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Kultur

Hanf

Cannabis sativa
CNISA

Der gewöhnliche Hanf (Cannabis sativa, EPPO-Code: `CNISA`) ist eine traditionsreiche, äußerst vielseitige Kultur, die in der mitteleuropäischen Landwirtschaft als nachhaltiger Rohstofflieferant zunehmend an Bedeutung gewinnt. Als schnellwüchsige, einjährige Kultur wird Nutzhanf primär zur Gewinnung von hochwertigen Naturfasern, Schäben für die Bauindustrie sowie Hanfsamen für die Lebensmittel- und Kosmetikindustrie angebaut. Dank seines tiefreichenden Pfahlwurzelsystems trägt der Hanf hervorragend zur biologischen Bodenlockerung bei und hinterlässt eine gare, unkrautfreie Ackerkrume, was ihn zu einer exzellenten Vorfrucht in modernen Fruchtfolgen macht.

Agronomisch zeichnet sich die Kultur durch eine enorme Wuchsdynamik aus. Sobald der Hanf das kritische Jugendstadium überwunden hat, unterdrückt er durch den raschen Reihenschluss und die intensive Beschattung auflaufende Unkräuter fast vollständig, wodurch sich der Bedarf an Pflanzenschutzmitteln im Vergleich zu anderen Ackerkulturen drastisch reduziert. Dennoch stellt die Etablierungsphase ein sensibles Nadelöhr dar, in dem die Kultur empfindlich auf Spätfröste, Staunässe und frühen Unkrautdruck reagiert.

Für den erfolgreichen Anbau in Deutschland sind die strengen gesetzlichen Rahmenbedingungen bezüglich des THC-Grenzwerts sowie eine präzise Sortenwahl entscheidend. Es dürfen ausschließlich im EU-Sortenkatalog gelistete, zertifizierte Sorten ausgesät werden. Die Ernte stellt aufgrund der extrem zähen Bastfasern hohe Anforderungen an die Erntetechnik, weshalb der Maschinenbesatz im Vorfeld exakt auf den Verwendungszweck (Faser-, Korn- oder Doppelnutzung) abgestimmt werden muss.

Aussaat-/Pflanzzeitraum
Mitte April bis Mitte Mai
Erntefenster
Ende August bis Oktober
Reihenabstand
12–25 cm (Fasernutzung) bis 30–50 cm (Körnernutzung)
Typischer Ertrag
Faserstroh: 6,0–9,0 t/ha, Hanfsamen: 0,8–1,5 t/ha
Wärmesumme (GDD)
1800–2100
Boden-pH
6,0–7,5

Bodenmanagement

Hanf stellt hohe Ansprüche an die Bodenstruktur und bevorzugt tiefgründige, humose und gut durchlüftete Lehmböden mit gesicherter Wasserführung. Da die Kultur empfindlich auf Bodenverdichtungen und Staunässe reagiert, ist eine sorgfältige, tief lockere Grundbodenbearbeitung im Herbst unerlässlich. Das Saatbett im Frühjahr sollte feinkrümelig, rückverfestigt und ausreichend feucht sein, um einen gleichmäßigen Feldaufgang zu garantieren. Eine ausgewogene Nährstoffversorgung, insbesondere mit Stickstoff (ca. 80–120 kg N/ha) und Kalium, sichert das schnelle Jugendwachstum. Saure Standorte mit einem pH-Wert unter 5,5 sowie extrem leichte Sandböden sind für den wirtschaftlichen Anbau ungeeignet.

Schaderreger-Management

Obwohl Hanf als robuste Kultur gilt, erfordert der integrierte Pflanzenschutz Aufmerksamkeit im frühen Entwicklungsstadium. Vor dem Reihenschluss können Schaderreger wie die Gemeine Quecke (*Elymus repens*) oder der Weiße Gänsefuß (*Chenopodium album*) die jungen Hanfpflanzen unterdrücken, weshalb eine mechanische Unkrautregulierung mittels Striegel oder Hacke im frühen BBCH-Stadium ratsam ist. Unter feuchten Witterungsbedingungen können Pilzkrankheiten wie *Sclerotinia sclerotiorum* (Stängelfäule) oder *Botrytis cinerea* (Grauschimmel) ertragsrelevante Schäden verursachen, was durch weite Fruchtfolgen (mindestens 4 Jahre Anbaupause zu Raps oder Sonnenblumen) verhindert werden sollte. Der Einsatz chemischer Pflanzenschutzmittel ist im Nutzhanfanbau stark reglementiert; es stehen nur sehr wenige zugelassene Indikationen zur Verfügung, weshalb vorbeugende ackerbauliche Maßnahmen und die Sortenwahl im Vordergrund stehen.

Sorten

Fedora 17

Früh bis mittelfrüh

Sehr stabiler Kornertrag (1,0–1,3 t/ha) und gute Faserqualität.

