Echtes Glanzgras
Das Echte Glanzgras (Phalaris canariensis, EPPO-Code: PHACA), auch bekannt als Kanariengras, ist ein einjähriges, horstbildendes Süßgras, das zunehmend als problematisches Ackerunkraut in mitteleuropäischen Getreidekulturen in Erscheinung tritt. Ursprünglich im Mittelmeerraum beheimatet, hat sich die Art durch Vogelfutterverunreinigungen und den Klimawandel weiter nach Norden ausgebreitet. In Wintergetreide wie Winterweichweizen, Winterhartweizen, Triticale und Winterroggen kann es bei starkem Besatz zu erheblichen Ertragsverlusten führen.
Morphologisch zeichnet sich Phalaris canariensis durch aufrechte, kräftige Halme aus, die eine Höhe von bis zu 120 cm erreichen können. Die endständigen, dichten, ährenartigen Rispen sind eiförmig bis länglich und weisen charakteristische, weißlich-grün gestreifte Spelzen auf. Aufgrund seiner hohen Konkurrenzkraft um Licht, Wasser und Nährstoffe stellt dieser Schaderreger insbesondere in lichten Getreidebeständen und auf nährstoffreichen, feuchten Böden eine ernstzunehmende agronomische Herausforderung dar.
Biologie / Lebenszyklus
Die Keimung von Phalaris canariensis erfolgt primär im Frühjahr, wobei unter milden winterlichen Bedingungen in West- und Mitteleuropa auch eine herbstliche Keimung beobachtet werden kann. Nach dem Auflaufen entwickelt sich das Gras rasch und bildet kräftige Horste, die im späten Frühjahr bis Sommer (Juni bis August) in die generative Phase übergehen. Die Bestäubung erfolgt durch den Wind, woraufhin die charakteristischen, glänzenden Karyopsen (Samen) gebildet werden. Ein einzelnes Pflanzenteil kann tausende Samen produzieren, die nach dem Ausfall im Boden eine erhebliche Samenbank aufbauen und über mehrere Jahre hinweg keimfähig bleiben.
Bonitur
Das Monitoring im Feld sollte frühzeitig im Frühjahr ab dem BBCH-Stadium 13 bis 29 der Getreidekulturen erfolgen, da junge Glanzgras-Pflanzen im Dreiblattstadium noch relativ leicht mechanisch oder chemisch kontrolliert werden können. Da die Keimlinge im frühen Stadium leicht mit anderen Schadgräsern wie dem Acker-Fuchsschwanz verwechselt werden können, ist auf die rötliche Färbung der Blattscheidenbasis und das Fehlen von Öhrchen zu achten. Eine gezielte Bonitur empfiehlt sich besonders an Feldrändern, Vorgewenden und Stellen mit lückigem Kulturstand, wobei ab einer Schadschwelle von etwa 5 bis 10 Pflanzen pro Quadratmeter eine gezielte Behandlung eingeleitet werden sollte.
Integriertes Management
Ein integriertes Management von Phalaris canariensis basiert auf einer Kombination aus pflanzenbaulichen und chemischen Maßnahmen. Fruchtfolgeerweiterungen mit einem höheren Anteil an Sommerungen unterbrechen den Lebenszyklus des vorwiegend frühjahrskeimenden Grases effektiv. Eine sorgfältige Bodenbearbeitung (z. B. Pflugeinsatz zur tiefen Vergrabung der Samen) reduziert den Auflaufdruck im Folgejahr erheblich. Beim Einsatz von Pflanzenschutzmitteln ist ein konsequentes Wirkstoffmanagement nach den HRAC-Richtlinien unerlässlich, um Resistenzbildungen vorzubeugen. Hierbei sollten blattaktive Herbizide (z. B. aus den HRAC-Gruppen 1/A wie ACCase-Inhibitoren oder 2/B wie ALS-Inhibitoren) gezielt mit bodenwirksamen Vorauflaufherbiziden abgewehselt oder kombiniert werden.
Wirtspflanzen
Zugelassene Pflanzenschutzmittel
Alle Anwendungen ansehenHäufige Fragen
Wie unterscheidet sich das Echte Glanzgras im frühen BBCH-Stadium morphologisch von anderen Schadgräsern wie dem Acker-Fuchsschwanz?
Im frühen Keimblatt- und Laubblattstadium (BBCH 10–13) lässt sich Phalaris canariensis durch die oft rötlich bis violett gefärbte Basis der Blattscheide und das Fehlen von Blattöhrchen identifizieren. Zudem sind die Blätter im Vergleich zum Acker-Fuchsschwanz meist etwas breiter, heller grün und weisen eine ausgeprägte, fast weißliche Mittelrippe auf.
Welche Rolle spielt die Bodenbearbeitung bei der Regulierung der Samenbank von Phalaris canariensis?
Da die Samen des Echten Glanzgrases Lichtkeimer sind oder flache Ablagetiefen bevorzugen, kann ein tiefer Wendepflug (Pflugfurche) die Samen in tiefere Bodenschichten verlagern, wo sie mangels Licht nicht keimen können und über die Jahre an Vitalität verlieren. Ein anschließendes flaches Saatbett im Folgejahr verhindert, dass alte Samen wieder an die Oberfläche transportiert werden.
Gibt es bekannte Resistenzen bei Phalaris canariensis gegen gängige Herbizide?
Ja, international und zunehmend auch in Westeuropa werden Resistenzen von Phalaris-Arten gegenüber ACCase-Inhibitoren (HRAC-Gruppe 1/A) und ALS-Inhibitoren (HRAC-Gruppe 2/B) gemeldet. Ein jährlicher Wirkstoffwechsel und die Kombination mit Bodenherbiziden im Vorauflauf sind zur Resistenzvermeidung dringend empfohlen.
Wie finde ich im agronomy.farmable.tech Hub die passenden zugelassenen Pflanzenschutzmittel gegen dieses Gras?
Nutzen Sie die Suchfunktion im Hub und filtern Sie nach dem EPPO-Code „PHACA“ oder dem deutschen Namen „Echtes Glanzgras“. Das System listet Ihnen alle aktuell für Ihre spezifische Kultur (z. B. Winterweizen) zugelassenen Pflanzenschutzmittel inklusive der registrierten Aufwandmengen, Anwendungsbestimmungen und Wartezeiten auf.
Warum ist eine Bekämpfung im Herbst in Wintergetreidekulturen manchmal trotz Frühjahrskeimung sinnvoll?
In milden Regionen oder bei feucht-warmer Witterung im Herbst kann ein erheblicher Teil der Glanzgrassamen bereits vor dem Winter auflaufen. Eine frühe Behandlung im Vor- oder frühen Nachauflauf (BBCH 11–13 der Kultur) mit bodenwirksamen Pflanzenschutzmitteln verhindert, dass die Unkrautkonkurrenz die Bestockung des Getreides beeinträchtigt.