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Kultur

Rote Johannisbeere

Ribes rubrum
RIBRU

Die Rote Johannisbeere (Ribes rubrum, EPPO-Code: RIBRU) gehört zu den bedeutendsten Strauchbeerenobstarten im mitteleuropäischen Erwerbsanbau. Als mehrjährige Kultur stellt sie spezifische Anforderungen an den Standort, insbesondere hinsichtlich der Spätfrosttoleranz während der frühen Blütezeit. Die Früchte werden sowohl für den Frischmarkt als auch für die industrielle Verarbeitung kultiviert.

Botanisch zeichnet sich die Kultur durch einen aufrechten, buschigen Wuchs aus, wobei die Ertragsbildung hauptsächlich an den zwei- bis dreijährigen Trieben erfolgt. Ein regelmäßiger Verjüngungsschnitt ist daher essenziell, um die Vitalität und die Fruchtqualität langfristig auf hohem Niveau zu halten. Im modernen Erwerbsanbau dominieren Spaliersysteme, die eine effiziente mechanische Ernte oder eine gezielte Handpflücke für den Frischmarkt ermöglichen.

Aussaat-/Pflanzzeitraum
Oktober bis November
Erntefenster
Juni bis August
Reihenabstand
2,5–3,0 m x 1,0–1,5 m
Typischer Ertrag
6–12 t/ha
Wärmesumme (GDD)
1750
Boden-pH
5,5–6,5

Bodenmanagement

Die Kultur bevorzugt mittelschwere, tiefgründige und humusreiche Böden mit einer gleichmäßigen Wasserversorgung, da das flache Wurzelsystem empfindlich auf Trockenstress reagiert. Ein optimaler pH-Wert liegt im schwach sauren Bereich; zu hohe Kalkgehalte können Chlorosen induzieren. Zur Vermeidung von Bodenverdichtungen und zur Unkrautregulierung wird in den Fahrgassen meist eine Dauerbegrünung etabliert, während der Streifen unter den Sträuchern mechanisch oder durch Mulchauflagen offen gehalten wird. Eine ausgewogene Düngung, insbesondere mit kaliumbetonten Nährstoffen, ist für die Holzreife und Fruchtqualität entscheidend, wobei Chlorid-Empfindlichkeit beachtet werden muss.

Schaderreger-Management

Der integrierte Pflanzenschutz konzentriert sich auf die vorbeugende Gesunderhaltung der Kultur durch einen luftigen Kronenaufbau, um die Abtrocknung nach Niederschlägen zu beschleunigen. Zu den wirtschaftlich bedeutendsten Schaderregern gehören Botrytis cinerea (Grauschimmel) während der Blüte sowie verschiedene Blattfallkrankheiten und Echter Mehltau. Die Bekämpfung von Schädlingen wie der Johannisbeerblasenlaus oder Gallmilben erfordert ein präzises Monitoring ab dem Knospenaufbruch (BBCH 01–09). Der gezielte Einsatz zugelassener Pflanzenschutzmittel erfolgt unter strenger Beachtung der Wartezeiten und zur Vermeidung von Resistenzen im Wechsel verschiedener Wirkstoffklassen.

Sorten

Rovada

Spät (Ende Juli bis August)

Sehr hoch und regelmäßig, exzellente Pflückleistung.

Resistent gegen: Blattfallkrankheit, Mehltau

Anfällig für: Botrytis, Zweigsterben

Die derzeit wichtigste Hauptsorte im Erwerbsanbau mit sehr langen Trauben und gleichmäßiger Abreife. Hervorragend für die Lagerung geeignet.

Jonkheer van Tets

Sehr früh (Ende Juni)

Hoch, neigt bei ungünstiger Witterung zum Verrieseln.

Anfällig für: Spätfrost, Blasenlaus, Mehltau

Eine bewährte, sehr frühe Sorte mit starkem, aufrechtem Wuchs. Empfindlich gegenüber Spätfrösten aufgrund des frühen Austriebs.

Roland

Mittelfrüh (Anfang bis Mitte Juli)

Mittelhoch bis hoch, sehr ertragssicher.

