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Sonstiger Schaderreger

Standfestigkeit

resistance to lodging
YSTAF

Die Standfestigkeit (EPPO-Code: YSTAF) beschreibt die Widerstandsfähigkeit einer Kultur gegen das Umknicken oder Umlegen der Stängel, ein Phänomen, das in der landwirtschaftlichen Praxis als Lagerung oder Lager bezeichnet wird. Dieses Problem tritt weltweit in intensiv geführten Ackerbausystemen auf und betrifft vor allem ertragsstarke Getreidearten wie Winterweizen (TRZAW) und Wintergerste (HORVW) sowie Winterraps (BRSNW). Eine unzureichende Standfestigkeit führt dazu, dass sich der Pflanzenbestand unter dem Einfluss von Wind, Regen oder hoher Stickstoffdüngung dauerhaft flach auf den Boden legt.

Die ökonomische Relevanz von Lager ist erheblich. Neben direkten Ertragsverlusten durch unvollständige Kornausbildung führt ein lagernder Bestand zu massiven Ernteerschwerungen, da die Mähdreschergeschwindigkeit stark reduziert werden muss. Zudem verschlechtern sich die Qualitätsmerkmale des Ernteguts drastisch, beispielsweise durch das gefürchtete Auskeimen der Körner in der Ähre (Zwiewuchs) oder verringerte Hektolitergewichte. Das feuchte Mikroklima im liegenden Bestand begünstigt zudem sekundäre Pilzinfektionen, was die Mykotoxinbelastung erhöht und die Trocknungskosten nach der Ernte in die Höhe treibt.

Typ
Sonstiger Schaderreger
EPPO-Code
YSTAF
Wirte
10 Kulturen
Verbreitung
Mangelnde Standfestigkeit und das daraus resultierende Lager sind in allen intensiv bewirtschafteten Ackerbauregionen der gemäßigten Klimazonen verbreitet, insbesondere in Mittel- und Westeuropa. In diesen Regionen führen die Kombination aus ertragsstarken Böden, intensiver Düngung und häufigen Sommerniederschlägen regelmäßig zu signifikanten wirtschaftlichen Schäden.

Biologie / Lebenszyklus

Da es sich bei mangelnder Standfestigkeit um ein mechanisch-physiologisches Problem und nicht um einen klassischen Schaderreger handelt, orientiert sich das Risiko eng an der Bestandesentwicklung im Saisonverlauf. Die kritische Phase beginnt mit dem Schossen der Kulturen im Frühjahr (ab BBCH 30), wenn die Internoden sich rasch strecken. Bei hoher Stickstoffverfügbarkeit und feucht-warmer Witterung bilden die Pflanzen lange, aber dünnwandige Zellen aus, was die Stabilität der Halmbasis schwächt. Das tatsächliche Lager tritt meist ab dem Ährenschieben (BBCH 51) bis hin zur Teigreife (BBCH 83) auf, wenn das Gewicht der Ähren oder Schoten zunimmt und sommerliche Starkregenereignisse oder Sturmböen die mechanische Belastungsgrenze der Halme überschreiten.

Bonitur

Das Monitoring zur Einschätzung des Lagerrisikos startet im zeitigen Frühjahr zu Beginn des Schossens (BBCH 30–32). Agronomen bewerten dabei die Bestandesdichte (Triebe/m²), die Stickstoffversorgung der Kultur sowie die sortenspezifische Anfälligkeit für Lager. Ein hohes Risiko und somit die Notwendigkeit einer Behandlung mit wachstumsregulierenden Pflanzenschutzmitteln ist gegeben, wenn sehr dichte Bestände auf eine hohe Stickstoffnachlieferung des Bodens treffen und die Wetterprognose für die Hauptwachstumsphase (BBCH 31–39) wüchsiges, feuchtes Wetter ankündigt.

Symptome

Das auffälligste Symptom im Feld ist das teilweise oder vollständige Umlegen des Pflanzenbestandes, oft in kreisförmigen Nestern oder großflächig über den gesamten Schlag verteilt. Beim sogenannten Halmlager knicken die Stängel knapp über dem Boden ab, während beim Wurzellager die gesamte Pflanze mitsamt der Wurzelkrone im aufgeweichten Boden den Halt verliert und umkippt. Im fortgeschrittenen Stadium zeigt sich ein ungeordnetes, verfilztes Lager, das die Lichtaufnahme der Blätter stark beeinträchtigt und zu einer ungleichmäßigen Abreife der Kultur führt.

