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Kultur

Falsche Rauke

Diplotaxis erucoides
DIPER

Die Weiße Rauke (Diplotaxis erucoides, EPPO-Code: DIPER), im Erwerbsanbau auch häufig als Wasabi-Rauke oder Falsche Rauke bezeichnet, gewinnt im spezialisierten Gemüsebau als würziges Nischenprodukt zunehmend an Bedeutung. Als einjährige Kultur aus der Familie der Kreuzblütler (Brassicaceae) zeichnet sie sich durch einen intensiv scharfen, an Senföl erinnernden Geschmack aus. Im Vergleich zur klassischen Wilden Rauke wächst diese Kultur besonders rasch und bildet weiße Blütenstände aus, was sie für den ganzjährigen Anbau unter Glas sowie für den frühen Freilandanbau prädestiniert.

Im professionellen Anbau stellt die Kultur hohe Anforderungen an die Gleichmäßigkeit der Wasserversorgung und die Nährstoffdynamik, um ein vorzeitiges Schossen zu verhindern. Aufgrund der kurzen Entwicklungszeit eignet sie sich hervorragend als Vor- oder Nachkultur in intensiven Gemüsefruchtfolgen. Da sie eng mit anderen Brassicaceen verwandt ist, müssen Fruchtfolgemaßnahmen zur Vermeidung von bodenbürtigen Schaderregern konsequent eingehalten werden.

Aussaat-/Pflanzzeitraum
März bis September (Freiland), ganzjährig im geschützten Anbau
Erntefenster
Ganzjährig (unter Glas), April bis Oktober (Freiland)
Reihenabstand
15–20 cm
Typischer Ertrag
10–15 t/ha
Wärmesumme (GDD)
650–750 GDD (Basis 0 °C)
Boden-pH
6,0–7,2

Bodenmanagement

Die Kultur bevorzugt gut strukturierte, humose und gleichmäßig feuchte Böden mit einer guten Drainage, um Staunässe zu vermeiden. Ein feinkrümeliges Saatbett ist für die flache Aussaat der feinen Samen zwingend erforderlich, um einen gleichmäßigen Feldaufgang zu sichern. Die Stickstoffversorgung sollte moderat, aber kontinuierlich erfolgen, da ein Überangebot zu Nitratakkumulation in den Blättern führt, während Mangel die Holzigkeit fördert. Eine regelmäßige Bewässerung, insbesondere in den Sommermonaten, verhindert das vorzeitige Schossen und sichert die Blattqualität. Organische Düngung im Vorfeld der Fruchtfolge ist mineralischen Einmalgaben vorzuziehen, um die Nährstofffreisetzung zu verstetigen.

Schaderreger-Management

Zu den bedeutendsten pilzlichen Schaderregern im Anbau gehören Sclerotinia sclerotiorum, Sclerotinia minor und Botrytis cinerea, welche besonders bei feucht-warmer Witterung und hoher Bestandsdichte Fäulnis an den Blattansätzen verursachen. Ein vorbeugender Pflanzenschutz basiert auf einer weiten Fruchtfolge zu anderen Kreuzblütlern sowie einer optimierten Belüftung im geschützten Anbau. Gegen tierische Schaderreger wie Erdflöhe und die Kohlmotte hat sich der frühzeitige Einsatz von Kulturschutznetzen im Freiland bewährt. Chemische Pflanzenschutzmittel sollten aufgrund der kurzen Kulturzeit und strenger Rückstandshöchstmengen nur gezielt und unter Beachtung der Wartezeiten angewendet werden. Integrierte Maßnahmen wie mechanische Unkrautregulierung und angepasste Reihenabstände minimieren das Infektionsrisiko im Bestand erheblich.

Sorten

Wasabi

Sehr früh (25–35 Tage)

Hoher Ertrag im ersten Schnitt, gute Regenerationsfähigkeit für Folgeschnitte.

Resistent gegen: Falscher Mehltau

Anfällig für: Erdflöhe, Sclerotinia sclerotiorum

Sehr raschwüchsige Selektion mit dem typischen, intensiven Wasabi-Aroma. Hervorragend für den ganzjährigen geschützten Anbau geeignet.

