Kichererbse
Die Kichererbse (Cicer arietinum, EPPO-Code: CIEAR) gewinnt als wärmeliebende Körnerleguminose im Zuge des Klimawandels auch in Mitteleuropa zunehmend an Bedeutung. Als trockenheitstolerante Kultur eignet sie sich besonders für leichte bis mittlere Standorte mit geringen Niederschlägen im Sommer. Die Symbiose mit spezifischen Knöllchenbakterien ermöglicht eine biologische Stickstofffixierung, was diese Kultur für ressourcenschonende Fruchtfolgen prädestiniert.
Für einen erfolgreichen Anbau sind ein rasches Abtrocknen des Bestandes und eine gute Durchlüftung essenziell, da die Kultur empfindlich auf Staunässe und anhaltend feuchte Witterung reagiert. Hauptschadursachen im mitteleuropäischen Raum sind Pilzkrankheiten wie die Ascochyta-Brennfleckenkrankheit und Grauschimmel (Botrytis cinerea), die bei feuchtem Mikroklima ertragsentscheidende Schäden verursachen können.
Bodenmanagement
Die Kichererbse stellt hohe Ansprüche an die physikalische Bodenstruktur und bevorzugt tiefgründige, gut durchlüftete Böden mit einem pH-Wert im neutralen bis schwach alkalischen Bereich. Staunässe und schwere, kalte Tonböden müssen unbedingt vermieden werden, da sie die Wurzelentwicklung hemmen und die Ausbreitung von Fußkrankheiten begünstigen. Da die Kultur in Symbiose mit dem spezifischen Bakterium Mesorhizobium ciceri lebt, ist bei Erstanzucht auf der Fläche eine Saatgutimpfung zwingend erforderlich. Die Bodenbearbeitung sollte im Frühjahr bodenschonend und flach erfolgen, um ein feinkrümeliges, rückverfestigtes Saatbett zu schaffen, das einen gleichmäßigen Feldaufgang sichert. Eine moderate Phosphor- und Kalidüngung im Frühjahr unterstützt die Wurzel- und Knöllchenbildung, während auf eine Stickstoffdüngung in der Regel verzichtet werden kann.
Schaderreger-Management
Der integrierte Pflanzenschutz bei der Kichererbse konzentriert sich primär auf die Unkrautregulierung und die Vermeidung von Pilzinfektionen. Da die Jugendentwicklung der Kultur relativ langsam verläuft, ist eine konsequente Unkrautbekämpfung, insbesondere gegen ausdauernde Ungräser wie die Gemeine Quecke (Elymus repens), im Vorauflauf oder durch mechanische Hackmaßnahmen entscheidend. Gegen den Erreger der Brennfleckenkrankheit (Ascochyta rabiei) und Grauschimmel (Botrytis cinerea) müssen vorbeugende pflanzenbauliche Maßnahmen wie weite Fruchtfolgen und die Wahl toleranter Sorten ergriffen werden. Ein chemischer Pflanzenschutzmittel-Einsatz mit Fungiziden ist in feuchten Jahren ab der Blütezeit (BBCH 51–69) sorgfältig abzuwägen, um den Ertrag abzusichern. Zudem sollte der Bestand regelmäßig auf Schädlinge wie die Baumwoll-Kapseleule kontrolliert werden, deren Larven die Hülsen schädigen können.
Sorten
Amethyst
früh bis mittelfrühKonstant mittlere bis hohe Erträge (ca. 1,8–2,4 t/ha) unter trockenen Bedingungen.
Resistent gegen: Trockenheit, Lagerung
Anfällig für: Staunässe, Ascochyta-Brennfleckenkrankheit
Eine der bewährtesten Kabuli-Sorten für den mitteleuropäischen Raum mit gleichmäßiger Abreife und gutem Stand.
Flamenco
mittelfrüh bis mittelspätHohes Ertragspotenzial auf besseren Standorten bei ausreichender Wärme.
Resistent gegen: Lagerung
Anfällig für: Grauschimmel
Großkörniger Kabuli-Typ mit aufrechtem Wuchs und sehr guter Eignung für die Humanernährung.
Balkan
mittelfrühStabile Erträge auch in klimatischen Randlagen des Kichererbsenanbaus.
Resistent gegen: Kälte
Anfällig für: Ascochyta-Brennfleckenkrankheit
Sehr robuste Sorte, die sich durch eine gute Kältetoleranz in der Jugendphase auszeichnet.
Wichtige Schaderreger
Zugelassene Pflanzenschutzmittel
Häufige Fragen
Warum ist die Inokulation des Saatguts mit Rhizobien bei der Kichererbse so kritisch?
Da der spezifische Knöllchenbakterienstamm Mesorhizobium ciceri in mitteleuropäischen Böden nicht natürlich vorkommt, ist eine künstliche Impfung des Saatguts unmittelbar vor der Aussaat zwingend erforderlich. Ohne diese Symbiose kann die Kultur keinen Luftstickstoff fixieren, was zu starkem Stickstoffmangel, kümmerlichem Wuchs und drastischen Ertragseinbußen führt.
Wie tolerant reagiert die Kichererbse auf Spätfröste nach dem Auflaufen?
Junge Kichererbsenpflanzen im BBCH-Stadium 10–13 tolerieren kurzzeitige Frostperioden von bis zu -6 °C bis -8 °C relativ gut. Dennoch verzögert anhaltende Kälte die Jugendentwicklung erheblich und erhöht das Risiko für bodenbürtige Fußkrankheiten, weshalb die Aussaat erst bei einer Bodentemperatur von konstant über 8 °C erfolgen sollte.
Welche Besonderheiten gelten bei der chemischen Unkrautbekämpfung in Kichererbsen?
Die Kichererbse reagiert äußerst empfindlich auf viele gängige Nachauflauf-Herbizide, weshalb die Zulassungssituation in Deutschland stark eingeschränkt ist. Die Unkrautregulierung muss daher primär im Vorauflauf unmittelbar nach der Saat oder mechanisch durch Striegeln und Hacken erfolgen, wobei mechanische Maßnahmen flach durchgeführt werden müssen, um die flach verlaufenden Seitenwurzeln nicht zu beschädigen.
Wie wird der optimale Erntezeitpunkt beim Drusch der Kichererbse bestimmt?
Die Druschreife ist erreicht, wenn die Hülsen trocken und braun gefärbt sind und die Samen beim Schütteln in der Hülse rascheln (BBCH-Stadium 89). Die Kornfeuchte sollte idealerweise zwischen 14 % und 16 % liegen; zu trockene Körner unter 12 % führen beim Drusch zu hohem Bruchkornanteil, während feuchtere Bestände aufwendig nachgetrocknet werden müssen.
Welche Fruchtfolgeauflagen müssen beim Anbau von Kichererbsen beachtet werden?
Zur Vermeidung von bodenbürtigen Schaderregern, insbesondere Ascochyta rabiei und Fusarium-Arten, muss eine strikte Anbaupause von mindestens 4 bis 5 Jahren zu anderen Leguminosen wie Erbsen, Linsen oder Ackerbohnen eingehalten werden. Als Vorfrüchte eignen sich Getreidearten hervorragend, da sie den Boden unkrautfrei hinterlassen und keine gemeinsamen Krankheiten übertragen.