Springwurm
Der Springwurmwickler (Sparganothis pilleriana, EPPO-Code: SPARPI), im Weinbau oft einfach als Springwurm oder Laubwurm bezeichnet, ist ein Schmetterling aus der Familie der Wickler (Tortricidae). Als bedeutender Schaderreger im Weinbau kann er erhebliche ökonomische Schäden verursachen, da seine Raupen sowohl die Blätter als auch die Gescheine und jungen Beeren der Weinrebe (Vitis vinifera) schädigen.
Historisch gesehen gehörte dieser Schaderreger zu den gefürchtetsten Schädlingen im europäischen Weinbau. Durch moderne Pflanzenschutzmaßnahmen und veränderte Bewirtschaftungsmethoden ist seine Bedeutung in einigen Regionen zwar zurückgegangen, er tritt jedoch lokal immer wieder zyklisch und sehr massiv auf. Besonders in wärmeren Weinbauregionen Mitteleuropas und des Mittelmeerraums bleibt er ein ernstzunehmendes Problem.
Neben der direkten Fraßschädigung führt der Befall durch die Gespinste der Raupen oft zu Sekundärinfektionen. Verletzte Beeren sind extrem anfällig für Botrytis-Fäulnis und Essigfäule, was die Traubenqualität drastisch mindert und den Ertrag gefährdet.
Biologie / Lebenszyklus
Der Springwurmwickler bringt in der Regel nur eine Generation pro Jahr hervor. Die Überwinterung erfolgt als junge, frisch geschlüpfte L1-Raupe in einem dichten Kokon unter der Borke des Rebholzes oder in Ritzen der Pfähle. Im Frühjahr, meist zeitgleich mit dem Knospenaufbruch der Rebe (ab BBCH 09), verlassen die Raupen ihr Winterquartier und wandern zu den grünen Trieben. Sie fressen zunächst an den schwellenden Knospen und spinnen später die jungen Blätter und Gescheine zusammen, in denen sie sich geschützt entwickeln. Nach der Verpuppung im Juni oder Juli schlüpfen die Falter im Hochsommer, paaren sich und legen ihre Eier in flachen, dachziegelartigen Gelegen auf der Blattoberseite ab, woraus nach kurzer Zeit die neue Generation schlüpft und direkt das Winterquartier aufsucht.
Bonitur
Ein systematisches Monitoring beginnt bereits im zeitigen Frühjahr beim Knospenaufbruch (BBCH 01 bis BBCH 09). Du solltest die Rebstöcke auf austretende Jungraupen und erste Fraßspuren an den Knospen kontrollieren. Eine visuelle Kontrolle von mindestens 100 Knospen bzw. Trieben pro Parzelle liefert verlässliche Daten; die Schadschwelle liegt im Frühjahr meist bei 5 bis 10 % befallenen Trieben. Im Sommer (ab BBCH 55 bis BBCH 65) empfiehlt sich zudem das Aufhängen von Pheromonfallen zur Überwachung des Falterflugs, um den optimalen Zeitpunkt für eine gezielte Eiablage- oder Schlupfbekämpfung zu bestimmen.
Symptome
Typische Symptome im Feld sind zusammengesponnene Triebspitzen und Blätter, die charakteristisch trichterförmig eingerollt sind. Im Inneren dieser Gespinste befinden sich die sehr agilen, grünlich-gelben Raupen, die bei Berührung charakteristisch rückwärts flüchten ("springen" – daher der Name Springwurm). An den Gescheinen und jungen Beeren zeigen sich Fraßstellen, die oft von feinen Spinnfäden überzogen sind. Später im Jahr verbräunen die betroffenen Blätter vorzeitig, und an den verletzten Beeren entwickeln sich rasch graue Botrytis-Nester.
