Serradella
Serradella (Ornithopus sativus, EPPO-Code: OROSA), auch bekannt als Großer Vogelfuß, ist eine wertvolle, einjährige Leguminose, die sich hervorragend als Futterpflanze, Gründüngung oder Zwischenfrucht eignet. Diese Kultur zeichnet sich durch eine bemerkenswerte Toleranz gegenüber sauren, nährstoffarmen Sandböden aus, auf denen andere Leguminosen wie Klee oder Luzerne kaum noch wirtschaftliche Erträge liefern. Dank ihrer tiefreichenden Pfahlwurzel erschließt sie tiefe Bodenschichten, verbessert die Bodenstruktur nachhaltig und hinterlässt eine hervorragende Gare.
Als stickstofffixierende Kultur lebt Serradella in Symbiose mit Knöllchenbakterien (Rhizobien), wodurch sie den Boden natürlich mit Stickstoff anreichert und nachfolgenden Kulturen in der Fruchtfolge optimale Startbedingungen bietet. Die feinen, gefiederten Blätter und die charakteristischen, vogelfußähnlichen Hülsenfrüchte machen sie auch optisch leicht erkennbar. In der modernen Landwirtschaft gewinnt sie besonders im ökologischen Landbau und auf Grenzertragsstandorten als bodenverbessernde Zwischenfrucht zunehmend an Bedeutung.
Bodenmanagement
Serradella stellt extrem geringe Ansprüche an den Boden und gedeiht besonders gut auf leichten, sandigen und kalkarmen Standorten, während schwere, nasse oder kalkreiche Böden ungeeignet sind. Für eine erfolgreiche Etablierung solltest du ein feinkrümeliges, gut rückverfestigtes Saatbett vorbereiten, um den feinen Samen einen optimalen Bodenschluss zu garantieren. Da die Kultur sehr empfindlich auf freie Kalkmengen reagiert, solltest du Kalkungen in der Fruchtfolge weit vor dem Anbau einplanen. Eine gezielte Phosphor- und Kalidüngung im Frühjahr unterstützt die Wurzelentwicklung und fördert die Aktivität der Knöllchenbakterien. Achte darauf, Staunässe unbedingt zu vermeiden, da diese die Wurzelgesundheit und die Symbioseleistung massiv beeinträchtigt.
Schaderreger-Management
Im Vergleich zu anderen Leguminosen gilt Serradella als relativ robust gegenüber Schaderregern, erfordert jedoch in der Jugendphase besondere Aufmerksamkeit. Ein kritischer Faktor ist die langsame Jugendentwicklung, weshalb eine effektive Unkrautregulierung – mechanisch durch Striegeln im frühen BBCH-Stadium oder durch gezielte Pflanzenschutzmittel – entscheidend ist, um die Konkurrenz durch Ungräser wie die Gemeine Quecke (Elymus repens) oder den Windhalm (Apera spica-venti) zu minimieren. Gegen pilzliche Schaderreger wie Anthraknose oder echten Mehltau helfen vor allem weite Fruchtfolgestellungen von mindestens 4 bis 5 Jahren zu anderen Leguminosen. Bei starkem Schädlingsdruck, beispielsweise durch Blattrandkäfer im Frühjahr, solltest du die Bestände regelmäßig kontrollieren, um bei Erreichen der Schadschwellen rechtzeitig reagieren zu können.
Sorten
Sera
MittelfrühHoher Trockenmasseertrag bei gutem Rohproteingehalt.
Resistent gegen: Trockenheit
Anfällig für: Anthraknose, Staunässe
Bewährte, diploide Sorte mit gleichmäßigem Wuchs und guter Standfestigkeit. Sehr gut für den Zwischenfruchtanbau geeignet.
Nadar
Früh bis mittelfrühSehr gute Grünmasseerträge im Zwischenfruchtanbau.
Resistent gegen: Spätfrost
Anfällig für: Echter Mehltau
Frohwüchsige Sorte mit rascher Bodenbedeckung in der Jugendphase, ideal zur Unkrautunterdrückung.
Ebena
MittelspätÜberdurchschnittliche Proteinerträge bei späterer Nutzung.
Resistent gegen: Anthraknose
Anfällig für: Kalkreiche Böden
Blattreiche Sorte mit hoher Futterqualität und guter Schmackhaftigkeit für das Vieh.
Maja
MittelfrühStabile Erträge auch unter suboptimalen Witterungsbedingungen.
Resistent gegen: Trockenstress
Anfällig für: Anthraknose
Robuste Sorte mit hervorragender Eignung für leichte Sandböden und raue Lagen.
Wichtige Schaderreger
Zugelassene Pflanzenschutzmittel
Häufige Fragen
Warum reagiert Serradella so empfindlich auf Kalkungen und wie gehst du damit um?
Serradella ist eine streng kalkmeidende Kultur (azidophil). Ein hoher pH-Wert oder frischer Kalk im Boden stört die Nährstoffaufnahme (insbesondere von Eisen und Mangan) und beeinträchtigt die Symbiose mit den Knöllchenbakterien massiv. Du solltest daher Kalkungsmaßnahmen mindestens zwei bis drei Jahre vor dem Anbau dieser Kultur durchführen und Flächen mit einem pH-Wert über 6,0 meiden.
Wie kannst du die langsame Jugendentwicklung der Kultur im Feld am besten überbrücken?
Da Serradella in den ersten Wochen nach der Keimung langsam wächst, ist sie stark unkrautgefährdet. Du kannst dem entgegenwirken, indem du sie in Mischungen mit schnellwachsenden Partnern wie einjährigem Weidelgras oder Sandhafer anbaust. Im Reinbestand hilft ein präzises, mechanisches Striegeln im frühen BBCH-Stadium (BBCH 12–14), solange die Kulturpflanzen gut im Boden verankert sind.
Welche Rolle spielen Knöllchenbakterien bei Serradella und ist eine Impfung des Saatguts notwendig?
Serradella bindet Luftstickstoff mithilfe spezifischer Rhizobien (Bradyrhizobium-Stämme). Wenn auf der Zielfläche noch nie oder seit vielen Jahren keine Serradella angebaut wurde, sind diese Bakterien oft nicht in ausreichender Zahl im Boden vorhanden. In diesem Fall solltest du das Saatgut vor der Aussaat unbedingt mit einem passenden Impfpräparat (Inokulum) behandeln, um die Knöllchenbildung und somit die Stickstofffixierung abzusichern.
Wann ist der optimale Zeitpunkt für den Umbruch der Kultur als Gründüngung?
Um den maximalen Stickstoff- und Humuseffekt zu erzielen, solltest du die Kultur idealerweise während oder kurz nach der Hauptblüte (BBCH 65–69) umbrechen. Zu diesem Zeitpunkt ist die Biomassebildung am höchsten und das C/N-Verhältnis optimal für eine rasche Mineralisierung im Boden. Bei einer Nutzung als abfrierende Zwischenfrucht kannst du den Bestand auch über Winter stehen lassen und im Frühjahr flach einarbeiten.
Wie finde ich im Portal zugelassene Pflanzenschutzmittel gegen spezifische Ungräser in Serradella?
Nutze dafür die Suchfunktion in unserem Hub und filtere gezielt nach der Kultur 'Serradella' sowie dem jeweiligen Schaderreger (z. B. Gemeine Quecke oder Windhalm). Achte bei der Auswahl der Pflanzenschutzmittel penibel auf die registrierten Anwendungsbestimmungen, die zulässigen BBCH-Stadien der Kultur und die vorgeschriebene Wartezeit bis zur eventuellen Nutzung als Futtermittel.