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Kultur

Markstammkohl

Brassica oleracea var. medullosa
BRSOM

Markstammkohl (Brassica oleracea var. medullosa, EPPO-Code: BRSOM) ist eine traditionsreiche, zweijährige Kultur aus der Familie der Kreuzblütler (Brassicaceae), die primär als saftreiches Winterfutter für Wiederkäuer sowie im Wildackerschutz angebaut wird. Charakteristisch ist der stark verdickte, markhaltige Stängel, der zusammen mit den proteinreichen Blättern einen hohen Futterwert aufweist. Die Kultur zeichnet sich durch eine hervorragende Frosthärte aus, wodurch sie bis weit in den Winter hinein frisch geerntet oder direkt abgeweidet werden kann.

Im modernen Pflanzenbau schätzt man den Markstammkohl zudem wegen seiner tiefen Durchwurzelung und der damit verbundenen positiven Wirkung auf das Bodengefüge. Er eignet sich hervorragend als Zwischenfrucht zur Stickstoffkonservierung über Winter. Die Kultur stellt mittlere bis hohe Ansprüche an die Wasserversorgung und gedeiht besonders gut auf tiefgründigen, nährstoffreichen Böden mit stabiler Wasserführung.

Aussaat-/Pflanzzeitraum
Mitte April bis Ende Juni (Hauptfrucht) oder bis Ende Juli (Zwischenfrucht)
Erntefenster
Oktober bis Februar
Reihenabstand
40–50 cm (Einzelkornsaat) oder 15–25 cm (Drillsaat)
Typischer Ertrag
60–90 t/ha Frischmasse
Wärmesumme (GDD)
1800
Boden-pH
6,2–7,5

Bodenmanagement

Markstammkohl benötigt für eine optimale Jugendentwicklung ein tiefgründig gelockertes, gut abgesetztes Saatbett mit feinkrümeliger Struktur im Oberboden. Da die Kultur ein hohes Nährstoffaneignungsvermögen besitzt, profitiert sie stark von einer organischen Düngung mit Gülle oder Stallmist im zeitigen Frühjahr. Eine ausreichende Versorgung mit Stickstoff (ca. 150–200 kg N/ha inklusive Boden-Nmin) und Kalium ist für den Aufbau der enormen Biomasse und des markigen Stängels essenziell. Auf sauren Standorten ist eine kalkende Gesundungsmelioration zwingend erforderlich, um das Risiko von bodenbürtigen Schaderregern zu minimieren. Zudem sollte auf eine ausgeglichene Bor-Versorgung geachtet werden, da Bormangel zu Herzfäule und hohlen Stängeln führt.

Schaderreger-Management

Der integrierte Pflanzenschutz im Markstammkohl fokussiert sich stark auf die Vorbeugung von Kohlhernie (Plasmodiophora brassicae), weshalb eine strikte Fruchtfolge von mindestens 4 bis 5 Jahren zu anderen Kreuzblütlern eingehalten werden muss. Im frühen BBCH-Stadium (Keimblattentwicklung) stellen Erdflöhe eine erhebliche Bedrohung dar, die durch mechanische Bodenpflege oder den gezielten Einsatz zugelassener Pflanzenschutzmittel kontrolliert werden müssen. Gegen grasartige Schaderreger wie die Kriechende Quecke (Elymus repens) kommen selektive Graminizide im Nachauflauf zum Einsatz, um eine Überwachsung der Kultur zu verhindern. Später im Jahr erfordern die Mehlige Kohlblattlaus und Raupen des Kohlweißlings eine regelmäßige Befallsüberwachung. Krankheiten wie Echter Mehltau oder die Kohlhernie selbst werden primär durch die Sortenwahl und weite Fruchtfolgen reguliert.

Sorten

Grüner Ring

Mittelspät

Sehr hoher Frischmasse- und Proteinertrag.

Resistent gegen: Winterfrost

Anfällig für: Kohlhernie

Sehr bewährte, winterharte Sorte mit hohem Blattanteil und gutem Stängelmark.

Pavla

Mittelfrüh

Hoher Blattanteil mit exzellenter Verdaulichkeit.

Resistent gegen: Lagerung

Anfällig für: Echter Mehltau

Robuste Sorte mit rascher Jugendentwicklung, ideal für den späten Zwischenfruchtanbau.

Polyca

Mittelspät

Spitzenerträge im Trockenmassebereich.

