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Schädling

Rebenzikade

Empoasca vitis
EMPOFL

Die Rebenzikade (Empoasca vitis, EPPO-Code: EMPOFL), auch als Hellgrüne Zwergzikade bekannt, ist ein weit verbreiteter Schaderreger im europäischen Weinbau. Der Kleinzikade kommt insbesondere in feuchteren Weinbauregionen sowie in Jahren mit niederschlagsreicher Witterung eine erhebliche wirtschaftliche Bedeutung zu. Durch ihre saugende Aktivität an den Leitungsbahnen der Blätter beeinträchtigt sie den Saftstrom der Reben, was zu charakteristischen Blattschäden und im Extremfall zu vorzeitigem Laubfall führt.

Neben der Weinrebe (Vitis vinifera) kann dieser polyphage Schädling auch an anderen Laubgehölzen und Sonderkulturen wie Beerenobst oder Tee auftreten. Die wirtschaftliche Schadschwelle wird vor allem in Junganlagen oder bei starkem Befall in Ertragsanlagen überschritten, da der Verlust an aktiver Blattfläche die Holzreife und die Zuckeransammlung in den Beeren negativ beeinflusst.

Typ
Schädling
EPPO-Code
EMPOFL
Wirte
1 Kultur
Generationen
2 bis 3 Generationen pro Saison
Verbreitung
Empoasca vitis ist in ganz Europa, Nordafrika und Teilen Asiens weit verbreitet und verursacht insbesondere im mitteleuropäischen und mediterranen Weinbau regelmäßig wirtschaftlich relevante Ertragseinbußen durch Qualitätsminderung des Leseguts.
Erstbeschreibung
Göthe, 1875

Biologie / Lebenszyklus

Die Überwinterung von *Empoasca vitis* erfolgt als befruchtetes Weibchen auf immergrünen Gehölzen wie Nadelbäumen, Efeu oder Brombeeren außerhalb der Rebanlagen. Im Frühjahr (ca. April bis Mai) wandern die adulten Zikaden in die Weinberge ein, wo die Eiablage in die Blattadern der jungen Triebe erfolgt. Nach einer temperaturabhängigen Entwicklungszeit schlüpfen die flügellosen Nymphen, die fünf Stadien durchlaufen und sich vorwiegend auf der Blattunterseite aufhalten. In Mitteleuropa entwickeln sich meist zwei, in warmen Jahren oder südlicheren Regionen auch drei Generationen pro Saison, wobei die Populationsdichte im Hochsommer (Juli und August) ihr Maximum erreicht.

Bonitur

Das Monitoring beginnt ab dem Austrieb, konzentriert sich jedoch primär auf den Zeitraum der Blüte (BBCH 57–69) bis zur Traubenentwicklung (BBCH 71–79). Zur Befallserhebung werden ab Juni wöchentlich mindestens 50 bis 100 Blätter aus der mittleren Laubwandzone visuell auf das Vorhandensein von Nymphen (Blattunterseiten) kontrolliert, da diese im Gegensatz zu den mobilen Adulten gut quantifizierbar sind. Als Richtwert für eine gezielte Behandlung gilt eine Schadschwelle von etwa 1 bis 2 Nymphen pro Blatt bei anfälligen Rebsorten, wobei Gelbtafeln ergänzend zur Flugüberwachung der adulten Zikaden eingesetzt werden können.

Symptome

Das Schadbild äußert sich durch die sogenannte „Symptomatik der Zikadenröte“ bei roten Rebsorten bzw. „Zikadengelbung“ bei weißen Rebsorten. Durch das Anstechen des Phloems verstopfen die Leitungsbahnen, was zu einer Unterbrechung des Assimilattransports führt. Die Blattränder verfärben sich sektorenförmig, scharf abgegrenzt entlang der Hauptadern rot oder gelb, während das Blattzentrum zunächst grün bleibt. Im weiteren Verlauf rollen sich die Blattränder nach unten ein (Symptom des „Sonnenbrands“), vertrocknen von außen nach innen und fallen schließlich vorzeitig ab.

