Spreizende Melde
Die Ausgebreitete Melde (Atriplex patula, EPPO-Code: ATXPA), auch als Spreizende Melde bekannt, ist ein einjähriges, krautiges Unkraut aus der Familie der Fuchsschwanzgewächse (Amaranthaceae). Sie ist in Mitteleuropa weit verbreitet und tritt besonders häufig auf nährstoffreichen, humosen Lehm- und Tonböden auf. Als typischer Stickstoffzeiger konkurriert sie in zahlreichen Kulturen – insbesondere im Rübenanbau, in Mais, Kartoffeln sowie im Hopfenbau (Humulus lupulus) – stark um Licht, Wasser und Nährstoffe.
Wegen ihrer enormen Anpassungsfähigkeit und der Fähigkeit, auch unter trockenen Bedingungen hohe Biomasse zu bilden, kann ein starker Besatz erhebliche Ertragseinbußen verursachen. Zudem erschwert die krautige, stark verzweigte Pflanze die mechanische Ernte und kann als Wirt für verschiedene Schaderreger (wie Viren und Nematoden) dienen, was ihre wirtschaftliche Bedeutung im integrierten Pflanzenbau zusätzlich erhöht.
Biologie / Lebenszyklus
Die Ausgebreitete Melde ist ein sommerannuelles Unkraut, dessen Samen vorwiegend im Frühjahr bei steigenden Bodentemperaturen keimen. Die Keimung erfolgt meist flach aus den oberen Bodenschichten (0–3 cm). Nach einer raschen vegetativen Entwicklungsphase im Mai und Juni beginnt ab Juli die Blütezeit, die sich bis in den Herbst hineinziehen kann. Die Bestäubung erfolgt meist durch den Wind. Eine einzelne Pflanze kann mehrere tausend Samen produzieren, die sowohl im Boden als langlebige Samenbank überdauern als auch durch landwirtschaftliche Maschinen leicht verschleppt werden.
Bonitur
Ein systematisches Monitoring sollte bereits früh im Frühjahr direkt nach dem Auflaufen der Hauptkulturen (ab BBCH 10 bis 12) erfolgen. Da die Keimlinge der Ausgebreiteten Melde leicht mit denen des Weißen Gänsefußes verwechselt werden können, ist eine genaue Bestimmung anhand der ersten Laubblätter (spießförmig vs. rhombenförmig) wichtig. Wirtschaftliche Schadschwellen liegen je nach Kultur bei etwa 2 bis 5 Pflanzen pro Quadratmeter, wobei im Hopfenbau und in Sonderkulturen aufgrund der starken Wuchshöhe und Verastung oft eine noch geringere Toleranzgrenze gilt.
Integriertes Management
Die Bekämpfung der Ausgebreiteten Melden erfordert eine integrierte Strategie. Ackerbauliche Maßnahmen wie eine abwechslungsreiche Fruchtfolge, eine gezielte Stoppelbearbeitung zur Keimanregung und das falsche Saatbett sind hochwirksam. Mechanische Maßnahmen wie Hacken und Striegeln erzielen im frühen Keimblattstadium (BBCH 10–12) die besten Erfolge. Beim Einsatz von Pflanzenschutzmitteln (Herbiziden) ist auf den Wirkstoffwechsel gemäß den HRAC-Richtlinien zu achten, um Resistenzbildungen vorzubeugen. Besonders im Nachauflauf müssen Behandlungen frühzeitig erfolgen, da ältere, verholzte Pflanzen eine hohe Toleranz gegenüber vielen Standardherbiziden aufweisen.
Wirtspflanzen
Zugelassene Pflanzenschutzmittel
Häufige Fragen
Wie unterscheidest du die Ausgebreitete Melde im Keimblattstadium vom Weißen Gänsefuß?
Achte auf die ersten echten Laubblätter: Bei der Ausgebreiteten Melde sind diese meist schmal-lanzettlich bis spießförmig mit nach außen gerichteten Basalecken. Der Weiße Gänsefuß hingegen zeigt eher rhombenförmige, stark mehlige Blätter mit unregelmäßiger Zähnung.
Welche Rolle spielt die Ausgebreitete Melde als Zwischenwirt für Schaderreger?
Sie dient als bedeutender Wirt für das Rübenvergilbungsvirus (BYV) sowie für Nematoden (wie Heterodera schachtii). Eine konsequente Bekämpfung im Umfeld von Rübenfeldern ist daher auch aus phytosanitären Gründen dringend ratsam.
Warum wirken Herbizide bei älteren Melde-Pflanzen oft unzureichend?
Mit zunehmendem Alter bildet die Pflanze eine dicke, wachsartige Cuticula und oft eine mehlige Behaarung aus. Diese Schichten verhindern, dass flüssige Pflanzenschutzmittel optimal in das Blattgewebe eindringen können. Behandle daher immer im frühen Keimblattstadium.
Wie kannst du die Samenbank der Melde im Boden langfristig reduzieren?
Setze auf das Verfahren des „falschen Saatbetts“ im Frühjahr. Durch eine flache Bodenbearbeitung regst du die Keimung an und kannst die aufgelaufenen Unkräuter vor der eigentlichen Aussaat mechanisch oder thermisch vernichten.
Welche HRAC-Wirkstoffklassen sind besonders anfällig für Resistenzen bei Amaranthaceae?
Weltweit und regional gibt es zunehmend Resistenzen gegen ALS-Hemmer (HRAC-Gruppe 2) und Photosynthese-Hemmer (HRAC-Gruppe 5). Du solltest Wirkstoffe aus unterschiedlichen HRAC-Klassen kombinieren oder im Wechsel einsetzen, um die Selektion resistenter Biotypen zu verhindern.
Wo findest du zugelassene Pflanzenschutzmittel gegen dieses Unkraut auf unserer Plattform?
Nutze die Suchfunktion im Hub und filtere nach der Kultur, die du anbaust, sowie nach dem Schaderreger „Atriplex patula“. Dort werden dir alle aktuell in deinem Land registrierten Pflanzenschutzmittel inklusive Aufwandmengen und Wartezeiten angezeigt.