Integriertes Management

Ein integriertes Management zur Sicherung der Standfestigkeit kombiniert pflanzenbauliche Maßnahmen mit dem gezielten Einsatz von Pflanzenschutzmitteln. Die wichtigste präventive Maßnahme ist die Sortenwahl, bei der gezielt standfeste Kulturen bevorzugt werden sollten. Eine angepasste Saatstärke verhindert zu dichte, instabile Bestände, während eine bedarfsgerechte, in mehrere Teilgaben aufgeteilte Stickstoffdüngung das übermäßige Längenwachstum der unteren Internoden bremst. Zur chemischen Regulierung werden in den sensiblen BBCH-Stadien 31 bis 39 Wachstumsregler eingesetzt, die hormonelle Prozesse (z. B. die Gibberellinsynthese) hemmen, um die Halme zu verkürzen und die Zellwände zu stärken. Um Schäden oder Unverträglichkeiten zu vermeiden, müssen die Anwendungen stets an die Witterung und den physiologischen Zustand der Kultur angepasst werden.

Wirtspflanzen

Zugelassene Pflanzenschutzmittel

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Häufige Fragen

Wie wird die Standfestigkeit (YSTAF) im Feld quantitativ bewertet?

Die Standfestigkeit bzw. das Ausmaß von Lager wird meist auf einer Skala von 1 (kein Lager) bis 9 (vollständiges Lager auf der gesamten Fläche) bonitiert. Diese Bonitur erfolgt idealerweise kurz vor der Ernte (BBCH 89–92), um den Einfluss von Sorte, Düngung und Wachstumsregler-Einsatz rückwirkend zu analysieren.

Welchen Einfluss hat die Stickstoffdüngung auf das Risiko von Lagerung?

Eine überzogene oder zu frühe Stickstoffgabe im Frühjahr (BBCH 25–30) fördert eine übermäßige Bestockung und führt zu langen, dünnwandigen Internoden an der Halmbasis. Dies reduziert die mechanische Stabilität der Halme drastisch, weshalb die Stickstoffgaben stets bedarfsgerecht gesplittet und an die Standfestigkeit der Sorte angepasst werden sollten.

Wann ist der optimale Zeitpunkt für den Einsatz von Wachstumsreglern in Wintergetreide?

Der Haupteinsatzbereich liegt in der Schossphase zwischen BBCH 31 (Einknotenstadium) und BBCH 39 (Fahnenblattstadium). Frühe Anwendungen (BBCH 31–32) kürzen und stärken die unteren, statisch wichtigsten Internoden, während späte Behandlungen (BBCH 37–39) vor allem das obere Halmsegment stabilisieren und ein Einknicken der Ähre verhindern.

Wie beeinflussen Witterungsbedingungen die Wirkung von Pflanzenschutzmitteln zur Wachstumsregulierung?

Wachstumsregler benötigen für eine optimale Wirkung wüchsiges Wetter mit Temperaturen über 8–10 °C und ausreichend Sonnenlicht, da sie aktiv in den Stoffwechsel der Kultur eingreifen. Bei Frostgefahr, anhaltender Trockenheit oder extremen Tag-Nacht-Temperaturschwankungen sollte von einer Behandlung abgesehen werden, um schwere Kulturschäden zu vermeiden.

Gibt es Unterschiede zwischen Halmlager und Wurzellager?

Ja, Halmlager entsteht durch das Biegen oder Brechen des Stängels aufgrund mangelnder Gewebestabilität. Wurzellager hingegen tritt auf, wenn der Boden durch starke Regenfälle stark aufgeweicht ist und die Wurzeln den mechanischen Hebelkräften des Windes nicht mehr standhalten, wodurch die gesamte Kultur mitsamt der Wurzelkrone umkippt.

Wie finde ich im Hub registrierte Pflanzenschutzmittel zur Verbesserung der Standfestigkeit?

Suchen Sie in der Datenbank gezielt nach dem Anwendungsbereich „Standfestigkeit“ oder dem EPPO-Code YSTAF. Filtern Sie die Ergebnisse nach Ihrer spezifischen Kultur (z. B. Winterraps oder Winterweizen) und achten Sie auf die zugelassenen BBCH-Stadien sowie die vorgeschriebenen Aufwandmengen und Wartezeiten.