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Wilde Mohrenhirse

Sorghum halepense
SORHA

Sorghum halepense (EPPO-Code: SORHA), im deutschsprachigen Raum meist als Aleppo-Hirse oder Johnsongras bezeichnet, ist ein hochgradig invasives, ausdauerndes Ungras aus der Familie der Süßgräser (Poaceae). Ursprünglich in den subtropischen Regionen Eurasiens beheimatet, breitet sich dieser wärmeliebende Schaderreger aufgrund steigender Jahrestemperaturen zunehmend in den Weinbaugebieten und Ackerkulturen Mitteleuropas aus.

Die wirtschaftliche Relevanz dieses Ungrases ist enorm. Durch sein extremes Wuchspotenzial und ein hocheffizientes, tiefreichendes Rhizomsystem konkurriert Sorghum halepense extrem stark mit den Kulturen um Wasser, Licht und Nährstoffe. In Weinreben (Vitis vinifera) führt ein starker Besatz im Unterstockbereich zu erheblichen Ertragseinbußen, behindert die mechanische Pflege und fördert durch die dichte Biomasse ein feuchtes Mikroklima, welches Sekundärschaderreger begünstigt.

Typ
Kultur
EPPO-Code
SORHA
Wirte
1 Kultur
Verbreitung
Weltweit in warm-temperierten bis tropischen Klimazonen verbreitet; in Europa dringt das Ungras zunehmend nach Norden vor und verursacht erhebliche wirtschaftliche Schäden im Wein- und Maisanbau.
Erstbeschreibung
L., 1753

Biologie / Lebenszyklus

Die Überwinterung von Sorghum halepense erfolgt primär über die im Boden liegenden Rhizome, die zwar frostempfindlich sind, aber in tieferen Bodenschichten gut überdauern. Im Frühjahr, sobald die Bodentemperaturen dauerhaft über 12–15 °C steigen, treiben die Rhizome aus und bilden rasch dichte Bestände. Parallel dazu keimen im späten Frühjahr neue Pflanzen aus den im Boden liegenden Samen. Die Blütezeit erstreckt sich von Juli bis Oktober, wobei eine einzelne Pflanze Tausende von Samen produzieren kann, die über Wind, Erntemaschinen oder Bewässerungswasser verbreitet werden. Vor dem ersten Frost lagert die Pflanze ihre Reservestoffe in die neu gebildeten Rhizome ein, um den Winter zu überstehen.

Bonitur

Ein systematisches Monitoring sollte bereits im zeitigen Frühjahr (ab BBCH-Stadium 13 bis 19 der Hauptkulturen wie Weinreben) beginnen, um erste Austriebe aus den Rhizomen frühzeitig zu erkennen. Da die Bekämpfung im frühen Entwicklungsstadium der Hirse (vor der Bestockung, idealerweise bei einer Wuchshöhe von 10–15 cm) am effektivsten ist, liegt die Schadschwelle in Sonderkulturen bei nahezu Null tolerierbaren Pflanzen im Unterstockbereich. Die Kartierung von Befallsnestern im Spätsommer hilft, gezielte mechanische oder chemische Behandlungen für das Folgejahr vorzubereiten.

Integriertes Management

Das integrierte Management von Sorghum halepense erfordert eine enge Verzahnung von mechanischen, pflanzenbaulichen und chemischen Maßnahmen. Mechanisch ist eine tiefe Bodenbearbeitung im trockenen Spätsommer effektiv, um Rhizome an die Oberfläche zu bringen, wo sie vertrocknen; im Weinbau muss die Unterstockpflege so durchgeführt werden, dass Rhizome nicht weiter zerteilt werden. Chemisch kommen in den Kulturen selektive Graminizide (HRAC-Gruppe 1) oder nicht-selektive Pflanzenschutzmittel (HRAC-Gruppe 9) zum Einsatz. Um Resistenzbildungen vorzubeugen, ist ein striktes Wirkstoffklassenmanagement (Wechsel der HRAC-Klassen) sowie die Kombination mit mechanischen Verfahren zwingend erforderlich.

Wirtspflanzen

Zugelassene Pflanzenschutzmittel

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Häufige Fragen

Warum ist die Bekämpfung von Aleppo-Hirse über Rhizome schwieriger als über Samen?

Rhizome besitzen ein enormes Regenerationspotenzial und große Nährstoffreserven. Während Keimlinge aus Samen leicht durch flache Bodenbearbeitung kontrolliert werden können, treiben Rhizomstücke nach einer mechanischen Zerstückelung oft vervielfacht wieder aus. Nur systemische Pflanzenschutzmittel, die bis in die Rhizomspitzen transportiert werden, oder ein gezieltes Austrocknen der Rhizome durch tiefe Bodenbearbeitung im trockenen Sommer bieten nachhaltigen Erfolg.

Welche Rolle spielt die Bodentemperatur für den optimalen Behandlungszeitpunkt?

Da Sorghum halepense eine C4-Pflanze ist, beginnt ihr aktives Wachstum erst bei Bodentemperaturen ab ca. 15 °C. Eine chemische Behandlung mit systemischen Pflanzenschutzmitteln ist erst dann sinnvoll, wenn ein aktiver Saftstrom in der Pflanze stattfindet (meist ab Mai oder Juni). Zu frühe Anwendungen bei kühlen Temperaturen führen zu einer unzureichenden Wirkstoffaufnahme und mangelhafter Wirkung in den Überwinterungsorganen.

Wie kann eine Verschleppung der Aleppo-Hirse über Maschinen im Weinbau verhindert werden?

Da Rhizomteile extrem leicht durch Bodenbearbeitungsgeräte wie Scheibeneggen oder Rollhacken von infizierten in gesunde Parzellen verschleppt werden, ist eine gründliche Gerätereinigung obligatorisch. Befallene Zeilen sollten stets als Letztes bearbeitet werden. Zudem müssen Mähgeräte vor dem Wechsel der Anlage gereinigt werden, um die Verbreitung der langlebigen Samen zu unterbinden.

Gibt es bekannte Resistenzen bei Sorghum halepense gegen Pflanzenschutzmittel?

Ja, weltweit und zunehmend auch in Europa sind Biotypen bekannt, die Resistenzen gegen ACCase-Inhibitoren (HRAC 1) und ALS-Inhibitoren (HRAC 2) aufweisen. Auch Fälle von verminderter Sensitivität gegenüber Glyphosat (HRAC 9) wurden dokumentiert. Ein konsequenter Wechsel der Wirkstoffklassen und die Integration mechanischer Verfahren sind zur Resistenzvermeidung zwingend notwendig.

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Kann eine Einsaat von Begleitvegetation im Weinbau die Aleppo-Hirse unterdrücken?

Eine dichte, konkurrenzstarke Begrünung in den Fahrgassen kann die Keimung von Samen der Aleppo-Hirse durch Lichtentzug und Platzkonkurrenz deutlich reduzieren. Gegen etablierte Rhizompflanzen ist die Begleitvegetation allein jedoch meist nicht ausreichend konkurrenzstark, weshalb sie nur als flankierende Maßnahme im Rahmen eines integrierten Managements dient.