Resistent gegen: Lagerung, Winterfrost

Anfällig für: Kohlhernie

Tetraploide Sorte mit dicken, sehr markreichen Stängeln und hoher Standfestigkeit.

Angra

Mittelspät

Stabile, mittelhohe Erträge mit hoher Futterqualität.

Resistent gegen: Winterfrost

Anfällig für: Kohlblattlaus

Sehr blattreiche Sorte mit guter Winterhärte, hervorragend für die späte Beweidung geeignet.

Wichtige Schaderreger

Zugelassene Pflanzenschutzmittel

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Häufige Fragen

Wie lässt sich die Kriechende Quecke (Elymus repens) im Markstammkohl-Bestand effektiv regulieren?

Die Regulierung der Kriechenden Quecke (Elymus repens) erfolgt im Nachauflaufverfahren, sobald der Schaderreger ausreichend Blattmasse gebildet hat (meist ab dem 3-Blatt-Stadium). Hierzu können selektive Graminizide eingesetzt werden, deren Anwendung bei wüchsigem Wetter erfolgen sollte, um den systemischen Transport des Wirkstoffs in die Rhizome zu maximieren. Mechanische Maßnahmen wie das Hacken zwischen den Reihen unterstützen die chemische Behandlung wirksam und fördern gleichzeitig die Mineralisierung im Boden.

Welche Bedeutung hat der pH-Wert des Bodens speziell für den Anbau von Markstammkohl?

Ein optimaler pH-Wert von über 6,5 ist die wichtigste präventive Maßnahme gegen die Kohlhernie (Plasmodiophora brassicae), einen verheerenden bodenbürtigen Schaderreger. In sauren Böden keimen die Dauersporen des Pilzes deutlich leichter aus und infizieren das Wurzelsystem der Kultur. Eine gezielte Kalkung vor dem Anbau stabilisiert die Bodenstruktur und senkt das Infektionsrisiko signifikant.

Wann ist der optimale Zeitpunkt für eine Stickstoffdüngung bei dieser Kultur?

Die Stickstoffdüngung sollte aufgeteilt werden: Etwa zwei Drittel der geplanten Aufwandmenge werden zur Saat als Unterfußdüngung oder direkt davor ausgebracht, um die Jugendentwicklung zu sichern. Das restliche Drittel wird als Kopfdüngung im BBCH-Stadium 14 bis 16 (4- bis 6-Blatt-Stadium) appliziert, kurz bevor sich die Reihen schließen und das intensive Längenwachstum des Stängels einsetzt.

Wie wirkt sich Bormangel auf die Qualität des Markstammkohls aus und wie beugt man vor?

Bormangel führt bei Markstammkohl zu braunen Verfärbungen im Stängelmark, Geweberissen und letztlich zu hohlen Stängeln (Herzfäule). Dies mindert den Futterwert und erhöht die Frostempfindlichkeit drastisch. Vorbeugend sollte bei der Saat oder im frühen Nachauflauf (BBCH 14–18) eine Blattapplikation mit einem borhaltigen Pflanzenschutzmittel oder Dünger mit einer Aufwandmenge von 150 bis 300 g reinem Bor pro Hektar durchgeführt werden.

Kann Markstammkohl direkt auf der Weide genutzt werden (Portionsweide)?

Ja, die Kultur eignet sich hervorragend für die winterliche Portionsweide mit Rindern oder Schafen, da die Pflanzen sehr frosthart sind und das Futter saftig bleibt. Um Trittschäden und Futterverluste zu minimieren, sollte die Zuteilung täglich über einen Elektrozaun gesteuert werden. Die Tiere fressen zuerst die proteinreichen Blätter und nagen anschließend das energiereiche Stängelmark aus.

Wie finde ich im Portal zugelassene Pflanzenschutzmittel gegen Schädlinge im Markstammkohl?

Da Markstammkohl artenrechtlich zu den Futterkohlen gehört, müssen Sie bei der Suche nach Pflanzenschutzmitteln im Hub gezielt nach Anwendungen für 'Futterkohle' oder 'Gemüse- und Futterkohle' filtern. Achten Sie penibel auf die spezifischen Anwendungsbestimmungen und die gesetzlich vorgeschriebene Wartezeit (PHI), da diese je nach Nutzung (Frischfütterung vs. Silierung) variieren kann.