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Kultur

Gerste

Hordeum vulgare
HORVX

Die zweizeilige Sommergerste (Hordeum vulgare, EPPO-Code: HORVX) ist eine der ältesten und bedeutendsten Kulturen im mitteleuropäischen Ackerbau. Sie wird in Deutschland hauptsächlich als Braugerste für die Bierherstellung oder als hochwertige Futtergerste angebaut. Die Kultur zeichnet sich durch eine relativ kurze Vegetationszeit aus und stellt hohe Ansprüche an den Boden sowie an die Gleichmäßigkeit der Nährstoffversorgung, um die geforderten Qualitätskriterien (insbesondere den Proteingehalt bei Braugersten) zuverlässig zu erfüllen.

Im Vergleich zur Wintergerste besitzt die Sommergerste ein schwächer ausgebildetes Wurzelsystem und reagiert empfindlicher auf Frühjahrstrockenheit. Eine sehr frühe Aussaat ist daher entscheidend, um die Winterfeuchtigkeit optimal zu nutzen und eine ausreichende Bestockung vor dem Schossen zu gewährleisten. Die Bestandesführung erfordert ein präzises Management, da Ertrag und Qualität eng mit der Bestandesdichte und der Stickstoffdynamik verknüpft sind.

Aussaat-/Pflanzzeitraum
Ende Februar bis Anfang April
Erntefenster
Mitte Juli bis August
Reihenabstand
12,5–15,0 cm
Typischer Ertrag
5,0–7,5 t/ha
Wärmesumme (GDD)
1350
Boden-pH
6,0–7,0

Bodenmanagement

Die Sommergerste stellt hohe Ansprüche an die Bodenstruktur, da ihr flaches Wurzelsystem Verdichtungen nur schwer durchdringen kann. Ein optimales Saatbett sollte feinkrümelig, gut abgesetzt und ausreichend rückverfestigt sein, um einen gleichmäßigen Feldaufgang zu sichern. Auf schweren Böden empfiehlt sich eine Frostkrume durch Herbstfurche, während auf leichteren Standorten eine konservierende Bodenbearbeitung im Frühjahr den Wasserhaushalt schont. Da die Kultur empfindlich auf Bodenversauerung reagiert, ist ein stabiler pH-Wert im neutralen bis schwach sauren Bereich durch regelmäßige Erhaltungskalkung sicherzustellen. Eine bedarfsgerechte, frühzeitige Grunddüngung mit Phosphor und Kalium fördert die Jugendentwicklung und stärkt die Standfestigkeit der Halme.

Schaderreger-Management

Der integrierte Pflanzenschutz in dieser Kultur basiert auf einer engen Überwachung der Bestände ab dem Schossen (BBCH-Stadium 30). Zu den wirtschaftlich bedeutendsten Schaderregern gehören pilzliche Krankheiten wie Netzflecken, Zwergrost und Rhynchosporium secalis, die bei feucht-warmer Witterung eine gezielte Fungizidanwendung erfordern. Gegen tierische Schädlinge wie Getreidehähnchen oder Blattläuse, die als Vektoren für das Gerstengelbverzwergungsvirus fungieren, müssen Schadschwellen konsequent kontrolliert werden. Ein besonderes Augenmerk liegt auf der Vermeidung von Ährenfusariosen, weshalb die Fruchtfolgegestaltung und das Zerkleinern von Vorfruchtgutsrückständen essenziell sind. Der Einsatz von Pflanzenschutzmitteln sollte stets termingerecht erfolgen, um die gesetzlichen Wartezeiten einzuhalten und die Kornqualität nicht zu gefährden.

Sorten

RGT Planet

mittel

Sehr hoch

Resistent gegen: Mehltau

Anfällig für: Zwergrost, Netzflecken, Rhynchosporium

Weltweit und in Deutschland extrem verbreitete Sorte, sowohl als Brau- als auch als Futtergerste genutzt.

Amidala

mittelspät

Hoch bis sehr hoch

Resistent gegen: Mehltau, Zwergrost

Anfällig für: Netzflecken, Rhynchosporium

Hervorragende Brauqualität mit hoher Extraktausbeute, sehr standfest und vom Markt stark nachgefragt.

