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Kultur

Schmalblättriger Doppelsame

Diplotaxis tenuifolia
DIPTE

Die Wilde Rauke (Diplotaxis tenuifolia, EPPO-Code: DIPTE) hat sich in den letzten Jahrzehnten von einer regionalen Spezialität zu einer der bedeutendsten Kulturen im Segment der Fresh-Cut-Salate entwickelt. Im Erwerbsanbau wird diese mehrjährige, aber meist ein- oder zweijährig kultivierte Kultur aus der Familie der Kreuzblütler (Brassicaceae) wegen ihres intensiv nussig-scharfen Geschmacks geschätzt. Der charakteristische Geschmack resultiert aus einem hohen Gehalt an Senfölglykosiden (Glucosinolaten), die der Kultur gleichzeitig als natürlicher Abwehrmechanismus gegen diverse Schaderreger dienen.

Die Kultur stellt hohe Anforderungen an die Bodenstruktur und eine gleichmäßige Wasserversorgung, um ein zügiges, ungestörtes Wachstum zu gewährleisten. Da im professionellen Anbau meist mehrere Schnitte pro Aussaat durchgeführt werden, sind eine präzise Nährstoffnachlieferung und ein konsequentes Hygienemanagement auf den Flächen unerlässlich. Aufgrund der kurzen Entwicklungszyklen und der dichten Bestände im Beet-Anbau ist die Kultur besonders anfällig für bodenbürtige Pilze und Blattkrankheiten, was den integrierten Pflanzenschutz vor logistische Herausforderungen stellt.

Aussaat-/Pflanzzeitraum
März bis September
Erntefenster
Mai bis November
Reihenabstand
15–20 cm
Typischer Ertrag
10–20 t/ha
Wärmesumme (GDD)
1200–1400
Boden-pH
6,0–7,2

Bodenmanagement

Die Wilde Rauke bevorzugt tiefgründige, humose und gut strukturierte Sand- bis Lehmböden mit einer gleichmäßigen Wasserführung. Ein optimaler pH-Wert liegt im schwach sauren bis neutralen Bereich, da extreme Werte die Verfügbarkeit von Mikronährstoffen einschränken und die Anfälligkeit für bodenbürtige Schaderreger erhöhen. Vor der Aussaat ist ein feinkrümeliges, gut rückverfestigtes Saatbett herzustellen, um einen gleichmäßigen Feldaufgang der sehr feinen Samen zu sichern. Die Stickstoffdüngung muss exakt auf die geplanten Schnittfolgen abgestimmt werden; eine übermäßige N-Gabe führt zu weichem Gewebe, erhöhtem Nitratgehalt in den Blättern und einer gesteigerten Anfälligkeit für Pilzinfektionen. Nach jedem Schnitt ist eine leichte, schnell wirksame Stickstoffgabe in Kombination mit einer bedarfsgerechten Beregnung ratsam, um den Neuaustrieb zu stimulieren.

Schaderreger-Management

Der Pflanzenschutz bei Diplotaxis tenuifolia wird maßgeblich durch die kurzen Kulturzeiten und die strengen Rückstandshöchstmengen für Fresh-Cut-Produkte limitiert. Zu den bedeutendsten Schaderregern im mitteleuropäischen Anbau gehören der Falsche Mehltau sowie bodenbürtige Pilze wie Sclerotinia sclerotiorum und Botrytis cinerea, die besonders bei feucht-warmer Witterung und dichten Beständen Ernteverluste verursachen. Vorbeugende Maßnahmen wie weite Fruchtfolgen (Vermeidung von Kreuzblütlern als Vorfrüchte), optimierte Reihenabstände zur besseren Durchlüftung und eine bedarfsgerechte Tröpfchenbewässerung stehen im Vordergrund. Gegen tierische Schädlinge, insbesondere Erdflöhe (Phyllotreta-Arten) und die Kohlmotte, hat sich der frühzeitige Einsatz von Kulturschutznetzen als mechanische Barriere bewährt. Chemische Pflanzenschutzmittel dürfen nur sehr gezielt und unter strenger Beachtung der Wartezeiten eingesetzt werden, wobei biologische Präparate auf Basis von Bacillus amyloliquefaciens im integrierten Anbau an Bedeutung gewinnen.

Sorten

Grazia

mittelfrüh bis spät

Sehr hoher, gleichmäßiger Ertrag über 3 bis 4 Schnitte.

