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Pilz

Fusarium

Fusarium caeruleum
FUSASC

Der Bodenpilz Fusarium caeruleum (EPPO-Code: FUSASC), in der Fachliteratur auch als Fusarium solani var. coeruleum beschrieben, ist ein wirtschaftlich bedeutender Schaderreger, der vor allem für die Trockenfäule bei Kartoffeln sowie für Fuß- und Wurzelfäulen in verschiedenen landwirtschaftlichen Kulturen verantwortlich ist. Neben dem klassischen Befall an Kartoffelknollen gewinnt der Erreger auch in Sonderkulturen wie Hopfen (Humulus lupulus) sowie im Getreidebau (Weizen, Gerste) an Bedeutung, wo er erhebliche Ertrags- und Qualitätsverluste verursachen kann.

Die wirtschaftliche Relevanz des Schaderregers liegt insbesondere in der Qualitätsminderung des Ernteguts und den damit verbundenen Ausfällen bei der Lagerung oder Weiterverarbeitung. Befallene Partien weisen oft eine verminderte Keimfähigkeit auf oder sind aufgrund von Mykotoxinbelastungen für die Lebens- und Futtermittelproduktion unbrauchbar. Der Pilz ist weltweit verbreitet und tritt besonders in gemäßigten Klimazonen regelmäßig auf.

Typ
Pilz
EPPO-Code
FUSASC
Wirte
3 Kulturen
Generationen
Mehrere überlappende Generationen pro Saison
Verbreitung
Weltweit in allen gemäßigten Anbauregionen verbreitet; verursacht insbesondere in feuchten Jahren erhebliche wirtschaftliche Schäden durch Ertragsverluste und Qualitätsminderungen im Lager.

Biologie / Lebenszyklus

Der Schaderreger überdauert als widerstandsfähiges Myzel oder in Form von Chlamydosporen im Boden sowie an infiziertem Erntegut und Pflanzenresten. Im Frühjahr oder bei der Pflanzung erfolgt die Primärinfektion der jungen Kulturen meist über mechanische Wunden, die durch Bodenbearbeitung, Ernte oder Schädlinge entstehen. Unter feucht-warmen Bedingungen breitet sich das Myzel im Gewebe aus, verstopft die Leitungsbahnen und führt zu Gewebezersetzungen. Im weiteren Verlauf der Vegetation werden Konidien gebildet, die durch Wind, Spritzwasser oder landwirtschaftliche Geräte im Bestand verbreitet werden und Sekundärinfektionen auslösen.

Bonitur

Die Überwachung des Schaderregers sollte bereits vor der Pflanzung bzw. Aussaat durch die visuelle Kontrolle des Pflanzguts auf Trockenfäulesymptome beginnen. Im Feld erfolgt das Monitoring vor allem ab dem BBCH-Stadium 30 (Beginn des Schossens bzw. Längenwachstums) bis hin zur Abreife (BBCH 80+), wobei besonders auf Welkesymptome, Verfärbungen der Stängelbasis und Kümmerwuchs zu achten ist. Da es für *Fusarium caeruleum* keine starren Schadschwellen gibt, dienen vor allem Wetterdaten (anhaltende Feuchtigkeit bei mäßigen Temperaturen) und die Historie der jeweiligen Fläche als Entscheidungsgrundlage für gezielte Pflanzenschutzmaßnahmen.

Symptome

An Knollen und Wurzeln äußert sich der Befall zunächst durch leicht eingesunkene, dunkle Flecken, unter denen das Gewebe fortschreitend trocken und braun zusammenschrumpft, oft begleitet von konzentrischen Ringen und weißlichen bis bläulichen Pilzpolstern. Bei Hopfen und Getreide führt die Infektion zu einer typischen Fußkrankheit mit braun-schwarzen Verfärbungen der Stängelbasis, vorzeitiger Abreife („Notreife“) und Welkeerscheinungen der oberirdischen Pflanzenteile. Im fortgeschrittenen Stadium kann es bei feuchter Witterung zur Ausbildung von rosafarbenen oder weißen Sporenlagern an den betroffenen Stängelknoten kommen.

