Gemeine Besenrauke
Die Besenrauke (Descurainia sophia, EPPO-Code: DESSO), auch bekannt als Sophienkraut, ist ein ein- bis zweijähriges Unkraut aus der Familie der Kreuzblütler (Brassicaceae). Sie tritt vermehrt in winterannuellen Kulturen wie Winterweizen, Winterroggen und Wintertriticale auf. Besonders auf leichten, sandigen bis lehmigen Böden in trockeneren Lagen Mitteleuropas kann sich dieser Schaderreger rasch ausbreiten und durch seine starke Konkurrenzkraft erhebliche Ertragseinbußen verursachen.
Aufgrund ihrer enormen Samenproduktion – eine einzelne Pflanze kann unter optimalen Bedingungen zehntausende Samen bilden – besitzt die Besenrauke ein hohes Potenzial zur Verunkrautung von Ackerflächen. Die feinen, tief fiederteiligen Blätter und die unscheinbaren gelben Blüten machen sie im frühen Stadium leicht übersehbar, wodurch sie sich oft unbemerkt im Unterstand der Kulturen etabliert. Ihre wirtschaftliche Relevanz hat in den letzten Jahren zugenommen, insbesondere in pfluglosen Anbausystemen und engen Getreidefruchtfolgen.
Biologie / Lebenszyklus
Die Besenrauke keimt vorwiegend im Herbst (winterannuell), kann jedoch bei günstigen Bedingungen auch im zeitigen Frühjahr auflaufen. Nach der Keimung bildet das Unkraut zunächst eine bodennahe Blattrosette aus, die in diesem Stadium problemlos überwintert. Im folgenden Frühjahr, parallel zum Schossen der Getreidekulturen, streckt sich der Stängel rasch nach oben und erreicht Wuchshöhen von bis zu 80 cm. Die Blütezeit erstreckt sich von Mai bis Juli, gefolgt von einer schnellen Reife der schmalen Schoten, die ihre langlebigen Samen noch vor oder während der Getreideernte in den Boden entlassen.
Bonitur
Eine systematische Feldbegehung ist besonders im Herbst (BBCH 10 bis 13 der Getreidekulturen) sowie im zeitigen Frühjahr bei Vegetationsbeginn (BBCH 21 bis 29) ratsam. Da die Keimlinge der Besenrauke sehr klein sind, solltest du gezielt auf sandigen Kuppen und an Feldrändern nach den typischen fiederteiligen Rosetten suchen. Ein wirtschaftlicher Schadensschwellenwert liegt im Getreide bei etwa 2 bis 5 Pflanzen pro Quadratmeter, wobei bei starkem Besatz im Vorjahr oder in lückigen Beständen bereits bei geringerem Auftreten eine gezielte Behandlung eingeplant werden sollte.
Integriertes Management
Ein erfolgreiches Management der Besenrauke basiert auf einer Kombination aus pflanzenbaulichen und chemischen Maßnahmen. Eine vielseitige Fruchtfolge mit einem Wechsel aus Sommer- und Winterungen stört den Keimrhythmus des Unkrauts erheblich. Eine mechanische Bodenbearbeitung (z. B. durch Stoppelbearbeitung oder den Einsatz von Striegeln im frühen Nachauflauf) reduziert den Samenvorrat im Oberboden effektiv. Beim Einsatz von Pflanzenschutzmitteln ist auf ein konsequentes Wirkstoffmanagement zu achten: Um Resistenzen vorzubeugen, solltest du Herbizide mit unterschiedlichen Wirkmechanismen (HRAC-Klassen) kombinieren oder im Wechsel einsetzen, insbesondere da Kreuzblütler zur Ausbildung von Resistenzen gegen ALS-Hemmer (HRAC-Gruppe 2) neigen.
Wirtspflanzen
Zugelassene Pflanzenschutzmittel
Alle Anwendungen ansehenHäufige Fragen
Wie unterscheidest du die Besenrauke im Keimblattstadium von anderen Kreuzblütlern?
Im Keimblattstadium ist die Besenrauke an ihren schmalen, spatelförmigen Keimblättern zu erkennen, die am Ende leicht eingekerbt sein können. Kurz darauf erscheinen die ersten Laubblätter, die im Gegensatz zu Senf oder Hirtentäschel sofort tief fiederteilig und fein behaart sind, was der Rosette ein graugrünes, fast samtiges Aussehen verleiht.
Welchen Einfluss hat die Bodenbearbeitung auf den Samenvorrat der Besenrauke im Boden?
Die Samen der Besenrauke sind extrem langlebig und können im Boden über ein Jahrzehnt keimfähig bleiben. Ein tiefer Pflugschritt vergräbt die Samen zwar zunächst, holt sie jedoch bei der nächsten tiefen Bearbeitung wieder an die Oberfläche; daher ist eine flache, mehrmalige Stoppelkultur direkt nach der Ernte ideal, um die Keimung anzuregen und die Keimlinge mechanisch zu vernichten.
Wann ist der optimale Zeitpunkt für eine chemische Behandlung gegen dieses Unkraut?
Die beste Wirkung erzielst du bei einer Behandlung im frühen Nachauflauf im Herbst, wenn sich die Besenrauke noch im empfindlichen Rosettenstadium (BBCH 10 bis 12 des Unkrauts) befindet. Im Frühjahr nimmt die Empfindlichkeit mit einsetzendem Streckungswachstum rasch ab, weshalb Frühjahrsanwendungen so zeitig wie möglich bei Vegetationsbeginn erfolgen sollten.
Warum ist das Resistenzmanagement bei der Bekämpfung der Besenrauke so kritisch?
Populationen der Besenrauke haben weltweit bereits Resistenzen gegen ALS-Inhibitoren (wie Sulfonylharnstoffe) entwickelt. Um diese Selektion auf deinen Flächen zu verhindern, musst du Wirkstoffe aus unterschiedlichen HRAC-Klassen (z. B. synthetische Auxine oder Wuchsstoffe) einbinden und den Einsatz von Solo-Sulfonylharnstoffen minimieren.
Wie finde ich im agronomy.farmable.tech Hub die passenden Pflanzenschutzmittel gegen Besenrauke?
Nutze die Such- und Filterfunktion in unserem Hub und filtere gezielt nach deiner Kultur (z. B. Winterweizen) und dem Schaderreger "Besenrauke" oder dem EPPO-Code "DESSO". Achte bei der Auswahl der angezeigten Pflanzenschutzmittel auf die registrierten Anwendungsbestimmungen, die zugelassene Aufwandmenge sowie die einzuhaltende Wartezeit.
Kann die Besenrauke auch als Wirtspflanze für Krankheiten oder Schädlinge dienen?
Ja, als Kreuzblütler dient die Besenrauke als Brückenwirt für wichtige Schaderreger des Rapses, wie etwa den Erreger der Kohlhernie (Plasmodiophora brassicae) oder verschiedene Viren. Eine konsequente Regulierung in den Getreidegliedern der Fruchtfolge schützt somit indirekt auch deine nachfolgenden Rapsbestände.