Esparsette
Die Esparsette (Onobrychis viciifolia, EPPO-Code: ONBVI), auch als Futteresparsette bekannt, ist eine wertvolle, mehrjährige Leguminose, die in der mitteleuropäischen Landwirtschaft vor allem als hochwertiges, eiweißreiches Futter sowie zur gezielten Bodenverbesserung geschätzt wird. Als trockenheitsresistente Kultur eignet sie sich hervorragend für flachgründige, kalkhaltige Standorte, an denen andere Futterleguminosen wie Rotklee oder Luzerne an ihre Leistungsgrenzen stoßen. Durch ihre tiefreichende Pfahlwurzel erschließt sie tiefe Bodenschichten, verbessert die Bodenstruktur nachhaltig und hinterlässt eine hervorragende Gare für Folgekulturen.
Neben ihrem hohen Futterwert, der sich durch eine hervorragende Proteinqualität und einen hohen Gehalt an kondensierten Tanninen auszeichnet, besitzt die Kultur eine hohe Bedeutung für die Biodiversität. Die Tannine wirken im Pansen von Wiederkäuern schäumungshemmend und weisen zudem eine natürliche anthelmintische Wirkung auf. Als hervorragende Bienenweide bereichert die Esparsette zudem die Fruchtfolge und fördert Nützlinge im Agrarökosystem.
Bodenmanagement
Die Esparsette stellt spezifische Ansprüche an den Boden und bevorzugt warme, trockene sowie kalkreiche Standorte mit einem pH-Wert von über 6,5. Saure, staunasse oder verdichtete Böden sind für den Anbau dieser Kultur gänzlich ungeeignet, da die empfindlichen Knöllchenbakterien dort nicht effektiv Stickstoff fixieren können. Für eine erfolgreiche Etablierung ist ein feinkrümeliges, gut rückverfestigtes Saatbett im Frühjahr oder Spätsommer entscheidend, um den flachen Lichtkeimer optimal zu betten. Eine tiefe Bodenlockerung vor der Aussaat unterstützt das rasche Wachstum der kräftigen Pfahlwurzel, die bis in mehrere Meter Tiefe vordringen kann. Aufgrund ihrer hervorragenden Trockenheitstoleranz benötigt die etablierte Kultur nach dem Auflaufen in der Regel keine zusätzliche Bewässerung.
Schaderreger-Management
Der Pflanzenschutz in der Esparsette konzentriert sich vor allem auf die Unkrautregulierung in der empfindlichen Jugendphase der Kultur. Da die Kultur anfangs langsam wächst, können Schadgräser wie die Gemeine Quecke (Elymus repens), der Windhalm (Apera spica-venti) oder das Deutsche Weidelgras (Lolium perenne) die jungen Pflanzen schnell unterdrücken. Der Einsatz von Pflanzenschutzmitteln muss präzise auf die BBCH-Stadien abgestimmt werden, wobei mechanische Maßnahmen wie ein zeitiger Reinigungsschnitt im ersten Aufwuchs oft eine wirksame Alternative darstellen. Gegen pilzliche Schaderreger wie den Kleekrebs (Sclerotinia trifoliorum) oder Echten Mehltau helfen vor allem weite Fruchtfolgen von mindestens 4 bis 5 Jahren und die Wahl widerstandsfähiger Sorten. Ein regelmäßiges Monitoring auf tierische Schaderreger wie den Esparsetten-Samenwespen oder Rüsselkäfer ist besonders bei der Saatgutvermehrung im Knospenstadium unerlässlich.
Sorten
Perly
MittelfrühSehr hoher Trockenmasseertrag, besonders im ersten Schnitt.
Resistent gegen: Kleekrebs, Winterfrost
Anfällig für: Echter Mehltau
Eine bewährte, tetraploide Sorte aus der Schweiz mit hervorragender Ausdauer und rascher Jugendentwicklung.
Visnovsky
MittelspätKonstant hohe Erträge über mehrere Nutzungsjahre hinweg.
Resistent gegen: Trockenheit, Winterfrost
Anfällig für: Wurzelfäule
Sehr robuste und winterharte Sorte, die sich hervorragend für trockenere Lagen und kargere Böden eignet.
Ambra
Früh bis mittelfrühGute Ertragsleistung mit schneller Regeneration nach dem Schnitt.
