Kichererbse
Die Kichererbse (Cicer arietinum, EPPO-Code: CIEAR) gewinnt als Körnerleguminose im mitteleuropäischen Raum zunehmend an Bedeutung. Als wärmeliebende Kultur profitiert sie von den klimatischen Veränderungen und bietet eine hervorragende Möglichkeit zur Auflockerung getreidelastiger Fruchtfolgen. Durch die Symbiose mit Knöllchenbakterien der Gattung Mesorhizobium ciceri ist sie in der Lage, Luftstickstoff zu binden, was den Bedarf an mineralischem Stickstoffdünger minimiert und die Bodenfruchtbarkeit nachhaltig verbessert.
Für einen erfolgreichen Anbau sind gut durchlüftete, sich rasch erwärmende Böden entscheidend, da die Kultur empfindlich auf Staunässe und anhaltende Kälte reagiert. Die Kichererbse zeichnet sich durch eine hohe Trockenheitstoleranz aus, weshalb sie besonders für trockenheitsgefährdete Standorte eine wertvolle Alternative darstellt. Die Ernte erfolgt im Spätsommer, sobald die Hülsen trocken und die Samen hart sind.
Bodenmanagement
Die Kichererbse stellt hohe Ansprüche an die Bodenstruktur und bevorzugt tiefgründige, sandige Lehme oder humose Sandböden mit einem neutralen bis leicht basischen pH-Wert. Schwere, tonige Böden, die zu Staunässe neigen, sind für diese Kultur ungeeignet, da sie die Wurzelentwicklung hemmen und das Risiko für Fußkrankheiten drastisch erhöhen. Eine sorgfältige mechanische Grundbodenbearbeitung im Herbst fördert die Bodengare und sichert ein feinkrümeliges Saatbett im Frühjahr. Da die Kultur im frühen Stadium eine langsame Jugendentwicklung aufweist, ist ein gut abgesetztes Saatbett zur optimalen Wasserführung essenziell. Eine gezielte Beimpfung des Saatguts mit spezifischen Mesorhizobium-Präparaten ist auf Standorten ohne historischen Kichererbsenanbau zwingend erforderlich, um eine effektive Stickstofffixierung zu gewährleisten.
Schaderreger-Management
Der Pflanzenschutz bei Kichererbsen konzentriert sich primär auf die Vorbeugung von Pilzkrankheiten und die Regulierung von Unkräutern in der kritischen Jugendphase. Besonders Botrytis cinerea und die Ascochyta-Brennfleckenkrankheit können bei feucht-warmer Witterung erhebliche Ertragseinbußen verursachen, weshalb eine weite Fruchtfolge von mindestens 4 bis 5 Jahren eingehalten werden sollte. Da nur wenige chemische Pflanzenschutzmittel für diese Kultur zugelassen sind, kommt der mechanischen Unkrautregulierung mittels Striegel und Hacke eine zentrale Bedeutung zu. Gegen ausdauernde Ungräser wie die Gemeine Quecke (Elymus repens) müssen gezielte Maßnahmen bereits in der Vorsaat oder in der Vorfrucht durchgeführt werden. Ein regelmäßiges Monitoring ab dem BBCH-Stadium 15 hilft dir, Schaderreger frühzeitig zu erkennen und rechtzeitig mechanische oder chemische Anwendungen einzuleiten.
Sorten
Amethyst
mittelfrühKonstant hohe Erträge von ca. 2,0–2,8 t/ha unter trockenen Bedingungen.
Resistent gegen: Lagerung
Anfällig für: Ascochyta-Brennfleckenkrankheit
Sehr bewährte Kabuli-Sorte mit aufrechtem Wuchs und guter Standfestigkeit, ideal für den mitteleuropäischen Raum.
Flamenco
mittelspätErtragreich auf warmen Standorten, ca. 2,2–3,0 t/ha.
Anfällig für: Spätfröste, Staunässe
Großkörnige Kabuli-Kichererbse mit gutem Ansatz der ersten Hülse, was die Druschverluste minimiert.
Anka
früh bis mittelfrühStabile Erträge um 1,8–2,5 t/ha auch in kürzeren Vegetationsperioden.
Resistent gegen: Kälte in der Jugendphase
Anfällig für: Botrytis cinerea
Frühreife Sorte, die sich besonders für kühlere Übergangslagen in Süd- und Mitteldeutschland eignet.
