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Sonstiger Schaderreger

Phytophthora cactorum

Phytophthora cactorum
PHYTCC

Phytophthora cactorum (EPPO-Code: PHYTCC) ist ein bodenbürtiger Oomycete (Eipilz), der als bedeutender Schaderreger in einer Vielzahl von landwirtschaftlichen und gartenbaulichen Kulturen auftritt. Besonders im Erwerbsobstbau (Kernobst) und im Beerenobst-Anbau (insbesondere bei Erdbeeren) verursacht dieser Erreger gravierende wirtschaftliche Schäden durch Krankheitsbilder wie Kragenfäule, Wurzelhalsfäule, Rhizomfäule sowie die gefürchtete Lederfäule an den Früchten.

Die wirtschaftliche Relevanz ist extrem hoch, da infizierte Kulturen oft einen Totalausfall erleiden. Bei Erdbeeren kann der Befall des Rhizoms zum plötzlichen Absterben ganzer Bestände führen, während infizierte Früchte unbrauchbar werden. Im Apfelanbau führt die Stammbasis- oder Kragenfäule zu einer schleichenden Schwächung der Bäume bis hin zum Absterben etablierter Ertragsanlagen, was langfristige Investitionsverluste nach sich zieht. Der Schaderreger ist weltweit in gemäßigten Klimazonen verbreitet und gedeiht besonders auf schweren, staunassen Böden.

Typ
Sonstiger Schaderreger
EPPO-Code
PHYTCC
Wirte
1 Kultur
Generationen
Mehrere überlappende Generationen pro Saison
Verbreitung
Weltweit in fast allen gemäßigten und subtropischen Anbauregionen verbreitet; verursacht insbesondere in feuchten Jahren oder auf schlecht entwässerten Standorten massive Ertrags- und Qualitätsverluste im Obst- und Beerenanbau.
Erstbeschreibung
Lebert & Cohn, 1870

Biologie / Lebenszyklus

Der Schaderreger überdauert ungünstige Perioden und den Winter als widerstandsfähige Dauersporen (Oosporen) im Boden oder in infiziertem Pflanzenmaterial. Im Frühjahr, bei steigenden Bodentemperaturen und hoher Feuchtigkeit, keimen diese Oosporen aus und bilden Sporangien. Unter wassergesättigten Bedingungen werden aus diesen Sporangien bewegliche Zoosporen freigesetzt, die aktiv im Bodenwasser zu den Wurzeln oder der Stammbasis der Kulturen schwimmen und diese infizieren. Während der Vegetationsperiode erfolgt eine rasche sekundäre Ausbreitung durch Wind und Regenspritzer, die Sporangien auf oberirdische Pflanzenteile wie Früchte und Blätter transportieren.

Bonitur

Die Überwachung beginnt bereits vor der Pflanzung durch die visuelle Kontrolle des Pflanzguts auf latente Infektionen. Im Freiland ist ein intensives Monitoring ab dem Austrieb (BBCH 09–10) bis zur Ernte erforderlich, wobei besonders auf nass-kalte Witterungsperioden zu achten ist. Bei Erdbeeren liegt der Fokus auf der Phase der Blüte (BBCH 61–69) und der Fruchtentwicklung (BBCH 71–85), da hier das Risiko für Lederfäule bei Niederschlägen sprunghaft ansteigt. Eine feste Schadschwelle existiert nicht; das Auftreten erster Symptome oder das Vorliegen infektionsgünstiger Bedingungen (anhaltende Blattnässe bei 15–25 °C) dient als direktes Signal für gezielte Pflanzenschutzmaßnahmen.

Symptome

An Erdbeeren äußert sich die Rhizomfäule durch plötzliches Welken der Blätter, die sich oft fahlgrün bis rötlich-braun verfärben; im Längsschnitt des Rhizoms zeigt sich eine charakteristische, scharf abgegrenzte rotbraune Verfärbung des Gewebes. Die Lederfäule an Erdbeerfrüchten führt zu zähen, lederartigen, braun-violetten Verfärbungen bei reifen Früchten, die zudem einen bitteren Geschmack und unangenehmen Geruch aufweisen. Bei Kernobst zeigt sich die Kragenfäule durch eingesunkene, dunkel verfärbte Rindenpartien an der Stammbasis (oft knapp über der Veredelungsstelle), unter denen das Kambiumgewebe nass, braun und weich zersetzt ist, begleitet von vorzeitiger Herbstfärbung und Kümmerwuchs der betroffenen Bäume.

