Alle Kulturen
Kultur

Serradella

Ornithopus sativus
OROSA

Serradella (Ornithopus sativus, EPPO-Code: OROSA), auch als Großer Vogelfuß bekannt, ist eine einjährige, krautige Leguminose, die in der mitteleuropäischen Landwirtschaft vor allem als wertvolle Zwischenfrucht, Gründüngung oder Futterpflanze geschätzt wird. Die Kultur zeichnet sich durch eine ausgeprägte Toleranz gegenüber sauren, sandigen und nährstoffarmen Böden aus, auf denen andere Leguminosen wie Klee oder Luzerne oft versagen. Durch die Symbiose mit Knöllchenbakterien (Rhizobien) ist sie in der Lage, beträchtliche Mengen an atmosphärischem Stickstoff zu fixieren und im Boden anzureichern.

Neben der Stickstofffixierung leistet die Kultur einen hervorragenden Beitrag zur Bodenstrukturierung. Ihr tiefreichendes, fein verzweigtes Wurzelsystem erschließt tiefe Bodenschichten, verbessert die Wasserinfiltration und schützt den Boden effektiv vor Erosion. Da Serradella eine langsame Jugendentwicklung aufweist, profitiert sie von einer sauberen Saatbettbereitung, schließt den Bestand im späteren Verlauf jedoch dicht ab und unterdrückt auflaufende Unkräuter wirksam.

In der landwirtschaftlichen Praxis wird Ornithopus sativus entweder als Reinsaat oder in Mischungen (z. B. im Landsberger Gemenge oder mit Einjährigem Weidelgras) angebaut. Die Nutzung erfolgt meist als Grünfutter, Silage oder durch Einarbeitung im Frühjahr als Gründüngung zur Humusanreicherung. Aufgrund ihrer Frostempfindlichkeit friert die Kultur in normalen mitteleuropäischen Wintern zuverlässig ab, was die pfluglose Folgesaat im Frühjahr erheblich erleichtert.

Aussaat-/Pflanzzeitraum
Mitte April bis Ende Mai (Hauptfrucht) oder Ende Juli bis Mitte August (Zwischenfrucht)
Erntefenster
September bis November (Futternutzung/Gründüngung) oder Juli bis August (Samenreife)
Reihenabstand
12–15 cm
Typischer Ertrag
15–40 dt/ha
Wärmesumme (GDD)
1450
Boden-pH
4,5–6,0

Bodenmanagement

Serradella stellt extrem geringe Ansprüche an den Boden und gedeiht hervorragend auf leichten, sandigen Substraten mit niedrigem pH-Wert, während schwere, tonige oder kalkreiche Böden ungeeignet sind. Die Saatbettbereitung sollte sorgfältig und rückverfestigt erfolgen, da das feine Saatgut eine flache Ablagetiefe von nur 1–2 cm erfordert, um einen gleichmäßigen Feldaufgang zu sichern. Eine ausreichende Bodenfeuchte im Keimzeitraum ist kritisch, weshalb nach der Aussaat das Anwalzen des Bodens dringend empfohlen wird. Da die Kultur sehr empfindlich auf Staunässe reagiert, ist auf gut drainierte Flächen ohne Verdichtungszonen zu achten. Eine gezielte Stickstoffdüngung ist aufgrund der Symbiose mit Knöllchenbakterien (Rhizobium lupini) nicht erforderlich; bei Erstanzubau auf einer Fläche kann jedoch eine Impfung des Saatguts mit passenden Rhizobienstämmen den Ertrag und die Stickstofffixierung signifikant steigern.

Schaderreger-Management

Aufgrund ihrer Robustheit wird Serradella im mitteleuropäischen Anbau selten von spezifischen Krankheiten oder Schädlingen in schadschwellenrelevanter Stärke befallen. Das größte pflanzenbauliche Problem stellt die langsame Jugendentwicklung dar, die die Kultur anfällig für die Konkurrenz durch Ungräser wie die Gemeine Quecke (Elymus repens) oder den Windhalm (Apera spica-venti) macht. Ein mechanisches Striegeln im frühen BBCH-Stadium ist aufgrund der feinen Wurzeln nur sehr vorsichtig durchzuführen, weshalb eine saubere Vorfrucht und ein unkrautfreies Saatbett die wichtigsten präventiven Maßnahmen darstellen. Falls chemische Pflanzenschutzmittel erforderlich werden, müssen die aktuellen Zulassungen für Leguminosen beachtet werden, wobei insbesondere Gräserherbizide gegen ausdauernde Ungräser selektiv eingesetzt werden können. Bei feucht-warmer Witterung im Spätsommer kann vereinzelt Mehltau auftreten, der jedoch bei einer Nutzung als Gründüngung meist keine gezielte Behandlung erfordert.

Sorten

Sera

Mittelfrüh

Sehr hoher Grünmasseertrag und exzellente Proteingehalte bei früher Nutzung.

