Deutsches Weidelgras
Deutsches Weidelgras (Lolium perenne, EPPO-Code: LOLPE), auch als Ausdauernder Lolch bekannt, ist ein ausdauerndes, horstbildendes Süßgras von hoher agronomischer Bedeutung. Während es im Grünland und auf Rasenflächen als wertvolles Futter- und Rasengras geschätzt wird, tritt es im Ackerbau – insbesondere in intensiv geführten Wintergetreide-Fruchtfolgen – zunehmend als problematisches und konkurrenzstarkes Unkraut auf.
Die wirtschaftliche Relevanz als Schaderreger hat in den letzten Jahrzehnten stark zugenommen. Durch seine hohe Bestockungsfähigkeit, die schnelle Jugendentwicklung und die enorme Konkurrenzkraft um Licht, Wasser und Nährstoffe kann ein starker Besatz in Kulturen wie Winterweizen oder Winterroggen zu erheblichen Ertragseinbußen führen. Zudem erschwert das dichte Wurzelwerk die Bodenbearbeitung und die Ernte.
Die Art ist extrem anpassungsfähig und gedeiht auf nährstoffreichen, mittelschweren bis schweren Böden besonders gut. Durch den verstärkten Verzicht auf den Pflug und die weite Verbreitung von pfluglosen Tillage-Systemen im modernen Ackerbau hat sich Lolium perenne als ausdauerndes Ungras fest in vielen Ackerbauregionen Mitteleuropas etabliert.
Biologie / Lebenszyklus
Lolium perenne ist eine mehrjährige Pflanze, die sich sowohl generativ über Samen als auch vegetativ durch Bestockung und die Bildung von Kriechtrieben vermehrt. Die Hauptkeimzeit der Samen liegt im Spätsommer und Herbst, was perfekt mit dem Aussaatfenster von Wintergetreide harmoniert, wenngleich eine Keimung im Frühjahr ebenfalls möglich ist. Nach der Keimung entwickelt sich rasch ein dichtes Wurzelsystem, gefolgt von einer intensiven Bestockung vor dem Winter. Im folgenden Frühjahr (ab BBCH 30 der Getreidekulturen) setzt das Streckungswachstum ein, und ab Mai bis in den Sommer hinein erfolgt die Blüte. Eine einzelne Pflanze kann mehrere tausend langlebige Samen produzieren, die über Erntemaschinen oder Wind verbreitet werden und im Boden eine ausdauernde Samenbank bilden.
Bonitur
Die Überwachung von Lolium perenne sollte bereits im frühen Herbst direkt nach dem Auflaufen der Kultur (BBCH 10 bis 13 des Getreides) beginnen, um einen frühen Handlungsbedarf zu erkennen. Eine systematische Feldbegehung im Zickzack-Muster ist ratsam, wobei besonders auf Vorgewende und feuchte Senken zu achten ist. Als wirtschaftliche Schadensschwelle im Wintergetreide gilt ein Richtwert von etwa 5 bis 10 Pflanzen pro Quadratmeter, da bereits geringe Dichten die Ertragsstruktur negativ beeinflussen können. Im Frühjahr (BBCH 21 bis 29 der Kultur) ist eine Nachkontrolle unerlässlich, um eventuelle Spätkeimer oder unzureichend erfasste Horste vor dem Schossen der Kultur zu detektieren.
Integriertes Management
Die Bekämpfung von Lolium perenne erfordert ein konsequentes, integriertes Management, da chemische Maßnahmen allein aufgrund zunehmender Resistenzen oft an ihre Grenzen stoßen. Ackerbauliche Maßnahmen wie eine vielseitige Fruchtfolge mit einem hohen Anteil an Sommerungen, der gezielte Einsatz des Pflugs zur Vergrabung der Samen sowie ein falsches Saatbett im Spätsommer reduzieren den Samendruck im Boden erheblich. Chemisch kommen im Herbst Bodenherbizide (z. B. Wirkstoffe aus den HRAC-Gruppen 15 oder 3) zum Einsatz, um die Keimlinge frühzeitig zu erfassen. Im Frühjahr können blattaktive Graminizide (HRAC-Gruppe 1 oder 2) angewendet werden. Um der Entstehung von Herbizidresistenzen vorzubeugen, ist ein strikter Wirkstoffwechsel zwischen den HRAC-Klassen zwingend erforderlich, wobei der Fokus auf der Kombination von Boden- und Blattherbiziden liegen sollte.
Wirtspflanzen
Zugelassene Pflanzenschutzmittel
Häufige Fragen
Warum ist die Bekämpfung von Deutschem Weidelgras im Wintergetreide besonders schwierig?
Die Schwierigkeit liegt in der physiologischen Ähnlichkeit zu Getreidekulturen und der enormen Bestockungsfähigkeit. Zudem hat Lolium perenne in vielen Regionen Resistenzen gegen gängige Herbizide der HRAC-Gruppen 1 (ACCase-Hemmer) und 2 (ALS-Hemmer) entwickelt, was die chemische Selektion im Nachauflauf stark einschränkt.
Wie hilft ein "falsches Saatbett" bei der Regulierung dieses Ungrases?
Durch eine flache Bodenbearbeitung im Spätsommer wird die Keimung der im Boden liegenden Weidelgrassamen angeregt. Die aufgelaufenen Jungpflanzen können dann vor der eigentlichen Aussaat der Hauptkultur mechanisch (z. B. mit dem Grubber) oder thermisch restlos beseitigt werden, wodurch der Unkrautdruck in der Folgekultur drastisch sinkt.
Welche Rolle spielt die Saattiefe und der Aussaatzeitpunkt der Kultur bei der Unterdrückung?
Eine spätere Aussaat von Wintergetreide (z. B. Ende Oktober) ermöglicht es, einen Großteil der im Herbst keimenden Weidelgräser vorab mechanisch zu bekämpfen. Zudem fördert eine optimale Saattiefe der Kultur ein rasches Auflaufen und stärkt deren Konkurrenzkraft gegenüber dem langsamer startenden Ungras.
Wie kann ich im Farmable-Hub gezielt nach zugelassenen Pflanzenschutzmitteln gegen Deutsches Weidelgras suchen?
Navigieren Sie im Hub zum Bereich Pflanzenschutzmittel und filtern Sie nach der Zielkultur (z. B. Winterweizen) und dem Schaderreger Lolium perenne (oder dem EPPO-Code LOLPE). Achten Sie bei der Auswahl auf die ausgewiesenen HRAC-Klassen, um eine Wirkstoffrotation zur Resistenzvermeidung sicherzustellen.
Kann Deutsches Weidelgras auch über Wirtschaftsdünger auf die Flächen verschleppt werden?
Ja, die Samen von Lolium perenne besitzen eine relativ widerstandsfähige Samenschale und können die Passage durch den Verdauungstrakt von Nutztieren sowie die Lagerung in Gülle oder Mist teilweise unbeschadet überstehen. Der Einsatz von gut fermentierter Gülle oder kompostiertem Mist minimiert dieses Verschleppungsrisiko deutlich.
Welche mechanischen Maßnahmen sind im etablierten Getreidebestand wirksam?
Im frühen Frühjahr (BBCH 21 bis 29 der Kultur) kann der Einsatz von Präzisions-Striegeln oder Hackgeräten in weitreihengesäten Getreidebeständen die Weidelgrashorste im Zwischenreihenbereich effektiv verschütten oder entwurzeln, sofern der Boden ausreichend abgetrocknet ist.