Josta
Die Jostabeere (Ribes x nidigrolaria), im internationalen Handelsverkehr unter dem EPPO-Code RIBNG geführt, ist eine faszinierende Kreuzung aus der Schwarzen Johannisbeere, der Stachelbeere und der nordamerikanischen Kultur-Stachelbeere Ribes divaricatum. Diese in Deutschland gezüchtete Kultur vereint die besten Eigenschaften ihrer Elternarten: Sie ist absolut dornenlos, starkwüchsig und liefert charakteristisch säuerlich-aromatische, tiefschwarze Beeren mit einem bemerkenswert hohen Vitamin-C-Gehalt. Für den Erwerbsanbau ist sie aufgrund ihrer Robustheit und der hervorragenden Eignung für die maschinelle Ernte von anhaltendem Interesse.
Botanisch zeichnet sich die Kultur durch einen strauchartigen, ausladenden Wuchs aus, der Wuchshöhen von bis zu zwei Metern erreichen kann. Im Vergleich zu reinen Johannisbeeren treibt die Jostabeere im Frühjahr etwas später aus, was das Risiko von Spätfrostschäden an den Blüten deutlich minimiert. Die Erträge sind bei voll etablierten Sträuchern hoch und regelmäßig, sofern die Bestäubung durch Hummeln und Wildbienen gesichert ist. Da die Früchte fest am Strauch hängen und eine zähe Haut besitzen, weisen sie eine hervorragende Transport- und Lagerfähigkeit auf.
Bodenmanagement
Die Jostabeere stellt hohe Ansprüche an die Humusversorgung und bevorzugt mittelschwere, tiefgründige Böden mit guter Wasserführung. Da die Kultur ein Flachwurzler ist, solltest du auf eine intensive mechanische Bodenbearbeitung im Traufbereich verzichten, um Wurzelschäden zu vermeiden. Eine dauerhafte Mulchauflage oder das Einsäen von schwachwüchsigen Begrünungsmischungen in den Fahrgassen schützt den Boden vor Austrocknung und Erosion. Der Nährstoffbedarf ist mäßig; eine ausgewogene Düngung mit organischem Material im Spätwinter sowie eine gezielte Stickstoffgabe zum Austrieb sichern ein ausgeglichenes Triebwachstum. In trockenen Sommern ist eine Tröpfchenbewässerung während der Fruchtentwicklungsphase (BBCH 71–79) unerlässlich, um vorzeitigen Fruchtfall und Kleinfrüchtigkeit zu verhindern.
Schaderreger-Management
Obwohl die Jostabeere im Vergleich zu ihren Elternarten eine hohe natürliche Widerstandsfähigkeit besitzt, erfordert ein professioneller Anbau ein gezieltes Monitoring. Zu den wichtigsten Schaderregern gehören der Grauschimmel (Botrytis cinerea) an den Blüten und reifenden Früchten sowie Echte Mehltaupilze (Sphaerotheca spp.), die vor allem in feuchtwarmen Sommern die Triebspitzen schädigen können. Ein luftiger Schnitt der Sträucher sorgt für ein schnelles Abtrocknen des Laubs und minimiert das Infektionsrisiko für Pilze erheblich. Sollte ein chemischer Pflanzenschutz notwendig sein, sind zugelassene Pflanzenschutzmittel exakt nach den Vorgaben des BVL und unter Berücksichtigung der Wartezeiten anzuwenden. Zudem solltest du auf Schädlinge wie die Johannisbeergallmilbe achten, da diese Vektoren für Viruserkrankungen sein können und befallene Triebe konsequent herausgeschnitten werden müssen.
Sorten
Josta
Mittelfrüh (Mitte Juli)Sehr ertragreich bei voll etablierten Sträuchern, ca. 4–5 kg pro Strauch.
Resistent gegen: Amerikanischer Stachelbeermehltau, Johannisbeersäulenrost
Anfällig für: Blattfallkrankheit
Die erste und bekannteste Sorte, sehr robust gegen Frost und widerstandsfähig im Holz.
Jogranda
Spät (Ende Juli bis Anfang August)Hoher, aber oft etwas später einsetzender Ertrag.
Resistent gegen: Amerikanischer Stachelbeermehltau
Anfällig für: Grauschimmel
Hervorragend für den Frischverzehr geeignet, da die Beeren sehr groß und pflückfest sind. Wächst etwas kompakter.
Jostine
Mittelfrüh bis spätSehr hohe und regelmäßige Erträge im Erwerbsanbau.
