Rhombenspanner
Der Rhombenspanner (Peribatodes rhomboidaria, EPPO-Code: BOARRH) ist ein forst- und landwirtschaftlich relevanter Schmetterling aus der Familie der Spanner (Geometridae). In den Weinbaugebieten Mitteleuropas gilt er als ein bedeutender Schaderreger, da die gefräßigen Raupen im Frühjahr erhebliche Schäden an den schwellenden Knospen der Weinrebe (Vitis vinifera) verursachen können.
Neben dem Weinbau kann der Schädling auch an verschiedenen Gehölzen, Obstkulturen und Beerenobst auftreten, wobei der wirtschaftliche Schaden im Weinbau durch den Kahlfraß der Augen im Frühjahr am gravierendsten ist. Ein starker Befall führt direkt zu Ertragsverlusten, da die primären Gescheine zerstört werden und der Austrieb aus Beiaugen qualitativ und quantitativ minderwertig ist.
Biologie / Lebenszyklus
Der Rhombenspanner bildet in Mitteleuropa meist eine, in wärmeren Regionen oder Jahren auch eine unvollständige zweite Generation aus. Die Überwinterung erfolgt als junge, braungraue Raupe (L2 oder L3) an der Rinde des Rebholzes oder im Bodenstreu. Sobald im Frühjahr die Temperaturen steigen (meist ab März/April, BBCH 01 bis 05), werden die Raupen aktiv und wandern zu den schwellenden Knospen, um dort zu fressen. Nach Abschluss der Larvalentwicklung im Mai verpuppen sich die Raupen im Boden, woraufhin ab Juni die Falter schlüpfen. Die Eiablage erfolgt an Rindenspalten, und die im Sommer schlüpfenden Raupen der neuen Generation fressen zunächst unauffällig an den Blättern, bevor sie sich in ihr Winterquartier zurückziehen.
Bonitur
Die Überwachung des Rhombenspanners konzentriert sich auf das kritische Zeitfenster des Knospenschwellens im Frühjahr (BBCH 01 bis BBCH 09). Da die Raupen nachtaktiv sind und sich tagsüber perfekt getarnt an das Altholz anschmiegen (Mimese), ist eine visuelle Kontrolle am Tag schwierig; das Abklopfen von Trieben (Klopfprobe) in den Abendstunden oder der Einsatz einer Taschenlampe bei Dunkelheit liefert verlässlichere Ergebnisse. Eine Schadensschwelle ist erreicht, wenn bei einer Stichprobe von 100 Knospen mehr als 2 bis 5 % der Augen Fraßspuren aufweisen oder lebende Raupen gefunden werden, insbesondere in historisch gefährdeten Junganlagen oder Randzeilen nahe von Böschungen.
Symptome
Das primäre Symptom im Frühjahr ist das typische „Aushöhlen“ der schwellenden Knospen (Wollstadium bis Knospenaufbruch, BBCH 05–09). Die Raupen fressen tiefe Löcher in die Knospen, sodass das grüne Gewebe im Inneren zerstört wird und die Knospe vertrocknet oder gar nicht erst austreibt. Später im Frühjahr zeigen sich unregelmäßiger Loch- und Randfraß an den jungen Blättern und Trieben. Die Raupen selbst sind durch ihre rindenähnliche Färbung und die typische spannerartige Fortbewegung (Katzenbuckel) gut zu identifizieren, wenn sie bei Störung starr wie ein kleiner Zweig vom Holz abstehen.
Integriertes Management
Ein integriertes Management setzt auf eine Kombination aus kulturtechnischen, biologischen und chemischen Maßnahmen. Zur mechanischen Abwehr können im Frühjahr Leimringe oder spezielle Raupenleim-Barrieren am Stammgrund angebracht werden, um das Aufwandern der Raupen aus dem Bodenbereich zu verhindern. Biologisch spielen natürliche Feinde wie Schlupfwespen, Vögel und räuberische Wanzen eine wichtige Rolle; auch der Einsatz von nützlichen Nematoden im Boden zur Puppenbekämpfung wird untersucht. Wenn die Schadensschwelle überschritten ist, ist eine gezielte chemische Behandlung mit einem für diese Anwendung zugelassenen Pflanzenschutzmittel erforderlich. Dabei sollten bevorzugt nützlingsschonende Präparate (z. B. Bacillus thuringiensis-Präparate bei wärmeren Temperaturen) eingesetzt werden. Zur Vermeidung von Resistenzen ist ein Wirkstoffwechsel gemäß den IRAC-Richtlinien einzuhalten.
