Hanf
Der gewöhnliche Hanf (Cannabis sativa, EPPO-Code: CNISA) ist eine traditionsreiche und äußerst vielseitige Kultur, die im mitteleuropäischen Raum eine Renaissance erlebt. Als schnellwüchsige, einjährige Faser- und Ölpflanze bietet Hanf hervorragende agronomische Vorteile, darunter eine tiefe Bodenlockerung durch das ausgeprägte Pfahlwurzelsystem und eine exzellente Unkrautunterdrückung aufgrund des raschen Jugendwachstums. Die Kultur stellt eine wertvolle Bereicherung für die Fruchtfolge dar und hinterlässt einen garen, unkrautfreien Boden für Nachkulturen.
Je nach Nutzungsrichtung – Fasererzeugung, Korngewinnung (Hanfsamen) oder die Gewinnung von Cannabinoiden (CBD/Medizinalhanf) – unterscheiden sich die Bestandsdichten, Erntetechniken und pflanzenbaulichen Ansprüche erheblich. Während für die Fasererzeugung dichte Bestände angestrebt werden, verlangen Körner- und insbesondere Medizinalhanfkulturen weitere Reihenabstände und eine präzise Einzelpflanzenführung, um eine optimale Belüftung und Lichtausbeute zu gewährleisten.
Bodenmanagement
Hanf stellt hohe Ansprüche an die Bodenstruktur und bevorzugt tiefgründige, humose und gut durchlüftete Böden mit einer gleichmäßigen Wasserversorgung. Staunässe und schwere, zur Verschlämmung neigende Böden verträgt die Kultur überhaupt nicht, da dies zu Kümmerwuchs und Totalausfällen führen kann. Eine sorgfältige, tief lockere Grundbodenbearbeitung im Herbst ist ratsam, um das tiefe Eindringen der Pfahlwurzel zu erleichtern. Das Saatbett im Frühjahr sollte feinkrümelig, rückverfestigt und ausreichend feucht sein, um einen gleichmäßigen Feldaufgang zu sichern. Aufgrund des hohen Nährstoffbedarfs, insbesondere an Stickstoff und Kalium, ist eine bedarfsgerechte Düngung auf Basis aktueller Bodenanalysen für einen ertragreichen Anbau unerlässlich.
Schaderreger-Management
Aufgrund des extrem schnellen Wachstums und des dichten Blätterdachs unterdrückt Hanf Unkräuter nach dem Reihenschluss hervorragend, weshalb Herbizidanwendungen in etablierten Beständen selten nötig sind. In der frühen Entwicklungsphase können jedoch Schaderreger wie die Gemeine Quecke (Elymus repens), der Gemeine Windhalm (Apera spica-venti), die Rote Taubnessel (Lamium purpureum) oder der Weiße Gänsefuß (Chenopodium album) konkurrenzstark auftreten, weshalb eine mechanische Unkrautregulierung im Vorfeld wichtig ist. Bei feucht-warmer Witterung ist auf Pilzkrankheiten wie Phytophthora-Arten oder Grauschimmel (Botrytis cinerea) zu achten, die Stängel- und Blütenfäule verursachen können. Da für Hanf nur sehr wenige chemische Pflanzenschutzmittel offiziell zugelassen sind, liegt der Fokus primär auf vorbeugenden Maßnahmen wie einer weiten Fruchtfolge, optimaler Standraumzumessung und der Wahl widerstandsfähiger Sorten. Regelmäßiges Monitoring im Feld hilft dir, Infektionsherde frühzeitig zu erkennen und mechanisch oder durch gezielte Kulturmaßnahmen einzugreifen.
Sorten
Fedora 17
Früh bis mittelfrühSehr gute Kornerträge und ausgewogener Faserertrag.
Resistent gegen: Echter Mehltau
Anfällig für: Phytophthora, Botrytis
Eine sehr anpassungsfähige, einhäusige Sorte, die in Deutschland weit verbreitet ist. Ideal für die Doppelnutzung (Samen und Faser).