Resistent gegen: Johannisbeergallmilbe, Amerikanischer Stachelbeermehltau
Anfällig für: Blattfallkrankheit
Besonders große Früchte mit ausgeprägtem Cassis-Aroma, sehr gut für die Saftindustrie geeignet. Aufrechter Wuchs.
Rikö
MittelfrühÜberdurchschnittlich hohe Erträge bei guter Wasserversorgung.
Resistent gegen: Amerikanischer Stachelbeermehltau, Johannisbeersäulenrost
Anfällig für: Trockenstress
Ungarische Züchtung, die etwas aufrechter wächst als die Sorte Josta, was die Pflege und Ernte erleichtert.
Wichtige Schaderreger
Zugelassene Pflanzenschutzmittel
Häufige Fragen
Wie schneide ich Jostabeeren im Erwerbsanbau richtig, um den Ertrag langfristig zu sichern?
Da die Kultur am zweijährigen und älteren Holz die besten Früchte trägt, solltest du einen regelmäßigen Verjüngungsschnitt durchführen. Entferne jährlich im Spätwinter (Januar oder Februar) etwa zwei bis drei der ältesten, stark verholzten Triebe direkt am Boden. Belasse stattdessen vitale einjährige Bodentriebe als Ersatz. Ziel ist ein luftiger Strauchaufbau mit maximal 8 bis 12 Haupttrieben, um Pilzinfektionen vorzubeugen und die maschinelle Ernte zu erleichtern.
Welche Rolle spielt das BBCH-Stadium bei der Bekämpfung von Botrytis cinerea?
Die kritischste Phase für Infektionen durch den Grauschimmel (Botrytis cinerea) liegt zwischen dem Beginn der Blüte (BBCH 61) und dem Ende der Blüte (BBCH 69). Wenn in diesem Zeitraum feuchte Witterung herrscht, solltest du vorbeugende Behandlungen einplanen. Spätere Anwendungen bei der Fruchtreife (BBCH 81–85) sind aufgrund der einzuhaltenden Wartezeiten der Pflanzenschutzmittel oft stark eingeschränkt oder nicht mehr zulässig.
Warum fallen bei meinen Jostabeeren kurz nach der Blüte viele junge Früchte ab?
Dieses Phänomen wird oft als 'Verrieseln' bezeichnet. Es tritt häufig auf, wenn während der Blütezeit (BBCH 61–69) kühle Temperaturen den Bienenflug behindern, was zu einer unzureichenden Bestäubung führt. Auch anhaltender Wassermangel oder Spätfröste direkt nach dem Fruchtansatz können diesen Stress auslösen. Achte daher auf eine ausreichende Humusversorgung und installiere bei Bedarf eine Frostschutzberegnung.
Wie kann ich die Johannisbeergallmilbe ohne chemische Pflanzenschutzmittel regulieren?
Da es gegen die Johannisbeergallmilbe im Erwerbsanbau nur sehr eingeschränkt zugelassene Pflanzenschutzmittel gibt, ist die mechanische Hygiene entscheidend. Du solltest im Spätwinter die Sträucher auf auffällig rundlich angeschwollene Knospen ('Rundknospen') kontrollieren. Schneide diese Triebe sofort tief ab und entsorge sie außerhalb der Anlage, um eine Ausbreitung im Frühjahr zu verhindern.
Eignet sich die Jostabeere für den Anbau auf sehr leichten, sandigen Standorten?
Auf reinen Sandböden stößt die Kultur schnell an ihre Grenzen, da sie sehr empfindlich auf Trockenstress reagiert. Wenn du sie dennoch auf leichteren Böden anbauen möchtest, musst du zwingend eine kontinuierliche Tröpfchenbewässerung installieren und den Boden im Pflanzstreifen intensiv mit organischem Material (z. B. Kompost oder Mulch) anreichen, um die Wasserhaltefähigkeit nachhaltig zu verbessern.
Wie finde ich im Portal die passenden Pflanzenschutzmittel für diese Kultur?
Da die Jostabeere rechtlich oft den Johannisbeeren oder dem Beerenobst allgemein zugeordnet wird, solltest du bei der Suche nach zugelassenen Mitteln im Hub auf die genauen Zulassungsbestimmungen des BVL achten. Nutze unsere Filterfunktion für Schaderreger wie Botrytis cinerea oder Echten Mehltau und prüfe in den Produktdetails, ob die Anwendung für 'Ribes-Arten' oder speziell für die Jostabeere freigegeben ist.