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Kultur

Schwarze Johannisbeere

Ribes nigrum
RIBNI

Die Schwarze Johannisbeere (Ribes nigrum, EPPO-Code: RIBNI) ist eine der bedeutendsten Strauchbeerenkulturen im mitteleuropäischen Erwerbsobstbau. Sie zeichnet sich durch einen extrem hohen Gehalt an Vitamin C und wertvollen sekundären Pflanzenstoffen aus, weshalb sie vor allem für die Saft- und Verarbeitungsindustrie, aber zunehmend auch für den Frischmarkt angebaut wird. Die Kultur stellt spezifische Ansprüche an das Lokalklima und benötigt für einen sicheren Ertrag eine ausreichende Winterkälte (Chilling-Requirement) sowie Schutz vor Spätfrösten während der empfindlichen Blütephase.

Im professionellen Anbau dominieren maschinell erntbare Strauchformen auf gut strukturierten Flächen. Die Ertragsbildung erfolgt primär am einjährigen Holz, das an den zwei- bis dreijährigen Haupttrieben entspringt. Ein konsequenter, jährlicher Verjüngungsschnitt ist daher essenziell, um die Vitalität der Kultur und eine hohe Fruchtqualität langfristig zu sichern. Aufgrund der Anfälligkeit gegenüber verschiedenen Schaderregern ist eine vorausschauende, integrierte Pflanzenschutzstrategie unerlässlich.

Aussaat-/Pflanzzeitraum
Oktober bis November (Herbstpflanzung bevorzugt) oder März
Erntefenster
Anfang Juli bis Mitte August
Reihenabstand
3,0–3,5 m x 0,8–1,2 m
Typischer Ertrag
4,0–8,0 t/ha
Wärmesumme (GDD)
1700
Boden-pH
5,5–6,5

Bodenmanagement

Die Schwarze Johannisbeere bevorzugt mittelschwere, tiefgründige und humose Böden mit guter Wasserführung, da sie empfindlich auf Staunässe reagiert. Eine kontinuierliche Humusversorgung durch organische Düngung oder Mulchauflagen in den Fahrgassen fördert das aktive Bodenleben und sichert die Bodenfeuchte im flachwurzelnden System der Kultur. Zur Unkrautregulierung im Pflanzstreifen wird im professionellen Anbau meist eine Kombination aus mechanischer Bodenbearbeitung (z. B. mit der Rollhacke) und gezieltem Herbizideinsatz praktiziert. Eine ausreichende Stickstoffversorgung im Frühjahr ist entscheidend für den jährlichen Neutrieb, während Kalium die Frosthärte und Fruchtqualität maßgeblich beeinflusst. In trockenen Sommern ist eine Tröpfchenbewässerung zur Absicherung des Ertrags und der Knospenanlage für das Folgejahr dringend zu empfehlen.

Schaderreger-Management

Im integrierten Pflanzenschutz der Kultur steht die Vorbeugung von Pilzinfektionen wie dem Amerikanischen Stachelbeermehltau (*Podosphaera mors-uvae*) und der Blattfallkrankheit (*Drepanopeziza ribis*) im Vordergrund. Durch eine weite Pflanzung und einen regelmäßigen Auslichtungsschnitt wird ein rasches Abtrocknen der Laubwand gefördert, was den Infektionsdruck dieser Schaderreger minimiert. Gegen die Grauschimmelfäule (*Botrytis cinerea*) sind gezielte Anwendungen von Pflanzenschutzmitteln während der Blütezeit (BBCH-Stadium 61 bis 69) oft unumgänglich, um Ernteverluste zu verhindern. Ein besonderes Augenmerk gilt der Johannisbeergallmilbe, die nicht nur Knospenschäden verursacht, sondern auch Viruserkrankungen überträgt. Die Regulierung von saugenden Schaderregern wie Blattläusen muss frühzeitig im Frühjahr erfolgen, um eine Schwächung der jungen Triebe zu unterbinden.

Sorten

Titania

Mittelspät (Mitte Juli)

Sehr hoch und regelmäßig.

Resistent gegen: Amerikanischer Stachelbeermehltau, Säulenrost

Anfällig für: Johannisbeergallmilbe

Sehr starkwüchsig, gut für die maschinelle Ernte geeignet, aufrechter Wuchs. Die wichtigste Industriesorte in Mitteleuropa.

Bona

Sehr früh (Ende Juni)

Hoch, neigt bei unzureichender Bestäubung zum Verrieseln.