Laureate

mittel

Sehr hoch

Resistent gegen: Mehltau

Anfällig für: Zwergrost, Rhynchosporium

Sehr ertragsstarke Sorte mit breiter Akzeptanz in der europäischen Mälzerei- und Brauindustrie.

Avalon

mittel

Hoch

Resistent gegen: Mehltau

Anfällig für: Zwergrost, Netzflecken

Bewährte Braugerstensorte mit ausgeglichenen agronomischen Eigenschaften und guter Halmstabilität.

Wichtige Schaderreger

Zugelassene Pflanzenschutzmittel

Alle Anwendungen ansehen

Häufige Fragen

Wie beeinflusst die Stickstoffdüngung die Brauqualität der Sommergerste?

Bei der Erzeugung von Braugerste ist der Rohproteingehalt ein entscheidendes Qualitätskriterium, der idealerweise zwischen 9,5 % und 11,5 % liegen sollte. Eine zu späte oder überhöhte Stickstoffgabe nach dem Schossen (BBCH-Stadium 30/32) steigert zwar den Ertrag, treibt jedoch den Proteingehalt im Korn über den zulässigen Grenzwert hinaus, was die Verarbeitbarkeit in der Mälzerei verschlechtert. Daher wird die gesamte Stickstoffmenge meist komplett zur Aussaat oder spätestens zu Vegetationsbeginn ausgebracht.

Wann ist der optimale Zeitpunkt für eine Fungizidbehandlung gegen Rhynchosporium secalis?

Eine gezielte Behandlung gegen den Schaderreger Rhynchosporium secalis (Blattfleckenkrankheit) sollte bei Erreichen der Schadschwelle zwischen den BBCH-Stadien 31 (Schossbeginn) und 49 (Erste Grannen sichtbar) erfolgen. Feucht-kühle Witterungsperioden begünstigen die Infektion, weshalb Kontrollen insbesondere nach Niederschlägen in diesen Entwicklungsphasen intensiviert werden müssen.

Welche Rolle spielt die Saatzeit bei der Vermeidung von Virusinfektionen?

Eine sehr frühe Aussaat im Frühjahr minimiert das Risiko einer frühen Infektion mit dem Gerstengelbverzwergungsvirus (BYDV), da die Pflanzen den empfindlichen Jugendstadien entwachsen sind, bevor die Vektoren (Blattläuse wie Metopolophium dirhodum oder Sitobion avenae) bei steigenden Temperaturen aktiv werden. Bei spätem Anbau steigt der Druck durch diese Schädlinge signifikant an.

Wie lässt sich das Risiko von Lagergetreide bei ertragsstarken Sorten minimieren?

Neben der Sortenwahl ist der gezielte Einsatz von Wachstumsreglern im BBCH-Stadium 31/32 (erster bis zweiter Knoten) ein wirksames Mittel zur Halmverkürzung und -stabilisierung. Die Aufwandmenge muss präzise an die Bodenfeuchte, die Stickstoffversorgung und die aktuelle Witterung angepasst werden, um unnötigen Stress für die Kultur zu vermeiden.

Wie finde ich im Portal zugelassene Pflanzenschutzmittel gegen Netzflecken in Sommergerste?

Nutzen Sie die Suchfunktion in unserem Portal und filtern Sie nach der Kultur "Sommergerste" sowie dem spezifischen Schaderreger "Netzfleckenkrankheit" (Pyrenophora teres). Das System listet Ihnen alle aktuell beim BVL registrierten Pflanzenschutzmittel inklusive Aufwandmengen, maximaler Anwendungen und der vorgeschriebenen Wartezeit auf.

Warum reagiert Sommergerste empfindlicher auf Trockenstress als Wintergerste?

Aufgrund der kurzen Vegetationszeit von nur wenigen Monaten und des flacheren, weniger verzweigten Wurzelsystems kann Sommergerste Wassermangel im Oberboden schlechter kompensieren. Trockenheit während der Bestockung (BBCH-Stadium 21–29) führt direkt zu einer Reduktion der ertragsbestimmenden Ähren tragenden Halme, weshalb wassersparende Bodenbearbeitungsmethoden im Frühjahr essenziell sind.