Esparsette
Die Esparsette (Onobrychis viciifolia, EPPO-Code: ONBVI), auch als Futteresparsette bekannt, ist eine wertvolle, mehrjährige Leguminose, die traditionell als hochwertiges Futter für Wiederkäuer und Pferde geschätzt wird. Als trockenheitstolerante Kultur eignet sie sich hervorragend für flachgründige, kalkreiche Standorte, auf denen andere Futterleguminosen wie Luzerne oder Rotklee an ihre Grenzen stoßen. Durch ihr tiefreichendes Pfahlwurzelsystem erschließt sie tiefe Bodenschichten und trägt maßgeblich zur Bodenverbesserung bei.
Neben ihrem hohen Futterwert, der sich durch einen hohen Gehalt an kondensierten Tanninen auszeichnet, bietet die Kultur erhebliche pflanzenbauliche Vorteile. Diese Tannine schützen das Protein im Pansen vor vorzeitigem Abbau und wirken zudem natürlich anthelmintisch gegen Magen-Darm-Parasiten. Zudem ist die Kultur eine hervorragende Bienenweide und fördert die Biodiversität im Agrarökosystem.
Im modernen Ackerbau gewinnt die Esparsette im Zuge des Klimawandels und der Suche nach proteinreichen, autarken Futterquellen wieder stark an Bedeutung. Sie bindet mithilfe von Knöllchenbakterien Luftstickstoff und hinterlässt eine hervorragende Bodengare für Nachfolgekulturen, stellt jedoch spezifische Ansprüche an die Etablierung und das Unkrautmanagement im Ansaatjahr.
Bodenmanagement
Die Kultur verlangt gut durchlüftete, kalkreiche und trockene bis mäßig frische Böden; Staunässe und saure Standorte führen rasch zum Auswintern und Absterben der Bestände. Vor der Aussaat ist ein feinkrümeliges, gut rückverfestigtes Saatbett herzustellen, da die Esparsette als Licht- bis Flachkeimer eine Saattiefe von maximal 1,5 bis 2 cm benötigt. Eine Kalkung auf sauren Böden vor dem Anbau ist zwingend erforderlich, um den pH-Wert im optimalen Bereich über 6,5 zu stabilisieren. Aufgrund der Symbiose mit Rhizobien ist keine Stickstoffdüngung notwendig, eine Grunddüngung mit Phosphor und Kalium sollte jedoch basierend auf Bodenanalysen im Herbst oder zeitigen Frühjahr erfolgen. Durch das tiefe Pfahlwurzelsystem wird das Bodengefüge nachhaltig gelockert und die Humusbildung in tieferen Schichten gefördert.
Schaderreger-Management
In der Etablierungsphase ist die Kultur konkurrenzschwach gegenüber Unkräutern, weshalb eine mechanische Unkrautregulierung durch Blindstriegeln oder ein früher Reinigungsschnitt bei starkem Besatz ratsam ist. Schaderreger wie der Esparsetten-Trichterrüssler oder verschiedene Blattrandkäfer können insbesondere bei der Keimung und im Jungpflanzenstadium Schäden verursachen, die durch regelmäßige Feldbegehungen überwacht werden sollten. Gegen Gräser wie die Gemeine Quecke oder den Windhalm können bei Bedarf spezifische, für Leguminosen zugelassene Pflanzenschutzmittel im Nachauflauf eingesetzt werden. Pilzliche Schaderreger wie Kleekrebs oder Echter Mehltau treten vor allem in feuchten Jahren oder bei zu dichten Beständen auf und erfordern eine angepasste Schnittfrequenz zur Bestandslüftung. Achte bei der chemischen Unkrautregulierung stets auf die aktuellen Zulassungen und halte die vorgeschriebenen Wartezeiten penibel ein.
Sorten
Ambra
Früh bis mittelfrühSehr hoher Ertrag im ersten Hauptnutzungsjahr, rasche Jugendentwicklung.
Resistent gegen: Trockenheit, Winterfrost
Anfällig für: Kleekrebs, Staunässe
Eine bewährte diploide Sorte mit guter Ausdauer und raschem Wiederergrünen im Frühjahr.
Perly
MittelfrühHoher Gesamtertrag mit ausgeglichener Ertragsverteilung über die Schnitte.
