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Kultur

Durchwachsene Silphie

Silphium perfoliatum
SIPPE

Die Durchwachsene Silphie (Silphium perfoliatum, EPPO-Code: SIPPE) hat sich in Mitteleuropa als vielversprechende, mehrjährige Dauerkultur für die Biomasse- und Biogasproduktion sowie als wertvolle Bienenweide etabliert. Als ausdauernde Staude aus der Familie der Korbblütler (Asteraceae) liefert sie über einen Zeitraum von bis zu 15 bis 20 Jahren stabile Erträge. Besonders geschätzt wird die Kultur für ihre ökologischen Vorzüge, da sie nach dem aufwendigen Etablierungsjahr kaum noch Bodenbearbeitung erfordert, den Boden ganzjährig vor Erosion schützt und wertvollen Lebensraum für Nützlinge bietet.

Im ersten Standjahr bildet die Kultur lediglich eine bodenständige Blattrosette aus und ist extrem konkurrenzschwach gegenüber Unkräutern. Ab dem zweiten Standjahr treiben die Pflanzen im Frühjahr rasch aus, erreichen Wuchshöhen von bis zu drei Metern und bilden die charakteristischen, am Stängel verwachsenen Blätter aus. In diesen namensgebenden "Bechern" sammelt sich Tau- und Regenwasser, was der Kultur eine gute Toleranz gegenüber kürzeren Trockenperioden verleiht. Die Ernte erfolgt meist im Spätsommer zur Vollblüte mit herkömmlicher Maishäckseltechnik.

Aussaat-/Pflanzzeitraum
Mitte April bis Ende Mai (Aussaat) oder Anfang Mai bis Juni (Pflanzung)
Erntefenster
Ende August bis Mitte September
Reihenabstand
50–75 cm
Typischer Ertrag
12–20 t TM/ha
Wärmesumme (GDD)
1750
Boden-pH
6,0–7,5

Bodenmanagement

Die Kultur stellt mittlere bis hohe Ansprüche an den Boden und bevorzugt tiefgründige, gut wasserführende Standorte mit ausreichender Nährstoffversorgung, während extrem sandige oder staunasse Böden ungeeignet sind. Vor der Etablierung ist eine sorgfältige, tief lockere Bodenvorbereitung essenziell, um dem tiefreichenden Wurzelsystem optimale Startbedingungen zu bieten. Da die Kultur über viele Jahre auf der Fläche verbleibt, ist eine Kalkung auf den optimalen pH-Wert vor der Pflanzung oder Aussaat dringend anzuraten. In den Folgejahren entfällt jegliche Bodenbearbeitung, was den Humusaufbau aktiv fördert und die Bodenstruktur nachhaltig stabilisiert. Die Düngung erfolgt organisch oder mineralisch im zeitigen Frühjahr zum Austrieb, wobei sich Gärreste aus der Biogasanlage hervorragend für den Nährstoffkreislauf eignen.

Schaderreger-Management

Im Etablierungsjahr steht die Unkrautregulierung im absoluten Fokus, da die jungen Keimlinge oder Jungpflanzen extrem konkurrenzschwach sind und ohne mechanische oder chemische Maßnahmen schnell überwachsen werden. Da für die Kultur nur sehr wenige Pflanzenschutzmittel offiziell zugelassen sind, kommen häufig mechanische Hackverfahren zwischen den Reihen zum Einsatz. Ab dem zweiten Standjahr unterdrückt der dichte Bestand durch den raschen Reihenschluss im Mai auflaufende Unkräuter nahezu vollständig, sodass meist keine Herbizidanwendungen mehr nötig sind. Als relevante Schaderreger treten gelegentlich Schnecken im empfindlichen Rosettenstadium sowie Pilze wie Sclerotinia sclerotiorum auf, die Stängelfäule verursachen können. Ein gezieltes Monitoring im Frühjahr hilft dir, Schäden rechtzeitig zu erkennen und gegebenenfalls durch pflanzenbauliche Maßnahmen wie weite Reihenabstände entgegenzuwirken.

Sorten

Donau-Silphie

mittelspät

Sehr hoher Biomasseertrag ab dem zweiten Standjahr (bis zu 18-20 t TM/ha).

