Rotklee
Rotklee (Trifolium pratense), im internationalen Handel oft unter dem EPPO-Code TRFPR geführt, ist eine der bedeutendsten großkörnigen Leguminosen im mitteleuropäischen Acker- und Futterbau. Als ausdauernde, zwei- bis mehrjährige Kultur spielt er eine Schlüsselrolle bei der biologischen Stickstofffixierung durch die Symbiose mit Knöllchenbakterien (Rhizobien). Dies macht ihn zu einem unverzichtbaren Bestandteil vielseitiger Fruchtfolgen, insbesondere im ökologischen Landbau sowie in integrierten Anbausystemen zur nachhaltigen Verbesserung der Bodenstruktur und Humusbildung.
Neben seiner hervorragenden Vorfruchtwirkung liefert der Wiesenklee proteinreiches, qualitativ hochwertiges Grundfutter für die landwirtschaftliche Nutztierhaltung. Die Kultur stellt mittlere bis hohe Ansprüche an die Wasserversorgung und gedeiht besonders gut auf mittelschweren bis schweren Böden. Durch seine tiefreichende Pfahlwurzel trägt er maßgeblich zur Erschließung tieferer Bodenschichten und zur Erosionsminderung bei, reagiert jedoch empfindlich auf anhaltende Staunässe sowie ausgeprägte Trockenperioden.
Bodenmanagement
Für einen erfolgreichen Anbau von Rotklee ist ein gut rückverfestigtes, feinkrümeliges Saatbett entscheidend, um den optimalen Bodenschluss für die feinen Samen zu gewährleisten. Die Kultur bevorzugt tiefgründige, nährstoffreiche Lehm- und Tonböden mit einer ausgeglichenen Wasserführung. Da Rotklee sehr empfindlich auf Bodenversauerung reagiert, sollte der pH-Wert vor der Aussaat durch eine gezielte Erhaltungskalkung im optimalen Bereich stabilisiert werden. Eine direkte Stickstoffdüngung ist aufgrund der symbiontischen Stickstofffixierung nicht erforderlich; stattdessen steht eine bedarfsgerechte Versorgung mit Phosphor, Kalium und Schwefel im Vordergrund. Um Bodenverdichtungen zu vermeiden, die das Wurzelwachstum und die Knöllchenbildung hemmen, sind bodenschonende Bearbeitungsverfahren und angepasste Befahrungszeitpunkte zwingend einzuhalten.
Schaderreger-Management
Der integrierte Pflanzenschutz im Rotklee fokussiert sich stark auf vorbeugende pflanzenbauliche Maßnahmen, insbesondere die Einhaltung einer mindestens vierjährigen Anbaupause zur Vermeidung von Kleemüdigkeit. Zu den bedeutendsten pilzlichen Schaderregern gehört der Kleekrebs (Sclerotinia trifoliorum), dessen Ausbreitung durch weite Fruchtfolgen und den Anbau resistenter, vorzugsweise tetraploider Sorten minimiert wird. Gegen tierische Schädlinge wie den Kleestängelrüssler oder Stängelälchen stehen im Grünland- und Feldfutterbau nur sehr begrenzt chemische Pflanzenschutzmittel zur Verfügung, weshalb der mechanischen Unkrautregulierung im frühen BBCH-Stadium eine hohe Bedeutung zukommt. Eine gezielte Bekämpfung von Problemunkräutern wie der Gemeinen Quecke (Elymus repens) muss bereits in der Vorfrucht oder durch eine sorgfältige Stoppelbearbeitung erfolgen. Regelmäßige Feldbegehungen zur Befallsüberwachung sichern den rechtzeitigen Schnitt der Kultur, was oft die effektivste Maßnahme zur Eindämmung von Blattkrankheiten wie Mehltau darstellt.
Sorten
Milvus
mittelspätHoher bis sehr hoher Gesamtertrag über alle Schnitte hinweg.
Resistent gegen: Kleekrebs, Südlicher Stängelbrenner
Anfällig für: Echter Mehltau
Sehr ausdauernde diploide Sorte mit hervorragender Winterhärte und guter Ausdauer im zweiten Hauptnutzungsjahr.
Titus
mittelfrühSehr hoher Ertrag im ersten Schnitt, gute Nachwuchsleistung.
