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Sonstiger Schaderreger

Phytophthora fragariae

Phytophthora fragariae
PHYTFR

Phytophthora fragariae (EPPO-Code: PHYTFR) ist ein hochgradig destruktiver, bodenbürtiger Oomyzet (Eipilz), der die Rote Wurzelfäule bei Erdbeeren (Fragaria x ananassa) sowie die Wurzelfäule bei Himbeeren (Rubus idaeus) verursacht. Dieser Schaderreger gilt als eine der wirtschaftlich bedeutendsten Krankheiten im professionellen Beerenobstbau weltweit. Ein Befall führt zu massiven Ertragseinbußen bis hin zum Totalausfall der betroffenen Kulturen, da das Wurzelsystem nachhaltig zerstört wird und die Wasser- sowie Nährstoffaufnahme kollabiert.

Die Verbreitung erfolgt primär über infiziertes Pflanzgut sowie durch die Verschleppung kontaminierter Erde an Maschinen und Geräten. Einmal im Boden etabliert, bildet der Schaderreger extrem langlebige Dauersporen (Oosporen), die über viele Jahre im Substrat überdauern und eine Sanierung betroffener Flächen außerordentlich schwierig machen. Besonders gefährdet sind Standorte mit schweren, verdichteten Böden und Neigung zu Staunässe, da freies Wasser für die Infektionskette essenziell ist.

Typ
Sonstiger Schaderreger
EPPO-Code
PHYTFR
Wirte
2 Kulturen
Generationen
Mehrere mikrozyklische Infektionszyklen pro Saison (wetterabhängig)
Verbreitung
Der Schaderreger ist in fast allen gemäßigten Anbauregionen weltweit verbreitet, insbesondere in Europa und Nordamerika. Er verursacht dort regelmäßig erhebliche ökonomische Schäden durch Ertragsverluste und die Notwendigkeit, betroffene Kulturen vorzeitig umzubrechen.
Erstbeschreibung
Alcock, 1929 (Schottland)

Biologie / Lebenszyklus

Der Lebenszyklus von Phytophthora fragariae ist eng an feuchte Bodenbedingungen und kühle Temperaturen (optimal 10–15 °C) im Herbst und Frühjahr gebunden. Der Schaderreger überdauert als dickwandige Oospore im infizierten Wurzelgewebe oder frei im Boden. Bei hoher Bodenfeuchtigkeit keimen diese Oosporen und bilden Sporangien, aus denen mobile, zweigeißelige Zoosporen freigesetzt werden. Diese Zoosporen bewegen sich im Bodenwasser aktiv zu den Wurzelspitzen der Kulturen, dringen dort ein und besiedeln das Rindengewebe. Während der Vegetationsperiode breitet sich das Myzel im Zentralzylinder aus, was zur charakteristischen Rotfärbung führt, bevor im absterbenden Gewebe neue Oosporen für die Überwinterung gebildet werden.

Bonitur

Ein systematisches Monitoring sollte bereits vor der Pflanzung durch die Auswahl zertifizierten, pathogenfreien Pflanzguts beginnen. Im Feld erfolgt die visuelle Bonitur vor allem in den sensiblen BBCH-Stadien 12 bis 19 (Blattentwicklung) sowie im Frühjahr zur Blüte (BBCH 55–69), wenn der Transpirationsanspruch der Kulturen steigt. Da es keine etablierten Schadschwellen im klassischen Sinne gibt – jeder Nachweis erfordert sofortiges Handeln –, konzentriert sich die Befallserhebung auf das Aufgraben von Kümmerpflanzen in Senken oder staunassen Bereichen. Zur Absicherung der Diagnose im Feld ist das vorsichtige Abschaben der Wurzelrinde zur Freilegung des Zentralzylinders unerlässlich; im Zweifel müssen molekularbiologische Schnelltests (PCR oder ELISA) über spezialisierte Labore herangezogen werden.

Symptome

Das oberirdische Schadbild zeigt sich zunächst durch ein stark verzögertes Wachstum, Kümmerwuchs und eine stumpf-bläulichgrüne Verfärbung der Blätter, die sich bei trockenem Wetter rasch rot-braun verfärben und vom Rand her vertrocknen. Typisch ist das plötzliche Welken ganzer Kulturen bei steigenden Temperaturen im Frühjahr. Unterirdisch weisen infizierte Kulturen ein stark reduziertes Wurzelsystem auf, bei dem die feinen Haarwurzeln völlig fehlen („Rattenschwanz-Symptom“). Das diagnostische Hauptmerkmal zeigt sich beim Längsschnitt der Hauptwurzeln: Der Zentralzylinder (Stele) ist intensiv rot bis rotbraun verfärbt, während die umgebende Rinde zunächst noch weiß und gesund erscheinen kann.