Resistent gegen: Trockenheit, Kälte

Anfällig für: Sclerotinia-Stängelfäule, Schneckenfraß

Eine der bekanntesten und am weitesten verbreiteten Sorten bzw. Herkünfte in Deutschland, die speziell für die Aussaat optimiert wurde.

Silphie I

mittel

Stabile Trockenmasseerträge von 15-18 t/ha unter guten Standortbedingungen.

Resistent gegen: Frost

Anfällig für: Staunässe, Sclerotinia

Vom Bundessortenamt zugelassene Sorte mit gleichmäßigem Feldaufgang und guter Jugendentwicklung bei optimierter Saatgutbehandlung.

Zugelassene Pflanzenschutzmittel

Alle Anwendungen ansehen

Häufige Fragen

Wie unterscheidet sich die Etablierung durch Aussaat von der Pflanzung?

Die Pflanzung von vorkultivierten Jungpflanzen im Mai ist zwar kostenintensiver, sichert dir aber einen nahezu lückenlosen Bestand und minimiert das Risiko von Ausfällen im kritischen ersten Jahr. Die Direktsaat ist kostengünstiger, erfordert jedoch speziell vorbehandeltes (z. B. kalt-stratifiziertes) Saatgut, da die Samen der Kultur eine natürliche Keimhemmung besitzen, und stellt extrem hohe Anforderungen an dein Unkrautmanagement im Frühjahr.

Welche Rolle spielt das BBCH-Stadium für den optimalen Erntezeitpunkt?

Der optimale Erntezeitpunkt liegt in der Vollblüte bis zum Ende der Blüte (BBCH 65–69), was meist ab Ende August der Fall ist. Zu diesem Zeitpunkt ist der Wassergehalt der Kultur im Feld auf etwa 65 bis 70 % gesunken. Dies ermöglicht dir eine hervorragende Silierfähigkeit im Gemisch oder auch als Reinsilage, ohne dass übermäßig viel Sickersaft im Silo austritt.

Wie regulierst du Unkräuter im extrem kritischen ersten Standjahr?

Da für die Kultur nur sehr wenige chemische Pflanzenschutzmittel offiziell zugelassen sind, musst du auf eine Kombination aus mechanischem Hacken und gezieltem Striegeln setzen. Bei der Pflanzung ist das mechanische Hacken zwischen den Reihen meist problemlos möglich. Bei einer Aussaat musst du besonders im Vorauflauf und frühen Nachauflauf extrem vorsichtig agieren, um die feinen Keimlinge nicht zu verschütten.

Kann die Kultur auch auf Grenzertragsböden wirtschaftlich angebaut werden?

Ja, die Kultur ist sehr anpassungsfähig und liefert auch auf flachgründigeren oder steinigeren Böden noch akzeptable Erträge, sofern die Wasserversorgung im Frühjahr ausreicht. Vermeide jedoch extrem trockene Sandböden ohne Beregnungsmöglichkeit sowie Standorte mit langanhaltender Staunässe, da dies die Wurzelentwicklung und den Austrieb massiv beeinträchtigt.

Wie finde ich zugelassene Pflanzenschutzmittel für die Durchwachsene Silphie?

Nutze dafür die Suchfunktion in unserem Pflanzenschutz-Hub auf agronomy.farmable.tech. Filtere gezielt nach der Kultur "Durchwachsene Silphie" oder suche nach Indikationen im Bereich "Ackerbau/Energiepflanzen", um die aktuell gültigen BVL-Zulassungen und Notfallzulassungen für Herbizide oder Schneckenbekämpfungsmittel einzusehen.

Welche Fruchtfolgeaspekte musst du bei einer Standzeit von 15 Jahren beachten?

Da die Kultur über 15 Jahre auf derselben Fläche verbleibt, entfällt der jährliche Fruchtwechsel komplett. Du solltest vor der Anlage der Kultur unbedingt sicherstellen, dass keine hartnäckigen Wurzelunkräuter wie Quecke oder Distel auf der Fläche etabliert sind, da diese nach dem Umbruch der Vorkultur nur sehr schwer in der langsam wachsenden Silphie reguliert werden können.