Resistent gegen: Trockenstress

Anfällig für: Stängelfäule

Einhäusige französische Sorte, die sich hervorragend für die Doppelnutzung (Korn und Faser) unter mitteleuropäischen Bedingungen eignet.

Felina 32

Mittelfrüh

Hoher Faserertrag bei gleichzeitig solidem Kornertrag.

Resistent gegen: Lagerung

Anfällig für: Grauschimmel

Weit verbreitete einhäusige Sorte mit sehr homogenem Abreifeverhalten und gutem Fasergehalt.

Uso 31

Sehr früh

Hervorragender Kornertrag, jedoch geringere Stroh- und Faserleistung.

Resistent gegen: Spätfröste

Anfällig für: Vogelfraß

Eine extrem frühreife Sorte aus ukrainischer Zucht, ideal für die reine Körnergewinnung in nördlicheren Lagen Deutschlands.

Futura 75

Spät

Sehr hohes Biomasse- und Faserertragspotenzial (Strohertrag oft über 8,0 t/ha).

Resistent gegen: Stängelfäule

Anfällig für: Herbstfröste

Spätblühende Sorte, die ihre Stärken vor allem in der reinen Faser- und Biomasseproduktion in wärmeren Regionen ausspielt.

Wichtige Schaderreger

Zugelassene Pflanzenschutzmittel

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Häufige Fragen

Wie wird der gesetzlich vorgeschriebene THC-Gehalt im Feld überwacht?

Der Anbau von Nutzhanf unterliegt in Deutschland einer strengen Meldepflicht bei der Bundesanstalt für Landwirtschaft und Ernährung (BLE). Während der Hauptblüte (BBCH-Stadium 61–65) führen die Behörden stichprobenartige Feldkontrollen durch, bei denen Pflanzenproben entnommen und im Labor analysiert werden, um die Einhaltung des gesetzlichen Grenzwerts von derzeit 0,3 % THC rechtssicher zu überprüfen.

Welche mechanischen Maßnahmen eignen sich zur Unkrautregulierung im Hanfanbau?

Da für Nutzhanf kaum chemische Herbizide zugelassen sind, ist die mechanische Unkrautregulierung in der Jugendphase entscheidend. Vor dem Auflaufen kann ein Blindstriegeln durchgeführt werden. Nach dem Auflaufen ist das Striegeln ab einer Pflanzenhöhe von ca. 10 cm (BBCH 14) bis maximal 30 cm möglich. Sobald der Hanf diese Phase überschritten hat, unterdrückt er Schaderreger durch sein extremes Höhenwachstum selbstständig.

Wie wirkt sich die Fruchtfolgegestaltung auf das Risiko von Sclerotinia-Befall aus?

Hanf ist hochgradig anfällig für den Pilz *Sclerotinia sclerotiorum* (Stängelfäule). Um das Infektionsrisiko zu minimieren, sollte Hanf keinesfalls nach anderen Sclerotinia-Wirtspflanzen wie Raps, Sonnenblumen, Erbsen oder Sojabohnen angebaut werden. Eine Anbaupause von mindestens 4 bis 5 Jahren zu diesen Kulturen ist in der Fruchtfolge dringend einzuhalten.

Wann ist der optimale Erntezeitpunkt bei der Nutzung als Körnerhanf?

Die Ernte zur Körnergewinnung erfolgt meist im September, wenn etwa 70–80 % der Samen in den Ständen reif, graubraun und hart sind (BBCH-Stadium 83–89). Zu langes Warten erhöht das Risiko von Vogelfraß und Ausfallverlusten durch Wind, während eine zu frühe Ernte einen hohen Anteil unreifer, feuchter Samen mit schlechter Lagerfähigkeit zur Folge hat.

Welche technischen Herausforderungen stellt die Hanfernte an die Landtechnik?

Die extrem reißfesten Bastfasern des Hanfs neigen dazu, sich um rotierende Teile von Mähdreschern und Pressen zu wickeln, was zu schweren Maschinenschäden und Bränden führen kann. Für die Faserernte werden spezielle Schneidwerke benötigt; bei der Kornnte muss die Schnitthöhe so hoch wie möglich gewählt werden, um nur die Köpfe zu dreschen und den Kontakt mit den zähen Stängeln zu minimieren.

Wie finde ich im Agronomie-Hub zugelassene Pflanzenschutzmittel für Hanf?

Da Hanf als Sonderkultur gilt, sind reguläre Zulassungen rar. Nutzen Sie die Suchfunktion im Hub, filtern Sie nach der Kultur 'Hanf' (EPPO: CNISA) und achten Sie besonders auf Indikationen mit einer Genehmigung nach Artikel 51 EG-VO 1107/2009 (Lückenindikation), um rechtssichere Anwendungen für Ihren Betrieb zu identifizieren.