Podosphaera
Die Pilzgattung Podosphaera (EPPO-Code: 1PODOG), insbesondere der Amerikanische Stachelbeermehltau (Podosphaera mors-uvae), stellt eine der wirtschaftlich bedeutendsten pilzlichen Erkrankungen im Beerenobstbau dar. Der Schaderreger befällt vor allem Kulturen der Gattung Ribes, darunter Stachelbeeren (Ribes uva-crispa), Schwarze Johannisbeeren (Ribes nigrum) und Rote Johannisbeeren (Ribes rubrum). Ein starker Befall führt zu erheblichen Ertragseinbußen und mindert die Qualität der Früchte drastisch, da befallene Beeren unbrauchbar für den Frischmarkt und die Verarbeitung werden.
Der Pilz ist in ganz Europa weit verbreitet und tritt besonders in feucht-warmen Sommern epidemisch auf. Neben dem direkten Ertragsverlust schwächt der Erreger durch den Befall von Triebspitzen und Blättern die Vitalität der Kulturen nachhaltig, was zu vermindertem Triebwachstum und einer erhöhten Frostempfindlichkeit im Folgejahr führt. Die Bekämpfung erfordert ein engmaschiges, integriertes Pflanzenschutzkonzept.
Biologie / Lebenszyklus
Der Schaderreger überwintert als Myzel in den Knospen der Wirtspflanzen oder als Fruchtkörper (Kleistothezien) auf abgefallenen Blättern und Trieben. Im Frühjahr, zeitgleich mit dem Austrieb der Kulturen, erfolgt die Primärinfektion durch Ascosporen oder reaktiviertes Myzel, das die jungen Blätter und Triebe besiedelt. Auf dem gebildeten weißen Myzelrasen entstehen ungeschlechtliche Konidien, die durch Wind und Regenspritzer verbreitet werden und während der gesamten Vegetationsperiode zu multiplen Sekundärinfektionen führen. Gegen Ende des Sommers bilden sich auf dem dichten, braun werdenden Myzelbelag die dunklen Kleistothezien für die Überwinterung aus.
Bonitur
Das Monitoring beginnt frühzeitig im Frühjahr ab dem BBCH-Stadium 10 (Grüne Knospenspitzen treten hervor) bis BBCH 51 (Knospen schwellen an). Agronomen sollten wöchentlich Triebspitzen und Blattunterseiten auf erste weiße, mehlige Beläge kontrollieren, insbesondere in dichten, schlecht belüfteten Beständen. Eine Schadschwelle ist im Erwerbsanbau aufgrund der raschen Ausbreitung eng gesetzt: Sobald erste Symptome an den Triebspitzen oder jungen Blättern sichtbar werden (Befallsbeginn), ist eine gezielte Behandlung mit Pflanzenschutzmitteln einzuleiten, um eine Ausbreitung auf die sich entwickelnden Früchte (ab BBCH 71) zu verhindern.
Symptome
Typisch für den Befall ist ein anfangs weißer, mehliger Belag aus Myzel und Konidien auf den Blättern, jungen Triebspitzen und grünen Früchten. Im weiteren Verlauf verfärbt sich dieser Belag schmutzig-braun und nimmt eine filzige Konsistenz an. Befallene Blätter deformieren sich, rollen sich nach oben ein und vertrocknen vorzeitig. Die Triebe zeigen gestauchtes Wachstum, sterben von der Spitze her ab und verholzen schlecht. Befallene Beeren verbräunen, vertrocknen oder platzen auf und sind mit einem dichten, braunen Filz überzogen, was sie völlig unverkäuflich macht.
Integriertes Management
Ein erfolgreiches Management basiert auf einer Kombination aus kulturtechnischen, biologischen und chemischen Maßnahmen. Kulturtechnisch stehen der Anbau widerstandsfähiger Sorten sowie ein konsequenter Auslichtungsschnitt im Spätwinter im Vordergrund, um eine schnelle Abtrocknung der Kulturen zu gewährleisten; befallene Triebspitzen müssen konsequent ausgeschnitten und vernichtet werden. Biologische Ansätze umfassen den Einsatz von Backpulver-Präparaten (Kaliumhydrogencarbonat) oder Schwefel zur Befallsminderung. Beim Einsatz chemischer Pflanzenschutzmittel ist ein Wirkstoffwechsel zwischen verschiedenen FRAC-Klassen (z. B. SDHI, DMI und Strobilurine) zwingend erforderlich, um der hohen Gefahr von Resistenzbildungen entgegenzuwirken. Die Anwendungen müssen präventiv oder unmittelbar bei Befallsbeginn erfolgen, wobei die Wartezeiten der jeweiligen Mittel strikt einzuhalten sind.
Wirtspflanzen
Zugelassene Pflanzenschutzmittel
Alle Anwendungen ansehenHäufige Fragen
Wie unterscheidet sich der Befall durch Podosphaera von anderen Mehltaupilzen an Ribes-Arten?
Im Gegensatz zum harmloseren Spätmehltau bildet der Amerikanische Stachelbeermehltau (Podosphaera) einen dichten, filzigen Belag, der sich im Sommer charakteristisch braun verfärbt und auch die Früchte direkt schädigt. Der Spätmehltau bleibt meist weißlich und beschränkt sich primär auf die Blattoberflächen im Herbst.
Welche Rolle spielt die Stickstoffdüngung bei der Anfälligkeit der Kulturen?
Eine übermäßige Stickstoffdüngung fördert ein mastiges, weiches Triebwachstum. Dieses weiche Gewebe ist für die Keimschläuche der Konidien besonders leicht zu durchdringen, was die Infektionsrate und die Ausbreitungsgeschwindigkeit des Schaderregers im Bestand massiv erhöht.
Wie finde ich auf agronomy.farmable.tech zugelassene Pflanzenschutzmittel gegen diesen Erreger?
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Warum ist das Ausschneiden der Triebspitzen im Winter so effektiv gegen Podosphaera?
Da der Pilz als Myzel in den Knospen der Triebspitzen überwintert, entfernt der Winterschnitt die primäre Infektionsquelle für das Folgejahr. Durch das konsequente Kappen und Vernichten oder tiefe Unterpflügen dieser Triebenden wird der Infektionsdruck im Frühjahr drastisch gesenkt.
Welche FRAC-Gruppen sollten bei der chemischen Bekämpfung abgewechselt werden?
Um Resistenzen vorzubeugen, sollten Sie Behandlungen mit Triazolen (FRAC-Gruppe 3), Strobilurinen (FRAC-Gruppe 11) und SDHI (FRAC-Gruppe 7) abwechseln. Integrieren Sie zudem Kontaktwirkstoffe wie Schwefel (FRAC-Gruppe M02), die kein Resistenzrisiko aufweisen, in die Spritzfolge.
Welchen Einfluss hat das Mikroklima innerhalb der Strauchkrone auf die Infektion?
Hohe Luftfeuchtigkeit bei mäßigen Temperaturen (15–22 °C) begünstigt die Sporenkeimung optimal. Dichte Strauchkronen verhindern das schnelle Abtrocknen nach Tau oder Regen, wodurch ein feuchtes Mikroklima entsteht, das dem Schaderreger ideale Bedingungen für eine epidemische Ausbreitung bietet.