Resistent gegen: Schossen

Anfällig für: Falscher Mehltau

Sehr schossfeste Selektion mit dunkelgrünen, fein gezahnten Blättern. Ideal für den Sommeranbau geeignet.

Bellezia

mittelfrüh

Hoher Ertrag mit exzellenter Blattqualität auch im späten Herbst.

Resistent gegen: Falscher Mehltau

Anfällig für: Erdflöhe

Aufrecht wachsende Sorte, die sich besonders leicht maschinell ernten lässt. Zeigt eine hervorragende Feldtoleranz.

Pronto

früh

Sehr hoher Erstertrag, regeneriert sich nach dem Schnitt etwas langsamer.

Resistent gegen: Kälte

Anfällig für: Schossen, Falscher Mehltau

Sehr raschwüchsige Sorte für den frühen Freilandanbau und die Unterglaskultur im Winter.

Tricia

mittelfrüh

Konstant hohe Erträge über mehrere Schnitte hinweg.

Resistent gegen: Falscher Mehltau, Gelbwelke

Anfällig für: Sclerotinia

Feingezahnte, feste Blätter mit sehr guter Haltbarkeit nach der Ernte (Shelf-Life). Beliebt im professionellen Fresh-Cut-Anbau.

Wichtige Schaderreger

Zugelassene Pflanzenschutzmittel

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Häufige Fragen

Wie lässt sich das Risiko von Nitratakkumulationen in den Blättern der Wilden Rauke minimieren?

Da Diplotaxis tenuifolia als Kreuzblütler stark zur Nitratspeicherung neigt, sollte die Stickstoffdüngung streng bedarfsgerecht und fraktioniert erfolgen. Zudem empfiehlt es sich, die Ernte an sonnigen Tagen erst am Nachmittag durchzuführen, da die Kultur unter Lichteinfluss Nitrat mithilfe des Enzyms Nitratreduktase aktiv in Aminosäuren umwandelt, was den Nitratgehalt im Erntegut signifikant senkt.

Welche Rolle spielt das BBCH-Stadium bei der Terminierung des ersten Schnitts?

Der optimale Erntezeitpunkt für den ersten Schnitt liegt im BBCH-Stadium 41 bis 45 (10 % bis 50 % der sortentypischen Blattmasse erreicht), bevor die Streckung des Blütenstängels (BBCH 51) einsetzt. Sobald die Kultur in die generative Phase übergeht, verholzen die Blattstiele und der Gehalt an Bitterstoffen steigt so stark an, dass die Ware für den Fresh-Cut-Markt unverkäuflich wird.

Wie kann die Ausbreitung von Sclerotinia-Arten im intensiven Beet-Anbau verhindert werden?

Neben einer mindestens dreijährigen Fruchtfolgepause zu anderen Wirtspflanzen wie Raps, Salat oder Leguminosen ist die Regulierung der Bodenfeuchte entscheidend. Eine Tröpfchenbewässerung anstelle von Überkopfberegnung hält das Laub trocken und minimiert das Keimen der Sclerotinia-Sklerotien an der Bodenoberfläche; zudem kann der Einsatz von nützlichen Bodenpilzen (Coniothyrium minitans) vor der Aussaat den Infektionsdruck senken.

Warum ist die Regulierung von Erdflöhen unmittelbar nach dem Auflaufen (BBCH 09–12) so kritisch?

Keimlinge und junge Laubblätter im BBCH-Stadium 09 bis 12 besitzen noch keine ausgeprägte Wachsschicht und sind extrem empfindlich gegenüber dem Lochfraß der Erdflöhe (Phyllotreta spp.). Ein starker Befall in dieser Phase führt nicht nur zu photosynthetischen Einbußen und Wachstumsverzögerungen, sondern kann durch die mechanische Beschädigung der Keimblätter zum Totalausfall der jungen Kultur führen.

Wie finde ich im agronomy.farmable.tech-Portal gezielt zugelassene Pflanzenschutzmittel gegen Falsche Mehltaupilze für diese Kultur?

Navigieren Sie im Portal zum Bereich "Pflanzenschutzmittel" und filtern Sie nach der Kultur "Wilde Rauke" (Diplotaxis tenuifolia) sowie dem Schaderreger "Falscher Mehltau". Achten Sie bei den Suchergebnissen besonders auf die ausgewiesenen Wartezeiten (PHI) und die maximal zulässige Anzahl an Anwendungen pro Saison, um Rückstandsüberschreitungen bei Mehrfachschnitten zu vermeiden.