Strandkamille
Die Strandkamille (Tripleurospermum maritimum, EPPO-Code: MATMA), auch als Meerstrandkamille bekannt, ist ein ausdauerndes oder überwinternd einjähriges Kraut aus der Familie der Korbblütler (Asteraceae). Während sie in Küstenregionen auf natürlichen Salzstandorten heimisch ist, dringt sie zunehmend als unkrautartiger Schaderreger in landwirtschaftliche Nutzflächen vor. Besonders in küstennahen Ackerbauregionen sowie auf weidewirtschaftlich genutzten Flächen kann sie dichte Bestände bilden und mit den Kulturpflanzen konkurrieren.
Im Gegensatz zur Echten Kamille ist die Strandkamille geruchlos oder verströmt nur einen schwachen, nicht charakteristischen Duft. Ihre wirtschaftliche Relevanz hat in den letzten Jahren zugenommen, da sie eine hohe Toleranz gegenüber widrigen Bodenverhältnissen, insbesondere erhöhten Salzgehalten und zeitweiser Staunässe, aufweist. In Kulturen wie Mais (Zea mays), Getreide und Raps konkurriert sie stark um Licht, Wasser und Nährstoffe, was bei starkem Besatz zu erheblichen Ertragseinbußen führen kann.
Biologie / Lebenszyklus
Die Keimung der Strandkamille erfolgt flexibel sowohl im Herbst als auch im Frühjahr, wobei feuchte Bodenverhältnisse den Feldaufgang begünstigen. Nach der Etablierung bildet der Schaderreger zunächst eine flach am Boden anliegende Blattrosette aus, die auch strenge Wintertemperaturen problemlos übersteht. Im späten Frühjahr strecken sich die Triebe, und die Blütezeit erstreckt sich von Juni bis weit in den Herbst hinein. Eine einzelne Pflanze kann mehrere Tausend schwimmfähige Samen produzieren, die über Wind, Wasser und landwirtschaftliche Maschinen verbreitet werden und im Boden eine langjährige Keimfähigkeit behalten.
Bonitur
Eine systematische Feldbegehung sollte bereits im zeitigen Frühjahr direkt nach dem Wiederergrünen der Kulturen erfolgen, um überwinterte Rosetten rechtzeitig zu erfassen. Im Mais (*Zea mays*) liegt der kritische Zeitraum für das Monitoring zwischen den BBCH-Stadien 12 (2-Blatt-Stadium) und 18 (8-Blatt-Stadium), da die Kultur in dieser Phase besonders empfindlich auf Unkrautkonkurrenz reagiert. Als wirtschaftliche Schadensschwelle gilt im integrierten Pflanzenbau ein Richtwert von etwa 2 bis 5 Pflanzen pro Quadratmeter, wobei bei Überschreitung eine gezielte chemische oder mechanische Regulierung eingeleitet werden sollte.
Integriertes Management
Die Regulierung der Strandkamille erfordert eine integrierte Strategie, die mechanische, pflanzenbauliche und chemische Maßnahmen kombiniert. Eine vielseitige Fruchtfolge mit einem Wechsel aus Sommer- und Winterungen sowie eine gezielte Stoppelbearbeitung nach der Ernte reduzieren den Samenvorrat im Boden effektiv. Mechanische Maßnahmen wie das Striegeln im frühen Keimblattstadium oder das Hacken zwischen den Reihen in weitreihen Kulturen zeigen gute Wirkungen. Beim Einsatz von Pflanzenschutzmitteln ist zur Vermeidung von Resistenzbildungen ein konsequentes Wirkstoffmanagement nach den HRAC-Richtlinien zwingend erforderlich; hierbei sollten Wirkstoffe aus den Gruppen B (ALS-Inhibitoren) und O (Synthetische Auxine) im Wechsel oder in Tankmischungen mit anderen Wirkmechanismen angewendet werden, um den Selektionsdruck zu minimieren.
Wirtspflanzen
Zugelassene Pflanzenschutzmittel
Alle Anwendungen ansehenHäufige Fragen
Wie unterscheidet sich die Strandkamille im Feld von der Echten Kamille?
Das sicherste Unterscheidungsmerkmal ist der Geruch: Die Strandkamille ist nahezu geruchlos, während die Echte Kamille stark aromatisch duftet. Zudem sind die Blütenböden der Strandkamille markig ausgefüllt und flacher, wohingegen der Blütenboden der Echten Kamille hohl und kegelförmig gewölbt ist.
Welche Rolle spielt die Bodenbearbeitung bei der Regulierung dieses Schaderregers?
Da die Samen Lichtkeimer sind, fördert eine flache Stoppelbearbeitung direkt nach der Ernte das Auflaufen der abgefallenen Samen. Die aufgelaufenen Keimlinge können anschließend mechanisch durch flaches Grubbern oder Scheibeneggen vernichtet werden, wodurch der Samenvorrat im Boden nachhaltig dezimiert wird.
Gibt es bekannte Resistenzen bei der Strandkamille gegenüber Pflanzenschutzmitteln?
Ja, in einigen europäischen Regionen wurden bereits Resistenzen gegenüber ALS-Inhibitoren (HRAC-Gruppe B) beobachtet, insbesondere bei intensivem Einsatz in Monokulturen. Ein konsequenter Wechsel der Wirkstoffklassen (z. B. Kombination mit Wuchsstoffen der HRAC-Gruppe O) ist zur Absicherung der Wirkung dringend zu empfehlen.
Wie finde ich auf agronomy.farmable.tech zugelassene Pflanzenschutzmittel gegen Strandkamille?
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Warum ist die Strandkamille in Maiskulturen besonders konkurrenzstark?
Mais wächst in der Jugendentwicklung relativ langsam und schließt die Reihen spät. Die Strandkamille nutzt diese Phase der geringen Beschattung optimal aus, bildet schnell dichte Rosetten und entzieht dem Mais in den kritischen BBCH-Stadien 12 bis 16 essenzielle Nährstoffe und Bodenfeuchtigkeit.
Kann die Strandkamille auch als Zeigerpflanze für bestimmte Bodenbedingungen dienen?
Ja, ein vermehrtes Auftreten der Strandkamille deutet häufig auf verdichtete, feuchte oder leicht salzhaltige Böden hin. Sie toleriert im Gegensatz zu anderen Unkräutern schlechte Belüftung und Staunässe im Wurzelraum hervorragend, weshalb ihr Auftreten oft mit Strukturmängeln im Boden korreliert.