Markstammkohl
Markstammkohl (Brassica oleracea var. medullosa, EPPO-Code: BRSOM) ist eine traditionsreiche und äußerst ertragreiche zweijährige Kultur, die in der Landwirtschaft vor allem als hochwertiges Saftfutter für die Winterfütterung sowie im Zwischenfruchtanbau geschätzt wird. Charakteristisch für diese Kultur ist der massiv verdickte, fleischige Stängel, der als hocheffizienter Speicher für leicht verdauliche Kohlenhydrate und Proteine dient. Dank seiner tiefreichenden Pfahlwurzel trägt der Markstammkohl zudem hervorragend zur biologischen Bodenlockerung und zur Nährstoffkonservierung über den Winter bei.
Die Kultur stellt vergleichsweise geringe Ansprüche an das Klima, benötigt für Höchsterträge jedoch eine kontinuierliche Wasserversorgung und nährstoffreiche Standorte. Da Markstammkohl sehr frosthart ist und Temperaturen von bis zu -15 °C problemlos übersteht, erstreckt sich die Ernte- und Nutzungsperiode meist weit in die Wintermonate hinein. Im ersten Standjahr verbleibt die Kultur in der vegetativen Phase und bildet die wertvolle Biomasse, während die generative Phase mit Blüten- und Samenbildung erst nach einer entsprechenden Vernalisation im zweiten Jahr einsetzt.
Bodenmanagement
Markstammkohl benötigt für ein optimales Wachstum tiefgründige, mittelschwere bis schwere Böden mit guter Wasserführung, da die Kultur einen hohen Transpirationskoeffizienten besitzt. Eine sorgfältige Grundbodenbearbeitung im Herbst oder zeitigen Frühjahr ist entscheidend, um Verdichtungen zu lösen und der tiefreichenden Pfahlwurzel den Weg zu ebnen. Aufgrund des hohen Nährstoffbedarfs, insbesondere an Stickstoff und Kalium, empfiehlt sich eine organische Düngung mit Gülle oder Stallmist vor der Saat. Achte darauf, den pH-Wert durch gezielte Kalkung im neutralen Bereich zu halten, um das Risiko von Kohlhernie zu minimieren. Eine gleichmäßige Rückverfestigung des Saatbettes sichert den kapillaren Wasseranschluss für einen homogenen Feldaufgang.
Schaderreger-Management
Im integrierten Pflanzenschutz steht die Abwehr von typischen Kreuzblütler-Schaderregern im Vordergrund, wobei Erdflohbefall im Keimlingsstadium die erste kritische Phase darstellt. Gegen auflaufende Unkräuter und insbesondere die Gemeine Quecke müssen gezielte Herbizid-Anwendungen eingeplant werden, um eine frühe Verunkrautung und Ertragsverluste zu verhindern. Während des intensiven Massenwachstums im Sommer solltest du die Bestände regelmäßig auf Kohlweißling, Kohlschabe und die Mehlige Kohlblattlaus kontrollieren. Eine weite Fruchtfolge von mindestens vier bis fünf Jahren zu anderen Brassicaceen ist zwingend erforderlich, um bodenbürtige Krankheiten wie Kohlhernie effektiv zu unterdrücken. Beim Einsatz von Pflanzenschutzmitteln sind die jeweiligen Wartezeiten und die zugelassenen BBCH-Stadien gemäß den aktuellen BVL-Vorgaben strikt einzuhalten.
Sorten
Pavla
MittelfrühKonstant hohe Erträge an verdaulicher Trockenmasse.
Resistent gegen: Echter Mehltau
Anfällig für: Kohlhernie
Zeichnet sich durch einen besonders markigen, weichen Stängel aus, der vom Vieh sehr gut angenommen wird.
Boma
MittellatSehr hoher Frisch- und Trockenmasseertrag mit hohem Blattanteil.
Resistent gegen: Winterfrost
Anfällig für: Kohlhernie, Erdflöhe
Bewährte, blattreiche Sorte mit hervorragender Standfestigkeit und hoher Futterqualität.
Inka
SpätSehr hoher Gesamtertrag bei später Nutzung im Winter.
Resistent gegen: Winterfrost
Anfällig für: Kohlhernie, Kohlmotte
Hervorragend als Wintersteher geeignet, behält die Blätter auch bei starkem Frost sehr lange.
Keeper
SpätStabile Erträge auch unter trockeneren Spätsommerbedingungen.
Resistent gegen: Winterfrost, Lagerung
Anfällig für: Kohlhernie
Züchtung mit verbesserter Frosttoleranz und hoher Standfestigkeit für die späte Winterfütterung.
Wichtige Schaderreger
Zugelassene Pflanzenschutzmittel
Häufige Fragen
Wie bekämpfst du die Gemeine Quecke (Elymus repens) im Markstammkohl am besten?
Da die Gemeine Quecke (EPPO-Code: AGRRE) die Kultur besonders im empfindlichen Jugendstadium stark unterdrücken kann, solltest du vorzugsweise auf eine mechanische Vorbereitung des Saatbettes setzen. Reicht dies nicht aus, stehen dir im Rahmen des integrierten Pflanzenschutzes spezifische Gräserherbizide zur Verfügung, die im Nachauflaufverfahren angewendet werden können. Achte darauf, die Behandlung im BBCH-Stadium 12 bis 14 der Kultur durchzuführen, wenn die Quecke genügend Blattmasse zur Wirkstoffaufnahme gebildet hat.
Warum ist das BBCH-Stadium 30 bis 39 so entscheidend für die spätere Futterqualität?
In dieser Phase des Schossens und der Stängelstreckung entscheidet sich die Struktur und Schmackhaftigkeit des Markes. Eine ausgewogene Versorgung mit Stickstoff und Schwefel in diesem Zeitraum fördert die Zellteilung im Stängelinneren. Wassermangel in diesen BBCH-Stadien führt zu einer vorzeitigen Verholzung der äußeren Stängelschichten, was die Verdaulichkeit für das Vieh drastisch reduziert.
Wie verhältst du dich bei akutem Erdflohbefall direkt nach dem Auflaufen der Kultur?
Kontrolliere deine Bestände ab dem Keimblattstadium (BBCH 09 bis 10) täglich, besonders bei warmer und trockener Witterung. Sobald der wirtschaftliche Schadensschwellenwert von ca. 10 % zerstörter Blattfläche überschritten ist, solltest du eine zugelassene Insektizid-Anwendung mit einem Pyrethroid in Erwägung ziehen. Achte auf eine feintropfige Benetzung, um die Schaderreger direkt zu erfassen.
Welche Fruchtfolgemaßnahmen musst du zur Vermeidung von Kohlhernie beachten?
Da der Erreger der Kohlhernie extrem langlebige Dauersporen im Boden bildet, musst du eine strikte Anbaupause von mindestens 4 bis 5 Jahren zu allen anderen Kreuzblütlern einhalten. Vermeide zudem den Anbau auf staunassen Flächen und führe regelmäßig eine Erhaltungskalkung durch, da ein hoher Boden-pH-Wert von über 6,8 die Keimung der Sporen nachweislich hemmt.
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