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Sonstiger Schaderreger

Standfestigkeit

resistance to lodging
YSTAF

Die Standfestigkeit (EPPO-Code: YSTAF), im internationalen Kontext als "resistance to lodging" bezeichnet, beschreibt die Fähigkeit von Kulturen, während der gesamten Vegetationsperiode aufrecht auf dem Feld zu stehen. Ein Mangel an Standfestigkeit führt zu Lager (Halm- oder Wurzellager), was eines der bedeutendsten ertrags- und qualitätsmindernden Risiken im intensiven Ackerbau darstellt. Besonders betroffen sind Getreidearten wie Winterweizen, Wintergerste und Winterroggen sowie Raps (Brassica napus).

Tritt Lager auf, führt dies zu einer gestörten Nährstoff- und Wasserleitung in der Kultur, erschwert die Ernte massiv und erhöht das Risiko für Sekundärinfektionen durch Pilze. Die wirtschaftlichen Schäden entstehen nicht nur durch direkte Ertragsverluste von bis zu 40 %, sondern auch durch Qualitätsminderungen (z. B. verringertes Tausendkorngewicht, verminderte Fallzahl bei Backweizen) und deutlich höhere Trocknungskosten des Ernteguts.

Typ
Sonstiger Schaderreger
EPPO-Code
YSTAF
Wirte
10 Kulturen
Verbreitung
Das Risiko von Lagerschäden und mangelnder Standfestigkeit ist weltweit in allen intensiven Ackerbauregionen verbreitet, besonders in feucht-kühlen Klimazonen mit hoher Ertragserwartung und häufigen Sommergewittern.

Biologie / Lebenszyklus

Das Risiko für einen Verlust der Standfestigkeit baut sich kontinuierlich über die Vegetationsperiode auf und gipfelt meist in den späten Entwicklungsstadien vor der Ernte. In der frühen Schossphase (BBCH 30–32) entscheidet sich durch die Bestandesdichte und die Stickstoffverfügbarkeit, wie stabil die unteren Internodien ausgebildet werden. Ein übermäßiges Längenwachstum bei gleichzeitig dünnen Halmwänden schwächt die mechanische Belastbarkeit der Kultur. Sobald das Ähren- oder Schotenpaket an Gewicht zunimmt (ab BBCH 51) und ungünstige Witterungsereignisse wie Starkregen oder Sturmböen auftreten, knicken die Halme um (Halmlager) oder das Wurzelsystem verliert im aufgeweichten Boden den Halt (Wurzellager).

Bonitur

Die Überwachung der Standfestigkeit basiert auf einer kontinuierlichen Bonitur der Bestandesdichte, des Entwicklungsstadiums und der Ernährungsbedingungen ab dem frühen Frühjahr. Kritische Kontrollen finden vor allem in den BBCH-Stadien 30 bis 39 (Schossphase) statt, um den Bedarf für den Einsatz von Wachstumsreglern abzuschätzen. Hierbei bewertest du die Triebdichte pro Quadratmeter, die Halmdicke an der Basis sowie die Stickstoffversorgung der Kultur. Zudem solltest du die standortspezifische Lageranfälligkeit der angebauten Sorte und die aktuelle Wetterprognose (insbesondere Starkwind- und Regenereignisse) in deine Entscheidung einbeziehen.

Symptome

Ein Verlust der Standfestigkeit äußert sich im Feld durch das teilweise oder vollständige Umlegen der Kultur, was als "Lager" bezeichnet wird. Beim Halmlager knicken oder biegen sich die Halme im unteren Bereich, während beim Wurzellager die gesamte Kultur mitsamt der Wurzelbasis im feuchten Boden kippt. Sichtbar sind unregelmäßige, flach am Boden liegende Nester oder großflächig flachgedrückte Bestände, oft wellenförmig in Windrichtung ausgerichtet. In Rapsbeständen zeigt sich eine mangelnde Standfestigkeit häufig durch ein starkes Verbiegen der Stängel (S-Form) oder ein vorzeitiges Ineinanderbrechen des Schotendachs.

