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Sonstiger Schaderreger

Phytophthora

Phytophthora
1PHYTG

Die Gattung Phytophthora (EPPO-Code: 1PHYTG) umfasst hochgradig destruktive, pilzähnliche Algenpilze (Oomyceten) aus der Familie der Peronosporaceae, die weltweit schwerwiegende Schäden an einer Vielzahl von landwirtschaftlichen und gartenbaulichen Kulturen verursachen. Im modernen Arznei- und Nutzhanfanbau (Cannabis sativa) haben sich verschiedene Phytophthora-Arten zu einem ernstzunehmenden ökonomischen Risikofaktor entwickelt, da sie sowohl verheerende Wurzelfäulen als auch Stängelfäulen hervorrufen können.

Der Schaderreger gedeiht besonders unter feuchten, staunassen Bodenbedingungen und mäßigen bis warmen Temperaturen. Ein Befall führt unbehandelt rasch zum Absterben ganzer Pflanzenbestände, was insbesondere in intensiv geführten Indoor-Anlagen sowie im Freiland-Sonderkulturanbau zu Totalausfällen und erheblichen finanziellen Verlusten führen kann.

Typ
Sonstiger Schaderreger
EPPO-Code
1PHYTG
Wirte
1 Kultur
Generationen
Multiple überlappende Generationen pro Saison (polyzyklisch)
Verbreitung
Weltweit verbreitet, mit besonderer Schadwirkung in gemäßigten und subtropischen Klimazonen sowie im geschützten Anbau unter hoher Luft- und Bodenfeuchtigkeit.
Erstbeschreibung
de Bary, 1876

Biologie / Lebenszyklus

Der Lebenszyklus von Phytophthora ist durch die Bildung von langlebigen Dauersporen (Oosporen oder Chlamydosporen) im Boden oder in infizierten Pflanzenresten gekennzeichnet, die dort jahrelang überdauern können. Bei wassergesättigten Bodenverhältnissen keimen diese Sporen aus und bilden Sporangien, die wiederum bewegliche, zweigeißelige Zoosporen freisetzen. Diese Zoosporen schwimmen im Bodenwasser aktiv zu den Wurzeln der Wirtspflanzen, dringen dort ein und etablieren ein interzelluläres Myzel, das dem Wirtsgewebe Nährstoffe entzieht. Im weiteren Verlauf der Vegetation werden bei feucht-warmer Witterung sekundäre Sporangien an oberirdischen Pflanzenteilen gebildet, die durch Wind und Regenspritzer verbreitet werden und zu einer schnellen epidemischen Ausbreitung führen.

Bonitur

Ein systematisches Monitoring sollte bereits vor der Pflanzung bzw. Aussaat durch Bodenuntersuchungen auf Staunässegefährdung beginnen. Bei *Cannabis sativa* ist eine intensive visuelle Bonitur ab dem frühen vegetativen Wachstum (BBCH-Stadium 12 bis 19) und besonders während der Hauptwachstums- und Blütephase (BBCH 51 bis 69) unerlässlich, wobei insbesondere auf Welkeerscheinungen trotz ausreichender Bodenfeuchte zu achten ist. Da es für diesen Schaderreger keine klassischen ökonomischen Schadschwellen gibt – jeder Nachweis erfordert sofortiges Handeln –, liegt der Fokus auf der Früherkennung von Befallsnestern im Bestand und der Überwachung von bodennahen Klimadaten (Feuchte, Temperatur) zur Risikobewertung.

Symptome

Typische Symptome eines Befalls sind eine fortschreitende, oft nesterweise auftretende Welke der Kulturen, die sich auch nach Bewässerungsgaben nicht erholt. An den Wurzeln zeigt sich eine charakteristische, rotbraune bis schwarzbraune Verfärbung und Fäulnis, wobei die Wurzelrinde sich leicht vom Zentralzylinder abziehen lässt. Am Stängelgrund und an bodennahen Trieben entstehen dunkelbraune, eingesunkene Läsionen (Stängelfäule), die sich nach oben ausbreiten und zum Umknicken der Pflanze führen können. Bei hoher Luftfeuchtigkeit kann sich auf den betroffenen oberirdischen Geweben ein feiner, weißlicher Sporenbelag bilden.