Resistent gegen: Amerikanischer Stachelbeermehltau

Anfällig für: Blattfallkrankheit, Spätfrost

Großfrüchtige Sorte mit mildem, süßem Aroma, besonders für den Direktvertrieb und Frischmarkt geeignet.

Ometa

Spät (Ende Juli bis Anfang August)

Mittelhoch bis hoch, sehr ertragssicher.

Resistent gegen: Blattfallkrankheit

Anfällig für: Amerikanischer Stachelbeermehltau

Kräftiges Aroma, hoher Säure- und Vitamin-C-Gehalt, hervorragend für die industrielle Saftgewinnung geeignet.

Tisel

Früh bis mittelfrüh (Anfang Juli)

Sehr hoch und früh einsetzend.

Resistent gegen: Amerikanischer Stachelbeermehltau, Säulenrost

Anfällig für: Blattfallkrankheit

Kompakter Wuchs, hervorragend für die mechanische Ernte geeignet, sehr vital und anpassungsfähig.

Wichtige Schaderreger

Zugelassene Pflanzenschutzmittel

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Häufige Fragen

Wie wird die Johannisbeergallmilbe im professionellen Anbau kontrolliert?

Da die Johannisbeergallmilbe (*Cecidophyopsis ribis*) das zerstörerische Reversion-Virus (BCRV) überträgt, ist die Bekämpfung von zentraler Bedeutung. Neben dem Pflanzen zertifizierter, virusfreier Kulturen müssen befallene, rundlich deformierte Knospen im Winter manuell ausgebrochen und vernichtet werden. Chemische Anwendungen mit zugelassenen Pflanzenschutzmitteln (z. B. Schwefelpräparaten) erfolgen exakt während der Wanderungsphase der Milben im Frühjahr, die meist zwischen dem Knospenaufbruch und dem Beginn der Blüte (BBCH-Stadium 51 bis 61) stattfindet.

Welche Rolle spielt der Schnitt für die Ertragsphysiologie der Kultur?

Da die Schwarze Johannisbeere die qualitativ besten Früchte am einjährigen Holz bildet, das an zwei- bis dreijährigen Haupttrieben wächst, ist ein jährlicher Verjüngungsschnitt im Nachwinter entscheidend. Ältere, schwach tragende Triebe (älter als drei bis vier Jahre) werden bodennah entfernt, um den Austrieb kräftiger Bodentriebe anzuregen. Ein optimal aufgebauter Strauch im Erwerbsanbau besteht aus etwa 8 bis 12 Haupttrieben unterschiedlichen Alters, was eine gleichmäßige Belichtung und Belüftung der Kultur sichert.

Wie lässt sich das Risiko von Blütenfrösten bei Ribes nigrum minimieren?

Schwarze Johannisbeeren treiben relativ früh aus und sind während der Blütezeit stark spätfrostgefährdet. Neben der optimalen Standortwahl (Vermeidung von Kaltluftsenken) hilft der Einsatz von Frostschutzberegnungen während kritischer Nächte in den BBCH-Stadien 60 bis 69. Auch die gezielte Sortenwahl, beispielsweise spät blühende Kulturen wie 'Ometa', verringert das Risiko von Ertragsausfällen durch Frostschäden im Frühjahr erheblich.

Warum ist eine Stickstoffdüngung im Nachsommer bei dieser Kultur kritisch zu bewerten?

Eine zu späte Stickstoffgabe nach der Ernte (ab Mitte August) regt ein unerwünschtes spätes Triebwachstum an. Diese jungen Triebe können vor dem Winter nicht mehr ausreichend verholzen, was die Frostempfindlichkeit der gesamten Kultur massiv erhöht. Die Hauptstickstoffmenge sollte stattdessen aufgeteilt im zeitigen Frühjahr zum Austrieb und direkt zur Blüte ausgebracht werden, um das vegetative Wachstum harmonisch zu steuern.

Wie finde ich auf der Plattform aktuell zugelassene Pflanzenschutzmittel gegen Botrytis für diese Kultur?

Auf agronomy.farmable.tech können Sie über die integrierte Produktsuche gezielt nach dem Schaderreger *Botrytis cinerea* (EPPO-Code: BOTRCI) filtern. Das System listet Ihnen alle in Ihrem Land aktuell für die Kultur *Ribes nigrum* registrierten Pflanzenschutzmittel auf, inklusive der zulässigen Aufwandmenge, der maximalen Anwendungen pro Saison und der einzuhaltenden Wartezeit vor der Ernte.