Resistent gegen: Blattkrankheiten, Echter Mehltau
Anfällig für: Wühlmausfraß, Staunässe
Schweizer Züchtung (tetraploid) mit verbesserter Konkurrenzkraft und sehr gutem Blattanteil.
Visnovsky
MittelspätSehr ertragsstark im ersten Schnitt, ideal für die Heubereitung.
Resistent gegen: Winterfrost, Trockenheit
Anfällig für: Kleekrebs
Sehr robuste, winterharte Sorte aus Osteuropa, die hervorragend mit kargen Kalkböden zurechtkommt.
Taja
FrühGute Ertragsleistung im ersten Aufwuchs, mäßiger Ertrag im Nachwuchs.
Resistent gegen: Winterfrost
Anfällig für: Echter Mehltau
Diploide Sorte mit exzellenter Winterhärte und schneller Etablierung im Aussaatjahr.
Wichtige Schaderreger
Zugelassene Pflanzenschutzmittel
Häufige Fragen
Wann ist der optimale Zeitpunkt für den ersten Schnitt der Esparsette?
Um die Ausdauer der Kultur zu sichern, solltest du den ersten Schnitt im ersten Hauptnutzungsjahr erst zu Beginn der Vollblüte (BBCH-Stadium 65) durchführen. In den Folgejahren kannst du für eine optimale Futterqualität bereits bei Knospenbildung (BBCH 51 bis 59) mähen. Achte darauf, mindestens einmal pro Jahr eine vollständige Blüte zuzulassen, damit die Kultur ausreichend Reservestoffe in die Pfahlwurzel einlagern kann.
Wie kann ich hartnäckige Ungräser wie die Gemeine Quecke in der Kultur regulieren?
Gegen einkeimblättrige Schaderreger wie die Gemeine Quecke (Elymus repens) oder den Windhalm (Apera spica-venti) kannst du selektive Graminizide im Nachauflauf einsetzen. Der beste Behandlungszeitpunkt liegt vor, wenn die Ungräser ausreichend Blattmasse gebildet haben (meist ab BBCH 13 bis 29 der Ungräser). Nutze die Filterfunktion in unserem Pflanzenschutz-Hub auf agronomy.farmable.tech, um eine aktuell zugelassene Anwendung für Futterleguminosen zu finden.
Warum ist die Esparsette besonders wertvoll für die Tiergesundheit und wie füttere ich sie?
Die Kultur enthält kondensierte Tannine, die im Pansen von Wiederkäuern stabile Protein-Tannin-Komplexe bilden. Dies verhindert die gefährliche schäumende Gärung (Trommelsucht) und erhöht den Anteil an nutzbarem Rohprotein (UDP) im Dünndarm. Zudem wirken diese Inhaltsstoffe nachweislich reduzierend auf den Befall mit Magen-Darm-Würmern, weshalb sich die Fütterung hervorragend zur biologischen Parasitenkontrolle eignet.
Kann ich die Esparsette in einer Mischung mit Gräsern anbauen?
Ja, ein Gemengepartner ist sehr empfehlenswert, um den Unkrautdruck zu mindern. Du solltest jedoch nur schwach konkurrierende Gräser wie das Wiesenlieschgras oder Rotschwingel wählen. Aggressive Gräser wie das Deutsche Weidelgras (Lolium perenne) würden die lichtbedürftige Kultur im Keimstadium zu stark unterdrücken und langfristig verdrängen.
Was muss ich bei der Saatgutvorbereitung und Beimpfung beachten?
Da die Esparsette oft ungeschält (in der Fruchthülle) ausgesät wird, ist die Keimung im Vergleich zu geschältem Saatgut verzögert. Wenn auf der Zielfläche seit vielen Jahren keine Esparsette stand, solltest du das Saatgut vor der Aussaat mit spezifischen Rhizobien (Rhizobium leguminosarum) impfen. Dies sichert eine schnelle Knöllchenbildung und damit die autarke Stickstoffversorgung der Kultur von Anfang an.
Wie reagiert die Kultur auf herbstlichen Weidegang oder späten Schnitt?
Ein zu tiefer Schnitt oder intensiver Weidegang im späten Herbst schadet der Kultur massiv. Die Knospen für den Austrieb im Folgejahr sitzen am bodennahen Wurzelhals. Du solltest eine Schnitthöhe von 7 bis 8 cm nicht unterschreiten und den Tieren im Herbst keine Kahlweide erlauben, da sonst die Winterhärte leidet und Lücken im Bestand entstehen.