Sclerotinia minor
Sclerotinia minor (EPPO-Code: SCLEMI) ist ein hochgradig spezialisierter, bodenbürtiger Schlauchpilz aus der Familie der Sclerotiniaceae, der weltweit erhebliche ökonomische Schäden im intensiven Gemüsebau verursacht. Der Schaderreger ist der Hauptverursacher der sogenannten Halsfäule oder Salatfäule und betrifft neben verschiedenen Salat-Kulturen (Lactuca sp.) auch Endivien, Spinat, Feldsalat sowie diverse Kohlgewächse und Zierpflanzen.
Die wirtschaftliche Relevanz dieses Pilzes ist außerordentlich hoch, da ein Befall meist zum vollständigen Verderb der betroffenen Kultur führt und infizierte Partien unverkäuflich macht. Da der Schaderreger extrem widerstandsfähige Dauerkörper (Sklerotien) im Boden bildet, die über viele Jahre hinweg infektiös bleiben, schränkt ein einmal verseuchter Schlag die Fruchtfolgegestaltung für empfindliche Kulturen langfristig drastisch ein.
Biologie / Lebenszyklus
Der Lebenszyklus von Sclerotinia minor basiert primär auf den im Boden überdauernden Sklerotien. Bei günstigen Bedingungen – feuchter Boden und Temperaturen zwischen 15 und 20 °C – keimen diese Sklerotien eruptiv-myzelisch aus. Das entstehende Pilzmyzel wächst direkt durch die oberste Bodenschicht und infiziert bodennahe Pflanzenteile wie den Strunk oder aufliegende Blätter. Ein Befall über fliegende Ascosporen ist bei dieser Art im Gegensatz zu anderen Sclerotinia-Arten äußerst selten. Nach der Besiedlung des Wirtsgewebes kollabiert die Kultur, und der Pilz bildet innerhalb des abgestorbenen Gewebes massenhaft neue, winzige Sklerotien aus, die nach dem Zerfall der Pflanze im Boden verbleiben.
Bonitur
Das Monitoring beginnt mit der Dokumentation der Schlaghistorie, da die Sklerotien jahrelang im Boden überdauern. In stehenden Kulturen wie Salat wird eine systematische Feldbegehung ab dem BBCH-Stadium 19 (9 oder mehr echte Laubblätter geöffnet) bis hin zur Erntephase (BBCH 41–49) empfohlen. Achte dabei besonders auf erste Welkesymptome einzelner Pflanzen an warmen Tagen sowie auf feuchte Blattschmieren an bodennahen Blättern. Da es für Sclerotinia minor keine tolerierbare Schadschwelle gibt (Nulltoleranz im professionellen Anbau), sollten Behandlungen beim ersten Auftreten von Symptomen oder bei anhaltend feucht-kühler Witterung unmittelbar eingeleitet werden.
Symptome
Das charakteristischste Symptom im Feld ist ein plötzliches, irreversibles Welken der äußeren Blätter, das sich rasch auf die gesamte Kultur ausbreitet, bis diese flach auf dem Boden kollabiert. An der Strunkbasis und auf den bodenanliegenden Blättern bildet sich ein dichtes, schneeweißes, watteartiges Myzel aus. Eingebettet in dieses Myzel entwickeln sich zahlreiche, sehr kleine (0,5 bis maximal 2 mm große), schwarze, unregelmäßig geformte Sklerotien, die wie feiner Kaffeesatz oder schwarzer Pfeffer wirken. Der Strunk selbst zeigt eine wässrige Weichfäule und zerfällt bei Berührung vollständig.