Integriertes Management

Ein integriertes Management zur Sicherung der Standfestigkeit kombiniert pflanzenbauliche und chemische Maßnahmen. Die Basis bildet die Sortenwahl: Bevorzuge standfeste Sorten mit einer geringen Lagerneigung laut Beschreibender Sortenliste. Eine angepasste Saatstärke verhindert zu dichte, instabile Bestände, während eine bedarfsgerechte, in Teilgaben aufgeteilte Stickstoffdüngung das übermäßige Längenwachstum begrenzt. Chemisch wird die Standfestigkeit durch den gezielten Einsatz von Wachstumsreglern (z. B. Wirkstoffe wie Chlormequat-chlorid, Mepiquat-chlorid, Trinexapac-ethyl oder Prohexadion-Calcium) in den BBCH-Stadien 30 bis 39 gesichert. Diese Wirkstoffe hemmen die Biosynthese von Gibberellinen, verkürzen die Internodien und stärken die Halmwand, um die mechanische Belastbarkeit zu erhöhen.

Wirtspflanzen

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Häufige Fragen

Wie beeinflusst eine späte Stickstoffgabe die Standfestigkeit deiner Kulturen?

Eine späte Stickstoffgabe (z. B. zur Qualitätsförderung beim Backweizen in BBCH 51) hat meist einen geringeren Einfluss auf das Halmlager als frühe Gaben in BBCH 25–32. Frühe Gaben fördern die Bestockung und das Längenwachstum der unteren Internodien, was die Halme instabil macht. Dennoch solltest du späte Gaben präzise dosieren, um ein Übergewicht des Ähren- und Schotendachs zu vermeiden.

Darfst du Wachstumsregler bei Trockenheit oder Frostgefahr anwenden?

Nein, vermeide Anwendungen unter Stressbedingungen wie extremer Trockenheit, Hitze oder Nachtfrostgefahr. Die Kulturen können die Wirkstoffe dann nicht optimal metabolisieren, was zu schweren phytotoxischen Schäden, Wachstumsstockungen und paradoxerweise zu einer Schwächung der Standfestigkeit führen kann. Optimal sind wüchsige Bedingungen mit ausreichender Bodenfeuchtigkeit.

Welchen Einfluss hat die Bodenbearbeitung auf das Risiko von Wurzellager?

Eine tiefe, lockere Bodenbearbeitung ohne ausreichende Rückverfestigung kann das Risiko für Wurzellager erhöhen, da die Wurzeln im lockeren, wassergesättigten Boden weniger Halt finden. Konservierende Bodenbearbeitung oder Direktsaat fördern hingegen eine stabilere Bodenstruktur und ein kompakteres, weit verzweigtes Wurzelsystem, was die Standfestigkeit verbessert.

Wie findest du im Pflanzenschutz-Hub die passenden Pflanzenschutzmittel zur Regulierung der Standfestigkeit?

Nutze im Hub die Filterfunktion für die jeweilige Kultur (z. B. Winterweizen oder Winterraps) und wähle als Verwendungszweck bzw. Indikation "Wachstumsregulierung" oder "Halmverkürzung". Achte bei den gelisteten Pflanzenschutzmitteln besonders auf die zugelassenen BBCH-Stadien und die temperaturabhängigen Anwendungshinweise der Wirkstoffe.

Gibt es Unterschiede in der Standfestigkeit zwischen Winter- und Sommergerste?

Ja, Wintergerste hat aufgrund ihrer längeren Vegetationszeit, der höheren Bestockungsfähigkeit und des schwereren Ährenpakets ein deutlich höheres Lagerrisiko als Sommergerste. Bei Wintergerste ist der Einsatz von Wachstumsreglern in BBCH 31–32 und oft nochmals in BBCH 37–49 Standard, während bei Sommergerste meist eine einmalige, reduzierte Aufwandmenge ausreicht.

Wie wirkt sich der Befall mit Halmbruch (Pseudocercosporella herpotrichoides) auf die Standfestigkeit aus?

Halmbruch schädigt das Gewebe an der Halmbasis massiv und zerstört die mechanische Stabilität der Kultur von innen heraus. Dies führt zu unkontrolliertem "Wirrlager", das auch durch den Einsatz von reinen Wachstumsreglern nicht verhindert werden kann. In solchen Fällen musst du die Standfestigkeit durch eine Kombination aus Fungiziden gegen Halmbruch und Wachstumsreglern sichern.