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Pilz

Monilinia fructigena

Monilinia fructigena
MONIFG

Monilinia fructigena (EPPO-Code: MONIFG) ist ein weit verbreiteter und wirtschaftlich bedeutender Schadpilz, der vor allem im Kern- und Steinobstanbau erhebliche Schäden verursacht. Als Erreger der klassischen Monilia-Fruchtfäule (Polsterschimmel) befällt dieser Schaderreger vorzugsweise reifende Früchte von Kulturen wie Apfel (Malus domestica), Birne (Pyrus communis) sowie verschiedenen Prunus-Arten wie Zwetschge und Süßkirsche.

Die wirtschaftliche Relevanz ist enorm, da Infektionen direkt vor der Ernte oder während der Lagerung und des Transports zu Totalausfällen führen können. Neben der Fruchtfäule kann der Pilz unter feuchten Bedingungen auch Trieb- und Zweigsterben verursachen, was die Vitalität der betroffenen Kulturen nachhaltig schwächt. Der Schaderreger ist in fast allen gemäßigten Anbauregionen weltweit etabliert und stellt ein dauerhaftes Risiko im integrierten Obstbau dar.

Typ
Pilz
EPPO-Code
MONIFG
Wirte
7 Kulturen
Generationen
Mehrere aufeinanderfolgende Konidiengenerationen pro Saison
Verbreitung
Monilinia fructigena ist in ganz Europa, Asien und Teilen Afrikas weit verbreitet und verursacht insbesondere in feucht-warmen Sommern massive Ernteverluste im erwerbsmäßigen Kern- und Steinobstbau.
Erstbeschreibung
Persoon, 1796

Biologie / Lebenszyklus

Der Schaderreger überwintert hauptsächlich als Myzel in infizierten Fruchtmumien, die entweder am Baum hängen bleiben oder auf dem Boden liegen, sowie in infizierten Zweigkrebsen. Im Frühjahr, begünstigt durch steigende Temperaturen und anhaltende Feuchtigkeit, bilden sich auf diesen Überwinterungsorganen Konidien (Polsterschimmel), die durch Wind, Regen und Insekten verbreitet werden. Diese Sporen infizieren primär verletzte Früchte (z. B. durch Hagel, Wespenfraß oder Schorfrisse), wobei der Pilz rasch das Fruchtfleisch durchdringt. Infizierte Früchte schrumpfen, mumifizieren und dienen im weiteren Saisonverlauf sowie im Folgejahr als primäre Infektionsquelle für nachfolgende Generationen von Konidien.

Bonitur

Die Überwachung beginnt bereits im Winter durch die Erfassung verbliebener Fruchtmumien in den Anlagen. Während der Vegetationsperiode ist eine regelmäßige visuelle Kontrolle ab dem Fruchtansatz (BBCH 71–75) bis zur Fruchtreife (BBCH 81–89) unerlässlich, wobei besonders auf mechanische Beschädigungen, Insektenfraß und erste kreisförmige, braune Fäulnisherde geachtet werden muss. Ein fester Schadensschwellenwert existiert meist nicht; das Auftreten erster Symptome bei feucht-warmer Witterung erfordert jedoch sofortige Maßnahmen, da sich die Konidien rasant ausbreiten können.

Symptome

Auf den reifenden Früchten zeigen sich zunächst kleine, kreisrunde, braune Fäulnisstellen, die sich rasch über die gesamte Frucht ausdehnen. Charakteristisch sind die konzentrisch angeordneten, gelblich-grauen bis ockerfarbenen Sporenpolster (Konidienlager) auf der infizierten Schale. Befallene Früchte schrumpfen im weiteren Verlauf ein, trocknen aus und verbleiben oft als tiefschwarze, runzlige Fruchtmumien am Fruchtholz. Gelegentlich greift die Infektion über den Fruchtstiel auf das tragende Holz über, was zu Zweigkrebs und dem Absterben von Triebspitzen führt.

Integriertes Management

Eine erfolgreiche Bekämpfung basiert auf einer konsequenten Kulturhygiene: Das sorgfältige Entfernen und Vernichten von Fruchtmumien beim Winterschnitt ist die wichtigste vorbeugende Maßnahme, um das Inokulum für das Folgejahr zu minimieren. Mechanische Beschädigungen der Früchte durch Schädlinge (z. B. Apfelwickler) müssen durch gezielten Pflanzenschutz minimiert werden, da Wunden die Haupteintrittspforten für den Schaderreger darstellen. Chemische Behandlungen mit zugelassenen Pflanzenschutzmitteln (z. B. Fungizide aus den Gruppen der SDHI, Triazole oder Strobilurine) erfolgen gezielt in der Phase der Fruchtreife (BBCH 81–85) unter Beachtung der jeweiligen Wartezeit. Zur Vermeidung von Resistenzen ist ein striktes Wirkstoffmanagement gemäß den FRAC-Richtlinien durch den Wechsel von Wirkstoffklassen zwingend einzuhalten.

Wirtspflanzen

Zugelassene Pflanzenschutzmittel

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Häufige Fragen

Welchen Einfluss hat die Witterung kurz vor der Ernte auf das Infektionsrisiko?

Anhaltende Regenfälle und hohe Luftfeuchtigkeit bei Temperaturen zwischen 15 °C und 25 °C in den letzten Wochen vor der Ernte (BBCH 85–89) maximieren das Risiko einer epidemischen Ausbreitung. In solchen Phasen können sich latente Infektionen, die zuvor symptomlos blieben, innerhalb weniger Tage als aggressive Nassfäule manifestieren.

Wie lässt sich eine Resistenzbildung gegen Fungizide bei der Monilia-Bekämpfung verhindern?

Da für späte Anwendungen oft nur wenige Wirkstoffklassen zur Verfügung stehen, müssen Behandlungen im Sommer konsequent zwischen verschiedenen FRAC-Klassen (z. B. Wechsel zwischen SDHI und Triazolen) alterniert werden. Zudem sollten vorbeugende, nicht-chemische Maßnahmen maximiert werden, um den Selektionsdruck durch Pflanzenschutzmittel zu senken.

Kann sich die Fruchtfäule auch im Kühllager nach der Ernte weiter ausbreiten?

Ja, Monilinia fructigena kann sich auch bei niedrigen Lagertemperaturen (bis nahe 0 °C) langsam weiterentwickeln. Infizierte Früchte, die bei der Sortierung übersehen wurden, stecken durch direkten Kontakt gesunde Nachbarfrüchte an, was im Lager zu sogenannten „Nestern“ von Schwarzfäule führt.

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Wann ist der beste Zeitpunkt, um infiziertes Holz und Fruchtmumien mechanisch zu entfernen?

Der optimale Zeitpunkt ist der Winterschnitt im laublosen Zustand (BBCH 00). Zu dieser Zeit sind die vertrockneten Fruchtmumien und die eingesunkenen, dunklen Rindenpartien (Zweigkrebs) am Fruchtholz besonders gut sichtbar und können bis tief ins gesunde Holz zurückgeschnitten werden.

Worin unterscheidet sich Monilinia fructigena biologisch von Monilinia laxa?

Während Monilinia laxa bevorzugt im Frühjahr die Blüten infiziert und zur gefürchteten Spitzendürre führt, ist Monilinia fructigena primär ein Schwäche- und Wundparasit der reifenden Früchte im Sommer und Herbst. Zudem sind die Sporenpolster von M. fructigena meist gelblich-ockerfarben, während jene von M. laxa eher aschgrau erscheinen.