Falsche Rauke
Die Weiße Rauke (Diplotaxis erucoides, EPPO-Code: DIPER), im Erwerbsanbau häufig auch als Falsche Rauke oder Wasabi-Rauke bezeichnet, gewinnt im professionellen Gemüsebau als geschmacksintensive Salatkomponente zunehmend an Bedeutung. Diese einjährige Kultur aus der Familie der Kreuzblütler (Brassicaceae) zeichnet sich durch ein ausgeprägtes, an Wasabi erinnerndes Aroma aus. Im Vergleich zur klassischen Wilden Rauke wächst sie besonders in den kühleren Übergangszeiten des Jahres extrem rasch heran und bildet attraktive weiße Blüten, die ebenfalls als essbare Dekoration vermarktet werden können.
Für den Anbauer bietet die Kultur aufgrund ihrer kurzen Entwicklungszeit eine hervorragende Möglichkeit, Fruchtfolgelücken im späten Frühjahr oder Herbst effizient zu schließen. Da sie jedoch eng mit anderen Kohlgewächsen verwandt ist, stellt sie hohe Anforderungen an die Fruchtfolgegestaltung, um die Etablierung hartnäckiger Schaderreger im Boden zu verhindern. Ein präzises Kulturmanagement ist unerlässlich, um die geforderte Blattqualität für den Frischmarkt ohne optische Mängel zu sichern.
Bodenmanagement
Die Kultur bevorzugt gut drainierte, humose Lehmböden mit einer gleichmäßigen Wasserversorgung, da Trockenstress rasch zu vorzeitigem Schossen und einer übermäßigen, unangenehmen Schärfeentwicklung führt. Vor der Aussaat solltest du ein feinkrümeliges Saatbett herstellen, um einen gleichmäßigen Feldaufgang zu gewährleisten. Aufgrund der kurzen Standzeit ist der Nährstoffbedarf moderat; eine bedarfsgerechte Stickstoffdüngung von etwa 60 bis 80 kg N/ha ist meist ausreichend und sollte auf Basis einer aktuellen Bodenanalyse erfolgen. Zu hohe Stickstoffgaben gilt es zu vermeiden, um die Nitratakkumulation in den Blättern zu minimieren und die Lagerfähigkeit nach der Ernte nicht zu gefährden. Eine flache mechanische Unkrautregulierung im frühen BBCH-Stadium sichert den Bestand, bevor die Kultur den Reihenschluss erreicht.
Schaderreger-Management
Im Pflanzenschutz stehen vor allem pilzliche Schaderreger wie Sclerotinia sclerotiorum und Botrytis cinerea im Vordergrund, die besonders bei feucht-warmer Witterung und dichten Beständen zu nasser Fäulnis an den Blättern führen. Um dem vorzubeugen, solltest du auf weite Reihenabstände und eine moderate Bestandsdichte achten, damit das Laub nach Niederschlägen rasch abtrocknen kann. Gegen tierische Schaderreger wie Erdflöhe oder die Kohlmotte empfiehlt sich der konsequente Einsatz von engmaschigen Kulturschutznetzen direkt ab der Aussaat. Sollte eine chemische Behandlung notwendig werden, achte penibel auf die für diese Kultur zugelassenen Pflanzenschutzmittel sowie die einzuhaltenden Wartezeiten vor der Ernte. Ein konsequenter Fruchtfolgewechsel mit Nicht-Kreuzblütlern von mindestens drei bis vier Jahren ist die wirksamste vorbeugende Maßnahme gegen bodenbürtige Krankheiten.
Sorten
Wasabi
Sehr früh (ca. 25–35 Tage)Sehr hoher Blattertrag im ersten Schnitt.
Anfällig für: Erdflöhe, Falscher Mehltau
Die bekannteste Selektion der Weißen Rauke mit dem typischen, intensiv scharfen Aroma. Sehr raschwüchsig im Frühjahr und Herbst.
Verde
Früh (ca. 30–40 Tage)Gleichmäßiger Ertrag über mehrere Schnitte hinweg.
Anfällig für: Sclerotinia sclerotiorum
Selektion mit etwas dunklerem Blatt und kompakterem Wuchs, gut geeignet für den ganzjährigen Satzanbau.
Wichtige Schaderreger
Zugelassene Pflanzenschutzmittel
Alle Anwendungen ansehenHäufige Fragen
Wie kannst du das vorzeitige Schossen (Blütenbildung) bei dieser Kultur verhindern?
Das Schossen wird primär durch hohe Temperaturen, Trockenstress und lange Tageslichtlängen induziert. Du kannst dem entgegenwirken, indem du den Anbau in die kühleren Übergangszeiten (Frühjahr und Herbst) verlegst, für eine lückenlose und gleichmäßige Bewässerung sorgst und bei sommerlichen Hitzeperioden schattierende Netze einsetzt.
Welche mechanischen Maßnahmen helfen dir am besten gegen den Befall durch Erdflöhe?
Da Erdflöhe trockene Bedingungen bevorzugen, solltest du den Boden durch regelmäßiges Hacken und Beregnen konstant feucht halten. Die effektivste mechanische Barriere ist das lückenlose Auflegen eines Kulturschutznetzes mit einer Maschenweite von maximal 0,8 mm direkt nach der Aussaat.
Wie oft kannst du die Kultur in einer Saison schneiden?
Im professionellen Anbau wird meist nur ein einziger Hauptschnitt durchgeführt, da die Blattqualität beim zweiten Austrieb oft nachlässt und das Risiko für Schaderreger steigt. Bei optimaler Nährstoff- und Wasserversorgung ist jedoch ein zweiter Schnitt im Abstand von etwa zwei Wochen möglich, sofern du das Herzblatt beim ersten Schnitt nicht beschädigt hast.
Worauf musst du bei der Fruchtfolgeplanung im Hinblick auf Sclerotinia-Arten achten?
Da Sclerotinia-Erreger ein extrem breites Wirtsspektrum besitzen, darf die Kultur nicht nach anfälligen Vorfrüchten wie Raps, Erbsen, Sonnenblumen oder Salat angebaut werden. Halte eine strikte Anbaupause von mindestens drei bis vier Jahren zu anderen Kreuzblütlern ein, um das Infektionspotenzial im Boden zu minimieren.
Wie findest du im Pflanzenschutz-Hub zugelassene Pflanzenschutzmittel für diese Kultur?
Nutze die Filterfunktion im Hub und suche nach den Kulturgruppen „Frische Kräuter“ oder „Blattsalate“, da die Falsche Rauke rechtlich oft diesen Gruppen zugeordnet ist. Vergleiche die dort gelisteten Anwendungen immer mit den aktuellen BVL-Zulassungsdaten, um die Indikation für Diplotaxis-Arten abzusichern.
Warum ist die Einhaltung der Wartezeit bei dieser Kultur besonders kritisch?
Aufgrund der extrem kurzen Entwicklungszeit von der Aussaat bis zur Ernte (oft nur 25 bis 40 Tage) überschreiten viele chemische Pflanzenschutzmittel die verbleibende Standzeit der Kultur. Du musst daher bevorzugt auf biologische Präparate oder mechanische Maßnahmen setzen, um Rückstände im Erntegut sicher auszuschließen.