Integriertes Management

Die Bekämpfung von Phytophthora erfordert ein konsequentes, integriertes Pflanzenschutzkonzept. Vorbeugende kulturtechnische Maßnahmen wie die Vermeidung von Staunässe durch Drainage, die Verwendung von zertifiziertem, gesundem Vermehrungsmaterial und eine weite Fruchtfolge sind von primärer Bedeutung. Biologische Präparate auf Basis von nützlichen Bodenbakterien (z. B. *Bacillus amyloliquefaciens*) oder Trichoderma-Pilzen können zur präventiven Stärkung der Wurzelzone eingesetzt werden. Beim Einsatz chemischer Pflanzenschutzmittel (Fungizide/Oomycizide) ist zur Vermeidung von Resistenzen ein striktes Wirkstoffmanagement gemäß den FRAC-Richtlinien einzuhalten, wobei Wirkstoffe aus unterschiedlichen Wirkstoffklassen (z. B. CAA-Fungizide, Phenylamide oder Phosphonate) im Wechsel appliziert werden müssen.

Wirtspflanzen

Zugelassene Pflanzenschutzmittel

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Häufige Fragen

Wie unterscheidet sich ein Phytophthora-Befall im Feld optisch von akutem Trockenstress?

Während sich Kulturen bei reinem Trockenstress nach einer Wassergabe meist innerhalb weniger Stunden wieder erholen, bleibt die Welke bei einem Phytophthora-Befall aufgrund der zerstörten Leitungsbahnen im Wurzel- und Stängelbereich dauerhaft bestehen. Zudem zeigt eine Überprüfung des Wurzelsystems bei Phytophthora eine matschige, braun verfärbte Wurzelrinde, die sich leicht abziehen lässt, während trockenheitsgestresste Wurzeln meist strukturell intakt und hell bleiben.

Warum sind klassische Breitband-Fungizide oft wirkungslos gegen diesen Schaderreger?

Phytophthora gehört phylogenetisch nicht zu den echten Pilzen (Fungi), sondern zu den Oomyceten (Algenpilzen), deren Zellwände aus Cellulose statt Chitin bestehen. Viele klassische Fungizide, die auf die Ergosterolsynthese oder Chitinbildung abzielen, besitzen daher keine biologische Wirksamkeit; es müssen gezielt Oomycizide (Spezialpräparate gegen Peronosporales) eingesetzt werden.

Wie kann ich im Online-Portal gezielt nach zugelassenen Pflanzenschutzmitteln gegen Phytophthora suchen?

Nutzen Sie in der Datenbanksuche den Filter für die Schaderreger-Kategorie und wählen Sie gezielt "Phytophthora spp." oder "Falsche Mehltaupilze/Oomyceten" aus. Achten Sie darauf, die Suche auf Ihre spezifische Kultur (z. B. Cannabis sativa im Gewächshaus oder Freiland) einzugrenzen, um nur die aktuell für diese Anwendung zugelassenen Pflanzenschutzmittel mit den entsprechenden BVL-Zulassungsnummern angezeigt zu bekommen.

Welche Hygienemaßnahmen sind bei der Arbeit in betroffenen Beständen zwingend einzuhalten?

Da die Zoosporen und Dauersporen extrem leicht über infizierte Erde an Schuhen, Werkzeugen und Maschinen verschleppt werden, müssen alle Geräte nach der Arbeit in Befallsherden gründlich gereinigt und mit einem für Oomyceten wirksamen Desinfektionsmittel behandelt werden. Betroffene Pflanzenreste dürfen niemals kompostiert, sondern müssen sicher über den Hausmüll oder durch Verbrennen entsorgt werden.

Wie beeinflusst die Wassertemperatur bei der Tröpfchenbewässerung das Infektionsrisiko?

Warmes, stehendes Wasser in Bewässerungssystemen (über 15 °C bis 25 °C) begünstigt die Aktivität und Vermehrung der Zoosporen massiv. Eine regelmäßige Spülung der Leitungen, der Einsatz von UV-Entkeimungsanlagen oder die Nutzung von kühlem Brunnenwasser können das Risiko einer systemischen Verbreitung über das Bewässerungssystem signifikant senken.

Welche Rolle spielt der pH-Wert des Bodens oder Substrats bei der Ausbreitung dieses Schaderregers?

Phytophthora-Arten bevorzugen generell neutrale bis leicht saure Bedingungen, können sich jedoch in einem breiten pH-Bereich von 4,5 bis 8,0 entwickeln. Ein optimal eingestellter pH-Wert und eine ausgewogene Calcium-Versorgung stärken jedoch die pflanzliche Zellwandstruktur, wodurch das Eindringen der Zoosporen erschwert wird.