Wirtspflanzen
Zugelassene Pflanzenschutzmittel
Häufige Fragen
Wie unterscheidet sich der Fraßschaden des Rhombenspanners von dem eines Erdraupen-Befalls?
Während beide Schaderreger nachts an den Knospen fressen, hinterlassen Erdraupen (Larven von Eulenfaltern) oft zusätzliche Fraßspuren an bodennahen Unkräutern und ziehen sich tagsüber tief in den Boden zurück. Die Raupen des Rhombenspanners hingegen verbleiben tagsüber starr und perfekt getarnt als "Scheinzweig" direkt am Rebholz oder in den Rindenspalten nahe der Fraßstelle.
Warum sind Junganlagen besonders durch den Rhombenspanner gefährdet?
In Junganlagen ist die Anzahl der Knospen pro Rebe sehr gering. Wenn hier im Frühjahr (BBCH 01–09) auch nur wenige Knospen durch die Raupen ausgefressen werden, kann dies den gesamten Stockaufbau und das Triebwachstum um ein ganzes Jahr zurückwerfen, während etablierte Altanlagen den Verlust einzelner Augen besser kompensieren können.
Wie finde ich im Pflanzenschutzmittel-Hub gezielt zugelassene Produkte gegen diesen Schädling?
Nutzen Sie die Filterfunktion im Hub und suchen Sie nach der Kultur "Weinrebe" sowie dem Schaderreger "Rhombenspanner" oder dem wissenschaftlichen Namen Peribatodes rhomboidaria. Achten Sie darauf, dass viele Pflanzenschutzmittel unter der allgemeinen Indikation "beißende Insekten" oder "freifressende Schmetterlingsraupen" für diese Anwendung zugelassen sind.
Welche Rolle spielt die Temperatur bei der Behandlung mit biologischen Pflanzenschutzmitteln wie Bacillus thuringiensis?
Präparate auf Basis von Bacillus thuringiensis (Bt) wirken als Fraßgift und erfordern eine aktive Nahrungsaufnahme der Raupen. Da die Raupen des Rhombenspanners erst bei Temperaturen ab etwa 10–12 °C aktiv zu fressen beginnen, ist eine Anwendung bei kühler Frühjahrswitterung wirkungslos; die Behandlung muss an warmen Tagen erfolgen, wenn die Raupen aktiv sind.
Kann ein mechanischer Begrünungsumbruch im Winter den Befall im Frühjahr beeinflussen?
Ja, ein mechanischer Umbruch oder das Kurzhalten der Begrünung im späten Winter stört die im Bodenstreu oder an bodennahen Pflanzenteilen überwinternden Raupen. Dies kann den Migrationsdruck im zeitigen Frühjahr mindern, da den Raupen wichtige Zwischenwirte und Verstecke entzogen werden, bevor sie auf die Rebe wandern.
Wie lässt sich das Risiko von IRAC-Wirkstoffresistenzen bei der chemischen Regulierung minimieren?
Da der Rhombenspanner meist nur einmal pro Saison gezielt im Frühjahr bekämpft werden muss, ist das direkte Resistenzrisiko geringer als bei mehrgenerationigen Schädlingen. Dennoch sollte bei notwendigen Folgebehandlungen oder beim gleichzeitigen Auftreten anderer Schmetterlingsraupen unbedingt ein Wirkstoffwechsel zwischen verschiedenen IRAC-Klassen (z. B. Pyrethroide vs. Spinosyne oder Bt-Präparate) durchgeführt werden.