Spitzkohl
Spitzkohl (Brassica oleracea var. capitata f. conica, EPPO-Code: BRSON) ist eine besonders zarte und frühreife Form des Kopfkohls, die sich durch ihre charakteristische, kegelförmige Kopfbildung auszeichnet. Im Vergleich zum klassischen Weißkohl weist diese Kultur eine deutlich kürzere Entwicklungszeit auf und besitzt feinere, locker geschichtete Blätter mit einem milden, leicht süßlichen Aroma. Dies macht sie zu einer beliebten Spezialität im mitteleuropäischen Erwerbsgemüsebau, stellt jedoch auch spezifische Anforderungen an die Ernte- und Logistikkette, da die Köpfe druckempfindlicher sind.
Der Anbau erfolgt sowohl im frühen Freiland unter Vlies oder Lochfolie als auch im Sommer- und Herbstanbau. Aufgrund des schnellen Wachstums ist eine präzise Steuerung der Nährstoff- und Wasserversorgung entscheidend, um ein Platzen der Köpfe kurz vor der Ernte zu verhindern. Die Kultur reagiert empfindlich auf anhaltende Trockenheit sowie auf Staunässe, weshalb gut strukturierte, humusreiche Böden mit gleichmäßigem Wasseranschluss für den Anbauerfolg maßgeblich sind.
Bodenmanagement
Für den erfolgreichen Anbau dieser Kultur sind tiefgründige, mittelschwere Lehmböden mit einer stabilen Humusversorgung ideal. Du solltest auf eine gleichmäßige Wasserverfügbarkeit achten, da unregelmäßige Feuchtigkeit zu Wachstumsstockungen und später zum Platzen der empfindlichen Köpfe führt. Eine gezielte Kalkung zur Stabilisierung des pH-Werts im neutralen bis leicht alkalischen Bereich ist eine der wichtigsten vorbeugenden Maßnahmen gegen Kohlhernie. Die Grunddüngung sollte auf Basis von Bodenanalysen erfolgen, wobei der Stickstoffbedarf aufgrund der kurzen Kulturzeit präzise und vorzugsweise in zwei Gaben aufgeteilt ausgebracht werden muss, um Nitratauswaschungen zu minimieren.
Schaderreger-Management
Im Pflanzenschutz dieser Kultur stehen die Vorbeugung und die regelmäßige Befallsüberwachung im Vordergrund. Zu den bedeutendsten Schaderregern gehören die Kohlfliege, der Erdfloh sowie pilzliche Erreger wie die Ringfleckigkeit (Neopseudocercosporella brassicae). Du solltest Kulturschutznetze direkt nach der Pflanzung auflegen, um Schadinsekten mechanisch fernzuhalten und den Einsatz chemischer Pflanzenschutzmittel zu reduzieren. Beim Auftreten von Pilzkrankheiten ist auf eine rechtzeitige Behandlung mit zugelassenen Fungiziden zu achten, wobei du die jeweilige Wartezeit und das BBCH-Stadium strikt einhalten musst. Eine weite Fruchtfolge von mindestens vier Jahren zu anderen Kreuzblütlern ist zwingend erforderlich, um bodenbürtige Schaderreger effektiv zu unterdrücken.
Sorten
Caraflex F1
Früh bis mittelfrüh (ca. 70–75 Tage nach Pflanzung)Hoher Anteil an vermarktungsfähiger Rohware durch extrem hohe Uniformität.
Resistent gegen: Fusarium-Welke
Anfällig für: Kohlhernie
Sehr gleichmäßiger, spitzer Kopf mit hervorragendem, süßem Geschmack. Sehr gut für den Frischmarkt geeignet.
Filderkraut
Spät (ca. 100–110 Tage nach Pflanzung)Sehr hoher Ertrag pro Einzelkopf, erfordert jedoch einen größeren Standraum im Feld.
Anfällig für: Kohlhernie, Platzempfindlichkeit
Traditionelle, sehr großwüchsige Landsorte von den Fildern. Hervorragend geeignet für die Sauerkrautherstellung und den Herbstanbau.