Integriertes Management

Ein erfolgreiches Management basiert auf einer integrierten Strategie, bei der vorbeugende kulturtechnische Maßnahmen im Vordergrund stehen. Dazu gehören die Standortwahl (Vermeidung von Staunässe, Anlage von Dämmen im Erdbeeranbau), die Verwendung von zertifiziertem, gesundem Pflanzgut sowie die Förderung einer schnellen Abtrocknung der Bestände durch weite Pflanzabstände und Strohunterlagen. Biologische Ansätze umfassen den Einsatz von antagonistischen Bodenbakterien oder Mykorrhizapilzen zur Stärkung der Wurzelgesundheit. Chemische Pflanzenschutzmittel müssen gezielt und präventiv appliziert werden. Zur Vermeidung von Resistenzen ist ein striktes Wirkstoffmanagement gemäß den FRAC-Richtlinien einzuhalten, indem Wirkstoffe aus unterschiedlichen Wirkstoffklassen im Wechsel eingesetzt werden.

Wirtspflanzen

Zugelassene Pflanzenschutzmittel

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Häufige Fragen

Wie unterscheidet sich die durch Phytophthora cactorum verursachte Lederfäule von der Grauschimmelfäule (Botrytis cinerea) an Erdbeeren?

Während Botrytis cinerea einen weichen, grauen und staubenden Sporenrasen auf den Früchten bildet, bleiben mit Phytophthora cactorum infizierte Erdbeeren zäh, lederartig und behalten ihre Form. Zudem weisen lederfaule Früchte einen extrem bitteren Geschmack und einen unangenehmen, fauligen Geruch auf, der selbst bei der Verarbeitung ganzer Chargen zu Marmelade noch wahrnehmbar ist.

Welche Rolle spielt die Veredelungsunterlage bei der Bekämpfung der Kragenfäule im Apfelanbau?

Die Wahl der Unterlage ist eine der effektivsten vorbeugenden Maßnahmen. Unterlagen weisen sehr unterschiedliche Anfälligkeiten gegenüber Phytophthora cactorum auf. Beispielsweise gilt die weit verbreitete Unterlage M9 als mäßig bis hoch anfällig, während neuere Züchtungen oder bestimmte robuste Unterlagen eine deutlich höhere Toleranz besitzen. Eine hohe Veredelung (mindestens 15–20 cm über dem Boden) verringert zudem das Risiko, dass Erreger aus dem spritzenden Bodenwasser die empfindliche Edelsorte infizieren.

Wie kann man das Risiko einer Verschleppung des Schaderregers zwischen verschiedenen Schlägen minimieren?

Da Phytophthora cactorum als Oosporen im Boden überdauert, ist die mechanische Verschleppung von infizierter Erde an Maschinen, Traktorreifen und Werkzeugen ein Hauptübertragungsweg. Eine gründliche Reinigung und Desinfektion der Geräte nach der Arbeit auf befallenen Flächen ist unerlässlich. Zudem sollte die Bewirtschaftung stets von gesunden zu potenziell infizierten Schlägen hin erfolgen.

Wann ist der optimale Zeitpunkt für eine chemische Behandlung gegen Rhizomfäule bei Erdbeeren?

Behandlungen mit zugelassenen Pflanzenschutzmitteln müssen präventiv erfolgen, da einmal infizierte Rhizome nicht mehr geheilt werden können. Der kritischste Zeitraum ist das Tauchverfahren der Jungpflanzen vor der Pflanzung oder gezielte Behandlungen über die Tröpfchenbewässerung im Herbst (während der Initiierung der Blütenanlagen) und im Frühjahr zu Beginn des Neuaustriebs (BBCH 10–15), wenn die Bodentemperaturen die Aktivität des Erregers anregen.

Wie beeinflusst die Bodenstruktur das Auftreten von Phytophthora cactorum und welche Gegenmaßnahmen helfen?

Der Schaderreger benötigt für die Freisetzung und Fortbewegung seiner Zoosporen freies Wasser im Boden. Schwere, verdichtete Böden mit Neigung zu Staunässe fördern den Befall massiv. Gegenmaßnahmen umfassen die tiefe Bodenlockerung vor der Pflanzung, den Einbau von Drainagen, die Pflanzung auf erhöhten Dämmen (Dammkultur) zur Verbesserung des Wasserabflusses sowie die Vermeidung von Überbewässerung.

Wie finde ich aktuell zugelassene Pflanzenschutzmittel gegen diesen Schaderreger im Portal?

Nutzen Sie die Suchfunktion im Pflanzenschutz-Hub und filtern Sie nach der gewünschten Kultur (z. B. Erdbeere oder Kernobst) und dem Schaderreger "Phytophthora cactorum". Achten Sie bei der Auswahl auf die spezifischen Anwendungsbestimmungen, die zugelassene Aufwandmenge, die maximale Anzahl der Anwendungen pro Saison sowie die einzuhaltende Wartezeit (PHI) vor der Ernte.