Blanche

Früh bis mittelfrüh (30–40 Tage)

Konstanter Ertrag von ca. 1,2–1,5 kg/m² unter optimalen Bedingungen.

Anfällig für: Botrytis cinerea, Kohlhernie

Selektion mit besonders aufrechtem Wuchs, was die maschinelle Ernte erleichtert. Zeigt eine gute Schossfestigkeit im Sommeranbau.

Sativa

Mittelfrüh (35–45 Tage)

Sehr gut für den Mehrfachschnitt geeignet, regeneriert sich schnell nach der Mahd.

Resistent gegen: Kälte

Anfällig für: Sclerotinia minor, Erdflöhe

Robuste Selektion für den Freilandanbau im Frühjahr und Herbst. Zeichnet sich durch dunkles, stark gezahntes Laub aus.

Wichtige Schaderreger

Zugelassene Pflanzenschutzmittel

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Häufige Fragen

Wie lässt sich das Risiko von Sclerotinia-Fäule im geschützten Anbau der Weißen Rauke minimieren?

Neben einer weiten Fruchtfolge ist eine gezielte Steuerung des Mikroklimas entscheidend. Durch bedarfsgerechte Lüftung und Tröpfchenbewässerung statt Überkopfberegnung bleiben die Blätter trocken, was den Sporen von Sclerotinia sclerotiorum und Sclerotinia minor die Keimungsgrundlage entzieht. Zudem sollten die Bestände nicht zu dicht gesät werden, um eine rasche Abtrocknung zu gewährleisten.

Wann ist der optimale Zeitpunkt für die Anwendung von Pflanzenschutzmittel-Behandlungen gegen pilzliche Schaderreger?

Da die Kultur eine sehr kurze Entwicklungszeit hat, müssen Behandlungen extrem frühzeitig erfolgen. Sobald erste Symptome im Monitoring sichtbar werden oder bei anhaltend feuchter Witterung im BBCH-Stadium 12 bis 15, sollte eine zugelassene Anwendung erfolgen, um die gesetzlichen Wartezeiten bis zur Ernte (meist im BBCH-Stadium 41 bis 45) sicher einzuhalten.

Wie unterscheidet sich das Schossverhalten der Weißen Rauke von der Wilden Rauke im Sommer?

Diplotaxis erucoides reagiert deutlich empfindlicher auf Hitze und lange Tage als Diplotaxis tenuifolia. Unter Stressbedingungen wie Wassermangel und Temperaturen über 25 °C geht die Kultur extrem schnell in die generative Phase (ab BBCH-Stadium 51) über, wodurch die Blätter ledrig und ungenießbar scharf werden. Eine Schattierung und konstante Bodenfeuchte sind im Sommeranbau zwingend erforderlich.

Welche Rolle spielen Kreuzblütler-Unkräuter in der Nachbarschaft für das Schaderreger-Management?

Wildkräuter aus der Familie der Brassicaceae fungieren als Brückenwirte für Schaderreger wie Sclerotinia-Arten und Erdflöhe. Eine konsequente Unkrautregulierung auf den angrenzenden Flächen ist daher ein integraler Bestandteil des Hygienekonzepts, um den Zuflug von Schädlingen und den Eintrag von Pilzsporen in die Kultur zu minimieren.

Wie finde ich im Portal gezielt zugelassene Pflanzenschutzmittel für Diplotaxis erucoides?

Nutzen Sie die Suchfunktion in unserem Pflanzenschutz-Hub und filtern Sie nach der Kulturgruppe „Frische Kräuter“ oder direkt nach dem EPPO-Code DIPER. Achten Sie bei der Auswahl der Präparate unbedingt auf die spezifischen Anwendungsbestimmungen für den Freiland- oder Gewächshausanbau sowie die jeweilige Wartezeit.

Kann die Weiße Rauke nach dem ersten Schnitt regenerieren und ein zweites Mal geerntet werden?

Ja, ein Zweitschnitt ist bei einem sauberen Schnitt oberhalb des Vegetationspunktes (ca. 3–5 cm über dem Boden) im BBCH-Stadium 41 bis 45 möglich. Dies erfordert jedoch eine sofortige Anschlussbewässerung und eine leichte, schnell wirksame Stickstoffgabe, um den Neuaustrieb homogen anzuregen.