Resistent gegen: Trockenstress, Bodenazidität

Anfällig für: Staunässe, Mehltau

Eine bewährte, raschwüchsige Sorte mit hoher Trockenheitstoleranz, die sich hervorragend für den Zwischenfruchtanbau und zur Futternutzung eignet.

Ereka

Mittelspät

Hohe Trockenmasseerträge, besonders stark in der herbstlichen Entwicklung.

Resistent gegen: Spätfröste, Anthraknose

Anfällig für: Kalkböden, Spinnmilben

Zeichnet sich durch eine sehr gute Bodenbedeckung und ein tiefes Wurzelsystem aus. Ideal zur Gründüngung und Stickstoffkonservierung über Winter.

Nadar

Früh

Gute Samenerträge und rasche Anfangsentwicklung.

Resistent gegen: Frühjahrstrockenheit

Anfällig für: Spätfröste, Wurzelfäule

Frühreife Sorte, die sich besonders gut für die Samengewinnung oder als sehr frühe Zwischenfrucht nach Getreide eignet.

Pintada

Mittelfrüh

Ausgewogene Erträge an Grün- und Trockenmasse.

Resistent gegen: Blattfleckenkrankheiten

Anfällig für: Staunässe, Gemeine Quecke

Sehr anpassungsfähige Sorte mit feinem Stängelaufbau, die sich hervorragend für Gemengepartner wie Einjähriges Weidelgras eignet.

Wichtige Schaderreger

Zugelassene Pflanzenschutzmittel

Alle Anwendungen ansehen

Häufige Fragen

Warum ist die Beimpfung des Saatguts mit Rhizobien bei Serradella oft ratsam?

Serradella benötigt für eine effektive Stickstofffixierung spezifische Knöllchenbakterien der Art Rhizobium lupini. Da diese Bakterien auf typischen Ackerböden, auf denen zuvor keine Serradella oder Lupinen angebaut wurden, nicht in ausreichender Zahl vorkommen, sichert eine gezielte Impfung des Saatguts (Inokulation) vor der Aussaat die schnelle Knöllchenbildung und damit die Stickstoffleistung der Kultur.

Wie reagiert Serradella auf kalkhaltige Böden mit hohem pH-Wert?

Serradella ist extrem kalkempfindlich (calcifug). Auf Böden mit einem pH-Wert über 6,5 oder hohem freien Kalkgehalt kommt es rasch zu Eisen- und Manganmangel (Kalkchlorose), erkennbar an gelblichen Verfärbungen der jüngeren Blätter, gefolgt von starkem Kümmerwuchs. Für kalkreiche Standorte sollten daher andere Leguminosen wie Luzerne oder Rotklee bevorzugt werden.

Ab welchem BBCH-Stadium ist die Konkurrenz durch Unkräuter besonders kritisch?

Die kritischste Phase liegt zwischen dem Auflaufen (BBCH 09) und der frühen Blattentwicklung (BBCH 13 bis 15). Da Serradella in den ersten Wochen sehr langsam wächst, können schnellwüchsige Unkräuter und Ungräser wie der Windhalm die Kultur leicht überwachsen. Sobald die Kultur das Stadium der Verzweigung (BBCH 21) erreicht, verbessert sich die Bodenbedeckung und die Konkurrenzkraft steigt deutlich an.

Kann Serradella im Frühjahr direkt nach einer winterlichen Zwischenfruchtnutzung pfluglos nachgesät werden?

Ja, das ist einer der großen Vorteile dieser Kultur. Da Serradella nicht winterhart ist und bei Temperaturen unter -5 °C zuverlässig abfriert, hinterlässt sie im Frühjahr eine mürbe, leicht zu bearbeitende Mulchauflage. Folgekulturen können meist direkt im Direktsaat- oder Schlitzverfahren ohne vorherigen Pflugeinsatz etabliert werden, was den Boden schont und Wasser spart.

Welche Rolle spielen Gräserherbizide beim Anbau von Serradella?

Da Serradella als zweikeimblättrige Leguminose empfindlich auf viele Breitbandherbizide reagiert, ist die chemische Unkrautbekämpfung eingeschränkt. Gegen Schadgräser wie die Gemeine Quecke (Elymus repens) oder Lolium-Arten können jedoch selektive Gräserherbizide (Graminizide) im Nachauflauf sehr sicher und verträglich eingesetzt werden, um den Bestand sauber zu halten.

Wie finde ich aktuell zugelassene Pflanzenschutzmittel für Serradella im Portal?

Da Serradella oft unter die Kategorie 'Futterleguminosen' oder 'Ackerbohnen/Wicken' fällt, sollten Sie im Portal gezielt nach Anwendungen suchen, die für diese Obergruppen registriert sind. Achten Sie dabei stets auf die spezifischen Indikationen, die zugelassene Aufwandmenge sowie die für Futter- oder Gründüngungsnutzung vorgeschriebene Wartezeit (PHI).