Springwurm
Der Springwurmwickler (Sparganothis pilleriana, EPPO-Code: SPARPI), auch als Springwurm oder Laubwurm bekannt, ist ein wirtschaftlich bedeutender Schädling im Weinbau (Kultur Vitis vinifera). Dieser Kleinschmetterling gehört zur Familie der Wickler (Tortricidae) und tritt vor allem in den wärmeren Weinbauregionen Mitteleuropas sowie des Mittelmeerraums auf. Während der Schaderreger in vielen Jahren nur latent und ohne größere Schäden vorkommt, neigt er in bestimmten Lagen zu zyklischen Massenvermehrungen, die ohne gezielte Gegenmaßnahmen erhebliche Ertragsverluste nach sich ziehen können.
Der wirtschaftliche Schaden entsteht primär durch den intensiven Fraß der Larven an den Knospen, Blättern und Gescheinen. Besonders der frühe Fraß an den schwellenden Knospen im Frühjahr kann ganze Triebe vernichten. Später spinnen die Larven Blätter und Gescheine zusammen, was nicht nur die Photosyntheseleistung der Kultur beeinträchtigt, sondern auch ideale Eintrittspforten für Sekundärschädlinge und Pilzinfektionen wie die Grauschimmelfäule (Botrytis cinerea) schafft.
Biologie / Lebenszyklus
Der Schaderreger bringt in der Regel nur eine Generation pro Jahr (univoltin) hervor. Die Überwinterung erfolgt als junge, frisch geschlüpfte Larve (L1) in einem dichten Gespinst unter der Borke des Rebstocks oder in Ritzen der Pfähle. Im Frühjahr, zeitgleich mit dem Knospenaufbruch der Reben (ab BBCH 05 bis 09), verlassen die Larven ihre Winterquartiere und dringen in die schwellenden Knospen ein. Nach intensivem Fraß an Blättern und Trieben verpuppen sich die Larven im Juni oder Juli im Inneren der zusammengesponnenen Blätter. Die adulten Falter schlüpfen ab Mitte Juni bis August, sind dämmerungsaktiv und legen ihre Eier in flachen, dachziegelartigen Gelegen auf der Blattoberseite ab, aus denen nach etwa zwei Wochen die neuen Larven schlüpfen, die sich ohne weitere Nahrungsaufnahme direkt in die Winterquartiere zurückziehen.
Bonitur
Ein systematisches Monitoring beginnt bereits im späten Winter durch die Kontrolle von Altholzproben auf überwinternde Larven oder spätestens zum Knospenaufbruch (BBCH 05 bis 09). Während des Austriebs (BBCH 11 bis 19) ist eine visuelle Kontrolle von mindestens 100 Knospen bzw. Trieben pro Parzelle auf Einbohrlöcher und Gespinste ratsam. Als wirtschaftliche Schadensschwelle gilt im Frühjahr ein Befall von mehr als 5 bis 10 % der Knospen oder Triebe. Der Flug der adulten Falter kann im Sommer (ab BBCH 71) mittels Pheromonfallen überwacht werden, um den optimalen Zeitpunkt für eine eventuelle Eiablage- oder Schlupfbekämpfung zu bestimmen.
Symptome
Im zeitigen Frühjahr zeigen sich ausgehöhlte Knospen mit feinen Einbohrlöchern und minimalem Gespinst. Mit fortschreitendem Austrieb sind zusammengesponnene, oft tütenförmig eingerollte Blätter an den Triebspitzen sichtbar, in denen sich die agilen, grünlich-gelben Larven bei Berührung hastig rückwärts schlängelnd bewegen. Später weisen die Blätter unregelmäßigen Skelettier- und Lochfraß auf. An den Gescheinen und jungen Beeren zeigen sich Fraßspuren, die oft von dichten, schmutzigen Gespinsten umgeben sind und bei feuchter Witterung rasch zu Fäulnisnestern führen.
