Alle Kulturen
Kultur

Buchweizen

Fagopyrum esculentum
FAGES

Der Echte Buchweizen (Fagopyrum esculentum, EPPO-Code: FAGES), auch als Heidenkorn bekannt, ist eine einjährige, krautige Knöterich-Kultur, die in Mitteleuropa zunehmend an Bedeutung gewinnt. Als glutenfreie Pseudogetreide-Kultur schätzen Landwirte seine extrem kurze Vegetationszeit von nur 10 bis 12 Wochen sowie seine hervorragende Eignung als Zweitfrucht oder Gesundungskultur in engen Getreidefruchtfolgen.

Die Kultur stellt geringe Ansprüche an den Boden und gedeiht selbst auf sandigen, sauren Standorten, auf denen klassisches Getreide unbefriedigende Erträge liefert. Aufgrund seiner ausgeprägten Frostempfindlichkeit darf die Aussaat erst nach den Eisheiligen erfolgen. Die Kultur zeichnet sich durch ein rasches Jugendwachstum aus, wodurch sie den Boden schnell beschattet und Unkräuter effektiv unterdrückt.

Ein besonderes Merkmal des Buchweizens ist die unbestimmte (indeterminierte) Blüte, bei der gleichzeitig Blüten, grüne und reife Körner an einer Kultur vorkommen. Dies stellt hohe Anforderungen an die Erntetechnik und die Bestimmung des optimalen Druschzeitpunkts, um Ertragsverluste durch Ausfallgetreide zu minimieren.

Aussaat-/Pflanzzeitraum
Mitte Mai bis Mitte Juni
Erntefenster
Ende August bis September
Reihenabstand
10–15 cm (Drillsaat) oder 25–45 cm (Weitreihensaat)
Typischer Ertrag
1,5–2,5 t/ha
Wärmesumme (GDD)
1350 °C
Boden-pH
5,0–6,5

Bodenmanagement

Buchweizen bevorzugt leichte bis mittelschwere, gut erwärmbare Böden und toleriert niedrige pH-Werte bis 5,0 problemlos. Das Saatbett sollte feinkrümelig und gut rückverfestigt sein, um einen gleichmäßigen Feldaufgang zu sichern, da die Keimung eine ausreichende Bodenfeuchte erfordert. Eine übermäßige Stickstoffdüngung ist unbedingt zu vermeiden, da sie zu starkem vegetativen Wachstum, erhöhter Lagerneigung und einer verzögerten Kornreife führt; meist reichen 30 bis 50 kg N/ha aus. Aufgrund des flachen, aber intensiv verzweigten Wurzelsystems hinterlässt die Kultur eine hervorragende Bodengare, benötigt jedoch während der Hauptblüte im Sommer eine verlässliche Wasserversorgung.

Schaderreger-Management

Aufgrund des schnellen Reihenschlusses unterdrückt Buchweizen Schaderreger und Unkräuter im Nachauflauf meist von Natur aus sehr effektiv. Problematisch können jedoch ausdauernde Unkräuter wie die Gemeine Quecke (Elymus repens) sein, die vor der Saat mechanisch reguliert werden sollten, da für Buchweizen kaum selektive Herbizide zugelassen sind. Unter feuchten Bedingungen kann die Stängelfäule (Sclerotinia sclerotiorum) auftreten, weshalb auf eine weite Fruchtfolge zu anderen Wirtskulturen wie Raps oder Leguminosen geachtet werden muss. Da im konventionellen Anbau kaum chemische Pflanzenschutzmittel für diese Kultur registriert sind, liegt der Fokus primär auf vorbeugenden pflanzenbaulichen Maßnahmen und mechanischer Unkrautbekämpfung.

Sorten

Kora

mittelfrüh

1,8–2,4 t/ha

Resistent gegen: Trockenstress

Anfällig für: Spätfrost, Lagerung

Sehr verbreitete polnische Sorte mit stabiler Standfestigkeit und gutem Kornansatz. Zeigt eine relativ gleichmäßige Abreife.

Billy

früh bis mittelfrüh

1,5–2,2 t/ha

Resistent gegen: Lagerung

Anfällig für: Spätfrost

Österreichische Züchtung, die sich durch eine rasche Jugendentwicklung und hohe Tausendkornmasse auszeichnet. Ideal für den Zweitfruchtanbau.

Panda

mittelfrüh

1,6–2,3 t/ha

Resistent gegen: Lagerung

Anfällig für: Spätfrost, Sclerotinia-Stängelfäule

Robuste Sorte mit guter Standfestigkeit und ausgewogenem Wuchs. Sehr beliebt im ökologischen Landbau in Deutschland.

Zita

mittelspät

1,7–2,5 t/ha

Anfällig für: Spätfrost, Lagerung

Großkörnige Sorte mit gutem Schälergebnis. Benötigt eine etwas längere Vegetationszeit, liefert dafür aber sehr homogene Qualitäten.

Wichtige Schaderreger

Zugelassene Pflanzenschutzmittel

Alle Anwendungen ansehen

Häufige Fragen

Wie wirkt sich Buchweizen auf das Auftreten von Nematoden in der Fruchtfolge aus?

Buchweizen gilt als hervorragende Gesundungskultur, da er für viele pflanzenparasitäre Nematoden (wie z. B. Pratylenchus-Arten) als Nichtwirt oder schlechter Wirt fungiert. Er trägt somit aktiv zur biologischen Reduzierung des Nematodendrucks im Boden bei und eignet sich ideal als Vorfrucht für anspruchsvolle Kulturen wie Kartoffeln oder Gemüse.

Warum ist der Einsatz von Honigbienen im Buchweizenanbau wirtschaftlich sinnvoll?

Da Buchweizen weitgehend selbststeril ist, hängt der Kornertrag massiv von der Insektenbestäubung ab. Das Aufstellen von Bienenstöcken (ca. 2–4 Völker pro Hektar) während der Hauptblüte kann den Kornansatz und damit den Ertrag um bis zu 30 bis 50 % steigern, während gleichzeitig hochwertiger Buchweizenhonig gewonnen wird.

Welche Strategie hilft gegen das hohe Risiko von Ernteverlusten durch Wind und Regen?

Da die Körner ungleichmäßig reifen und bei Überreife leicht ausfallen, wählen viele Praktiker das Verfahren des Schwaddreuschs (Zweiphasen-Ernte). Dabei wird der Buchweizen gemäht, auf Schwad gelegt, um gleichmäßig nachzutrocknen, und nach einigen Tagen mit dem Mähdrescher mit Pickup-Vorsatz aufgenommen.

Wie kann man im Buchweizenanbau das Risiko von Lagerbildung (Lagerung) minimieren?

Neben einer restriktiven Stickstoffdüngung (maximal 40–50 kg N/ha inklusive Bodenvorrat) sollte die Saatstärke nicht zu hoch gewählt werden (ca. 150–200 keimfähige Körner/m²). Zu dichte Bestände führen zu dünnen, instabilen Stängeln, die bei Sommergewittern schnell ins Lager gehen.

Wie finde ich aktuell zugelassene Pflanzenschutzmittel für Buchweizen in Deutschland?

Da Buchweizen als Nischenkultur gilt, sind reguläre Zulassungen selten. Aktuelle Notfallzulassungen nach Art. 53 oder Genehmigungen für die Anwendung im Rahmen der Lückenindikation nach Art. 51 der Verordnung (EG) Nr. 1107/2009 können in der Online-Datenbank des Bundesamtes für Verbraucherschutz und Lebensmittelsicherheit (BVL) eingesehen werden.