Resistent gegen: Lagerung
Anfällig für: Kleekrebs
Zeichnet sich durch einen aufrechten Wuchs und eine gute Standfestigkeit aus, ideal für die Grünfutternutzung.
Taja
MittelfrühSolide Erträge im Hauptnutzungsjahr, gute Blattfülle.
Resistent gegen: Blattkrankheiten
Anfällig für: Trockenstress
Diploides Saatgut mit feinerem Stängelaufbau, was die Futterakzeptanz beim Vieh zusätzlich erhöht.
Wichtige Schaderreger
Zugelassene Pflanzenschutzmittel
Häufige Fragen
Wann ist der optimale Zeitpunkt für den ersten Schnitt der Esparsette zur Futtergewinnung?
Der optimale Schnittzeitpunkt liegt zu Beginn der Blüte (BBCH-Stadium 61 bis 63). Zu diesem Zeitpunkt ist das Verhältnis zwischen hohem Proteingehalt und moderater Verholzung der Stängel am günstigsten. Ein zu später Schnitt mindert die Futterqualität drastisch, während ein zu früher Schnitt im Knospenstadium die Reservestoffeinlagerung in die Pfahlwurzel stört und die Ausdauer der Kultur schwächt.
Wie lässt sich die Etablierung von Schadgräsern wie der Gemeinen Quecke im Esparsettenbestand verhindern?
Da die Esparsette in der Jugendphase konkurrenzschwach ist, muss das Saatbett absolut frei von Wurzelunkräutern sein. Bei starkem Druck durch Schadgräser wie Elymus repens kann im Nachauflauf ein selektives Graminizid eingesetzt werden. Wichtig ist hierbei die Einhaltung der spezifischen Wartezeiten und Anwendungsbestimmungen des Bundesamtes für Verbraucherschutz und Lebensmittelsicherheit (BVL).
Warum ist die Impfung des Saatguts mit Rhizobien bei Erstanzubauen ratsam?
Die Esparsette lebt in Symbiose mit hochspezifischen Knöllchenbakterien (Rhizobium leguminosarum sub. sp. hedysari), die in vielen mitteleuropäischen Ackerböden nicht natürlich vorkommen. Ohne diese Bakterien kann die Kultur keinen Luftstickstoff fixieren, was zu Kümmerwuchs und Stickstoffmangel führt. Eine gezielte Saatgutimpfung vor der Aussaat sichert die Stickstoffversorgung und den Ertrag.
Welche Rolle spielen kondensierte Tannine in der Fütterungspraxis der Esparsette?
Kondensierte Tannine sind sekundäre Pflanzenstoffe, die im Pansen von Wiederkäuern Proteine vor dem vorzeitigen Abbau schützen (pansenstabiles Protein). Dies steigert die Proteineffizienz und verhindert die gefährliche Trommelsucht (Blähen). Zudem reduzieren sie nachweislich den Magen-Darm-Wurmbefall bei Schafen und Ziegen, was den Bedarf an synthetischen Entwurmungsmitteln senkt.
Wie finde ich aktuell zugelassene Pflanzenschutzmittel gegen Schaderreger in der Esparsette?
Da die Esparsette als Nischenkultur gilt, sind viele Pflanzenschutzmittel über Lückenindikationen nach Art. 51 VO (EG) 1107/2009 zugelassen. Nutzen Sie die Suchfunktion in unserem Agronomie-Hub, um gezielt nach registrierten Anwendungen für Futterleguminosen zu filtern, oder konsultieren Sie direkt die Online-Datenbank des BVL, um aktuelle Zulassungsstände und Wartezeiten abzufragen.
Wie unterscheidet sich die Nutzung der Esparsette im ersten Standjahr von den Folgejahren?
Im Aussaatjahr sollte die Kultur geschont werden; meist ist nur ein vorsichtiger Reinigungsschnitt oder ein später herbstlicher Nutzungsschnitt ratsam, um die Reservestoffeinlagerung in die Wurzeln nicht zu gefährden. Ab dem zweiten Standjahr ist die Kultur voll etabliert und liefert verlässlich zwei bis drei ertragreiche Schnitte, wobei der erste Aufwuchs stets der ertragsstärkste ist.