Integriertes Management

Die Bekämpfung von Phytophthora fragariae erfordert ein konsequentes, integriertes Management, da eine Heilung einmal infizierter Kulturen nicht möglich ist. Vorbeugende kulturtechnische Maßnahmen stehen im Vordergrund: die konsequente Vermeidung von Staunässe durch Dammkultur, Tiefenlockerung, Dränage sowie der Anbau widerstandsfähiger Sorten. Chemische Pflanzenschutzmittel (z. B. Fungizide aus der Gruppe der Phenylamide oder Phosphonate) sollten nur präventiv oder bei akutem Befallsrisiko in den sensiblen Phasen im Herbst und Frühjahr eingesetzt werden. Zur Vermeidung von Resistenzen ist ein striktes Wirkstoffmanagement gemäß den FRAC-Richtlinien einzuhalten, indem Wirkstoffe mit unterschiedlichen Wirkungsmechanismen im Wechsel angewendet werden. Biologische Präparate auf Basis von nützlichen Bodenbakterien oder Mykorrhiza-Pilzen können die Wurzelgesundheit junger Kulturen unterstützen, ersetzen jedoch bei hohem Infektionsdruck nicht die kulturtechnische Hygiene.

Wirtspflanzen

Zugelassene Pflanzenschutzmittel

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Häufige Fragen

Wie unterscheidet sich die Rote Wurzelfäule optisch von der Verticillium-Welke?

Während die Verticillium-Welke primär zu einer Nekrose der äußeren, älteren Blätter führt und die Leitbündel im Rhizom braun verfärbt, zeigt sich die Rote Wurzelfäule (Phytophthora fragariae) spezifisch durch eine weinrote Verfärbung des Zentralzylinders der Hauptwurzeln bei gleichzeitigem Fehlen von Feinwurzeln ("Rattenschwanz-Symptom").

Welche Rolle spielen die BBCH-Stadien für den optimalen Einsatz von Pflanzenschutzmitteln?

Systemische Pflanzenschutzmittel gegen Oomyzeten werden idealerweise im Herbst (BBCH 91–93, nach der Ernte bei beginnender Einlagerung) oder im zeitigen Frühjahr bei Vegetationsbeginn (BBCH 10–13) appliziert. Zu diesen Zeiten ist der Saftstrom der Kulturen aktiv genug, um die Wirkstoffe effektiv in das gefährdete Wurzelsystem zu transportieren.

Wie lange überleben die Oosporen von Phytophthora fragariae im Boden ohne Wirtspflanze?

Die dickwandigen Dauersporen (Oosporen) sind extrem widerstandsfähig und können im Boden bis zu 10 bis 15 Jahre ohne lebende Wirtskulturen überdauern. Eine einfache Fruchtfolge ist daher zur Sanierung verseuchter Flächen meist unzureichend.

Kann der Schaderreger auch in substratgebundenen Stellagen-Kulturen auftreten?

Ja, auch in erdlosen Kultursystemen (z. B. Rinnen- oder Stellagenanbau) kann der Erreger über infiziertes Pflanzgut oder kontaminiertes Gießwasser eingeschleppt werden. Durch die Kreislaufführung von Drainwasser kann sich der Schaderreger in solchen Systemen sogar besonders rasant verbreiten.

Wie finde ich im Portal gezielt zugelassene Pflanzenschutzmittel gegen diesen Erreger?

Nutzen Sie die Suchfunktion auf agronomy.farmable.tech und filtern Sie nach der Kultur "Erdbeere" oder "Himbeere" und dem Schaderreger "Phytophthora fragariae". Achten Sie bei der Auswahl der Pflanzenschutzmittel auf die spezifisch ausgewiesenen Indikationen für die Wurzelbehandlung oder den Blatteinsatz sowie die jeweiligen FRAC-Klassifizierungen zur Vermeidung von Resistenzen.

Warum begünstigt kühles und nasses Wetter im Herbst die Infektion besonders?

Die mobilen Zoosporen des Oomyzeten benötigen freies Bodenwasser, um sich aktiv schwimmend zu den Wurzeln zu bewegen. Da ihre optimale Entwicklungstemperatur bei kühlen 10–15 °C liegt, bieten die feuchten Bodenbedingungen im Spätherbst die perfekten physikalischen Voraussetzungen für eine erfolgreiche Infektion der Kulturen.