Resistent gegen: Kleekrebs, Echter Mehltau
Anfällig für: Lagerung
Wüchsige tetraploide Sorte, die sich durch eine schnelle Jugendentwicklung und ein hohes Massenwachstum im ersten Aufwuchs auszeichnet.
Larus
mittelHervorragender Trockenmasseertrag mit sehr hohem Rohproteinanteil.
Resistent gegen: Kleekrebs
Anfällig für: Stängelälchen
Spitzen-Sorte für den mehrjährigen Feldfutterbau mit exzellenter Futterqualität und hoher Konkurrenzkraft gegen Unkräuter.
Taifun
mittelKonstanter, ausgeglichener Ertrag über die gesamten Nutzungsjahre.
Resistent gegen: Südlicher Stängelbrenner
Anfällig für: Kleekrebs
Bewährte diploide Sorte mit dichter Bestandesstruktur, ideal für Klee-Gras-Gemische geeignet.
Global
mittelspätSehr hoher Gesamtertrag mit exzellenter Ausdauer im zweiten Nutzungsjahr.
Resistent gegen: Kleekrebs, Echter Mehltau
Anfällig für: Lagerung
Sehr ausdauernde tetraploide Sorte mit exzellenter Blattgesundheit und hoher Winterhärte.
Wichtige Schaderreger
Zugelassene Pflanzenschutzmittel
Häufige Fragen
Wie lässt sich das Risiko von Kleemüdigkeit in der Fruchtfolge effektiv minimieren?
Um der Kleemüdigkeit, die meist durch bodenbürtige Schaderreger wie Sclerotinia trifoliorum (Kleekrebs) oder Nematoden verursacht wird, vorzubeugen, muss eine strikte Anbaupause von mindestens 4 bis 6 Jahren zwischen Rotklee und anderen Leguminosen eingehalten werden. Zudem fördert eine tiefe Wendung des Bodens nach dem Umbruch den Abbau von Dauerkörpern (Sklerotien) im Boden.
Wann ist der optimale Zeitpunkt für den ersten Schnitt des Rotklees zur Futtergewinnung?
Der optimale Schnittzeitpunkt liegt zu Beginn des Knospenstadiums bis maximal zum Einsetzen der Blüte (BBCH-Stadium 51 bis 59). In dieser Phase ist der Kompromiss zwischen hohem Trockenmasseertrag und optimalem Rohproteingehalt sowie hoher Verdaulichkeit am besten. Ein späterer Schnitt führt zu einer schnellen Verholzung der Stängel und mindert die Futterqualität erheblich.
Welche Vorteile bieten tetraploide Rotkleesorten im Vergleich zu diploiden Sorten?
Tetraploide Sorten besitzen einen doppelten Chromosomensatz, was sich in größeren Blättern, einer höheren Konkurrenzkraft und einer besseren Widerstandsfähigkeit gegen Kleekrebs und echten Mehltau äußert. Sie sind zudem meist winterhärter und ausdauernder. Diploide Sorten hingegen zeichnen sich oft durch feinere Stängel, eine schnellere Abtrocknung im Feld und eine bessere Eignung für die Heubereitung aus.
Wie kann die Gemeine Quecke (Elymus repens) im Rotkleeanbau kontrolliert werden?
Da im stehenden Rotkleebestand kaum selektive Herbizide gegen einkeimblättrige Unkräuter zur Verfügung stehen, muss die Regulierung der Gemeinen Quecke primär im Vorfeld erfolgen. Eine intensive mechanische Stoppelbearbeitung nach der Vorfrucht zur Austrocknung der Rhizome oder der gezielte Einsatz von zugelassenen Graminiziden in der Vorfrucht sind entscheidend. Im Klee-Gras-Gemisch unterdrückt die hohe Konkurrenzkraft des Klees den Queckenwuchs zusätzlich.
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Welche Rolle spielt die Kalkung für die Knöllchenbakterien des Rotklees?
Die für die Stickstofffixierung verantwortlichen Rhizobien sind extrem empfindlich gegenüber niedrigen pH-Werten. Liegt der Boden-pH-Wert unter 6,0, wird die Aktivität und Vermehrung der Bakterien stark gehemmt, was zu einer mangelhaften Knöllchenbildung und somit zu Stickstoffmangel der Kultur führt. Eine Erhaltungskalkung vor der Aussaat sichert die Symbioseleistung ab.