Integriertes Management

Eine erfolgreiche Bekämpfung von *Fusarium caeruleum* basiert auf einer integrierten Strategie, die mechanische, pflanzenbauliche und chemische Maßnahmen kombiniert. Kulturtechnisch stehen eine weite Fruchtfolge (Anbaupausen von mindestens 3–4 Jahren), die Verwendung von gesundem, zertifiziertem Pflanzgut sowie die Vermeidung von mechanischen Beschädigungen bei Ernte und Sortierung im Vordergrund. Chemische Pflanzenschutzmittel, insbesondere Beizmittel oder gezielte Fungizidapplikationen, sollten präventiv oder bei ersten Infektionsanzeichen eingesetzt werden. Um Resistenzbildungen vorzubeugen, ist ein konsequentes Wirkstoffmanagement gemäß den FRAC-Richtlinien durch den Wechsel von Wirkstoffklassen mit unterschiedlichen Wirkungsmechanismen (z. B. SDHI, Triazole und Strobilurine) zwingend erforderlich.

Wirtspflanzen

Zugelassene Pflanzenschutzmittel

Alle Anwendungen ansehen

Häufige Fragen

Wie beeinflusst die Bodentemperatur den optimalen Zeitpunkt für eine Fungizidbehandlung gegen diesen Schaderreger?

Da sich *Fusarium caeruleum* besonders bei kühlen bis mäßig warmen Bodentemperaturen (optimal zwischen 10 °C und 15 °C) entwickelt, ist eine präventive Beizung des Pflanzguts vor der Ausbringung im Frühjahr besonders wirksam. Sobald die Bodentemperaturen dauerhaft über 20 °C steigen, verlangsamt sich die Aktivität des Pilzes, weshalb spätere Bodenanwendungen oft an Wirtschaftlichkeit verlieren.

Welche Rolle spielt die Wirkstoffrotation nach FRAC bei der Vermeidung von Resistenzen gegen diesen Pilz?

Da Fusarium-Arten ein moderates bis hohes Risiko für die Entwicklung von Resistenzen aufweisen, müssen Pflanzenschutzmittel aus unterschiedlichen FRAC-Gruppen (z. B. Wechsel zwischen Triazolen/Klasse 3 und SDHI/Klasse 7) kombiniert oder im Blockwechsel eingesetzt werden. Einseitige Behandlungen mit derselben Wirkstoffklasse über mehrere Jahre hinweg führen rasch zu Selektionseffekten und Wirkungsverlusten im Feld.

Wie finde ich auf agronomy.farmable.tech die für meine Kultur zugelassenen Pflanzenschutzmittel gegen diesen Schaderreger?

Nutzen Sie die Filterfunktion in unserer Produktdatenbank, indem Sie gezielt nach dem EPPO-Code „FUSASC“ oder dem wissenschaftlichen Namen filtern. Achten Sie darauf, Ihre spezifische Kultur (z. B. Hopfen oder Getreide) auszuwählen, um nur die aktuell vom BVL zugelassenen Anwendungen mit den korrekten Aufwandmengen, BBCH-Stadien und Wartezeiten angezeigt zu bekommen.

Warum ist die Einhaltung bestimmter BBCH-Stadien bei der Bekämpfung im Getreide- und Hopfenanbau so kritisch?

Infektionen an der Stängelbasis etablieren sich meist früh in der Vegetationsperiode. Eine Applikation nach dem BBCH-Stadium 39 (Fahnenblattstadium) im Getreide oder nach dem Erreichen der Gerüsthöhe im Hopfen kann die bereits im Inneren der Leitungsbahnen sitzenden Myzelien nicht mehr effektiv erreichen, weshalb Behandlungen strikt protektiv in den frühen BBCH-Phasen erfolgen müssen.

Kann sich der Schaderreger auch nach der Ernte im Lager weiter ausbreiten, und wie lässt sich dies verhindern?

Ja, *Fusarium caeruleum* ist ein klassischer Schwäche- und Wundparasit, der sich bei unzureichender Wundheilung und hoher Luftfeuchtigkeit im Lager rasant ausbreitet. Eine schnelle Abtrocknung des Ernteguts direkt nach der Ernte sowie eine kontrollierte Absenkung der Lagertemperatur auf unter 4 °C stoppen das Pilzwachstum nahezu vollständig.