Integriertes Management
Die integrierte Bekämpfung des Springwurmwicklers setzt auf eine Kombination aus kulturtechnischen, biologischen und chemischen Maßnahmen. Kulturtechnisch hilft das Abbürsten der alten Borke im Winter oder das Entfernen von Befallsnestern im Frühjahr, den Ausgangsdruck zu senken. Biologisch können nützliche Parasitoide wie Schlupfwespen gefördert oder spezifische Präparate auf Basis von Bacillus thuringiensis (Bt) gegen die jungen Raupen eingesetzt werden. Beim Einsatz von chemischen Pflanzenschutzmitteln ist auf den optimalen Anwendungszeitpunkt direkt nach dem Schlupf der Larven zu achten. Um Resistenzen vorzubeugen, musst du die Wirkstoffe gemäß dem IRAC-Code konsequent rotieren und die maximale Anzahl der Anwendungen pro Saison strikt einhalten.
Wirtspflanzen
Zugelassene Pflanzenschutzmittel
Häufige Fragen
Wie unterscheidet sich der Springwurmwickler im Schadbild vom Einbindigen und Bekreuzten Traubenwickler?
Während die Traubenwickler (Heu- und Sauerwurm) primär die Gescheine und Beeren direkt schädigen, spinnt der Springwurmwickler bereits sehr früh im Frühjahr ganze Triebspitzen und Blätter trichterförmig zusammen. Zudem sind die Raupen des Springwurms extrem agil und lassen sich bei Störung sofort rückwärts fallen oder "springen" am Seidenfaden herab, was bei den Traubenwicklerraupen nicht so ausgeprägt ist.
Wann ist der beste Zeitpunkt für eine biologische Behandlung mit Bacillus thuringiensis?
Eine Anwendung von Bacillus thuringiensis ist dann am effektivsten, wenn die Jungraupen im Frühjahr (BBCH 11 bis 15) aktiv zu fressen beginnen, aber noch keine dichten Gespinste gebildet haben. Da das Bakterium als Fraßgift wirkt, müssen die Temperaturen für eine aktive Nahrungsaufnahme der Raupen idealerweise über 15 °C liegen.
Warum ist die Bekämpfung des Springwurms im Sommer oft schwieriger als im Frühjahr?
Im Sommer sitzen die älteren Larven gut geschützt in ihren dichten, zusammengesponnenen Blättern und Trauben. Pflanzenschutzmittel erreichen sie dort nur sehr schwer durch direkten Kontakt. Zudem haben ältere Larvenstadien eine höhere Toleranz gegenüber vielen Wirkstoffen, weshalb du den Fokus unbedingt auf die Bekämpfung der Jungraupen im Frühjahr legen solltest.
Wie kann ich registrierte Pflanzenschutzmittel gegen den Springwurmwickler in der Farmable-Plattform finden?
Nutze im Hub die integrierte Pflanzenschutzmittel-Datenbank und filtere gezielt nach der Kultur "Weinrebe" und dem Schaderreger "Springwurmwickler" (Sparganothis pilleriana). Achte darauf, die regionalen Zulassungen und die spezifischen Auflagen (wie Wartezeiten und maximale Anwendungen) für dein jeweiliges Bundesland oder Land abzugleichen.
Welche Rolle spielt die Rebenborke im Lebenszyklus des Schädlings und wie kann ich das nutzen?
Die alte Borke am Stamm und an den mehrjährigen Armen dient den L1-Raupen als primäres Winterquartier. Durch mechanische Maßnahmen wie das Abbürsten oder Abschälen der Borke im Winter (während der Vegetationsruhe) entziehst du den Schädlingen ihren Schutz und reduzierst die Überlebensrate der Population für das kommende Frühjahr drastisch.
Gibt es Einschränkungen beim Einsatz von chemischen Pflanzenschutzmitteln im Hinblick auf das IRAC-Konzept?
Ja, um eine Resistenzbildung zu verhindern, darfst du Wirkstoffe aus derselben IRAC-Wirkstoffgruppe nicht wiederholt hintereinander anwenden. Wenn du beispielsweise ein hormonelles Präparat (wie einen Häutungshemmer) im Frühjahr einsetzt, solltest du bei einer eventuellen Folgebehandlung auf eine andere Wirkstoffklasse ausweichen und stets die maximal zulässige Anzahl an Anwendungen pro Jahr beachten.