Resistent gegen: Blattfallkrankheit

Anfällig für: Mehltau

Robuste Sorte mit mittellangen Trauben und säuerlich-aromatischen Früchten, gut geeignet für den Direktvertrieb.

Heinemanns Rote Spätlese

Sehr spät (August)

Hoch und lang anhaltend, sehr robust im Anbau.

Resistent gegen: Frost

Anfällig für: Verrieselung, Blattfallkrankheit

Traditionelle, starkwüchsige Sorte mit sehr säurereichen Früchten, die sich besonders gut für die industrielle Verarbeitung eignen.

Wichtige Schaderreger

Zugelassene Pflanzenschutzmittel

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Häufige Fragen

Wie lässt sich das Risiko von Verrieselung bei Roten Johannisbeeren minimieren?

Verrieselung (vorzeitiger Fruchtfall) tritt häufig bei kühler Witterung während der Blüte (BBCH 60–69) auf, wenn der Bienenflug eingeschränkt ist. Agronomen empfehlen die Etablierung von Hummelvölkern in der Anlage, da Hummeln auch bei niedrigeren Temperaturen fliegen. Zudem mindern eine windgeschützte Standortwahl und eine ausgewogene Bor-Versorgung vor der Blüte dieses physiologische Risiko.

Welche Rolle spielt das BBCH-Stadium bei der Bekämpfung der Johannisbeerblasenlaus?

Eine effektive Regulierung der Johannisbeerblasenlaus (Cryptomyzus ribis) muss vor dem Einrollen der Blätter erfolgen. Der optimale Behandlungszeitraum liegt im Vorblütenbereich (BBCH 51 bis 55), sobald die ersten Larven aus den Wintereiern schlüpfen. Nach dem Blattaufrollungsschutz sind systemische Pflanzenschutzmittel erforderlich, deren Anwendung jedoch strengen Auflagen bezüglich des Bienenschutzes unterliegt.

Wie wird die mechanische Erntbarkeit bei Industrie-Johannisbeeren optimiert?

Für die maschinelle Ernte mittels Portalharvestern ist ein straff aufrechter Wuchs zwingend Erfordernis. Dies wird durch einen konsequenten Erziehungsschnitt erreicht, bei dem bodennahe, herabhängende Äste frühzeitig entfernt werden. Zudem stabilisiert der Einsatz von elastischen Stützdrähten in der Reihe die Triebe unter hoher Fruchtlast und verhindert Astbrüche während des Schüttelvorgangs.

Warum ist die Kaliumform bei der Düngung von Ribes rubrum kritisch?

Rote Johannisbeeren reagieren extrem empfindlich auf Chlorid. Eine Düngung mit chloridhaltigen Kalidüngern (wie Kaliumchlorid) führt zu Blattrandnekrosen, vermindertem Triebwachstum und Ertragseinbußen. Im Erwerbsanbau darf daher ausschließlich chloridfreies Kaliumsulfat (Patentkali oder Kalisulfat) zur Nährstoffversorgung herangezogen werden.

Wie finde ich im Agronomie-Hub zugelassene Pflanzenschutzmittel gegen Botrytis?

Nutzen Sie die Such- und Filtersysteme im Hub, indem Sie nach dem EPPO-Code des Schaderregers BOTRCI (Botrytis cinerea) filtern. Sie erhalten eine aktuelle Liste der in Deutschland für die Kultur Ribes rubrum zugelassenen Fungizide, inklusive der spezifischen Aufwandmengen, maximalen Anwendungsanzahlen und einzuhaltenden Wartezeiten (PHI).

Welche Schnittmaßnahmen sind nach der Ernte (BBCH 91) durchzuführen?

Direkt nach der Ernte im Spätsommer empfiehlt sich ein Sommerschnitt. Dabei werden abgetragene, vierjährige Haupttriebe bodennah entfernt, um Licht und Luft in das Strauchinnere zu lassen. Dies fördert die Holzreife der verbleibenden ein- bis dreijährigen Triebe, mindert den Infektionsdruck durch pilzliche Schaderreger im Folgejahr und erleichtert die Knospenanlage für die kommende Saison.