Express
Sehr früh (ca. 55–60 Tage nach Pflanzung)Mäßiger Gesamtertrag, aber hohe Erlöse durch das sehr frühe Erntefenster.
Anfällig für: Schossneigung, Kohlhernie
Klassische, sehr frühe Sorte für den ersten Freilandanbau unter Vlies. Bildet relativ kleine, aber feste Köpfe.
Tourima F1
Mittelfrüh (ca. 80–85 Tage nach Pflanzung)Konstant hoher Ertrag auch unter wechselnden Sommerbedingungen.
Resistent gegen: Echter Mehltau
Anfällig für: Kohlhernie, Thripse
Robuste Hybridsorte mit guter Feldhaltbarkeit. Die Köpfe sind fest geschlossen und lassen sich gut verpacken.
Wichtige Schaderreger
Zugelassene Pflanzenschutzmittel
Häufige Fragen
Wie verhinderst du das gefürchtete Platzen der Köpfe kurz vor der Ernte?
Das Platzen wird meist durch plötzliche, hohe Wassergaben nach einer Trockenperiode ausgelöst. Du verhinderst dies durch eine kontinuierliche, bedarfsgerechte Zusatzbewässerung und eine ausgewogene Stickstoffdüngung. Sobald die Köpfe ihre typische Festigkeit erreicht haben, solltest du die Wassergaben reduzieren und zügig mit der Ernte beginnen.
Welche Rolle spielt das BBCH-Stadium bei der Bekämpfung der Kohlfliege?
Besonders kritisch ist die Phase direkt nach dem Pflanzen (BBCH-Stadium 12 bis 19). In diesem frühen Stadium kann der Befall mit Larven zum Totalausfall führen. Du solltest Behandlungen oder das Auflegen von Schutznetzen zwingend vor Erreichen des BBCH-Stadiums 30 abschließen, da spätere Anwendungen die Schaderreger im Wurzelbereich nicht mehr effektiv erreichen.
Wie kannst du die Ringfleckigkeit (Neopseudocercosporella brassicae) im Feld sicher diagnostizieren?
Achte auf kreisrunde, graubraune Flecken mit einem dunklen Rand auf den älteren, bodennahen Blättern. Im fortgeschrittenen Stadium zeigt sich bei feuchter Witterung ein zarter, weißlicher Sporenbelag. Da dieser Pilz feuchtkühles Wetter bevorzugt, solltest du deine Bestände besonders im Herbst nach langanhaltenden Regenfällen engmaschig kontrollieren.
Warum ist die Einhaltung der Wartezeit bei Spitzkohl kritischer als bei spätem Weißkohl?
Da Spitzkohl oft frisch als Salat oder Kurzgegartes vermarktet wird und die Köpfe lockerer geschichtet sind, dringen Pflanzenschutzmittel leichter in die inneren Blattschichten ein. Du musst die auf dem Etikett ausgewiesene Wartezeit exakt einhalten, um Rückstände im Erntegut absolut auszuschließen.
Wie findest du auf agronomy.farmable.tech die passenden Pflanzenschutzmittel für diese Kultur?
Nutze die Suchfunktion im Hub und filtere gezielt nach der Kultur 'Spitzkohl' oder dem EPPO-Code 'BRSON'. Du kannst die Ergebnisse nach Schaderregern wie der Ringfleckigkeit filtern, um alle aktuell in deinem Land zugelassenen Anwendungen inklusive Aufwandmenge und Wartezeit direkt einzusehen.
Welche Fruchtfolgemaßnahmen helfen dir, den Druck durch bodenbürtige Schaderreger zu senken?
Du solltest diese Kultur maximal alle vier Jahre auf derselben Fläche anbauen. Vermeide in der Zwischenzeit unbedingt andere Kreuzblütler wie Raps, Senf als Zwischenfrucht oder Radieschen. Integriere stattdessen Getreide, Phacelia oder Leguminosen in deine Fruchtfolge, um den Infektionsdruck im Boden aktiv zu senken.