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Kultur

Deutsches Weidelgras

Lolium perenne
LOLPE

Deutsches Weidelgras (Lolium perenne, EPPO-Code: LOLPE), auch als Ausdauernder Lolch bekannt, ist ein ausdauerndes, horstbildendes Süßgras, das in Mitteleuropa sowohl als wertvolles Futtergras als auch als hartnäckiges Ackerungras auftritt. In intensiv geführten Ackerbausystemen, insbesondere in winterannuellen Kulturen wie Winterweizen oder Winterroggen, hat sich die Art zu einem bedeutenden Schaderreger entwickelt. Seine hohe Konkurrenzkraft um Licht, Wasser und Nährstoffe führt bereits bei geringer Dichte zu spürbaren Ertragseinbußen.

Die wirtschaftliche Relevanz hat in den letzten Jahrzehnten stark zugenommen. Durch verengte Fruchtfolgen mit hohem Wintergetreideanteil, frühe Saattermine und den reduzierten Einsatz von wendender Bodenbearbeitung findet das Ungras optimale Entwicklungsbedingungen vor. Zudem erschwert die zunehmende Resistenzbildung gegenüber gängigen Herbizidwirkstoffen die Bekämpfung in den betroffenen Kulturen erheblich.

Typ
Kultur
EPPO-Code
LOLPE
Wirte
9 Kulturen
Verbreitung
Das Deutsche Weidelgras ist in ganz Europa weit verbreitet und besiedelt bevorzugt frische, nährstoffreiche Böden im gemäßigten Klima, wo es erhebliche Ertragsverluste im Getreide- und Feldgemüsebau verursacht.

Biologie / Lebenszyklus

Als mehrjährige Pflanze überdauert Lolium perenne den Winter mittels vegetativer Bestockungstriebe und ist extrem frosthart. Die Hauptkeimphase liegt im Herbst, wobei auch im zeitigen Frühjahr nennenswerte Keimungsschübe auftreten können, sofern ausreichend Bodenfeuchtigkeit vorhanden ist. Nach der Bestockung im Winter und zeitigen Frühjahr erfolgt das Schossen und die Blütenstandsentwicklung meist ab Mai. Die Bestäubung erfolgt durch Wind, woraufhin eine Pflanze bis zu mehrere hundert Samen produzieren kann, die als Lichtkeimer flach im Boden keimen oder über Jahre im Samenvorrat des Bodens überdauern.

Bonitur

Eine systematische Feldbegehung ist besonders im Herbst im BBCH-Stadium 10 bis 13 der Hauptkulturen (z. B. Winterweizen) sowie im zeitigen Frühjahr bei Vegetationsbeginn (BBCH 21 bis 25) ratsam. Da junge Lolch-Pflanzen im Keimblattstadium schwer von anderen Ungräsern zu unterscheiden sind, solltest du auf die rötliche Färbung der Blattscheidenbasis und das schmale, glänzende Blatt achten. Eine Schadschwelle von etwa 5 bis 10 Pflanzen pro Quadratmeter gilt im Getreidebau als Richtwert, ab dem eine gezielte chemische Behandlung wirtschaftlich geboten ist, um Ertragsverluste und eine weitere Anreicherung des Samenpotenzials im Boden zu verhindern.

Integriertes Management

Ein erfolgreiches Management von Lolium perenne basiert auf einer integrierten Strategie, die mechanische, pflanzenbauliche und chemische Maßnahmen kombiniert. Pflanzenbaulich helfen eine weite Fruchtfolge mit Sommerungen, eine spätere Aussaat der Winterkulturen sowie eine sorgfältige Grundbodenbearbeitung, um den Samendruck an der Bodenoberfläche zu reduzieren. Beim Einsatz von Pflanzenschutzmitteln ist ein striktes Resistenzmanagement nach den HRAC-Richtlinien zwingend erforderlich. Um der Selektion von resistenten Biotypen (insbesondere gegen ALS-Hemmer der HRAC-Gruppe B und ACCase-Hemmer der HRAC-Gruppe A) vorzubeugen, musst du Wirkstoffe mit unterschiedlichen Wirkungsmechanismen abwechselnd anwenden und Bodenherbizide im Vorauflauf oder frühen Nachauflauf integrieren.

Wirtspflanzen

Zugelassene Pflanzenschutzmittel

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Häufige Fragen

Wie unterscheidest du Deutsches Weidelgras im frühen Stadium sicher von Windhalm oder Ackerfuchsschwanz?

Achte beim Ausgraben junger Pflanzen auf die Blattunterseite und die Blattscheide. Lolium perenne zeigt eine stark glänzende, glatte Blattunterseite und eine rötlich bis violett gefärbte Blattscheidenbasis. Zudem ist das jüngste Blatt im Gegensatz zum gerollten Blatt des Ackerfuchsschwanzes gefaltet (Knospenlage).

Warum versagen Blattherbizide im Frühjahr manchmal gegen diesen Schaderreger?

Wenn die Temperaturen bei der Anwendung zu niedrig sind oder die Pflanzen bereits das Ende der Bestockung (BBCH 29) überschritten haben, nimmt die Wirkung stark ab. Zudem kann eine fortgeschrittene metabolische Resistenz oder eine Target-Site-Resistenz (HRAC-Klassen A und B) vorliegen, was einen Wechsel auf Bodenherbizide im Herbst erforderlich macht.

Wie kannst du im Pflanzenschutz-Hub gezielt nach zugelassenen Pflanzenschutzmitteln gegen Lolch-Arten suchen?

Nutze die Filterfunktion in unserem Hub und filtere nach der jeweiligen Kultur und dem Schaderreger 'Lolium perenne' oder 'Deutsches Weidelgras'. Achte darauf, die Zulassungssituation für dein jeweiliges Land zu prüfen, da die Indikationen und Auflagen der BVL-Datenbank regelmäßig aktualisiert werden.

Welche Rolle spielt die Saattiefe der Kultur bei der Behandlung mit Bodenherbiziden?

Eine gleichmäßige Saattiefe von mindestens 3 bis 4 cm bei Getreide ist entscheidend, wenn du im Vorauflauf starke Bodenherbizide einsetzt. Liegt das Saatgut zu flach, kann es durch den Herbizidfilm geschädigt werden, während das flach keimende Weidelgras optimal erfasst werden muss.

Wie lange bleiben die Samen von Lolium perenne im Boden keimfähig?

Im Vergleich zu anderen Unkräutern ist die Samenlebensdauer im Boden mit etwa 2 bis 4 Jahren relativ kurz. Durch einen gezielten Pflugeinsatz kannst du die Samen tief vergraben; allerdings solltest du in den Folgejahren auf eine flache Bodenbearbeitung achten, um die vergrabenen, noch keimfähigen Samen nicht wieder nach oben zu befördern.

Kann eine mechanische Unkrautbekämpfung dieses Ungras effektiv kontrollieren?

Das Striegeln ist nur im sehr frühen Keimblattstadium (BBCH 10 bis 11) des Weidelgrases erfolgreich. Sobald die Pflanzen bestockt sind, besitzen sie ein extrem stabiles Wurzelsystem, das mechanisch kaum noch zu bekämpfen ist; in Reihenkulturen kann dann nur noch eine präzise Hacktechnik zwischen den Reihen Abhilfe schaffen.