Heela
mittelfrühDurchschnittlich 2,0–2,6 t/ha bei guter Wasserversorgung im Frühjahr.
Resistent gegen: Ascochyta-Brennfleckenkrankheit
Anfällig für: Spätverunkrautung
Robuste Sorte mit rascher Jugendentwicklung, die eine mechanische Unkrautregulierung erleichtert.
Wichtige Schaderreger
Zugelassene Pflanzenschutzmittel
Häufige Fragen
Wie impfe ich das Saatgut der Kichererbse richtig und warum ist das notwendig?
Da unsere heimischen Böden von Natur aus keine Knöllchenbakterien der Art Mesorhizobium ciceri enthalten, musst du das Saatgut vor der Aussaat zwingend mit einem passenden Impfmittel behandeln. Trage das Präparat idealerweise unmittelbar vor dem Befüllen der Sämaschine im Schatten auf, da die Bakterien extrem empfindlich gegenüber UV-Strahlung und Austrocknung sind. Ohne diese Impfung kann die Kultur keinen Luftstickstoff fixieren, was zu Kümmerwuchs und massiven Ertragseinbußen führt.
Welche mechanischen Maßnahmen eignen sich am besten zur Unkrautregulierung?
Aufgrund der langsamen Jugendentwicklung ist die Kichererbse stark konkurrenzschwach. Du kannst vor dem Auflaufen (Blindstriegeln) und ab dem 3-Blatt-Stadium (BBCH 13) einen Zinkenstriegel einsetzen, wobei du in den Nachmittagsstunden bei schlaffen Pflanzen arbeiten solltest, um Gewebeschäden zu minimieren. Ab einer Reihenweite von 30 cm ist zudem der Einsatz einer Hacke zwischen den Reihen bis kurz vor dem Reihenschluss hochgradig effektiv.
Wie erkenne ich den optimalen Erntezeitpunkt bei ungleichmäßiger Abreife?
Kichererbsen reifen oft ungleichmäßig von unten nach oben ab. Orientiere dich für den Drusch an den mittleren und oberen Hülsen: Wenn die Samen in den Hülsen beim Schütteln rascheln und sich mit dem Fingernagel nicht mehr eindrücken lassen, ist der optimale Zeitpunkt erreicht. Warte nicht zu lange auf die vollständige Abreife der allerletzten Nachzügler, da sonst das Risiko für Ausfallgetreide und Pilzinfektionen an den bereits reifen Hülsen steigt.
Wie vermeide ich Ernteverluste durch tief hängende Hülsen beim Mähdrusch?
Da die untersten Hülsen der Kichererbse oft sehr nah am Boden wachsen, musst du das Schneidwerk deines Mähdreschers extrem tief führen. Ein ebenes, steinfreies Saatbett und das Anwalzen nach der Saat sind dafür Grundvoraussetzungen. Verwende am Mähdrescher idealerweise flexible Schneidwerke (Flex-Schneidwerke) und stelle die Haspel sehr schonend ein, um ein vorzeitiges Aufplatzen der trockenen Hülsen zu verhindern.
Wie gehe ich vor, wenn nach der Ernte ein hoher Besatz mit der Gemeinen Quecke festgestellt wird?
Gegen hartnäckige Schaderreger wie die Gemeine Quecke (Elymus repens) solltest du direkt nach der Ernte eine flache Stoppelbearbeitung durchführen, um die Rhizome freizulegen und zum Austrocknen zu bringen. Eine anschließende tiefe Bodenbearbeitung oder der gezielte Anbau einer schnellwüchsigen Zwischenfrucht (wie Senf oder Ölrettich) unterdrückt den Wiederaustrieb und bereitet das Feld optimal auf die Folgekultur vor.
Wo finde ich zugelassene Pflanzenschutzmittel für die Kichererbse in der App?
Navigiere im Portal einfach zum Bereich 'Pflanzenschutzmittel' und filtere gezielt nach der Kultur 'Kichererbse' (oder dem EPPO-Code CIEAR). Dort werden dir alle aktuell in deinem Land zugelassenen Anwendungen gegen relevante Schaderreger wie Botrytis cinerea angezeigt, inklusive der exakten Aufwandmengen, einzuhaltenden Wartezeiten und den vorgeschriebenen BBCH-Stadien.