Rhombenspanner
Der Rhombenspanner (Peribatodes rhomboidaria, EPPO-Code: BOARRH) ist ein forst- und landwirtschaftlich relevanter Schädling aus der Familie der Spanner (Geometridae). In Europa tritt dieser Schaderreger insbesondere im Weinbau als gefürchteter Knospenschädling auf. Die wirtschaftliche Bedeutung liegt vor allem im selektiven Fraß der überwinterten Raupen an den schwellenden Knospen im Frühjahr, was zu erheblichen Ertragsausfällen führen kann.
Neben der Hauptkultur Weinrebe (Vitis vinifera) kann der polyphage Schädling auch an verschiedenen Obstgehölzen, Zierpflanzen und forstlichen Kulturen schädlich auftreten. Seine unauffällige, rindenähnliche Färbung und die nachtaktive Lebensweise der Raupen erschweren die frühzeitige Erkennung im Feld oft erheblich.
Biologie / Lebenszyklus
Der Schaderreger überwintert als junge, braungraue Raupe (meist im L2- oder L3-Stadium) in der Bodenstreu, an Unkräutern oder in Rindenritzen des Rebstamms. Sobald im Frühjahr die Temperaturen steigen und die Knospen der Kultur schwellen (ab BBCH 01), steigen die Raupen nachts empor, um an den saftigen Knospen zu fressen. Nach Abschluss der Larvalentwicklung im Mai verpuppen sie sich im Boden, woraufhin ab Juni die Falter der ersten Generation schlüpfen. Die Weibchen legen ihre Eier in Rindenritzen ab, und die daraus schlüpfenden Raupen ernähren sich im Sommer primär von den Blättern, bevor sie sich im Herbst zur Überwinterung zurückziehen; in warmen Weinbauregionen kann sich zudem eine partielle zweite Generation entwickeln.
Bonitur
Das Monitoring muss frühzeitig im Frühjahr mit dem Schwellen der Knospen (BBCH 01 bis BBCH 09) beginnen. Da die Raupen streng nachtaktiv sind und sich tagsüber perfekt getarnt an das Altholz anschmiegen, ist eine visuelle Kontrolle am Tag oft unzuverlässig. Es wird empfohlen, bei Einbruch der Dunkelheit mit einer Taschenlampe die Rebstöcke abzugehen, um die aktiv fressenden Raupen direkt zu erfassen. Als wirtschaftliche Schadensschwelle gilt im Weinbau ein Befall von mehr als 2 bis 5 % geschädigten Knospen oder der Fund von mehr als einer Raupe pro 10 kontrollierten Stöcken bei der nächtlichen Bonitur.
Symptome
Das primäre Schadbild im Frühjahr sind ausgehöhlte, angefressene oder komplett zerstörte Knospen während des Austriebs (BBCH 01–09). Häufig bleibt nur die äußere Knospenschuppe übrig, während das grüne Innere vollständig herausgefressen ist, was zum Ausbleiben des Triebwachstums führt. Später im Jahr zeigen sich an den Blättern unregelmäßiger Loch- und Buchtenfraß, der jedoch im Vergleich zum Knospenfraß meist von untergeordneter wirtschaftlicher Bedeutung ist. Die Raupen selbst sind an ihrer charakteristischen Fortbewegung (Spannerraupen-Gang) und ihrer rindenartigen, braungrauen Färbung mit warzenartigen Erhebungen zu erkennen.
Integriertes Management
Eine integrierte Bekämpfungsstrategie setzt auf die Schonung und Förderung von natürlichen Gegenspielern wie Vögeln, Schlupfwespen und räuberischen Wanzen. Mechanische Maßnahmen wie eine sorgfältige Bodenbearbeitung im Unterstockbereich können die im Boden ruhenden Puppen stören und dezimieren. Bei Überschreiten der Schadensschwelle ist der gezielte Einsatz von Pflanzenschutzmitteln erforderlich. Biologische Präparate auf Basis von *Bacillus thuringiensis* oder Spinosad zeigen gute Wirkungen, sofern die Anwendung bei warmen Temperaturen erfolgt, wenn die Raupen aktiv fressen. Beim Einsatz chemisch-synthetischer Pflanzenschutzmittel ist zur Vermeidung von Resistenzen ein striktes Wirkstoffmanagement gemäß den IRAC-Richtlinien einzuhalten, indem Wirkstoffe aus unterschiedlichen chemischen Klassen alternierend eingesetzt werden.
Wirtspflanzen
Zugelassene Pflanzenschutzmittel
Häufige Fragen
Warum ist die Bekämpfung des Rhombenspanners am Tag so schwierig?
Die Raupen des Rhombenspanners sind tagsüber inaktiv und tarnen sich perfekt, indem sie sich völlig starr und wie ein kleiner Ast abgewinkelt an das Altholz der Kultur pressen. Da sie farblich kaum von der Rinde zu unterscheiden sind, übersieht man sie bei Tageslicht leicht. Eine effektive Kontrolle oder Absammlung ist daher nur nachts mit einer Taschenlampe möglich, wenn die Tiere aktiv an den Knospen fressen.
Ab welchen Temperaturen werden die überwinterten Raupen im Frühjahr aktiv?
Die Aktivität der Raupen beginnt meist, sobald die nächtlichen Temperaturen dauerhaft über 6 bis 8 °C steigen. Dies fällt in der Regel mit dem Schwellen der Knospen (BBCH 01) zusammen. Achte in dieser Phase besonders auf milde Nächte, da dann der Fraßdruck sprunghaft ansteigen kann.
Wie kann ich biologische Pflanzenschutzmittel auf Basis von Bacillus thuringiensis optimal einsetzen?
Präparate mit Bacillus thuringiensis wirken als Fraßgifte und müssen von den Raupen aktiv aufgenommen werden. Da diese Mittel bei kühlen Temperaturen im zeitigen Frühjahr schlechter wirken, solltest du die Anwendung in eine warme Periode mit Nachttemperaturen von mindestens 12 bis 15 °C legen. Zudem ist eine gründliche Benetzung der schwellenden Knospen essenziell.
Welche Rolle spielt die Bodenbearbeitung bei der Regulierung dieses Schaderregers?
Da sich die Raupen des Rhombenspanners im späten Frühjahr (Mai/Juni) zur Verpuppung in die oberen Bodenschichten zurückziehen, kann eine flache Bodenbearbeitung im Unterstockbereich zu diesem Zeitpunkt die Puppen mechanisch zerstören oder sie an die Oberfläche befördern, wo sie vertrocknen oder von Vögeln und Laufkäfern gefressen werden.
Wie finde ich im Hub zugelassene Pflanzenschutzmittel gegen den Rhombenspanner?
Nutze die Suchfunktion in unserem Hub und filtere nach deiner Kultur (z. B. Weinrebe) und dem Schaderreger "Rhombenspanner" oder dem EPPO-Code "BOARRH". Achte bei der Auswahl der Pflanzenschutzmittel auf die aktuellen Zulassungsbestimmungen des BVL, die vorgeschriebene Aufwandmenge sowie die einzuhaltende Wartezeit vor der Ernte.
Kann der Blattschaden im Sommer den Ertrag der Kultur gefährden?
In der Regel ist der Blattschaden durch die Sommergeneration wirtschaftlich vernachlässigbar, da gesunde Kulturen den Verlust von etwas Blattmasse problemlos kompensieren können. Der Fokus deiner Bekämpfungsmaßnahmen sollte daher fast ausschließlich auf dem Schutz der Knospen im Frühjahr liegen, da hier der Primärtrieb und somit der direkte Ertrag zerstört wird.