Integriertes Management

Ein integriertes Management setzt primär auf die Förderung natürlicher Gegenspieler, insbesondere von Raubwanzen, Florfliegen und parasitoiden Schlupfwespen der Familie Mymaridae (z. B. *Anagrus atomus*), die die Eier der Zikade effektiv parasitieren. Kulturmaßnahmen wie eine ausgewogene Stickstoffdüngung und eine gezielte Entlaubung der Traubenzone reduzieren das feucht-warme Mikroklima, welches die Schaderreger begünstigt. Ist das Überschreiten der Schadschwelle im Sommer absehbar, können nützlingsschonende Pflanzenschutzmittel eingesetzt werden. Bei chemischen Behandlungen ist zur Vermeidung von Resistenzen ein Wirkstoffwechsel gemäß den IRAC-Richtlinien (z. B. Wechsel zwischen verschiedenen Wirkstoffklassen wie Pyrethroiden oder systemischen Mitteln) zwingend einzuhalten, wobei die Anwendung optimal gegen die empfindlichen jungen Nymphenstadien gerichtet wird.

Wirtspflanzen

Zugelassene Pflanzenschutzmittel

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Häufige Fragen

Wie unterscheidet sich der Schaden der Rebenzikade von akutem Kaliummangel?

Während sich Kaliummangel meist gleichmäßig vom Blattrand her ausbreitet und die Hauptadern oft grün bleiben, ist der Zikadenschaden scharf sektorenförmig durch die Hauptblattadern begrenzt. Zudem zeigt sich der Zikadenbefall meist nesterweise im Weinberg, oft beginnend an den Rändern nahe von Hecken oder Gehölzen, während Nährstoffmangel eher flächig oder bodenbedingt auftritt.

Welchen Einfluss hat die Rebsorte auf die Schadwirkung von Empoasca vitis?

Rotweinsorten reagieren physiologisch empfindlicher auf den Saugschaden, da die Blockade des Saftstroms zu einer sichtbaren Akkumulation von Anthocyanen (Rotfärbung) führt. Stark wüchsige Kulturen können den Blattverlust oft besser kompensieren als schwachwüchsige Sorten oder Junganlagen, bei denen bereits geringer Befall die Holzreife gefährdet.

Wie finde ich im Hub zugelassene Pflanzenschutzmittel gegen diesen Schaderreger?

Nutzen Sie die Such- und Filterfunktion auf agronomy.farmable.tech, indem Sie nach dem EPPO-Code „EMPOFL“ oder dem deutschen Namen „Rebenzikade“ filtern. Dort werden Ihnen alle aktuell für die Kultur Weinrebe registrierten Pflanzenschutzmittel inklusive Aufwandmengen, BBCH-Anwendungsfenstern und einzuhaltenden Wartezeiten angezeigt.

Warum ist die Bekämpfung der adulten Zikaden im Frühjahr meist nicht wirtschaftlich?

Die im Frühjahr einwandernden adulten Zikaden sind extrem mobil und verteilen sich weitläufig, weshalb eine chemische Behandlung kaum eine nachhaltige Wirkung erzielt. Zudem ist die Populationsdichte zu diesem Zeitpunkt meist noch sehr gering, und eine verfrühte Anwendung schädigt wichtige frühe Populationen von Nützlingen wie Raubmilben.

Welche Rolle spielen Windschutzstreifen und Hecken beim Befallsdruck?

Da die Rebenzikade auf immergrünen Gehölzen überwintert, weisen Rebanlagen, die direkt an Waldränder, Hecken oder Windschutzstreifen grenzen, im Frühjahr oft einen deutlich früheren und intensiveren Erstbefall auf. Diese Randzonen sollten beim Monitoring ab BBCH 15 besonders aufmerksam kontrolliert werden.

Wie kann der Einsatz von Netzmitteln die Wirkung einer Behandlung optimieren?

Da sich die empfindlichen Nymphen fast ausschließlich auf der behaarten Blattunterseite aufhalten, verbessert der Zusatz eines zugelassenen Netzmittels die Benetzung der Blattunterseiten erheblich. Dies stellt sicher, dass auch Kontaktinsektizide die versteckt sitzenden Schadinsekten zuverlässig erreichen.