Integriertes Management
Die Regulierung des Springwurmwicklers erfordert eine integrierte Strategie. Kulturmaßnahmen wie das sorgfältige Entrinden des Altholzes im Winter oder das Ausbrechen befallener Triebe im Frühjahr reduzieren den Ausgangsbesatz. Biologische Maßnahmen umfassen den Schutz natürlicher Feinde (wie Schlupfwespen und Ohrwürmer) sowie den gezielten Einsatz von Präparaten auf Basis von *Bacillus thuringiensis* gegen junge Larvenstadien, idealerweise bei Temperaturen über 15 °C. Chemische Pflanzenschutzmittel sollten nur bei Überschreitung der Schadensschwelle und streng nach den Vorgaben des integrierten Pflanzenschutzes angewendet werden. Um Resistenzbildungen vorzubeugen, ist ein konsequenter Wirkstoffwechsel gemäß den IRAC-Richtlinien einzuhalten, wobei insbesondere auf die Schonung von Nützlingen zu achten ist.
Wirtspflanzen
Zugelassene Pflanzenschutzmittel
Häufige Fragen
Wie unterscheidet sich der Schaden des Springwurmwicklers von dem des Einbindigen oder Bekreuzten Traubenwicklers?
Während die klassischen Traubenwickler (Lobesia botrana, Eupoecilia ambiguella) primär die Gescheine und Beeren direkt schädigen, beginnt der Springwurmwickler seinen Fraß bereits an den schwellenden Knospen und verursacht charakteristische, großflächige Blattgespinste. Zudem bewegen sich die Larven des Springwurmwicklers bei Störung extrem schnell rückwärts schlängelnd, was bei Traubenwicklerlarven nicht in dieser Intensität zu beobachten ist.
Warum ist die biologische Regulierung mit Bacillus thuringiensis-Präparaten im Frühjahr oft unzureichend?
Bacillus thuringiensis (Bt) ist ein reines Fraßgift und muss von den Larven aktiv aufgenommen werden. Da sich die jungen Larven des Springwurmwicklers meist tief im Inneren der Knospen oder in dicht zusammengesponnenen Blättern aufhalten, erreichen Spritzbrühen sie nur schwer. Zudem erfordert Bt für eine optimale Wirkung Temperaturen von konstant über 15 °C, die während des Austriebs (BBCH 09–15) im Frühjahr häufig noch nicht erreicht werden.
Welche Rolle spielt die Verwirrungstechnik (Pheromone) bei Sparganothis pilleriana?
Im Gegensatz zu den klassischen Traubenwicklern ist die Verwirrungstechnik gegen den Springwurmwickler in der Praxis weniger verbreitet. Da die Weibchen oft flugträge sind und die Paarung häufig direkt am Boden oder im bodennahen Bewuchs stattfindet, ist die Duftwolke in der Anlage schwerer flächendeckend zu etablieren. Die Methode wird daher meist nur in spezifischen Kombinationsdispensern in bekannten Befallsgebieten eingesetzt.
Wie finde ich im agronomy.farmable.tech Hub zugelassene Pflanzenschutzmittel gegen diesen Schaderreger?
Nutzen Sie die Suchfunktion im Hub und filtern Sie nach der Kultur „Weinrebe“ (Vitis vinifera) und dem Schaderreger „Sparganothis pilleriana“ oder „Springwurmwickler“. Das System listet Ihnen alle aktuell in Ihrer Region zugelassenen Pflanzenschutzmittel auf, inklusive Angaben zur Aufwandmenge, maximalen Anzahl der Anwendungen, dem optimalen BBCH-Anwendungsfenster und der gesetzlichen Wartezeit.
Warum begünstigt eine dichte Begrünung im Unterstockbereich den Befall?
Die Larven des Springwurmwicklers sind polyphag und können sich im Frühjahr auch von verschiedenen Beikräutern im Unterstockbereich ernähren. Eine dichte, ungemähte Begrünung bietet den Larven zusätzliche Nahrung und Schutzräume, von denen aus sie leicht auf die Rebstöcke überwechseln können. Eine mechanische Bodenpflege oder das Kurzhalten der Begrünung im Frühjahr mindert dieses Risiko.
Welche IRAC-Wirkstoffgruppen stehen für eine chemische Behandlung zur Verfügung und wie wird eine Resistenz vermieden?
Für die chemische Regulierung stehen Wirkstoffe aus Gruppen wie den Spinosynen (IRAC-Gruppe 5) oder Häutungsbeschleunigern (MACs, IRAC-Gruppe 18) zur Verfügung. Um Resistenzen vorzubeugen, darf pro Saison maximal eine Anwendung aus derselben Wirkstoffgruppe erfolgen. Wechseln Sie bei Folgespritzungen zwingend auf Wirkstoffe mit einem anderen Wirkungsmechanismus (MoA).