselt oder als Kombinationspartner eingesetzt werden.

Wirtspflanzen

Zugelassene Pflanzenschutzmittel

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Häufige Fragen

Wie unterscheidet sich das Infektionsrisiko von Apfelmehltau bei trockenem Wetter im Vergleich zu Schorf?

Im Gegensatz zum Apfelschorf benötigt der Erreger des Apfelmehltaus (Podosphaera leucotricha) kein freies Wasser auf den Blättern für die Keimung der Konidien. Hohe Luftfeuchtigkeit (über 70 %) und warme Temperaturen reichen völlig aus. Trockene, warme Tage mit nächtlicher Taubildung bieten dem Schaderreger optimale Bedingungen, weshalb der Mehltaudruck in trockenen Sommern oft besonders stark ansteigt, während das Schorfrisiko sinkt.

Wann ist der absolut kritischste Zeitraum für die chemische Regulierung des Apfelmehltaus?

Die wichtigste Phase für Behandlungen liegt zwischen dem roten Knospenstadium (BBCH 57) und dem Ende der Blüte bzw. dem beginnenden Fruchtansatz (BBCH 69). In dieser Zeit wachsen die Triebe am schnellsten und es steht extrem viel empfindliches, junges Gewebe für Sekundärinfektionen zur Verfügung. Zudem werden in dieser Phase die Knospen für das nächste Jahr angelegt, die du vor dem Eindringen des Myzels schützen musst.

Wie kann ich im Pflanzenschutzmittel-Hub gezielt nach zugelassenen Mitteln gegen Apfelmehltau suchen?

Nutze im Hub die Filtersysteme und suche gezielt nach der Kultur „Apfel“ und dem Schaderreger „Echter Mehltau“ oder direkt nach dem EPPO-Code PODOLE. Achte bei der Auswahl der Pflanzenschutzmittel auf die angegebenen BBCH-Anwendungsbereiche, die maximale Anzahl der Anwendungen pro Saison sowie die spezifischen FRAC-Klassifizierungen, um deine Spritzfolge resistenzvorbeugend zu gestalten.

Warum ist der Einsatz von Netzschwefel im frühen Frühjahr so effektiv und was musst du dabei beachten?

Netzschwefel wirkt protektiv und hat bei warmen Temperaturen eine gute Dampfphase, die auch versteckte Pilzsporen erreicht. Du solltest Schwefel bereits ab dem Knospenaufbruch einsetzen, da er gleichzeitig eine Nebenwirkung gegen Gallmilben hat. Beachte jedoch, dass Schwefel erst ab Temperaturen von ca. 10–12 °C eine ausreichende Wirkung entfaltet und bei extremer Hitze (über 28 °C) phytotoxisch wirken und Verbrennungen an Blättern und Früchten verursachen kann.

Welche Rolle spielen Sortenresistenzen und wie beeinflussen sie deine Behandlungsstrategie?

Die Sortenwahl ist die Basis des integrierten Pflanzenschutzes. Hochgradig anfällige Sorten wie 'Jonagold', 'Elstar' oder 'Cox Orange' erfordern einen lückenlosen, intensiven Spritzplan ab dem Austrieb. Bei widerstandsfähigeren Sorten wie 'Topaz' oder 'Discovery' kannst du die Behandlungsintervalle strecken und dich primär auf die mechanische Entfernung der Primärinfektionen konzentrieren, was Pflanzenschutzmittelkosten und Arbeitszeit spart.

Wie verhält sich das Myzel des Apfelmehltaus bei extremem Frost im Winter?

Das in den Knospen überwinternde Myzel ist deutlich frostempfindlicher als das Holz des Apfelbaums. In Wintern mit extremen Frostperioden (unter -12 °C bis -15 °C) sterben viele der infizierten Knospen ab, da sie durch den Pilzbefall ohnehin geschwächt sind. Dies führt im darauffolgenden Frühjahr oft zu einem spürbar geringeren Ausgangsinokulum und erleichtert dir die Regulierung zu Saisonbeginn.