Felina 32
MittelfrühHoher Fasergehalt und stabile Kornerträge.
Anfällig für: Sklerotinia
Einhäusige französische Sorte, die sich durch eine hervorragende Faserqualität auszeichnet und sehr standfest ist.
Finola
Sehr frühSpitzenerträge bei der Korngewinnung, geringer Faserertrag.
Anfällig für: Grauschimmel, Vogelfraß
Zweihäusige Sorte mit kurzem Wuchs, speziell für die Druschernte und hochwertige Speiseölproduktion gezüchtet.
Futura 75
SpätHervorragende Biomasse- und Fasererträge.
Resistent gegen: Stängelfäule
Anfällig für: Spätfrost
Spätblühende, einhäusige Sorte, die ihr volles Potenzial in wärmeren Lagen entfaltet. Sehr gut für die reine Faser- und Strohnutzung geeignet.
Wichtige Schaderreger
Zugelassene Pflanzenschutzmittel
Häufige Fragen
Wie regulierst du hartnäckige Ungräser wie die Gemeine Quecke im Hanfanbau?
Da für Hanf kaum selektive chemische Pflanzenschutzmittel zugelassen sind, musst du die Gemeine Quecke (Elymus repens) bereits vor der Aussaat durch eine intensive mechanische Bodenbearbeitung oder eine geschickte Fruchtfolgegestaltung schwächen. Nach dem Auflaufen nutzt du das schnelle Höhenwachstum der Kultur: Sobald der Hanf den Reihenschluss erreicht, entzieht er den verbliebenen Schaderregern durch Lichtentzug die Lebensgrundlage.
Welche Rolle spielen die BBCH-Stadien bei der Ernteplanung für die Faser- und Korngewinnung?
Für die Fasererzeugung solltest du die Ernte idealerweise zum Ende der männlichen Blüte (BBCH 65–69) einplanen, da hier die Faserqualität am höchsten ist und die Verholzung noch nicht zu weit fortgeschritten ist. Strebst du hingegen die Korngewinnung an, wartest du, bis etwa 70–80 % der Samen reif und hart sind (BBCH 83–85). Zu spätes Ernten erhöht das Risiko von Ausfallverlusten und Vogelfraß.
Wie erkennst du einen Befall mit Phytophthora und wie beugst du ihm vor?
Ein Befall mit Phytophthora äußert sich meist durch plötzliche Welkeerscheinungen, braun-schwarze Verfärbungen an der Stängelbasis und Wurzelfäule, besonders auf staunassen Teilflächen. Da zugelassene Pflanzenschutzmittel für diese Anwendung extrem limitiert sind, musst du präventiv agieren: Vermeide verdichtete Böden, sorge für eine hervorragende Drainage und halte weite Anbaupausen von mindestens vier Jahren zu anderen anfälligen Kulturen ein.
Warum ist die Stickstoffdüngung beim Hanf ein sensibler Balanceakt?
Hanf benötigt für sein rasches Wachstum reichlich Stickstoff, doch ein Übermaß schadet der Faserqualität, da die Fasern dadurch weicher und weniger reißfest werden. Zudem erhöht eine übermäßige N-Düngung die Lageranfälligkeit und macht die Kultur anfälliger für Pilzkrankheiten wie Grauschimmel. Richte deine Düngung daher genau nach der geplanten Nutzungsrichtung und den Bodenvorräten aus.
Wie findest du aktuell zugelassene Pflanzenschutzmittel für Hanf in der Datenbank?
Nutze dafür die Suchfunktion in unserem Hub und filtere gezielt nach der Kultur 'Hanf' (Cannabis sativa) sowie dem gewünschten Schaderreger. Achte darauf, dass viele Zulassungen für diese Nischenkultur über Sonderregelungen (wie den Artikel 51 der EU-Verordnung) laufen, weshalb du die spezifischen Anwendungsbestimmungen, Aufwandmengen und Wartezeiten vor jedem Einsatz genau prüfen solltest.