Integriertes Management
Ein erfolgreiches Management erfordert ein integriertes Konzept aus kulturtechnischen, biologischen und chemischen Maßnahmen. Kulturtechnisch sind weite Fruchtfolgen mit Nicht-Wirtspflanzen (wie Getreide), eine präzise Tröpfchenbewässerung zur Vermeidung von Staunässe und das Pflanzen auf Dämmen zur schnelleren Abtrocknung des Bodens entscheidend. Biologisch zeigt der Einsatz des Nutzpilzes Coniothyrium minitans gute Erfolge, da dieser die Sklerotien im Boden gezielt parasitiert und abbaut. Chemische Pflanzenschutzmittel (Fungizide) müssen präventiv vor dem Reihenschluss appliziert werden. Zur Vermeidung von Resistenzen ist ein strikter Wirkstoffwechsel zwischen den verschiedenen FRAC-Klassen (z. B. SDHI, Phenylpyrrole und Dicarboximide) zwingend einzuhalten.
Wirtspflanzen
Zugelassene Pflanzenschutzmittel
Häufige Fragen
Wie unterscheidet sich Sclerotinia minor im Feld von Sclerotinia sclerotiorum?
Der Hauptunterschied liegt in der Größe der Sklerotien und dem Infektionsweg. Die Sklerotien von Sclerotinia minor sind mit 0,5–2 mm deutlich kleiner als die von S. sclerotiorum (bis zu 10 mm) und unregelmäßiger geformt. Zudem infiziert S. minor die Kultur fast ausschließlich direkt über Myzelwachstum aus dem Boden, während S. sclerotiorum meist über windverdriftete Ascosporen aus Apothecien die oberen Pflanzenteile infiziert.
Wann ist der optimale Zeitpunkt für eine Fungizid-Anwendung gegen diesen Schaderreger?
Die Behandlung muss zwingend präventiv erfolgen. Der beste Zeitpunkt liegt kurz nach dem Anwachsen der Jungpflanzen (BBCH-Stadium 12–15) und spätestens vor dem Reihenschluss (BBCH-Stadium 19–31). Sobald das typische weiße Myzel oder Welkesymptome sichtbar sind, dringen Pflanzenschutzmittel nicht mehr ausreichend an die Infektionsstelle an der Strunkbasis vor.
Wie kann ich registrierte Pflanzenschutzmittel gegen Sclerotinia minor im Hub finden?
Nutze die Filterfunktion in unserem Hub und suche gezielt nach dem EPPO-Code SCLEMI oder dem Wirkungsbereich 'Fungizide' in Kombination mit deiner spezifischen Kultur (z. B. Lactuca sp.). Achte darauf, die Zulassungssituation für dein jeweiliges Land und die aktuellen Anwendungsbestimmungen des BVL zu prüfen.
Welche Rolle spielt die Bodenbearbeitung bei der Regulierung der Sklerotien im Boden?
Da die kleinen Sklerotien von S. minor vor allem in den oberen 5–10 cm des Bodens keimen, kann ein tiefes Unterpflügen (über 20 cm) die Überdauerungsorgane vergraben und deren Keimung verhindern. Beachte jedoch, dass nachfolgende tiefe Bodenbearbeitungen in den Folgejahren vitale Sklerotien wieder an die Oberfläche befördern können. Kombiniere dies daher idealerweise mit dem biologischen Abbau durch Antagonisten.
Warum versagen manche Fungizid-Behandlungen trotz vorschriftsmäßiger Anwendung?
Häufig liegt dies an einer unzureichenden Benetzung der Strunkbasis. Da S. minor vom Boden her infiziert, müssen Pflanzenschutzmittel mit einer hohen Aufwandmenge an Wasser (mindestens 600–1000 l/ha) und grobtropfig appliziert werden, um unter das dichte Blätterdach zu gelangen. Zudem kann eine beginnende Resistenz vorliegen, weshalb du Wirkstoffe der FRAC-Klassen konsequent rotieren solltest.
Kann ich befallene Ernterückstände einfach auf dem Feld unterpflügen?
Nein, das solltest du unbedingt vermeiden. Durch das Unterpflügen infizierter Kulturen verteilst du Millionen neuer, kleiner Sklerotien im gesamten Bodenprofil und erhöhst das Inokulumpotenzial für die Folgejahre massiv. Befallene Pflanzen sollten, wenn logistisch möglich, vorsichtig aus dem Bestand entfernt und unschädlich entsorgt werden.